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„Ich will mir keine ‚herrschende Meinung‘ aufzwingen lassen“ – PR-Experte Hasso Mansfeld über das Spannungsfeld Lobbyismus und Medien

Hasso Mansfeld
Hasso Mansfeld

Wenn Greenpeace der Süddeutschen Zeitung TTIP-Papiere überlässt oder die Deutsche Umwelthilfe Testergebnisse mit dem Spiegel zusammen veröffentlicht, arbeiten Medien mit Lobby-Organisationen Hand in Hand. Machen sich Medien dabei zu Gehilfen für Lobby-Interessen? Wie weit darf bzw. sollte eine Zusammenarbeit gehen und was haben Ökos eigentlich gegen Bio-Lebensmittel im Discounter? Ein MEEDIA-Gespräch mit dem PR-Experten Hasso Mansfeld.

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Ist es Ihrer Meinung nach ein normaler Vorgang, wenn eine Organisation wie Greenpeace Medien Material zur Verfügung stellt, wie jüngst die TTIP-Dokumente, die Greenpeace an die Süddeutsche Zeitung gegeben hat?

Grundsätzlich muss man sich fragen, ob solche Dokumente legal erworben wurden oder illegal. Darüber hinaus hat jeder dasselbe Recht, seine Perspektive zu vertreten. Wogegen ich mich aber wehre ist, dass die Meinung von Greenpeace und anderer NGOs als besonders interessenunabhängig oder per se als gut wahrgenommen wird. Von den Medien wird oftmals nicht genügend darauf geachtet, dass diese Organisationen natürlich auch ein Partikularinteresse haben. Wenn in Japan ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt und der Herr Sailer vom Öko-Institut (Michael Sailer, Sprecher des Öko-Instituts und von 1999 bis 2014 Mitglied der Reaktorsicherheitskommission, Anm.d.Red.) als unabhängiger Atom-Experte auftritt, dann fehlen da schlicht Informationen, damit man sich eine fundierte Meinung bilden und die Aussagen einordnen kann. Greenpeace und andere Umweltorganisationen haben jedes Recht, Dinge, die ihnen nicht in den Kram passen, zu skandalisieren. Ich wehre mich aber dagegen, dass das etwas anderes ist, als wenn ein anderer Lobby-Verband so etwas macht.

Geht es bei dem, was Greenpeace & Co. machen nicht auch um eine gesellschaftliche Verantwortung, die angemahnt wird?

Gesellschaftliche Verantwortung? Das ist doch moderner Ablasshandel. Dieser Erpressungsversuch geht so: Man stellt in den Raum, dass es eine „License to Operate“ gibt, die man durch eine Übernahme von sozialer Verantwortung der Gesellschaft „abkauft“. Ich glaube, das eigentliche politische Ziel von NGOs wie Greenpeace oder Campact ist es, die gesamte Art und Weise, wie Landwirtschaft betrieben wird, zu verändern. Und zwar mit dem langfristigen Ziel, dass es weniger Menschen auf der Welt gibt. Dass ist der Kampf zwischen Aufklärung und Gegen-Aufklärung, Voltaire gegen Rosseau.

Dadurch, dass NGOs Medien mit Informationen versorgen, werden die Medien damit automatisch Partei?

Dagegen müssen sich Medien abgrenzen. Es darf kein Kombattantentum entstehen. In dem Zusammenhang müsste man eben auch das Interesse von Greenpeace darstellen. 2011 habe ich mich wirklich aufgeregt, als die Pläne der Atomindustrie bezüglich Lobby und Öffentlichkeitsarbeit von der taz öffentlich gemacht wurden. Das war ein Arbeitspapier einer großen PR-Agentur, das damals seinen Weg in die taz fand. Der Titel der Story in der Zeitung lautete: „Die Geheimpapiere der Atomlobby“. Aber was hat diese Agentur gemacht, die da angebliche „Geheimpapiere“ erstellte: Die hat sehr professionell überlegt, welche Inhalte transportiert werden sollen, mit welchen Leuten geredet wird. Dann hat man eine Liste mit Personen und deren Einstellung zur Atomkraft gemacht. Ganz normales Geschäft. Glauben sie etwa, Greenpeace hat keine solche Liste? Natürlich wissen die auch, welche öffentlichen Personen oder Entscheidungsträger oder Multiplikatoren für oder gegen Atomkraft eingestellt sind. Jedes Unternehmen, jeder Branchenverband, jede NGO hat ein Recht, die eigene Position öffentlich darzustellen. Das, was da mit Bezug auf die Atom-Industrie skandalisiert wurde, war und ist eine Selbstverständlichkeit.

Bei der Spiegel-Titelstory über Abgaswerte bei Opel-Fahrzeugen hat die Redaktion auf Messergebnisse und Recherchen der Deutschen Umwelthilfe zurückgegriffen. Für den Leser war nicht mehr unbedingt erkennbar, wer als Absender der Informationen auftritt: Die Redaktion oder eine Lobby-Gruppe, die hier gleichsam als eine Art unabhängige, technische Prüf-Instanz eingeführt wurde.

Man muss von dem Medium erwarten, dass sie sich von solchen Interessen abgrenzen. Auch und gerade, wenn man mit ihnen zusammenarbeitet oder deren Ergebnisse und Informationen nutzt. Um investigativ tätig zu sein, braucht man zwar auch Nähe. Am Ende muss sich der Journalist und das Medium aber professionell gegenüber dem Objekt der Berichterstattung und in solchen Fällen auch der Quelle abgrenzen. Das Medium darf keine eigene Agenda verfolgen und die Agenda des Informanten nicht verschleiern. Das ist ein wichtiger Punkt auch bei der Berichterstattung über die AfD. Es ist nicht Aufgabe der Medien irgendjemanden „besonders“ zu entlarven. Es gilt, die CDU, die FDP, die Grünen, die Linken und die AfD alle gleichermaßen zu entlarven, bzw. über sie zu berichten.

Ein oft gehörter Vorwurf gegen Medien lautet, dass es eine Art „linkes Meinungskartell“ gibt …

Hinter den Medien stehen immer Menschen. Der überwiegende Teil der Journalisten fühlt sich den traditionellen Parteien nahe, also den Grünen, der Sozialdemokratie oder auch der CDU. Das hat viel mit Sozialisation zu tun aber auch damit, dass es Partei- und Gewerkschaftsstiftungen gibt, die Stipendien vergeben und Weiter- und Fortbildung betreiben.

Aber gibt es diesen „Linksdrall“ der Medien ihrer Beobachtung nach?

Es ist wohl menschlich, eher der Position eines Umweltschützers glauben schenken zu wollen als der eines Waffen-Lobbyisten. Auch wenn es vielleicht gute und nachvollziehbare Gründe gibt, für eine Waffenproduktion im eigenen Land zu argumentieren: Wenn wir der Meinung sind, dass unsere Demokratie wehrhaft sein muss, dann brauchen wir Waffen. Wo sollen die herkommen? Die muss ja jemand herstellen oder sollen wir die von Russland kaufen? Aber es ist leider ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen, dass Geldverdienen an sich diffamiert wird. Das sehen Sie schon an der Rhetorik, wenn beispielsweise von einem „Milliarden-Geschäft“ die Rede ist. Es ist doch eigentlich gut. Wenn ein Milliarden-Geschäft in Deutschland getätigt und versteuert wird. Das ist die Grundlage des Gemeinwohls. Ich meine, Unternehmen haben keinerlei soziale Verantwortung. Der moralische Wert der Unternehmen entsteht einzig aus den Ergebnissen, welche sie produzieren: Waren, Dienstleistungen, Beschäftigung und Steuerzahlungen. Und natürlich hat ein Unternehmen das Recht die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Es muss es nur transparent machen.

Finden Sie tatsächlich, dass der Begriff „Milliarden-Geschäft“ negativ belegt ist?

Ja, absolut. Das oberste Unternehmensziel ist einzig und allein die Gewinnmaximierung, allerdings im Wettbewerb und im Rahmen der bestehenden Gesetze: die betriebswirtschaftliche, system-immanente Gewinn-Orientierung. Aber wenn der Begriff „Milliarden-Geschäft“ fällt, ist es nicht weit bis zur „Profit-Maximierung“ und danach kommt schon relativ schnell die  „Profit-Gier“. Mit solchen Kampfbegriffen wird Politik gemacht. Auf der anderen Seite steht dann der Altruist, der im Sinne des „Wahren, Schönen und Guten“ agiert. Das „Wahre, Schöne und Gute“ gibt es aber nicht. Es gibt immer ein Geben und Nehmen. Und: zu jeder Überzeugung gibt es immer eine Gegen-Überzeugung. Das kann man heutzutage sehr schön bei Facebook lernen, das muss man akzeptieren. Niemand macht etwas ohne Grund und wenn jemand einen solchen isolierten Altruismus praktizieren würde, dann müsste man den einsperren, weil er eine Gefahr für die Gesellschaft wäre. Und was Kampf-Begriffe betrifft: Nehmen Sie eine Schlagzeile wie „Das Geschäft mit dem Hunger“ zu einem Artikel bei dem es um Agrarkonzerne geht. Die andere Perspektive ist doch, dass die Agrarunternehmen einen konstruktiven Beitrag zur Welternährung liefern und dafür natürlich auch entlohnt werden müssen, da sie ja ansonsten keine Motivation hätte das Geschäft zu betreiben. Es gibt immer mindestens zwei Seiten. Das wird leider oft ausgeblendet.

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Sie meinen, auch jemand, der im allgemein akzeptierten Sinne „Gutes tut“, also etwa spendet oder sich sozial betätigt, möchte vielleicht Anerkennung erfahren oder sich gut dabei fühlen, verfolgt also auch „egoistische“ Ziele …

Klar tut er das. Wer sich etwa in demonstrativer Bescheidenheit übt, erwartet eine anerkennende Reaktion der Gesellschaft. Es ist eben einfacher und man erhält mehr Applaus, wenn man sich auf die Ebene von Greenpeace begibt als auf die des Waffenherstellers. Mir ist es wichtig, dass es immer eine Debatte mit Argumenten und Gegen-Argumenten gibt. Ich will mir keine „herrschende Meinung“ aufzwingen lassen. Als Selbstständiger kann ich mir zum Glück aussuchen, für wen ich arbeite, das kann ein Angestellter nicht unbedingt. Ich kann sagen: Ja, den Finanzdienstleister vertrete ich aber die Windkraft-Lobby auf keinen Fall.

Was haben Sie gegen Windkraft?

Ich gehe gerne in den Wald und mein Erholungsraum wird da zerstört. Und zwar von den Leuten, die mir jahrzehntelang erzählt haben, welche Wertschätzung man ebendiesem Raum entgegenbringen muss. Je mehr wir von den Windrädern aufstellen, desto teurer wird das Ganze. Windkraft kann nur funktionieren, weil der Wettbewerb ausgeblendet wird. Es wird festgesetzt, was dafür bezahlt werden muss und der Strom wird auch noch vorrangig ins Netz eingespeist. Das gesamte System wird rund um diese fehlende Wettbewerbsfähigkeit aufgebaut. Da bin ich prinzipiell dagegen. Das Ganze hat auch noch einen ästhetischen Hintergrund: Überall werden diese Dinger hingebaut. Und nachts blinken einem dann noch diesen roten, dämonischen Lichter entgegen. Aber im ernst: Ich bin dagegen, dass Ideologie die Wirtschaftspolitik beherrscht. Dafür ist die Windkraft leider ein aussagekräftige Beispiel.

Bei der medialen Kampagne gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat – haben da Ideologien und Medien Ihrer Meinung nach auch Hand in Hand gearbeitet?

Ja, das liegt daran, dass man sagt, etwas ist „wahrscheinlich krebserregend“. Das wird aber nicht als wissenschaftliche Kategorie der WHO verstanden, sondern publizistisch genutzt und ausgeschlachtet. Glyphosat wird von den NGOs nicht deshalb bekämpft, weil es krebserregend ist, sondern weil es wirtschaftlich erfolgreich ist. Warum ist es wirtschaftlich erfolgreich? Weil es sich auf dem Markt durchgesetzt hat! Der Landwirt ist doch kein Depp, der will ein Herbizid haben, das eine geringe toxische Mobilität gegenüber Tieren aufweist. Wenn der seine Pflanzen damit behandelt, will er sicherstellen, dass er seine Tiere nicht vergiftet. Glyphosat hat sich durchgesetzt, weil es das beste Herbizid ist, das wir kennen: hochwirksam, kostengünstig und für Tiere nicht giftig. Aber in der Berichterstattung werden dann Begriffe benutzt wie „der Pflanzenkiller“. Unkraut oder – politisch korrekt ausgedrückt – Acker-Beikräuter kann man entweder elegant chemisch „killen“ oder man kann sie umpflügen oder ausreißen. Das ist aber genauso ein Töten dieser Pflanzen. Letzteres wird aber von Ideologen und auch Medien dann gerne romantisiert als Bild einer „ursprünglichen“ Landwirtschaft. Tot ist die Pflanze dann so oder so. Schon Jesus sagte: „Das Weizenkorn muss sterben, damit es viele Früchte bringt.“

Da sind wir wieder bei Ihrer These, dass die NGOs einen Paradigmenwechsel bei der Landwirtschaft herbeiführen wollen.

Es geht hier um ein ideologisches Gesamtziel der NGOs. Die sind schlicht gegen die Art und Weise, wie industrielle Landwirtschaft betrieben wird. Je mehr Menschen es auf der Welt gibt, desto mehr Ressourcen werden verbraucht. Die Rechnung ist einfach: Die Öko-NGOs wollen weniger Menschen haben und mehr Natur. Im Rosseau’schen Sinne also eine regulierte Freiheit. Und zwar so reguliert, wie sie das wollen. Ich habe mal vor Jahren am ersten Konzept für ökologisches Obst und Gemüse in deutschen Supermärkten mitgewirkt. Die Öko-Szene hat wie wild dagegen gewettert. Weil es eben für den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel  war und damit für alle verfügbar. Damit war das für diese Leute, die sich sich durch den Verzehr von Bio-Lebensmitteln als bessere Menschen inszenieren wollen, nicht mehr exklusiv genug. Es geht hier auch um eine weltanschauliche Abgrenzung gegenüber anderen, darum  als besserer Mensch dazustehen. 

Heute gibt es Bio in jedem Discounter. Haben Sie also gewonnen?

Die Öko-Lobby ist nach wie vor bestrebt, den Wettbewerb klein zu halten. Es geht natürlich auch um wirtschaftliche Interessen, denn man hat hat sich sehr bequem in einem Nischenmarkt eingerichtet. Wenn man bei größerer Nachfrage ein begrenztes Angebot hat, ist das für die Produzenten von großem Vorteil. Diese Partikularinteressen sind aber mit starken weltanschaulichen Aspekten verknüpft. Verstehen Sie mich nicht falsch: Jeder hat das Recht, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Aber ich finde es problematisch, wenn das zur Ideologie erhoben wird und dann auch noch zur einzig wahren und gültigen. Wenn wir das Wort Wahrheit komplett aus unserem Wortschatz streichen würden, gäbe es weniger Kriege und Auseinandersetzungen. Wenn man dem anderen einfach zugesteht, dass jeder seine persönliche Wahrheit hat. Toleranz kann nur durch die Negierung von absoluter Wahrheit entstehen. 

Kritiker werfen den so genannten „Mainstreammedien“ gerne vor, selbst solche „absoluten Wahrheiten“ zu verbreiten. Ein Vorwurf in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Berichterstattung immer kommentierender wurde.

Das hat viel mit dem Auftritt der FTD (Financial Times Deutschland) zu tun. Damals ging das los Meinung und Nachricht zu vermischen. Die Bilder auf der Titelseite der FTD waren häufig kommentierend. Zu einer Titelgeschichte über Hedgefonds hat man eine rote Warnlampe gezeigt. Was hat so etwas da zu suchen? Da hieß es, das sei eben die moderne Art Zeitung zu machen, man trenne jetzt nicht mehr. Ich glaube schon, dass an einer Trennung festzuhalten ist. Man muss sich als Medium nämlich auch gegenüber sich selbst abgrenzen. Die von ihnen angesprochene Kritik sollte man daher meines Erachtens ernst nehmen.

Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Hasso Mansfeld schreibt außerdem regelmäßig für das Online-Debattenmagazin diekolumnisten.de. Für MEEDIA ist er in unregelmäßigen Abständen als Gastautor tätig.

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Alle Kommentare

  1. Schriftliche Kommunikation und ihre Tretminen: den Intellekt habe ich Ihnen ja gerade nicht abgesprochen, im Gegenteil. Umso mehr haben mich Ihre Aussagen zur Kernenergie verwundert.

  2. Unglaublich, wie jemand mit hinreichender Bildung und mehr als der intellektuellen Notausstattung sich in den Reigen der Windkraftgegner einreiht und der Atomlobby nach dem Mund redet.
    Und wie alle Menschen aus dieser Fraktion hat auch Hr. Mansfeld keine Lösung anzubieten.
    Natürlich wird bei den regenerativen Energiequellen einseitig in den Markt eingegriffen um künstlich eine Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Und das ist notwendig, wichtig und dringend! Niemand der verantwortungslosen Atommüllerzeuger hat bis heute eine Lösung, wie man 30.000 Jahre den strahlenden Müll sicher lagern kann, der auch in D täglich entsteht, niemand! Vom Betriebsrisiko will ich da gar nicht erst anfangen.
    Was bleibt da außer Kopfschütteln?

    1. @Dr. Marcus von Harlessem

      Dem andersdenkenden einzig aufgrund seiner Position pauschal den Intellekt abzusprechen ist totalitär. Eine Atomlobby, die den Namen auch verdient, gibt es zudem in Deutschland nicht mehr.

      Ich habe indes kein Interview zur deutschen Energiepolitik gegeben, sondern meine Einschätzung dargestellt, wie NGOs und ihre Kernthemen, in der Berichterstattung dargestellt werden.

  3. Endlich ein Beitrag in der deutschen Presselandschaft, den man als wahrlich unabhängig bezeichen darf – nicht zu messen an den üblichen Meinungs-Messlatten „richtig oder falsch“, und ohne ideologischen Verengungen (die oft sehr gut getarnt sind). Dazu möchte ich Hasso Mansfeld gratulieren. Gerade auch in der vergifteten Gentech-Diskussion möchte man sich solche Beiträge wünschen. Sie sind in der deutschen Presselandschaft leider noch isolierte Raritäten. klaus.ammann@ips.unibe.ch

  4. Herr Mansfeld argumentiert genauso einseitig, wie er es anderen vorwirft. Waffenproduktion für die eigene Verteidigung – ok. Export in arabische Staaten, konkret eine Lizenzfabrik bei den Saudis, deren Produkte dann nachweislich beim IS gelandet sind? Dazu kein Wort. Globalisierung generell im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise – ignorieren.

    Gewinnmaximierung ist das einzige Ziel, da hat jemand aus der Finanzkrise gelernt, Respekt! Der Markt hat gnadenlos versagt, der Steuerzahler sprang mit Milliarden ein – kein Wort dazu. Forderungen nach Korrekturen? Nein. Wenn die Immobilienblase platzt, wird es wieder lustig.

    Und jetzt noch das Erschütternde: Manche Bauern spritzen sich eben doch Dreck auf die Felder: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/forscher-insektizide-schaden-bienen-14289700.html (Jaja, ein Link der linken Kampfpresse)

    1. @Thosten Lohmann

      mein Beitrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Lobbyismus und Medien. Das Thema Waffenproduktion habe ich aufgegriffen, da sich bei der eigenen Verteidigung Widersprüche auftun. Die Thematik Waffenexporte ist noch mal ein eigenes Thema, das es sicherlich wert ist, nochmal gesondert zu betrachten.

      Zudem habe ich die Gewinnmaximierung als oberstes Unternehmensziel beschrieben, nicht als einziges, wie Sie es mir in Ihrem Kommentar vorwerfen.

      Und ich bezweifele auch nicht, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch negative Auswirkungen haben kann.

  5. Hat Mansfeld tatsächlich Organisationen wie Greenpeace und Campact zweimal vorgeworfen, sie wollten die Zahl der Menschen reduzieren? Womöglich gar durch Verhungern? So verstehe ich nämlich zumindest seine erste Aussage. Und hat der Journalist beide Male nicht nachgehakt? Also, ich halte das für eine ungeheuerliche und ziemlich verschwörungslastige Aussage. Und das sage ich, ohne besondere Sympathien für Greenpeace oder Campact zu hegen.

    1. „Man muss die Menschheit radikal auf eine Milliarde reduzieren“

      Paul Watson. Ex-Greenpeace jetzt Sea Shepard.

  6. Hervorragend Herr Mansfeld. Genau so ist es. Punkt. Und genau das wollen viele Leute – egal ob sie Lügenpresse sagen oder in anderer Form dasselbe meinen – nicht mehr lesen und hören. Was aktuell in Sachen „Brexit“ vor allem im öffenltich-rechtlichen Fernsehen stattfindet, ist unerträglich. In jeder dieser Nachrichten-Sendungen, Informationsmagazine, Talks, Diskussionen finden sich reihenweise Verteidiger der EU, Lobbyisten jeder Couleur (Verbände, Institute, staatlich Versorgte, Politiker, die sich die Europa-Pfründe und Jobs sichern wollen usw) treten auf, stündlich, loben dieses Konstrukt in höchsten Tönen. Es ist das Glück schlechthin für uns Büroger. Da sitzt Herr Juncker und labert sich bräääsig eins. Der Moderator ist pro-EU-Stichwortgeber. Ist das nicht schön?? Die anschließende Diskussion bleibt erneut in den Moderatoren-Fragen und mit passenden Gästen NUR pro EU. Alle Eingeladenen sind einer Meinung. Sie kommen aus Lobby-Vereinen, Gewerkschaften, Arbeitgeber-Verband, Professoren in bestbezahlter staatlicher Beschäftigung (Bürgergelder), Kirchen, Parteienfinanzierte Institute – nicht zu vergessen „die Bertelsmann-Stiftung“ (die machen das gut!) und alle sind natürlich „gesellschaftlich relevant“. Der Bürger staunt. Ist er nicht derjenige, der den eigenen Staat und zusätzlich diese EU in Gänze finanziert? Zum Dank dafür bekommt er keine Zinsen mehr. Dafür geht die EU großzügigst mit dem Geld um. Jeder bekommt etwas und redet damit PRO EU. Klar. Hat irgendeiner von all diesen „Experten“ die Finanzkrise kommen sehen? Nö, natürlich nicht. Aber dass die EU daran stirbt, wenn GB den Brexit beschließt, das können sie vorhersagen. Gleichzeitig zeigt dieser Bürokraten-Verein mit monatelangem Herum-Geeiere in Sachen Migration oder Griechenland, wie irrwitzig dieses Konstrukt wirklich ist. Der EU-Bürger sieht sehr genau, dass sie die Grenzen und damit die Bürger gar nicht mehr schützen wollen und können. Wie kann es keinen Datenabgleich geben nach 23 Jahren? Kein Wunder, dass der gemeine Terrorist oder Einbrecher oder Grapscher nur noch lacht. Und dann sprechen sie noch von blühenden Landschaften in Europa und vergessen zu sagen, wie schlecht es Portugal, Spanien, Griechenland, Frankreich wirklich geht und wer eigentlich NICHT unverantwortlich verschuldet ist. Aber.. sagen sie.. Schulden sind egal. Keine Zinsen für Bürger natürlich auch! Wie erklären diese Schwätzer eigentlich, dass sie die Bankenkrise nichr vorhersagen konnten und warum sie doch so genau wissen, was der Brexit „uns“ kostet, vor allem den armen Briten? Angstmache!? Gleichzeitig wird beschwichtigt, wenn Draghi Milliarden in die Märkte oder die Staaten pumpt, damit das Konstrukt nicht zusammenbricht und wir nach den Zinsen nicht lgeich alles verlieren. Und keine Erklärung, woher diese Milliarden und aber-Milliarden kommen, die dieses Monster verschlingt. Gleichzeitig wird uns erläutert, dass DIE WIRTSCHAFT uns ja sooo glücklich und reich gemacht hat. Und nur wenn DIE WIRTSCHAFT weiter so funktioniert, so grenzenlos, dann wird es uns weiter gut gehen. Und DIE WIRTSCHAFT – sagen uns die Lobbyisten zuvorderst – ist doch viel wichtiger als kontrollierte Grenzen… Wer braucht schon im „21.Jahrhundert“ Grenzkontrollen? Wer braucht schon Verzinsung von Geld z.B. für die Rente? Der Bürger, dieser Depp? Der auch noch Angst davor hat, dass in dem so wunderbaren, gut funktionierenden, alternativlosen Europa täglich Terroristen und Einbrecher über die Grenze laufen, aus vielen Richtungen. Ist es DAS, was die EU zum Wohle aller EU-Bürger leistet? Für WEN ist also Europa wirklich wichtig? Der Bürger könnte bei ein paar Urlaubstagen pro Jahr locker mit kontrollierten Grenzen leben. Nichts würde ihm dadurch fehlen außer vielleicht ein paar Stündchen Zeit. Und genau DIESE HERRSCHENDE MEINUNG, die den Briten und uns mit Hilfe aller Medien eingetrichtert werden soll, WILL ICH MIR NICHT AUFZWINGEN LASSEN. Hoffentlich bleiben die Bürger auf Widerstand gebürstet. Wir brauchen das wieder, dringend!

    1. Soso, es kommen also durch die unnötige EU dauernd Einbrecher und Terroristen über die offenen Grenzen.

      Mmmh…

      Anzahl Straftaten in 2015 in D durch Terroristen: 0
      Anzahl Straftaten in 2015 in D durch Rechtsextreme: 921 Gewalttaten mit 691 Verletzten, davon 612 fremdenfeindlich motiviert und die meisten in Sachsen

      Quelle: Innenministerium

      Unser Zusammenleben würde eher von einer Einmauerung von Sachsen profitieren, als von der Wiedereinführung von Grenzkontrollen zu EU-Nachbarn.
      Hetzen Sie bitte auf dem nächsten AfD-Parteitag aber nicht hier, danke.

  7. Stichwort Glyphosat: Anscheinend wird die WHO als gottähnliche Instanz angesehen. Laut ihr stehe Glyphosat im »im Verdacht, krebserzeugend zu sein« wurde und wird in den Medien kommuniziert. Indizien für den Verdacht wurden jedoch nie kommuniziert, und gegenteilige Meinungen, etwa von deutschen Behörden, wurden auch meist nicht erwähnt, eher als negative Berichterstattung für die deutschen Behörden (nach dem Motto: diese Bösen, sie zweifeln an der Einschätzung der Gesundheitsgötter der WHO, sie sind Handlanger der Pestizid-Lobby)
    Ganz interessant ist ja, das inzwischen eine andere Abteilung der WHO diesen Verdacht nicht bestätigt hat. Das wurde mal kurz erwähnt, aber dann anscheinend wieder vergessen. Also heißt es weiter unisono in den Medien und bei den Umweltverbänden: »Glyphosat steht nach Angaben der WHO im Verdacht, krebserregend zu sein«. Wenn das mal keine gute Lobbyarbeit ist, dass keines der Medien diese Aussage mal kritisch überprüft.

    1. @Karl Schmitt: Kritisch überprüfen? Wer? Die Medien? Plappern nur nach, was ihnen irgendwer vorplappert. Das berichten sie dann eifrig. Gestern hat „die Bertelsmann-Stiftung“ wieder zugeschlagen.. Und? Überall wurde berichtet. Bald sitzen in Talkshows wieder Politiker, die sich auf „die Bertelsmann-Stiftung“ berufen. Sind wir in der Medienkrise, in der „wir“ uns befinden, nur noch umgeben von Abschreibern? Warum sind „die Medien“ so anfällig geworden für die oben geschilderten Einvernahmen? Warum kann so etwas passieren wie mit dem Glyphosat? Weil wir inzwischen ALLES glauben was irgendjemand forsch behauptet. Weil man uns, den gesündesten Menschen ever, die immer älter werden, derartig verdummen kann mit jedem behaupteten Horrorszenarium zu irgendwelchen Krankheiten oder „falschem“ Essen etc.etc. ? Und dann verbreiten wir den Unsinn auch noch weiter? Bis am Ende keiner mehr den Ursprung dieser Behauptungen mehr findet aber immer noch dran glaubt? Warum ist das so? Wie konnte das passieren?

  8. Herr Mansfeld, Sie mögen ja vom Mediengeschehen und Lobbyismus viel Ahnung haben, von Landwirtschaft und Pflanzenschutz haben Sie definitiv keine. Das verrät schon dieser Absatz: „Unkraut oder – politisch korrekt ausgedrückt – Acker-Beikräuter kann man entweder elegant chemisch „killen“ oder man kann sie umpflügen oder ausreißen. Das ist aber genauso ein Töten dieser Pflanzen. Letzteres wird aber von Ideologen und auch Medien dann gerne romantisiert als Bild einer „ursprünglichen“ Landwirtschaft. Tot ist die Pflanze dann so oder so.“
    Sorry, Herr Mansfeld, aber selbstverständlich geht es auch beim ökologischen Pflanzenschutz darum, das Beikraut zu „killen“ oder zumindest zurückzudrängen, um mit der Nutzpflanze einen ordentlichen Ertrag zu erreichen – das wird kein Biobauer der Welt bestreiten. Nur geschieht dies eben mit möglichst umweltschonenden Methoden, die keine gefährlichen Nebenwirkungen für Mensch und Tier bergen.

    Desweiteren behaupten Sie, dass Glyphosat für Tiere nicht giftig ist. Das Gegenteil ist in langjährigen Studien bewiesen. Hierzu einige Aussagen aus einer Studie, die von der International Agency for Research on Cancer (IARC), einer Einrichtung der WHO, durchgeführt wurde:
    „Die im März 2015 in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlichte Studie zeigt auf, dass insgesamt fünf Organophosphate, die als Herbizide oder Pestizide zum Einsatz kommen, krebserregend sind. Darunter befindet sich auch das Herbizid Glyphosat, das in die Gruppe 2A eingestuft wurde. Diese Kategorie umfasst Substanzen, die bei Tieren definitiv und bei Menschen höchstwahrscheinlich Krebs auslösen. Die Studie bezieht sich auf diverse Untersuchungen in den USA, Kanada und Schweden, die seit 2001 durchgeführt wurden. Hierbei kamen Krebs-Experten aus 11 Ländern einstimmig zum Schluss, dass Roundup bei Tieren Krebs auslösend wirkt.
    Die Forschungen ergaben mitunter eine Häufung von Karzinomen der Nierentubuli und von bösartigen Tumoren im Stütz- und Bindegewebe. Zudem erhöhte Glyphosat die Rate von Geschwülsten in der Bauchspeicheldrüse und es kam zu einer erhöhten Rate von Hautkrebs. Doch auch der Mensch bleibt nicht verschont: Die Wissenschaftler konnten überzeugende Beweise vorlegen, dass das Herbizid Lymphdrüsen- und Lungenkrebs auslöst.
    Zudem haben Untersuchungen gezeigt, dass Glyphosat in menschlichen und tierischen Zellen DNA- und Chromosomenschäden verursacht.“

    Also, ich glaube, das sollte zumindest reichen, um eine skeptische Haltung gegenüber Glyphosat einzunehmen. Die Ablehnung dieses Mittels mag zwar teilweise auf Lobbyismus basieren, die Befürwortung aber mindestens genauso stark. Eine einfache Wahrheit gibt es da in der Tat nicht, im Zweifelsfall sollte aber immer noch der Vorsorgegedanke gelten. Oder finden Sie es gut, wenn wir erst mal unsere Gesundheit riskieren und die Verursacher anschließend die immensen Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen?

    1. Oh je… die WHO mit ihrem Auftrag, für die Gesundheiter aller Menschen auf der ganzen Welt zu sorgen… Und doch machen die Menschen so viele individuelle „Fehler“ und tragen damit zu einer Erkrankung bei. Kann man irgendwie nicht verhindern. Blöd oder? Wieso hat man die Menschen in diesem Punkt noch nicht richtig disziplinieren können? Woher kommt der Glaube, dass es je gelingen könnte, jedes Lebensrisiko zu verhindern? Wir nehmen Medikamente oder feiwilliges Zeug, das im Körper irgendetwas anstellt? Was jetzt? Das Glyphosat verbieten??? Das isses dann? Man weiß doch, dass alles, was wir tun und zu uns nehmen oder nicht Konsequenzen auf unsere Lebenserwartung hat. Wir irrsinnig ist es, dass man all diesen „Studien“ glaubt ohne zu wissen, wie genau sie gemacht wurden. Und wer hat sie gemacht und in welchem Land. Und wer hat die Kriterien geprüft? Und warum, mit welchem eigenen Gedankengut wird das begonnen? Was wollte der oder die herausfinden, für wen oder gegen wen? Und doch werden – und das ist doch ein echtes Problem – die Menschen so unglaublich alt, nicht nur im westlichen Ländern. Wo wir doch für all das giftige Zeug um uns herum haben und dirket in uns rein stopfen? Wie ist das bloß zu erklären??

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