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Jeff Bezos krempelt die Washington Post um: 100 Millionen Dollar mit CMS-Erlösen angepeilt

Amazon-CEO und Washington Post-Eigentümer Jeff Bezos
Amazon-CEO und Washington Post-Eigentümer Jeff Bezos

Seit der Überraschungsübernahme der Washington Post für 250 Millionen Dollar rätselt die Medienbranche, warum sich Jeff Bezos eigentlich das US-Traditionsblatt geleistet hat – und was der Amazon-Gründer mit der 139 Jahre alte Zeitung tatsächlich vor hat. Die Antwort scheint nun das New York Magazine gefunden zu haben: Geld verdienen. Dafür weicht der 61-fache Milliardär durchaus vom Kerngeschäft ab: 100 Millionen Dollar im Jahr soll die Washington Post nämlich zusätzlich durch das Redaktionssystem erlösen.

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Es war ein Kauf für das eigene Ego: Amazon-Gründer Jeff Bezos, der für den Aufstieg des Internet-Einzelhändlers zwar bewundert, jedoch von Biografen ebenso gern heruntergeschrieben wird, schien sich 2013 mit der 250 Millionen Dollar teuren Übernahme der Washington Post vor allem gesellschaftliche Relevanz kaufen zu wollen.

Es sah nach einem weiteren Hobby wie den Weltall-Flügen mit dem Raumfahrtunternehmen Blue Origin, der Apollo 11-Bergung und der „Uhr des langen Jetzt“ („The Clock of the Long Now“) aus, die tief unter der Erde in einem Bergstollen in Texas für die nächsten 10.000 Jahre die Zeit zeigen soll.

Bezos hat die Washington Post schnell digitalisiert

Doch relativ schnell verdeutlichte der 52-Jährige, dass er nebenbei den Journalismus neu erfinden wollte: Jeder Artikel der Washington Post wird inzwischen als Instant Article veröffentlicht, Digital-Abos der US-Traditionszeitung wurden zudem schnell in Amazons Prime-Service integriert – zu ungewohnt günstigen Konditionen.

Die Digitalisierung des Angebots der US-Traditionszeitung durch den Internet-Impressario Bezos ist nur folgerichtig, wie Professor Dan Kennedy unlängst in fünf Thesen für das Nieman Journalism Lab herausgearbeitet hat. So hat die Washington Post ihren Schwerpunkt eindeutig zur Technologie verlagert seit Bezos der Eigentümer ist. Die Technik sei aber nicht zum Selbstzweck geworden, sondern diene stets dem Journalismus, findet Kennedy. Website und die Apps wurden grundlegend überarbeitet und auf Nutzerfreundlichkeit hin optimiert.

Redaktionssystem der Washington Post soll 100 Millionen Dollar im Jahr erlösen

Es gibt interne Tools wie Bandito, das Redakteure Stories mit bis zu fünf verschiedenen Schlagzeilen veröffentlichen lässt. Ein Algorithmus ermittelt dann die Variante, die am besten läuft. Ein anderes Tool namens Loxodo ermöglicht Vergleiche zwischen der Performance von Post-Stories und der Konkurrenz.

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Nach dem Investment in Software und Tools will Bezos nun den nächsten Schritt gehen – den des Geschäftsmanns. Nach einem ausführlichen Bericht des New York Magazines betrachtet Bezos das ausgeklügelte Redaktionssystem nämlich als Erlösquelle im großen Still.

Bis 100 Millionen Dollar sollen der Washington Post durch Bereitstellung und Lizenzierung des Content Management Systems inklusive Analyse-Tools jährlich in die Kassen fließen, berichtet das 1968 gegründete Kultmagazin. Bereits jetzt würden ein Dutzend Verlage das Redaktionssystem der Washington Post nutzen, heißt es.

Umsatzerosion der Washington Post zwingt Bezos zu radikalem Sparprogramm

Tatsächlich kann die 139 Jahre alte US-Traditionszeitung zusätzliche Erlös gut gebrauchen. Im vergangenen Geschäftsjahr soll die Washington Post nämlich nur noch 350 Millionen Dollar umgesetzt haben – 2012 waren es noch 580 Millionen Dollar.

Jeff Bezos wird zudem im New York Magazine mit den Worten zitiert: „Wir können kein Unternehmen sein, das haufenweise Geld verliert.“  Nach Angaben des US-Magazins will Bezos den Etat der Zeitung von aktuell 500 Millionen Dollar in den nächsten drei Jahren halbieren.

Die Theorie einer philanthropischen Übernahme scheint damit drei Jahre später widerlegt: Eigentümer Bezos trimmt die Washington Post eisern auf Profitabilität – ganz wie Amazon zuletzt auch. Hoffnungsschimmer für die Redakteure der Washington Post: Es dauerte beim mit Abstand weltgrößten Internet-Einzelhändler zwanzig Jahre bis zur schwarzen Null.

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