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LinkedIn-Übernahme für 26 Milliarden Dollar: Hat Microsoft zu viel bezahlt?

Liefert jetzt mit LinkedIn: Microsoft-CEO Satya Nadella
Liefert jetzt mit LinkedIn: Microsoft-CEO Satya Nadella

Es war der Paukenschlag zu Wochenbeginn: Microsoft übernimmt das Karriere-Netzwerk LinkedIn für 26,2 Milliarden Dollar. Die Reaktionen fielen reflexartig aus: Die mit Abstand größte Übernahme in der vierzigjährigen Geschichte des Software-Riesen ist nach klassischen volkswirtschaftlichen Kriterien kaum zu fassen – LinkedIn verliert schließlich weiterhin Geld. Doch gemessen an den einstigen Höchstkursen des Börsenlieblings kommt Microsoft gar relativ günstig zum Zug.

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Plötzlich war eine der spektakulärsten Börsen-Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre zu Ende: Um krachende 43 Prozent taumelte die Aktie von LinkedIn Anfang Februar nach enttäuschenden, aber keinesfalls desaströsen Quartalszahlen von 192 auf 110 Dollar, um tags darauf gar die 100-Dollarmarke nach unten zu durchbrechen.

Am Montag setzten die Anteilsscheine, die sich in den vergangenen Monaten nur mühsam wieder berappelt hatten, nun zur spektakulären Gegenbewegung an: Plötzlich leuchteten nach einem Kursplus von 43 Prozent wieder Kurse über 192 Dollar auf.

„Microsoft hat überbezahlt“

Der Grund: Das Übernahmeangebot von Microsoft über 26 Milliarden Dollar, das von vielen Marktkommentatoren schnell als stolz empfunden wurde, zumal der drittwertvollste Konzern der Welt die Summe in bar überweisen will und sich dafür verschulden muss.

„Wir glauben, Microsoft hat überbezahlt“, senkte Analystin Sarah Hindlian von der australischen Investmentbank Macquarie den Daumen. Die Marktreaktion fiel entsprechend aus: Während die Anteilsscheine von LinkedIn in die Höhe des Übernahmeangebots schossen, gaben Microsoft-Aktien in den beiden folgenden Handelstagen um drei Prozent nach.

Microsoft erzielt 24 mal höhere Umsätze, zahlt aber 1/15 seines Börsenwertes
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Die Einschätzung beruht nicht zuletzt auf volkswirtschaftlichen Kriterien: Im jüngsten Quartal erlöste LinkedIn 861 Millionen Dollar, verlor aber erneut Geld wegen seines Expansionskurses – 46 Millionen Dollar betrug das Minus diesmal. Zum Vergleich: Microsoft erlöste im ersten Kalenderquartal 20,5 Milliarden und konnte dabei einen Nettogewinn von 3,75 Milliarden Dollar einfahren.

Der Redmonder Softwareriese erlöst also 24-mal mehr als LinkedIn, ist nach dem Übernahmeangebot von 26,2 Milliarden Dollar für LinkedIn aber nur 15-mal wertvoller als das Business-Netzwerk, obwohl Microsoft Milliardengewinne verdient, während das Karriere-Netzwerk Geld verliert.

Nadella schlägt Kapital aus LinkedIns Börsenabsturz

Ist der Deal damit einmal mehr Ausdruck der Mergermanie, bei der mit Premiumpreisen nur so um sich geworfen wird? Nicht unbedingt. Wenn es Microsoft gelingt, LinkedIn sinnvoll in sein Ökosystem zu integrieren und die 433 Millionen Nutzer langfristig zu monetarisieren, könnte sich der Deal auf lange Sicht möglicherweise auszahlen.

Vor allem gemessen an den historischen Höchstkursen sieht es eher danach aus, dass Satya Nadella Kapital aus dem brutalen Börsenabsturz LinkedIns geschlagen hat, der bis heute wie ein schwarzer Schwan der Kapitalmärkte aussieht. Anfang 2015 notierte die LinkedIn-Aktie zu Allzeithochs noch bei Kursen von über 275 Dollar.

Den üblichen Premiumaufschlag von 40 bis 50 Prozent addiert, hätte Microsoft seinerzeit Kurse von über 400 Dollar oder etwa 50 Milliarden Dollar bieten müssen – 16 Monate später bekommt der Techpionier den Social Media-Liebling nun zum halben Preis. Kein schlechtes Timing.

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Alle Kommentare

  1. Die Starken kaufen die Schwachen aus der Portokasse sobald deren Kurse leicht (oft sehr stark) verfallen. Vor Monaten war das schon absehbar.
    Das ist wie Cabrios am ersten Schnee-Tag vs. Cabrios am ersten Frühjahrs-Sonnen-Tag. Gleiches Cabrio, deutlicher Preis-Unterschied… Man muss nur warten können denn die Konjunktur und Börsenkurse gehen hoch und runter. Das vergisst die Wirtschaftspresse leider und hat keine Sortierte Liste von Firmen welche billig aufgekauft werden könnten.
    Segway wurde vom chinesischen Alternativ-Anbieter übernommen. Gleiches wohl für einen Drucker-Hersteller durch ich glaube einen chinesischen Drucker-Patronen-Hersteller/Alternativ-Anbieter. Auch Deutsche Firmen haben in USA zwei Lebensmittel-Firmen übernommen.

    M$ entlässt 14.000 Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel ist wirklich vorbei.
    Wie viel Mitarbeiter haben die und wie viel Geld spart man wohl durch direkten Zugriff auf Linked-In ?
    Wie viel Acquise-Kosten und Tageszeitungs-Ausschreibungen muss man als Großunternehmen ständig machen ? Macht doch die Stellenausschreibungen in Eurer Tageszeitung auf… Wer ein eigenes Auto hat, spart die Taxi/ÖPNV/…-Kosten. M$ spart jetzt viele Ausgaben in der eigenen HR-Abteilung. Das ist wie wenn man sieht das ein Lieferant viel Geld mitverdient und man ihn daher übernimmt.

    Allerdings sind Microsoft bei Skype auch gescheitert bzw. lassen es vor sich hin stagnieren wie NEST bei Google auch nicht in die Pötte kommt. Die meisten Aufkäufe scheitern wie schon Branson sagte:
    http://meedia.de/2016/04/05/uebernahme-von-virgin-america-alaska-air-entreisst-medien-mogul-richard-branson-teil-des-lebenswerks/
    Und wir kleinen Kunden müssen auf die Disruption weiter – und zwar unnötig länger – warten :-/

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