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Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst: Per 1. Klasse zum Ehrenamt und 300 Euro Sitzungsgeld

Hält die Vergütung der Ehrenamtler für angemessen: Werner Schaub, Vorstand der VG Bild-Kunst
Hält die Vergütung der Ehrenamtler für angemessen: Werner Schaub, Vorstand der VG Bild-Kunst

Scheinbar eindeutige Begriffe meinen manchmal das Gegenteil: Ein Honorarprofessor bezieht in der Regel kein Honorar, sondern lehrt um der Ehre willen. Denn das lateinische Wort „honor“ bedeutet „Ehre“. Ganz anders die Lage bei den Verwertungsgesellschaften VG Wort und VG Bild-Kunst, wie MEEDIA-Recherchen ergeben haben: Dort erhalten Ehrenamtliche großzügige Vergütungen. Bei der morgigen Mitgliederversammlung der VG Bild-Kunst in Bonn steht das Thema auf der Tagesordnung.

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Von Eckhard Stengel

300 Euro pro Tag: Von solchen Umsätzen können viele freiberufliche Fotografen und Künstlerinnen nur träumen. Wenn sie sich bei der VG Bild-Kunst engagieren (also sozusagen bei der GEMA der Bildurheber), dann ist ihnen dieser Tagessatz sicher, jedenfalls dann, wenn sie dem Verwaltungsrat oder den Fachkommissionen des Vereins angehören und an Sitzungen dieser Gremien teilnehmen. Für jeden Kalendertag erhalten sie 300 Euro Sitzungsgeld – egal, ob ihnen die Teilnahme tatsächlich einen Verdienstausfall beschert oder ob sie weiterhin ein Gehalt aus ihrem Hauptberuf beziehen.

Wer im Verein weiter aufsteigt und einen der ehrenamtlichen Führungsposten übernimmt, verliert zwar den Anspruch auf Sitzungsgelder, bekommt dafür aber eine pauschale Aufwandsentschädigung von 625 Euro im Monat. Das gilt für die drei ehrenamtlichen Mitglieder des vierköpfigen Vorstands und für die Vorsitzenden der drei Berufsgruppen (Kunst, Foto, Film).

Neben Sitzungsgeldern oder Monatsvergütungen zahlt die VG Bild-Kunst auch Reisekosten für die Fahrt zu den Sitzungen, die in der Regel am Vereinssitz Bonn stattfinden. Wer nicht mit dem Auto anreist und dafür die üblichen 30 Cent pro Kilometer erstattet bekommt, darf sich Bahntickets 1. Klasse besorgen. Auch die Anreise per Flugzeug ist erlaubt, dann allerdings nur in der einfachen Economy-Klasse.

Bei der erheblich größeren VG Wort in München werden Ehrenämter ebenfalls vergütet – teils besser, teils schlechter als bei der Schwesterorganisation: Nach Auskunft der Pressereferentin Angelika Schindel beziehen die drei ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder jeden Monat 800 Euro und zusätzlich 200 Euro pro Sitzung. Sitzungsgelder in dieser Höhe fließen auch an die 21 Mitglieder des Verwaltungsrats. Dessen Vorsitzender erhält außerdem 500 Euro im Monat. Für die Anreise per Bahn werden nur Tickets 2. Klasse erstattet.

Es geht auch billiger: Wer sich als Journalist von seiner Gewerkschaft DJV oder dju in den Deutschen Presserat entsenden lässt und dort ehrenamtlich über Leserbeschwerden entscheidet, bekommt nur dann ein bisschen Geld, wenn er oder sie Freiberufler ist und deshalb einen Verdienstausfall hinnehmen muss. Der DJV erstattet in diesen Fällen maximal 125 Euro pro Sitzungstag in Berlin, die dju sogar nur 113,70 Euro. Keine spezielle Vergütung zahlen die Gewerkschaften für herausgehobene Presserats-Funktionen, etwa den Vorsitz eines Beschwerdeausschusses – ein besonders arbeitsintensives Ehrenamt. Von Bahntickets 1. Klasse können die Gewerkschafter ohnehin nur träumen.

Die wesentlich großzügigeren Sätze bei der VG Bild-Kunst gelten schon seit Jahren und wurden immer mal wieder erhöht, wie das ehrenamtliche Vorstandsmitglied Werner Schaub auf MEEDIA-Anfrage berichtet. Festgesetzt wurden sie laut Schaub vom Verwaltungsrat, einem Gremium aus bisher 15 und künftig 18 Ehrenamtlichen, die alle drei Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt werden und die Arbeit des Vorstands überwachen. Am Samstag, 2. Juli, sollen die Vergütungen nun erstmals von der Mitgliederversammlung abgesegnet und in einer eigenen Richtlinie verankert werden. Ob es dabei zu einer größeren Debatte kommen wird, lässt sich bisher nicht absehen.

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Vorstandsmitglied Schaub, zugleich Vorsitzender des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), hält die Aufwandsentschädigungen für absolut nicht übertrieben. Für die 625 Euro pro Monat müsse er „fast täglich“ irgendetwas erledigen. „Manchmal artet das zu einem Fulltimejob aus“, sagt der Künstler aus Neckargemünd bei Heidelberg. Umgerechnet auf die Stunde, sei das weniger als ein Putzkraft-Lohn. Auch VG-Wort-Sprecherin Schindel meint über ihre Ehrenamtlichen: „Das ist ja wahnsinnig viel Arbeit.“

Die 300 Euro Sitzungsgeld für Verwaltungsratsmitglieder der VG Bild-Kunst sind für Schaub ebenfalls „völlig angemessen“, wenn nicht sogar zu wenig. Denn die Verwaltungsräte müssten sich auf die Treffen ja auch vorbereiten und umfangreiche Unterlagen studieren. Das allerdings ist bei den deutlich schlechter gestellten Presseratsmitglieder nicht anders. Sie müssen vor ihren Beschwerdeausschuss-Sitzungen oft weit über tausend Seiten lesen. Ein Einwand, den Schaub aber nicht gelten lässt. Aus seiner Sicht werden nicht die VG-Ehrenamtlichen zu gut, sondern die Presseratsmitglieder zu schlecht honoriert; die Journalisten würden von den entsendenden Gewerkschaften geradezu „ausgebeutet“, meint Schaub.

Wie viel Geld die VG Bild-Kunst insgesamt für ihre ehrenamtlichen Funktionäre ausgibt, kann oder will Verwaltungsdirektor Stefan Barbian nicht sagen. Er möchte die Vergütungssätze auch nicht bewerten, verwahrt sich aber gegen den Eindruck, dass der Verein ein Selbstbedienungsladen wäre. Insgesamt betrugen die Verwaltungskosten der VG Bild-Kunst zuletzt gut 4,6 Prozent der 88 Millionen Euro Jahreseinnahmen – ein sehr niedriger Wert, wie Barbian findet. Schaub ergänzt: Die Aufwandsentschädigungen für die Ehrenamtlichen seien „weniger als Peanuts“, verglichen mit dem Gesamtetat. Ohne solche Zahlungen, fürchtet er, würde es immer schwieriger, überhaupt noch Ehrenamtliche zu finden.

NACHTRAG vom 4.7.2016: Nach der Mitgliederversammlung berichtete Verwaltungsdirektor Barbian auf MEEDIA-Nachfrage, dass die Vergütungsrichtlinie in der vorgelegten Fassung beschlossen wurde. Sie sei zwar diskutiert worden, aber die Mitglieder hätten dabei einheitlich die Meinung vertreten, dass die Vergütungen angemessen seien, weil der Arbeitsaufwand für die Ehrenamtlichen immens sei.

 

MEEDIA-Mitarbeiter Eckhard Stengel, freier Journalist in Bremen, saß von 2004 bis 2015 für die dju im Deutschen Presserat und empfand die 113,70 Euro Verdienstausfall pro Sitzungstag als angemessen, jedenfalls für ein Ehrenamt.

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Alle Kommentare

  1. Der Autor hätte erwähnen sollen, dass er selbst von 2004-2015 Mitglied des Deutschen Presserats war – für die DJU in ver.di. Druckt Meedia eigentlich alles, was nicht bei »drei« auf dem Baum ist? Peinlich…

    1. Danke für die Anregung. Wir haben jetzt einen Hinweis auf die Presseratstätigkeit unseres Autors nachgetragen – die Redaktion

      1. Danke für den Hinweis. Ich darf vielleicht meinerseits als bis Samstag gewesener Vorstand der BG III darauf hinweisen, dass die Tätigkeit sowohl in Verwaltungsrat als auch im Vorstand sich keineswegs auf die Sitzungstage beschränkt.

        Abgesehen von den sehr umfänglichen Materialien, die dafür sowohl in der Vor- als auch in der Nachbearbeitung bewältigt weden müssen, sind sowohl Vorstände wie VW-Mitglieder in dauerndem Kontakt mit der Bild-Kunst, vermitteln in die Berufsverbände hinein, nehmen Anregungen von diesen an, beschäftigen sich mit den politischen wie kulturellen wie sozialen Aspekten ihrer jeweiligen Berufsgruppe. Ich kann gerne mal einen statistischen Überblick über meinen e-mail-Verkehr der letzten Jahre geben, der sich auf die Bild-Kunst bezieht. Und zwar nicht nur die, welche ich bekommen, sondern eben auch die, die ich selbst verfasst habe.

        Für mich kann ich sagen, dass diese Arbeit vom Aufwand und der Zeit in einem Kalenderjahr mindestens dem entspricht, den ich für ein Drehbuch für ein TV-Movie aufwende. D.h. In konkretem Geld ca. 35.000 bis im Falle eines Buyouts sogar 60.000 Euro p.a. Wobei das problematische ist, dass ich in der Zeit eben genau kein Buch schreibe und sozusagen vom Markt weg bin, was in meiner Branche nicht eben förderlich ist – also bitte die Sachen mal ins Verhältnis setzen.

        Übrigens genau der Grund, warum ich nach zwei Amtszeiten die Arbeit an einen großartigen Kollegen abgebe. Was mich als neuer Ex-Vorstand aber wirklich ärgert ist, dass – bei allem Verständnis für ein kritisches Hinterfragen – hier ins Piratenhorn getutet wird und wir in den Geruch kommen, fette ICE-Katzen zu sein, die durchs Land gondeln. Gerade in Zeiten des Vogel-Verfahrens, der Anpassung der Strukturen an das VGG, den permanenten Querschüsse der Geräte- und IT-Industrie gegen uns Urheber, bin ich, ehrlich gesagt, etwas enttäuscht, mich beschrieben zu finden als jemand der sich ein Fettleben leistet.

        Für mich kann ich nur sagen, dass sowohl meine Ehefrau, meine Geschäftspartner wie meine Agentur drei Kreuze machen, dass ich da raus bin und wieder mehr Zeit für meine eigentliche Arbeit habe. Obwohl oder gerade weil diese Arbeit mit den Kollegen großartig war. So. So viel vom iPad – Tippfeher inkludiert.

  2. Als einer der hier indirekt genannten – oder soll ich sagen „angeklagten“ (Vorstand für die BG III – Film – in der VG BildKunst) – eine kurze Antwort: Erstens sind die Aufwandsentschädigungen seit Jahren öffentlich bekannt, da muss man nicht großartig recherchieren. Zweitens ist die Frage nach Tätigkeit während einer angestellten Beschäftigung bei Freiberuflern etwas merkwürdig – ja, natürlich raubt mir die Zeit, die ich im Vorstand tätig bin, effektiv Arbeitszeit die ich für meine berufliche Tätigkeit bräuchte und damit erzeugt sie auch deutliche Verluste.

    Der zu betreibende zeitliche Aufwand steht dabei in keinem Verhältnis zu den Entschädigungen. Und: Glaubt denn irgendwer, dass die Tätigkeit für eine Organisation, die sich für die Rechte von Urhebern einsetzt uns in unserer künstlerischen Tärigkeit gegenüber unseren „Verwertern“ und Auftraggeber Vorteile erbringt? Ich kann versichern, dass das exakte Gegenteil der Fall ist. Zudem geht es nicht nur um Sitzungen, sondern auch um nicht extra bezahlte Reisen um mit der Politik zu reden oder Vertretern unserer Verhandlungspartner oder -gegner.

    Zusätzlich sei daran erinnert, dass wir, anders als in Berufsverbänden, auch ein höheres Haftungsrisiko haben, speziell als Vorstand einer treuhänderischen Gesellschaft. Und 1. Klasse? Nur mit Bahncard 50 selbstverständlich. Dass der Verwaltungskostensatz von 4,6 % nicht nur niedrig ist „wie Barbian findet“, sondern geradezu vorbildlich, würde klar werden, wenn man dazu Vergleichsmaßstäbe heranziehen würde und nicht nur einfach eine Zahl in den Raum stellt und sie gleich in den Geruch der Verschwendung stellt. Von diesem Geld werden primär die Angestellten der BildKunst und bezahlt, die eine hervorragende Arbeit für die Urheber machen und die Betriebskosten finanziert.

  3. Was ist denn das für eine armselige Neid-Debatte? Das ist doch alles vollkommen angemessen! Solchen Ehrenämter sind ja nicht nur das pure Vergnügen. Und die Mitglieder freuen sich jedes Jahr über einen schönen Scheck. In diesem Jahr ist er sogar besonders toll ausgefallen. Statt „Danke“ jetzt kleinliches Nachrechnen. Wer soll sich denn dann noch engagieren? Nur noch wer es ganz für lau macht? Ich finde diesen „Enthüllungs-Geschichte“ echt albern!

  4. oder noch besser mal mit vorstands – und aufsichtsratsentschädigungen vergleichen, oder vorstandsstundenlöhnen oder Fussballer …. dann können sie sich mal aufregen – ok …. das ist doch lächerlich ….

  5. na – dann sollen sie doch fussballkommentator werden, dort erhält man 50.000 Euro pro Tag – davon lässt sich die Anreise individuell gut gestalten ….

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