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238,01 Euro pro „Tagesschau“: Abendblatt verrät die Sprechergehälter von Rakers, Hofer & Co.

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Von den kursierenden Honoraren für Fußball-Experten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen können Nachrichtensprecher offenbar nur träumen: Laut dem Hamburger Abendblatt soll die Sprechertätigkeit in der „Tagesschau“ um 20 Uhr mit 238,01 Euro entlohnt werden, für eine Kurzausgabe sei es noch weniger. Der Grund ist überraschend.

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Sie gehören zu der Speerspitze der berühmten TV-Gesichter, locken tagtäglich ein Millionenpublikum vor die Fernseher – und genießen unter den Zuschauern dementsprechend hohe journalistische Glaubwürdigkeit. Doch die Honorare, die ihre Kollegen von der Fußball-Analyse Mehmet Scholl (ARD) und Oliver Kahn (ZDF) laut Medienberichten kassieren sollen, sind für Nachrichtensprecher im öffentlich-rechtlichen Fernsehen offenbar unerreichbar.

Nach einer Recherche des Hamburger Abendblatt sind sämtliche Sprecherinnen und Sprecher der „Tagesschau“ freie Mitarbeiter. Ihre Honorare richten sich daher nach Zahl, Dauer und Art des Einsatzes. So würde sich für die Sprechertätigkeit in der „Tagesschau“ um 20 Uhr ein Gehalt von 238,01 Euro ergeben, für eine Kurzausgabe (von bis zu vier Minuten) seien es 142,62 Euro. Die ARD bestätigte die Zahlen gegenüber der norddeutschen Tageszeitung.

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Dennoch könne bei den Moderatoren um „Tagesschau“-Chefsprecher Jan Hofer am Monatsende eine Summe von einigen Tausend Euro zusammenkommen. Zum einen, weil die Gemeinschaftsredaktion ARD-aktuell pro Woche bis zu 70 Ausgaben der „Tagesschau“ im Ersten und zusätzlich sämtliche Sendungen des Nachrichtenkanals „tagesschau24“ produziert. Zum anderen, weil die Nachrichtensprecher neben ihrem Engagement für die ARD auch für andere Arbeitgeber tätig werden dürfen. „Grundsätzlich kann man freien Mitarbeitern aus arbeitsrechtlichen Gründen weitere Betätigungen nicht untersagen“, sagt Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell, dem Abendblatt. Doch: „Wir raten unseren freien Mitarbeitern, keine Engagements anzunehmen, die ihre Unabhängigkeit infrage stellen.“ Dazu gehört wohl auch eine fragwürdige Aktion von „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers, die sich im vergangenen Jahr vor einer McDonald’s-Filiale am Frankfurter Flughafen ablichten ließ – und damit im Sender für Aufregung gesorgt haben soll.

Seriöser – und am lukrativsten – seien für die Nachrichtensprecher vier Betätigungsfelder. Das hätten Recherchen der Hamburger Redaktion in Agenturkreisen ergeben. So könnten Engagements für die Industrie, Banken, Versicherungen und die Automobilbranche einen Tages- oder Abendsatz von bis zu 15.000 Euro abwerfen. Am schlechtesten bezahlt sei der Kultursektor, der sich unter den Moderatoren dennoch an hoher Beliebtheit erfreue. Die Genehmigung des Senders sei in der Regel leichter einzuholen, der Spaßfaktor obendrein am höchsten. So könnten etwa Gala-Veranstaltungen, so die Schätzung der Tageszeitung, mit rund 8.000 Euro honoriert werden. Die Fußball-Analysten würden demnach zwar mehr verdienen – viel Geld ist aber so oder so im Spiel.

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Alle Kommentare

  1. Das ist doch der dümmste Artikel aller Zeiten! Die Sprecher sind vor Millionen von Leuten und ein Aushängeschild des ganzen Senders. Das wissen Raakers und Co. und natürlich auch die Sender.
    Die haben also einen extrem hohen Marktwert und können Stundensätze von mehreren tausend Euro fordern.
    Unter 1000 Euro wird sich da keiner vor die Kamera stellen. Und wahrscheinlich lachen die sich tot über die 238 Euro aus der Überschrift.

  2. Hätte, wäre, könnte….gähn. ÖR-Bashing at its best. Sind die kleinen Meedia-Schreiberknechte neidisch auf ein richtiges Gehalt. Mit Abzügen wie Steuer, KV und Sozialabgaben. Die sollte man bei den genannten Honoraren nämlich berücksichtigen.

    1. Welche Sozialabgaben meinen Sie denn bei „Selbständigen“? Nehmen Sie mal Ihre Hasskappe ab und schalten Sie das Gehirn ein.

  3. klar bestätigt die ARD die Zahlen, schliesslich stammen sie ja von da. Von „Recherche“ kann da also keine Rede sein, eher von Gefälligkeit. Eine Hand wäscht die andere. Witzig nur, dass nicht mal die neueste, seit 1.1.16 gültige, Vergütungstabelle genommen wurde. Gibt es eigentlich noch Journalisten, die „recherchieren“?

  4. NWO wird über diese „Engagements“ schon dafür sorgen, das die Sprecher/innen bei den gewohnheits-verlogenen Beiträgen der Tagesschau/AK nicht allzu sehr das Gesicht verziehen…

  5. „So könnten Engagements für die Industrie, Banken, Versicherungen und die Automobilbranche einen Tages- oder Abendsatz von bis zu 15.000 Euro abwerfen.“

    Für was sollen dort Aufträge eingehen?
    Die Reschke als abendliche Begleitdame fürs Parkett?

    1. Reschke ist keine „Tagesschau“-Sprecherin, da geht’s schon mal los. Aber warum sich durch Fakten in seiner Meinung beeinflussen lassen?

    1. Nein, darf man nicht. Steht doch im Bericht das auch andere Aufträge angenommen werden können. Sie dürfen sich den Herrn Hofer also gerne gegen ein Honorar nach Hause einladen.

      1. Nur weil man konsequenterweise „Selbständigen“ eine weitere Tätigkeit für Dritte nicht verbieten kann und sie daher konsequenterweise auch andere Aufträge annehmen könnten, wird die Scheinselbständigkeit nicht beseitigt.
        Die tatsächliche Auftragslage wird sich in arbeitnehmerähmliche Weise ausschließlich um den einen Auftraggeber ÖR abspielen. Daher wohl doch Scheinselbständigkeit.

      2. Konsequenterweise werden wir das auf Basis dieses dürftigen Berichts nicht beurteilen können.

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