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„Jeder Sport ist großer Sport“: 11Freunde-Macher Philipp Köster über neues G+J-Magazin NoSports

Liebster Randsport des 11-Freunde und No Sports-Machers Philipp Köster: Darts
Liebster Randsport des 11-Freunde und No Sports-Machers Philipp Köster: Darts

„Jeder Sport ist großer Sport“: Unter diesem Motto starten die 11Freunde-Macher am morgigen Freitag ihr neuestes Magazin No Sport. Es geht um alles außer Fußball. Im MEEDIA-Interview erklärt Chefredakteur Philipp Köster das Konzept, warum auch Bewegungsmuffel den Neuling lieben sollen und warum er Marktforschung und Nullnummer hasst: „Vielleicht liegt ein Fluch über Magazinen, bei denen man zu viel Marktforschung gemacht hat.“

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Es geht ausschließlich um Sport und das Heft heißt No Sports: Warum der Name?
Uns ging es darum, einen humorvollen und beschwingten Ton anzuschlagen. Sport wird ja immer unfassbar ernst genommen, oft bis zum Rand der Verbissenheit. Wir wollen dagegen ein Magazin machen, das die großen Geschichten erzählt, aber auch ein Herz für komische Randaspekte hat. Und NoSports macht auch klar, dass wir unseren Lesern nicht nahelegen, den Sportlern nachzueifern. Man darf das Magazin durchaus gemütlich auf dem Sofa lesen.

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Es gibt unzählige Fußball-Magazine. Aber keines, das sich erfolgreich mit der bunten Welt des Rest-Sports beschäftigt. Warum sollte ein solches Heft auf einmal funktionieren?
Es gibt mittlerweile viele Menschen, sich für Sport generell und nicht nur für einzelne Disziplinen interessieren. Früher war die Faszination ja immer sehr konzentriert auf den Lieblingssport. Der Motorsport-Fan mochte kein Tennis und der Eishockey-Freund lehnte Golf aus quasi-religiösen Gründen ab. Heute können sich Leser für große Geschichten begeistern und für Leute, die sich selbst überwinden oder die etwas Außergewöhnliches in ihrer Sportart geschafft haben. Und sie haben auch ein Herz für Verlierer – man kann ja auch grandios an seiner Aufgabe scheitern.

Wie etwa Boris Becker?
Genau. Wir haben ganz bewusst Boris Becker als ersten Titelhelden auserkoren. Über den haben sich die Menschen hierzulande ja oft lustig gemacht, er galt als einer, der nach seiner Karriere als Spieler nie so richtig in eine neue Rolle gefunden hat. Ich kann mich an eine Vielzahl hämischer Artikel erinnern, in denen Becker am Nasenring durch die Manege gezogen wurde.

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Titelheld Boris Becker: Bei Gala, NoSports und der Sports aus dem Jahr 1987

Etwa das Gala-Cover.
Das hat die Stimmung in Deutschland gegenüber einem der größten Sporthelden des 20.Jahrhunderts ja ziemlich auf den Punkt gebracht.  Aber jetzt ist er eben wieder da: Als Trainer des Ersten der Weltrangliste. Das ist eine Geschichte, die über einen normales Porträt hinausragt. Wir durften Becker bei seiner Arbeit begleiten und porträtieren ihn als jemanden, der seiner Arbeit mit Akribie und offenbar nicht versiegender Leidenschaft nachgeht. Ganz generell haben wir versucht, über die Sportarten nicht bis hin zur Fachidiotie zu erzählen, sondern zu gucken: Was sind das für Typen? Was machen die überhaupt? Und was treibt sie an? Und heraus gekommen sind eine ganze Menge schöne Geschichten.

Zum Beispiel?
Ein gutes Beispiel dafür ist unser Aufklapper in der Mitte des Heftes. Da haben wir alle gefährlichen, riskanten und kniffligen Kurven und Strecken sämtlicher Formel-1-Strecken weltweit von Imola bis Hockenheim in einer fiktiven Rennstrecke zusammengefasst. Da gibt es für Motorsportfans sicher ganz viel zu entdecken. Und ganz generell haben wir uns bemüht, nicht zu konventionell zu sein und überraschende Zugänge zu finden.

Wer leistete den Kampf der Heft-Produktion. Die 11Freunde-Redaktion oder haben Sie ein neues Team für NoSports aufgebaut?
Die Arbeit an 11Freunde sollte nicht leiden. Wir haben uns natürlich im 11Freunde-Kosmos umgeschaut. Es sind aber auch viele Leute dabei, die gar nicht so wahnsinnig viel mit Fußball am Hut haben. Was auch wichtig ist, damit nicht in jedem zweiten Hauptsatz eine Fußball-Metapher vorkommt. Insgesamt war die Arbeit am Heft sehr angenehm, auch weil es bei Gruner inzwischen eine sehr innovationsfreudige Haltung gibt. Man freut sich auf neue Projekte und neue Ideen.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten soll es mittlerweile wirklich weit einfacher sein, bei G+J ein neues Heft auf den Markt zu bringen.
Ich kenne die früheren Zeiten nicht so. Aber um mal nur ein Indiz für das Vertrauen zu nennen: Wir mussten keine Nullnummer machen und keine Marktforschung betreiben.

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Haben Sie etwa kein Vertrauen in die Erkenntnisse der Forscher?
Vielleicht liegt ein Fluch über Magazinen, bei denen man zu viel Marktforschung gemacht hat. Ich kann verstehen, dass sich Verlage absichern wollen. Aber ich glaube daran, dass unser Heft dann Erfolg haben wird, wenn die Leute unser Heft lesen und es anderen weiterempfehlen.

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Wer soll das Heft denn lesen?
Irgendwo war zu lesen, dass es eigentlich ein Männermagazin werden soll. Aber ich würde mir wünschen, dass wir alte und junge Leser haben, Männer und Frauen. Alle, die sich für Sport begeistern können, werden hoffentlich mit NoSports ihren Spaß haben.

Müssen wir uns Sorgen machen, dass der Fußballfrust in der 11Freunde-Redaktion so groß ist, dass man sich jetzt auf andere Sportarten konzentriert?
Natürlich nicht. Die Arbeit an No Sports war im Gegenteil sehr befruchtend für die Redaktion. Schon weil man bei der Entwicklung eines neuen Heftes über ganz grundsätzliche Fragen der Heftkonzeption spricht, bis hin zu marginalen Sachen wieder Funktion eines Inhaltsverzeichnisses.

Ein Alleinstellungsmerkmal von 11Freunde ist die klare Haltung des Hefts. Hat NoSports eine ähnlich eindeutige Sicht auf die Welt?
Die Grundaussage von 11Freunde ist immer die Antithese zur bunten Glitzerwelt des Profifußballs. NoSports braucht diese Abwehrhaltung nicht unbedingt. Wir haben unser Motto ja formuliert: Jeder Sport ist großer Sport. Ganz egal, ob es sich um Eishockey, Golf, Radball oder Seitenwagenrennen handelt.

Außer Fußball: Was ist die liebste Sportart von Philipp Köster?
Das findet inzwischen ja jeder prima, aber ich kann mich vor der Glotze für kaum einen Sport so begeistern wie Darts. Eine astreine Thekensportart, die plötzlich großes Entertainment ist. Einfach fantastisch.

NoSports erscheint am 24. Juni 2016 zu einem Copypreis von 6,80 Euro und mit einer Druckauflage von 120.000 Exemplaren. Die zweite Ausgabe folgt im Oktober. Ab 2017 erscheint das Heft sechs Mal pro Jahr.

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Alle Kommentare

  1. Das ist ja der sinnbefreiteste Name, ever … Dazu ein Titelbild im 60er Look mit dem abgehalfterten Boris Becker … Warum zeigt ihr kein Portrait mit dem Publikumsliebling und Frauenschwarm „Alexander Zverev“, der gerade Roger Federer geschlagen hat – dazu ein Interview; das interessiert die Leute. So ist das an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten und total schade, dass G+J mal wieder eine Totgeburt rausbringt …

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