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DJV schreibt Brief an Intendant Bellut: ZDF soll Anfeindungen gegen EM-Kommentatorin Neumann verfolgen

DJV-Chef Frank Überall und der Fachausschuss für Chancengleichheit fordern die strafrechtliche Verfolgung von Hasskommentaren gegen ZDF-Frau Claudia Neumann
DJV-Chef Frank Überall und der Fachausschuss für Chancengleichheit fordern die strafrechtliche Verfolgung von Hasskommentaren gegen ZDF-Frau Claudia Neumann

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) ist mit dem Agieren des ZDF in der Causa Neumann nicht zufrieden. In einem offenen Brief fordert der Fachausschuss für Chancengleichheit die strafrechtliche Verfolgung von Nutzern, die EM-Kommentatorin Claudia Neumann angefeindet haben. Man habe die Hasskommentare "mit Entsetzen" zur Kenntnis genommen.

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„Es ist gut, dass das ZDF sofort reagiert und Stellung bezogen hat gegen die Kommentare. Aber wir erwarten auch, dass die Verfasser im Rahmen juristischer Möglichkeiten zur Verantwortung gezogen werden“, fordert Mechthild Mäsker, Vorsitzende des DJV-Fachausschusses Chancengleichheit. „Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist hier in der Pflicht, ein deutliches Signal zu setzen“.

„Wir haben viele Jahre Erfahrung mit frauenfeindlichen Äußerungen, aber die entwürdigenden, demütigenden und gewaltdrohenden Kommentare haben ein Ausmaß erreicht, das uns fassungslos macht“, heißt es weiter. Unterzeichnet wurde der Brief auch vom DJV-Vorsitzenden Frank Überall.

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Das ZDF kommentierte die Anfeindungen gegen Neumann, die für das ZDF als erste Frau in der EM-Kommentatorenkabine sitzt, bislang als „asozial“ und betonte die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit. Auf der Facebook-Seite des Senders hatte es teilweise extrem frauenfeindliche Aussagen gegeben. „Es wurden zahlreiche beleidigende Kommentare entfernt. Wenn Sie nicht sachlich an der Diskussion teilnehmen, werden wir Sie sperren“, schrieb die ZDF-Redaktion dazu: „Beleidigungen sind keine Meinung und werden entsprechend unserer Netiquette nicht geduldet!“ Neumann selbst versuchte der Sache gelassen zu begegnen. „Mich hat das nicht überrascht, ich hatte das ja erwartet“, erklärte sie.

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Alle Kommentare

  1. @Liebe, Lothar Stefan Bach, Hans Werner Conen

    Bei Beleidigungen, Anfeindungen und Drohungen muss der/die Betroffene nicht selbst Anzeige erstatten, es kann auch der Arbeitgeber in Vertretung seiner Mitarbeiter tun, wenn der/die Betroffene in seinem/ihren Beruf/Arbeitstelle verbal angegriffen wurde.

    Es wurde auch nicht sachlich oder kontruktiv Kritik geübt, sondern rein auf das Geschlecht bezogen diskriminiert, beleidigt und sogar gedroht und gehetzt, also klar sexistisch durch frauenfeindliche asoziale Jungen und Männern. Solche reaktionären ewig gestrige erzkonservative Jungen und Männer sind zum fremdschämen und ein weiterer Grund für mehr Feminismus und Frauenquoten.

    Plumpe Beleidigung, Drohung und Hetze sind Straftaten und nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt – im Gegensatz zur Satire – und werden dementsprechend bestraft und das ist auch gut so.

    Abgesehen davon war die Kommentatorin ihren männlichen Kollegen ebenbürtig. Die Männlichen Kollegen haben oft ‚geschlafen‘ und Tore zu spät vorhergesehen und oft auch zu spät kommentiert.

    1. § 194 Abs. 3 StGB („Strafantrag“) lautet:

      „(3) Ist die Beleidigung gegen einen Amtsträger, einen für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten oder einen Soldaten der Bundeswehr während der Ausübung seines Dienstes oder in Beziehung auf seinen Dienst begangen, so wird sie auch auf Antrag des Dienstvorgesetzten verfolgt. Richtet sich die Tat gegen eine Behörde oder eine sonstige Stelle, die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrnimmt, so wird sie auf Antrag des Behördenleiters oder des Leiters der aufsichtführenden Behörde verfolgt. Dasselbe gilt für Träger von Ämtern und für Behörden der Kirchen und anderen Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts.“

      Noch Fragen zum Strafantrag? Und: Gibt es einen? Feministische (Ersatz-) Religion und ZDF als Heiligtum – das wär’s doch, oder?

      In einem durchhysterisierten Land voller Sozialstaats-Junkies mit betreutem Denken, dessen neue Feudalkaste sich ganz traditionell mit einem „neuen“ Strafrecht aus dem Sumpf ihres Bedeutungsverlusts zu ziehen versucht, entscheiden berufsmäßige „Opfer“ im bekannt „kurzen Prozeß“ über „Rübe ab“ – wozu Gesetze, man hat doch Journalisten und ihre „Experten“. Hier ist – außer in hoffnungslosen Fällen, also fast immer – die „Zeit“-Kolumne von Bundesrichter Thomas Fischer („Fischer im Recht“) sehr hilfreich. Es ist eine Art „Aufschrei“, nur ohne Silikon und mit Verstand.

      „Frauenfilme zu Frauenwahrheiten und Frauenfragen“ gibt es (kostenlos) unter
      http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/rechtspolitik-sexualstrafrecht-vergewaltigung-taeter-opfer-fischer-im-recht

      1. Herr Conen, auch wenn Strafantrag und strafrechtliche Verfolgung einige Buchstaben gemeinsam haben, sind Sie nicht gleichzusetzen. Denn eine strafrechtliche Verfolgung ist mehr als nur ein Strafantrag (auch wenn Google sofort dahin verlinkt :-D)

  2. Wie landet bloß die seiner verzweifelten Lage geschuldete Unsinns-Propaganda des DJV so zuverlässig (fast nur) bei Meedia?

    Ist es denn zuviel an journalistischer Kompetenz verlangt, den DJV etwa an dem zu messen, was er zur strafrechtlichen Verfolgung von „Ehrendelikten“ (vgl. §§ 185, 186 ff. StGB) erst jüngst in Sachen Böhmermann/Erdogan zum Besten gegeben hat? Und nun sollen also die Kretis und Pletis „zur Verantwortung gezogen werden“, die sich an einer umstrittenen Fußball-Reporterin vergangen haben sollen. Das ist nicht nur juristischer Unsinn.

    „Beleidigung“ und Ähnliches sind Antragsdelikte, die nur verfolgt werden (dürfen!), wenn der/die Betroffene einen ausdrücklichen Strafantrag stellt. Frau Neumann, die offenbar beim DJV dringend als von bitterbösen Nazis verfolgte „Jeanne d‘ Arc des Staatsfernsehens“ instrumentalisiert werden soll, hat aber klugerweise keinen Strafantrag gestellt; das kann auch der um keinen PR-Gag verlegene Intendant nicht an ihrer Stelle.

    Die abstruse DJV-Forderung hat deshalb nur einen Sinn: Der in die Bedeutungslosigkeit abstürzende Verband, von nutzlosen, aber teuren Mini-„Streiks“, dem Massen-Exodus zahlender Mitglieder, der immer hoffnungsloseren Finanzlage und immer dreister abzockenden Funktionären gequält, will in die Medien, auch um den Preis der Lächerlichkeit.

    Man ist ja bescheiden (geworden) und fragt schon nicht mehr, was die ewigen Forderungen, Andersdenkende in einer Art neuem Gulag zum Schweigen zu bringen, über den intellektuellen Zustand von SPD/Grüne/DJV & Co. offenbart. Die selbsternannte „Vierte Gewalt“ auf dem Weg zur Wach-Koma-Station für frustrierte „Nanny-Journalisten“.

  3. man kanns auch übertreiben mit der kollektiven Empörung. Diese Rufe nach strafrechtlicher Ahndung gehen eindeutig zu weit.
    Ich kannte Frau Neumann bisher nicht. Aber auf dem Foto macht sie den Eindruck, als sei sie nicht so dünnhäutig und könne mit den paar Anfeindungen schon richtig umgehen. Zudem steigern Anfeindungen den Bekanntheitsgrad und damit den Marktwert nicht unerheblich. Siehe mein Beispiel. Bisher wusste ich nicht, wer das ist. Jetzt schon.

    1. Hallo Herr Bach,
      die Forderungen nach strafrechtlicher Ahndung gehen zu weit? In einem Rechtsstaat? Fotoeindruck? Beleidigungen steigern den Marktwert?

      An dieser Stelle würde ich Ihren Marktwert gerne steigern – ich scheine gerade in eine Parallelwelt geraten zu sein.

      Gruß, Andreas Kerstan

  4. „In einem offenen Brief fordert der Fachausschuss für Chancengleichheit die strafrechtliche Verfolgung von Nutzern, die EM-Kommentatorin Claudia Neumann angefeindet haben.“

    Die strafrechtliche Verfolgung als Mittel zur Durchsetzung der Chancengleichheit? Erstaunlich, was in manchen Köpfen herumspukt.
    Und was ist jetzt bitte schön strafrechtlich relevante Anfeindung?
    Beleidigung reicht wohl einigen ZeitgenössInnen nicht mehr.
    Das wundert einem bei dieser politischen Sendeanstalt aber auch nicht wirklich. Hat der Maas sich schon geäußert? Hass und Hetze hatte er ja schon aufm Verbotsschirm.

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