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Aus nach 18 Wochen: Gruner + Jahr nimmt Frauenzeitschrift frei! vom Markt

Gruner + Jahrs jüngstes Print-Projekt hat es nicht geschafft: Am Donnerstag gab der Verlag die Einstellung bekannt
Gruner + Jahrs jüngstes Print-Projekt hat es nicht geschafft: Am Donnerstag gab der Verlag die Einstellung bekannt

Was als mutigstes Kiosk-Experiment des Jahres begann, endet jäh: Am heutigen Donnerstag hat Gruner + Jahr das Aus der Wochenzeitschrift frei! bekannt gegeben. Nach nur 18 Ausgaben wird das am 12. Februar gestartete Magazin eingestellt; die morgen erscheinende Ausgabe wird die letzte sein. Der Verlag scheiterte beim Versuch, sich einen Platz im lukrativen wöchentlichen Frauensegment zu erobern.

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Wie es im Verlag heißt, hat das neue Heft die Erwartungen im Einzelverkauf deutlich verfehlt. Nach Branchenschätzungen kam die Zeitschrift pro Ausgabe nur auf etwa 50.000 Exemplare – mindestens doppelt so viele hätten es nach MEEDIA-Information sein müssen, damit sich das Magazin gerechnet hätte. Erhofft hatte man sich zum Start jedoch eine weit höhere Nachfrage, wie die Marketingaktion zum Launch zeigte: Damals ließ G+J 900.000 Hefte drucken und gratis verteilen.

Zum Verkaufsstart waren es dann immer noch 500.000 Exemplare, die zum Verkaufspreis von 1,90 Euro in den Handel gingen. Doch die geballte Präsenz hat nichts genutzt. Das Heftkonzept, dem Massenmarkt ein anspruchsvolles Produkt entgegen zu setzen, funktionierte von der ersten Ausgabe an nicht. Der Chefredakteur von stern.de, Philipp Jessen, der neben View-Chefredakteur Hans-Peter Junker und Redaktionsleiterin Annette Utermark zum Blattmacher-Team gehört, hatte seinerzeit  gegenüber der Süddeutschen Zeitung das Prinzip der „Constructive News“ als Alleinstellungsmerkmal bezeichnet: „Frei! ist offen und positiv, die Botschaft lautet: Alles wird gut.“ Und weiter: „Unser Ziel war es, den Fans von Fast Food eine bessere Variante eines Burgers anzubieten, den Bio-Burger sozusagen.“

Ohne Zweifel war frei! ein ehrgeiziges Projekt, das Gruner + Jahr im Rahmen seiner Print-Offensive gestartet hat, eine „Mutprobe in der Kiosk-Kampfzone“. Die Blattkritiker konnte frei! indes mehrheitlich nicht überzeugen. „More of the same statt einer echten und eigentlich auch fälligen Innovation im Segment der wöchentlichen Frauenzeitschriften“, befand MEEDIA im Februar nach Durchsicht der Startausgabe. Auch auf Seiten der für die Vermarktung wichtigen Printexperten bei den Media-Agenturen überwog die Skepsis. Tenor: das G+J-Weekly sei „nicht so neu und innovativ wie angekündigt“.

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Als sich aufgrund der geringen Verkaufszahlen ein Flop abzeichnete, versuchten Redaktion und Verlag gegenzusteuern. Cover-Gestaltung, Logo und Subline wurden mehrfach verändert, zuletzt wurde sogar der Copypreis testweise auf 1,20 Euro reduziert. Am Ende half all das nicht. Nach Print-Erfolgen mit Flow, Chefkoch, Barbara, stern Crime oder NG Traveler muss Gruner + Jahr bei frei! einen Rückschlag einstecken. Für die von der Einstellung betroffenen etwa zehn Mitarbeiter will der Verlag nach Lösungen suchen, um diese möglichst im Haus weiter zu beschäftigen. Ein Teil der Redaktion war ohnehin von anderen Titel „ausgeliehen“ und kehrt an die vorherigen Arbeitsplätze zurück.

(ga)

 

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Alle Kommentare

  1. ui, ich nochmal… las gerade, was Thema beim ersten Heft gewesen ist:

    „Leserinnen erfahren außerdem von den Quellen, aus denen Angela Merkel Kraft in der Krise schöpft.“

    *rofl* … also, nee, da wundert mich gar nichts.

    Schönes Leben noch! 🙂

  2. Ich höre jetzt zum allererstem Mal von dem Magazin.
    Aber, kann es sein, dass die Regale mit bunten „Frauenzeitschriften“ in den Kiosken bereits überquellen…?

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