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„Keine Auskunft“, „werde ich nicht sagen“, „unterliegt der Vertraulichkeit“ – was die ARD unter Transparenz versteht

ARD-Programmdirektor Volker Herres
ARD-Programmdirektor Volker Herres

Die dementierte Meldung über angebliche Mega-Honorare für die Fußball-Experten von ARD und ZDF, Mehmet Scholl und Oliver Kahn, schlug hohe Wellen. Auf der Pressekonferenz nach der jüngsten Intendantensitzung äußerte sich ARD-Programmdirektor Volker Herres auf Nachfragen erneut zum Thema. Das Thema Transparenz bleibt ein Schwachpunkt der ARD.

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Die Zahl zu Mehmet Scholl sei „falsch, unwahr und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt“, erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres auf der jüngsten ARD-Pressekonferenz. Was Scholl tatsächlich bekommt, will die ARD aber auch nicht sagen und beruft sich auf Vertraulichkeit und den Wettbewerb. Herres:

Mehmet Scholl, der das ja sehr gut macht, könnte ja auch bei anderen arbeiten. Und ich habe kein Interesse daran, dass ein anderer großer öffentlich-rechtlicher Wettbewerber die Konditionen kennt, so wie die Mainzer auch kein Interesse daran hätten, dass ich deren Konditionen kenne, da sind wir durchaus in einem Wettbewerb. Und ein Mehmet Scholl, der frei arbeitet, hat auch ein Recht darauf – das ist meine Haltung – nicht jedes Gehalt muss in Deutschland offengelegt werden.

Die Logik der ARD lautet hier also: Wenn Mehmet Scholl sein Honorar bei der ARD öffentlich machen müsste, würde er mutmaßlich zu einem anderen Sender gehen (ZDF?, Sky?), wo er sein Honorar nicht öffentlich machen muss. Außerdem kommt wieder das beliebte Argument mit dem Wettbewerb. Wenn die Konkurrenz wüsste, was die ARD zahlt, wäre die ARD bei künftigen Verhandlungen in einer schlechteren Verhandlungsposition.

Das Argument mit dem Wettbewerb ist fadenscheinig. Dass Transparenz bei Bieterverfahren Kosten in die Höhe treibt, wäre eine neue Erkenntnis. Wäre es umgekehrt nicht vorstellbar, dass extrem hohe Gagen weniger gut durchsetzbar wären, wenn sie öffentlich sind? Außerdem ist gerade der Markt für TV-Experten auf dem finanziellen Niveau von Mehmet Scholl und Oliver Kahn sehr überschaubar. Ein Wechsel auf dem Honorar-Niveau von ARD und ZDF wäre höchstens noch zu Sky möglich. Kleinere Sender können die mutmaßlich sehr hohen Summen, die hier aufgerufen werden, im Regelfall nicht stemmen. Außerdem: Glaubt wirklich ein denkender Mensch, dass das ZDF, wollte es Mehmet Scholl von der ARD abwerben, nicht in der Lage wäre herauszufinden, was der Mann dort in etwa verdient?

ARD-Programmchef Herres wollte bei der Pressekonferenz auf Nachfrage noch nicht einmal sagen, ob Scholl seinen Vertrag bei der ARD oder einer ARD-Tochterfirma hat („Dazu geben wir, glaube ich, auch keine Auskunft.“) Die Frage hat den Hintergrund, dass es zumindest in der Vergangenheit durchaus üblich war, dass die ARD hoch dotierte Verträge mit Star-Moderatoren über Tochterfirmen, etwa die Filmhandelstochter Degeto, abgewickelt hat, weil die Verträge dann nominell keine „ARD-Verträge“ waren und damit nicht unter eine Offenlegungs-Pflicht fielen. Das war zum Beispiel so bei den teuren Verpflichtungen von Harald Schmidt und Thomas Gottschalk für seine gefloppte Vorabendshow „Gottschalk live“.

Eigentlich eine Unverschämtheit, dass Herres solche Fragen abbügelt.

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Auch bei der Frage nach Mehrkosten für Bundesliga-Rechte gab sich Herres bekannt zugeknöpft. Ja, auch da unterliege man – leider, leider – dieser blöden Verschwiegenheit. Und der böse Wettbewerb – Sie wissen schon. Die Zahlen, die das Manager Magazin unlängst veröffentlichte, nämlich dass die ARD nun pro Saison 34 Millionen Euro mehr für die Bundesliga zahle, die seien aber falsch. Natürlich. Soviel kann immer gesagt werden.

Auf die Nachfrage, warum dann der Bezahlsender Sky durchaus bekannt gibt, wieviel er für die Bundesliga ausgibt, erklärt Herres, dass Sky als börsennotiertes Unternehmen von der Verschwiegenheitspflicht ausgenommen sei. Dass Sky mit der von Herres beschworenen, schlimmen Wettbewerbssituation offenbar keine Probleme hat, bleibt unkommentiert.

Eine weitere Frage zielte darauf ab, dass von Seiten der britischen Premier League veröffentlicht wurde, wie viel einzelne Medien für Übertragungsrechte an der wertvollsten Liga der Welt zahlen. In Großbritannien ist somit auch bekannt, was die dortige öffentliche Sendeanstalt BBC zahlt. Auf die Frage, warum eine solche Transparenz nicht in Deutschland möglich ist, antwortet Herres:

„Wir lernen ja in diesen Tagen, dass die Briten anders sind.“

Soviel dazu. Die Transparenz der ARD erschöpft sich darin, dass das allgemeine Budget für Sport bekanntgegeben wird, im Schnitt rund 250 Mio. Euro pro Jahr. Wenn es detaillierter werden soll, wird abgewiegelt und dementiert. Und somit Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Bei der ARD nennen sie das Transparenz.

 

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Alle Kommentare

  1. Ein tendenziöser ÖR-Bashing-Artikelbauf Niveau einer Schülerzeitung. Da können sich die ganzen Pegida-Idioten schön aufregen.

  2. Allein, dass sich die beiden zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF gegenseitig Konkurrenz machen, ist bizarr und weltfremd. Da kann ein Herres soviel abwimmeln wie er will, das System in seiner jetzigen Form kann und darf nicht mehr lange Bestand haben. Die Bürokratie- und Geldfressmaschine, die an ihren Zwangsgebührenzahlern vorbeisendet hat sich überlebt und wird über kurz oder lang fallen.

    1. Sieht man ja Tag für Tag, wie die Öffentlich-Rechtlichen am Zuschauer vorbeisenden. Zwanzig Millionen schauen „Frauentausch“, die Hochzeit der „Katze“, „Die Geissens“ oder die „Topmodels“, lauter qualitativ hochwertige Produktionen, dagegen „Tatort“, „Tagesschau“ oder gar Fußball – Quoten im Promillebereich! Oder?

      1. … und dann machen sich ARD und ZDF auch noch so sehr gegenseitig Konkurrenz, dass sie sich tagesweise bei der EM-Übertragung abwechseln …

      2. Mal überlegt, wie man sich in einem Markt durchsetzen kann, wo mit 8 Mrd. Zwangsgebühren jede Nische inkl. Volksmusik besetzt wird?

        Das schlechteste Pay TV der Welt gibt es immer noch in Deutschland. Selbst die Dänen mit einem Bruchteil des Budget lachen über unser erbärmliches Niveau.

        Aber wie sagt schon Blüm: „Die Rente ist sicher“ – das gilt insbesondere für die Selbstversorgungsanstalten ARD und ZDF.

      3. Jo Herr Schwensen, deshalb haben die ÖR Sender auch einen Marktanteil von über 40%, weils Programm so erbärmlich ist. Was kucken Sie eigentlich so?

    1. Den „Kampf“ gibt’s nicht. Die 17,50 werden gezahlt und fertig. Die paar Leute die sich darüber aufregen…….in Einschaltqoute ist das der Marktanteil von DMAX oder Anixe oder so….

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