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Zeitungsmarkt München: Abendzeitung nur noch knapp vor Bild, Süddeutsche weiter Nummer 1

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Die Münchner Zeitungslandschaft war in der jüngeren Vergangenheit geprägt vom Verkauf der Abendzeitung und der anschließenden Auflagenbereinigung durch den neuen Besitzer. In der Stadt München verkauft die Abendzeitung noch rund 33.700 Exemplare und liegt nur noch knapp vor der Bild. Weit davor dominieren die Süddeutsche Zeitung und die tz den Markt.

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Die Nummer 1 heißt in München seit Jahren Süddeutsche Zeitung. Das eigentlich überregionale Blatt hat seine Wurzeln in München und punktet dort auch mit lokaler und regionaler Berichterstattung. Allerdings rutschte die SZ in München laut IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen nun erstmals unter die 100.000er-Marke. Um 12,2% geschrumpft ist die werktägliche Leserschaft in der bayerischen Landeshauptstadt – auf 94.638 Käufer. Die SZ bleibt damit aber dennoch stabil vor der tz – der gingen nämlich ebenfalls mehr als 13.000 Käufer abhanden.

Verlierer der jüngsten zwei Jahre ist erwartungsgemäß die Abendzeitung. Sie bereinigte nach dem Verkauf an Martin Balle, Verleger des Straubinger Tagblatts, defizitäre Auflagenbestandteile und schrumpfte ihre Verkaufszahl im Stadtgebiet München von über 93.000 auf nur noch 33.671. Ein Minus von 63,8%. Dieses Minus ist auch der Hauptschuldige dafür, dass München nicht mehr die deutsche Stadt mit den meisten Zeitungskäufern ist. Insbesondere die Zahl der „stummen Verkäufer“, also Zeitungskästen, aus denen die ehrlichen Kunden Zeitungen kaufen, die unehrlichen sie aber auch klauen können, hat die Abendzeitung abgebaut. Wie sich die via „stummer Verkäufer“ abgesetzten Zeitungen bei den Münchner Blättern insgesamt entwickeln, ist aber nicht bekannt – die Verlage sprechen nicht gern über diesen Vertriebsweg.

Nur noch knapp hinter der Abendzeitung folgt die Bild, die sich mit einem Minus von 13,3% in etwa auf dem Niveau von SZ und tz entwickelte. Der Merkur folgt auf Platz 5. Er ist im Umland Münchens, das hier nicht mitzählte, stärker. Im Landkreis München ist er hinter der Süddeutschen Zeitung die Nummer 2.

Abseits der Süddeutschen ist die stärkste überregionale Abo-Zeitung in München Die Welt. Mit 13.701 verkauften Exemplaren legte sie hier sogar zu – vor allem bei den ePapern. Noch deutlicher nach oben ging es für das Handelsblatt, das sich um 1.151 verkaufte Exemplare steigerte und sogar die F.A.Z. überholte. Der Grund ist auch hier der ePaper-Verkauf: Er steigerte sich in München gegenüber 2014 von 923 auf 2.264. Die F.A.Z. baute hingegen in den jüngsten zwei Jahren massiv Bordexemplare ab – wohl auch am Flughafen München.

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Zur Erinnerung: Die Verbreitungsanalyse Tageszeitungen der IVW erscheint alle zwei Jahre und enthält detaillierte Verkaufszahlen (fast) aller Tageszeitungen für die 11.092 deutschen Gemeinden, 107 kreisfreien Städte und 295 Landkreise. Ermittelt werden die Zahlen jeweils in einer Messwoche – im Fall der VA 2016 war das die Woche vom 9. bis 15. November 2015. Nicht dabei als einziges relevantes Blatt: die taz, die nicht an der VA teilnimmt.

Die 20 meistverkauften Tageszeitungen in München
verkaufte Auflage vs. 2014
Platz Titel 2016 absolut in %
1 Süddeutsche Zeitung 94.638 -13.143 -12,2
2 tz 87.539 -13.410 -13,3
3 Abendzeitung 33.671 -59.422 -63,8
4 Bild 32.134 -4.911 -13,3
5 Münchner Merkur 25.127 -857 -3,3
6 Die Welt / Welt kompakt 13.701 482 3,6
7 Handelsblatt 10.139 1.151 12,8
8 Frankfurter Allgemeine Zeitung 8.971 -5.073 -36,1
9 Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten 656 -468 -41,6
10 Passauer Neue Presse Gesamt 277 -9 -3,1
11 Der Tagesspiegel 234 -50 -17,6
12 RheinMainMedia Gesamt 142 -40 -22,0
13 Donaukurier 108 -40 -27,0
14 Oberbayerisches Volksblatt 98 -17 -14,8
15 Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung 90 -21 -18,9
16 Mittelbayerische Zeitung 90 4 4,7
17 Neues Deutschland 38 5 15,2
18 Der neue Tag 29 15 107,1
19 Leipziger Volkszeitung 20 -4 -16,7
20 Augsburger Allgemeine / Allgäuer Zeitung 13 1 8,3
Quelle: IVW-VA Tageszeitungen 2016 / Tabelle: MEEDIA

Sämtliche Artikel zur IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen finden Sie jederzeit an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Schröder, im Artikel und in Ihrer Antwort auf wardabei schreiben Sie, dass sich die obengenannten Zahlen auf das Stadtgebiet München beziehen. Wie sollen dann die Verluste der FAZ durch den Abbau der Bordexemplare am Münchner Flughafen entstanden sein? Der Flughafen Franz Josef Strauß liegt nicht im Münchner Stadtgebiet, sondern in den Landkreisen Erding und Freising.

    1. An Flughäfen abgesetzte „Bordexemplare“ werden richtliniengemäß der Stadt zugerechnet, der auch der Flughafen zugeordnet ist. Niemand spricht vom Flughafen Freising sonden nur von MUC.

  2. Selten hat sich ein meedia-Redakteur wie Jens Schröder bei den Antworten zu Lesermeinungen so stark engagiert, wie hier bei dieser Auflagengeschichte. Auch nicht schlecht!

    Schröder scheint für die Verlage zu kämpfen (FAZ)… Es ist aber ein FASS ohne Boden, kostenlose Werbeexemplare als „verkaufte Auflage“ zu werten, das ist auch gegenüber der Werbung Beschiss, aber das wissen die ja schon seit vielen Jahren. Dafür gibt es ab und zu mal redaktionelle Berichterstattung. Eine Hand wäscht die andere. Und trotzdem: Es wird nicht langen … viele Blätter wird es in 5 Jahren nicht mehr geben. Ich habe noch nicht einen jungen Leser (16-25-jährige) getroffen, der eine Zeitung wie FAZ, Welt oder Bild kauft. Und wir Alten sterben immer schneller weg und die Zeitungen mit uns. Im Himmel soll es übrigens eine brandaktuelle Tageszeitung geben, die der liebe Gott vollkommen alleine schreibt … bin mal gespannt… leider wird die auch meinungspolitisch manipuliert, nur der Papst in Rom kann sich darüber freuen…. Einen schönen Tag.

  3. Wenn man die heftigen Verluste der FAZ in München, Berlin und Hamburg anschaut, müsste bei der FAZ doch bald das „Licht ausgehen“ und die Pleite kommen (denn die Verluste werden in anderen Regionen doch ähnlich hoch sein).

    1. Ich habe doch in jedem einzelnen Artikel geschrieben, woran es liegt: Die FAZ baut massiv Bordexemplare ab, das zeigt sich dann vor allem in den Großstädten. Die Bordexemplare (Zeitungen, die in Flugzeugen und an Flughäfen verteilt werden) werden als Verkäufe gewertet, für sie fließt aber wenig bis gar kein Geld. Wenn diese also abgebaut werden, so schlägt sich das im Umsatz nicht sonderlich stark nieder – höchstens indirekt bei den Werbeeinnahmen, weil die Reichweite sinkt.

  4. Die Landeshauptstadt München boomt, sie wächst überproportional und stellt immer neue wirtschaftliche, kulturelle und touristische Rekorde auf. In dieser Stadt schaffen es alle dort (!) erscheinenden Tageszeitungen, seit Jahren massive und nun noch einmal gesteigerte Verluste bei Auflage/Reichweite zu machen.

    Der Wert von Zeitungen besteht nicht in der Möglichkeit, darin Fisch einzupacken, sondern im Inhalt des Gedruckten; es geht also um journalistische Qualität und Professionalität und das Vertrauen der Nachfrageseite des Marktes in die Integrität der Angebotsseite – vulgo: dass nicht manipuliert, gelogen, gezielt verschwiegen oder gleich Propaganda für oder gegen was auch immer gemacht wird. Einmal enttäuschtes Vertrauen ist verloren und kommt nicht zurück.

    Vor diesem Hintergrund gehören Münchner Journalisten zu den dümmsten und unprofessionellsten im ganzen Land. Sie sind es, die als „Täter“ die tradionsreichen Blätter mit infantilem „Nanny-Journalismus“ und plumper politischer Propaganda im Volkspädagogen-Stil in den Niedergang geschrieben, viele Arbeitsplätze schon vernichtet haben und ihre eigenen auch noch abschaffen werden, aber wie Propheten einer untergehenden Sekte unbekehrbar „weitermarschieren, bis alles in Scherben fällt“. Die Selbstversenkung einer ganzen Branche ist ein erstaunliches Schauspiel.

    Ob Verleger, denen grottenschlechte „Journalisten“ früher profitable Zeitungen kaputtschreiben mit „Wozu Fakten, wir haben Gesinnung“, wirklich auf „Staatsknete“ von der moribunden „GroKo“ hoffen? Kommt die neue Harzburger Front nach dem Motto „Wir retten Merkel, Merkel rettet uns“?

    Die Tatsache, dass eben die Totengräber des Journalismus gerade kräftige Lohnerhöhungen – sogar mit „Streik“ – fordern, weil sie „mehr wert sind“, zeigt überdies ein Maß an Realitätsverweigerung, das sie nicht nur berufsunfähig macht, sondern richtige Journalisten fragen lässt, was in solchen Köpfen wohl vorgehen mag.

  5. @ R – High

    Die Statistik ist für Vergleiche untauglich. Denn es werden nicht geografisch identische Verbreitungsgebiete verglichen, sondern man vergleicht absolut Ungleiches. Jeder Verlag definiert seine Verbreitungsangaben anders.

    Es gibt z.B. die „BILD-Bund“ – die hat in allen Bundesländern außerhalb der Ballungsgebiete eine hohe Auflage. Und es gibt zusätzlich (!) die redaktionell erweiterten BILD-Lokalausgaben in den Großstädten und ca. 40 km Umgebung, die jedoch eine viel niedrige Auflage haben.

    Diese Statistik zählt nur die BILD-München (Lokalausgabe) auf – weil es ja (u.a.) um den Vergleich mit der AZ geht.

    Die „SZ München“ wiederum hat eine viel größere Verbreitungsfläche als die lokale BILD-München. Für einen Vergleich müsste man flächig den Anteil von BILD-Bund in den ländlichen Gebieten dazu nehmen. Es gibt Zeitungen, die mit dem Zusatz „Münchner Ausgabe“ in fernen ländlichen Gebieten „münchnerische Großstadt-Kompetenz“ vorgaukeln wollen. Oberpfälzer Zeitungen wiederum geben für München nur die winzige Abo-Zahl (1) ihres einzigen Pendlers an, bzw. des Beleg-Abo’s für die Bayerische Staatskanzlei. Daher die total unterschiedlichen Unterschiede…

    Jeder Verlag gaukelt mehr oder weniger (wie früher die AZ) , damit Anzeigen-Kunden auf ihre Pseudo-Auflagen reinfallen. Und auch Medien-Magazine.
    Nur die Sink-Tendenzen sind hier relevant.

    Hoffentlich sind jetzt alle Klarheiten beseitigt.

    1. Sie sollten sich informieren, bevor Sie falsche Behauptungen aufstellen. Schon Ihr zweiter Satz ist falsch: „Denn es werden nicht geografisch identische Verbreitungsgebiete verglichen“. DOCH! GENAU DAS! Die VA misst sämtliche Verkäufe einer Tageszeitung in einem bestimmten Landkreis, einer Gemeinde oder einer kreisfreien Stadt. In diesem Fall die Stadt München. Es ist vollkommen egal, ob eine Zeitung eine Ausgabe „München“ nennt oder „Hollywood“. Gezählt werden nur Verkäufe im Einzelhandel im Stadtgebiet Münchens, Abonnenten im Stadtgebiet München, ePaper-Verkäufe in München und sonstige Verkäufe im Stadtgebiet München. Daher spielt es überhaupt keine Rolle, ob die „SZ München“ ein größeres Verbreitungsgebiet hat als die „Bild München“. Also: Beim nächsten Mal erst informieren und dann rumpoltern…

      1. Vielen Dank Jens Schröder für die Richtigstellung der Antwort von wardabei. Der war in Wirklichkeit nicht dabei. Denn er schrieb wirres Zeugs.
        Natürlich ist das die verkaufte Auflage im jeweiligen Stadtgebiet. Aber ich wollte mit der Frage a bisserl provozieren und einfach nur mal fragen, wenn BILD nur 32 Tsd. in München verkauft und Berlin, und HH, können sie auch nie auf 1,8 Mio. bundesweit kommen. Denn Bauern kaufen keine Bild. Und wenn ich mir überlege, wie vor zwanzig Jahren die Verlage „manchmal“ ihre Auflagen „geschönt“, getürkt und manipuliert haben, mag ich mir nichts mehr vorstellen, was wirklich verkauft wurde….

        Zudem ist es traurig, wie die gedruckten Blätter, egal welche, den Bach runtergehen. Aber es ist wirklich so, die „Redakteure“ (um sie nicht Journalisten zu nennen) haben selbst die Schuld. Wenn man sich die zwei Figuren mit Millionengehältern anschaut: den (Nickolaus) Blome und (Walser) Augstein in ‚TV-Phoenix mal anschaut, kriegt man echt Schuppenflechte …
        Vielleicht krieg ich darauf ja mal ’ne Antwort von Kaischi Diekmann(s)? Oder ist die Bild schon bei 1,3 Mio? Und er schämt sich dafür?

      2. Doch, das kommt schon alles hin mit den 1,88 Mio. verkauften Bild-Exemplaren. Sie dürfen nicht vergessen, dass vor allem Berlin und München noch nie gute Pflaster für die Bild waren, da es dort mit B.Z., Berliner Kurier, tz und Abendzeitung viel Boulevard-Konkurrenz gab und gibt. Deutlich besser verkauft sich die Bild z.B. in Hamburg mit fast 80.000 Stück. Zudem stimmt es nicht, dass „Bauern“ keine Bild kaufen, falls Sie damit die Provinz meinen. Es gibt viele Landkreise auf dem Land, in denen sich die Bild deutlich überdurchschnittlich gut verkauft. Mehr dazu Ende der Woche oder Anfang kommender Woche in einer gesonderten Analyse darüber, wo sich die überregionalen Tageszeitungen besonders gut, bzw. schlecht verkaufen.

  6. Ich frage mich, wenn München 32.000 Bild-Auflage hat, Berlin und Hamburg auch so um den Strich herum, d.h. in den drei größten deutschen Städte verkauft Bild gesamt 100.000 Exemplare? Und sagt mir bitte einer einmal, wie kommt denn dann die „verkaufte Auflage von 1,8 Millionen täglich“ zustande?

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