buzzer-das-letzte-aus-dem-netz
Anzeige

Gauck-„Schock“: Wie die aktuelle mit einem Rollstuhl-Foto ihre Leser für dumm verkauft

Funkes aktuelle nimmt es, mal wieder, mit der Wahrheit nicht so genau
Funkes aktuelle nimmt es, mal wieder, mit der Wahrheit nicht so genau

Bundespräsident Joachim Gauck wird keine zweite Amtszeit antreten. Das große Thema der vergangenen Woche bewegte natürlich auch die Klatschmedien – wie Funkes aktuelle. Die Yellow-Redaktion kramte kurz im Foto-Archiv und fand dort den "ernsten Hintergrund" für Gaucks "Schock-Rücktritt". Anfang Juni fotografierte man den Bundespräsidenten im Rollstuhl, in dem er natürlich nicht, wie die aktuelle vermuten lässt, aus Krankheitsgründen Platz genommen hatte.

Anzeige
Anzeige

Gauck besuchte die Auftaktveranstaltung zur Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes, bei dem das Thema Inklusion im Fokus stand. Anwesend waren auch im Rollstuhl sitzende Sportler, deren Situation der Präsident offensichtlich nachempfinden wollte – also nahm Gauck Platz, was anwesende Fotografen sicherlich entzückte.

 

Joachim-Gauck-Rollstuhl

Über das Bildmaterial gefreut hat sich offenbar auch die Redaktion von die aktuelle, die ihren aktuellen Titel mit Joachim Gauck aufgemacht hat, wie FAS-Autor Jörg Thomann bei Twitter dokumentierte. Zum Rollstuhlfoto schrieb das Klatschblatt: „Der Schockrücktritt – so ernst ist der Hintergrund“. Reinmontiert wurde zusätzlich ein Foto, das Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt zeigt und auf dem er  ein Taschentuch vor dem Gesicht hält.

Abgesehen von der Tatsache, dass sich Gauck nicht für einen Rücktritt entschieden hat, sondern einfach nicht erneut zur Wahl antritt, ist die Bild-Textkombination vor allem – freilich wenig überraschend – moralisch mehr als fraglich. Offensichtlich soll sie nahelegen, dass der Bundespräsident gesundheitlich an den Rollstuhl gefesselt ist.

Anzeige

Dass sich der 77-Jährige mit den anwesenden Sportlern vielleicht nicht gerade ein Wettrennen geliefert hat, dürfte wohl für jeden nachvollziehbar sein. Dass der Politiker, der – wie es heißt – beim langen Stehen über die ein oder anderen Beschwerden klagt aber durchaus noch agil ist, zeigt sein sportlicher Erfolg an diesem Tag. Auf dem Sportfest hat er noch ein kleines Abzeichen gemacht.

Beispiellos agierte aber nicht nur die aktuelle, sondern auch der Konkurrenztitel Das neue Blatt aus dem Hause Bauer Media. Das „enthüllt“ in der aktuellen Ausgabe eine „neue Tragödie“ um Gaucks Ehefrau. Was klingt wie eine schwere persönliche Krise, ist, wie ebenfalls Thomann festhält, ein Todesfall aus dem Freundeskreis von Schadt – der allerdings zwei Jahre zurück liegt.

 

 

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „Das neue Blatt“ und die „Die Aktuelle“ – was wären die Wartezimmer beim Arzt nur ohne sie?

    Ok, etwas erträglicher vielleicht.

    Aber diese Doof-Blätter (mit den erstaunlich hohen Auflagen) leben jetzt schon länger als manches seriöse Blatt und werden wahrscheinlich auch noch leben, wenn die meisten Geschichten über heutige Qualitätszeitungen mit den Worten „Es war einmal…“ beginnen.

    Das ist die Realität.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*