Anzeige

Presserat rügt Couch und Chip Online wegen Schleichwerbung

Der Presserat kontrolliert die Medien unter ethischen Gesichtspunkten
Der Presserat kontrolliert die Medien unter ethischen Gesichtspunkten

Die Beschwerdeausschüsse des Presserates haben getagt und noch immer beschäftigt der Germanwings-Absturz die Medienwächter. Zudem geht es schon wieder um die Berichterstattung über einen Terroranschlag – diesmal den aus Brüssel. Die meisten Rügen sprachen die Berliner jedoch wegen Schleichwerbung aus. Betroffene: Couch und Chip Online.

Anzeige
Anzeige

Die Wohnzeitschrift Couch von Gruner + Jahr wurde wegen eines redaktionellen Artikels über die Pflegeserie eines Kosmetikherstellers sowie einen PR-Beitrag gerügt, der nicht als Werbung gekennzeichnet war. „In dem Artikel wurden sieben verschiedene ‚Kultprodukte‘ eines Unternehmens in Wort und Bild beschrieben. Es wurden Preise genannt und auf die Website des Herstellers verwiesen“, erklären die Medienwächter. Für den Beschwerdeausschuss wurde die Grenze zur Schleichwerbung überschritten.

In dem betroffenen PR-Beitrag wurden diverse Ferienwohnungen eines Anbieters in europäischen Hauptstädten vorgestellt. Der Veröffentlichung lag eine „Kooperation“ der Zeitschrift mit diesem Anbieter zugrunde. Deshalb wäre nach Einschätzung der Medienwächter eine Kennzeichnung als Werbung notwendig gewesen.

Ebenfalls wegen Schleichwerbung wurde Chip Online gerügt. Die Münchner hatten 20 Produkte aus dem aktuellen Flyer eines Elektronikmarktes vorgestellt und empfohlen. Nach Meinung des Presserates war die dabei verwendete Sprache „eindeutig werblicher Natur“.

Eine Rüge gab es noch für die Geislinger Zeitung. Der Redaktion der Südwest Presse hatte ein Mitglied des Gemeinderates einen Leserbrief geschrieben. Statt ihn einfach abzudrucken, zitierte die Tageszeitung ihn ausführlich in einem anderen Artikel. Nachdem sich der Betroffenen via E-Mail darüber beschwerte, leiteten die Journalisten diese Mail vollständig an Dritte weiter. Der Presserat erkannte in dem Fall jeweils Verstöße gegen die Richtlinie 2.6 (Leserbriefe) und Ziffer 8 (informationelle Selbstbestimmung).

Anzeige

Ebenfalls gerügt wurde die B.Z.. In der Berichterstattung über die Tötung eines Neugeborenen durch die 18-jährige Mutter, sah der Presserat das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der jungen Frau verletzt.

Ein weiteres großes Thema in diesem Sitzungszyklus war – mal wieder – der richtige Umgang mit der Berichterstattung über Terroranschläge. Den Medienwächtern lagen nach den Anschlägen von Brüssel insgesamt acht Beschwerden gegen Tageszeitungen und Online-Medien vor. Alle Redaktionen hatten eine oder mehrere Aufnahmen gezeigt, auf denen schwer verletzte Menschen identifizierbar zu sehen waren. Nach Meinung des Presserates verstoßen diese Fotos gegen den Schutz der Persönlichkeit. „Presseethisch zulässig waren Fotos, die die dramatische Gesamtszenerie am Flughafen und an der Metro zeigten. Diese Bilder dokumentieren die schreckliche Realität dessen, was sich ereignet hat, überschreiten jedoch keine ethische Grenze“, erklären die Berliner. Gegen alle acht Medien sprachen die Berliner eine Missbilligung aus.

Zudem müssen sich die Medienwächter noch immer mit der Berichterstattung rund um den Germanwingsabsturz und den Co-Piloten Andreas Lubitz beschäftigten. Die Online-Ausgabe einer Zeitung kassierte eine Missbilligung, weil sie den Ausriss einer E-Mail von Andreas Lubitz an seinen Psychiater veröffentlicht hatte, aus der der Nachname des Therapeuten ersichtlich war. Die Online-Ausgabe einer Zeitschrift hatte aus einem Gutachten des Psychiaters Passagen zitiert, „in dem das Verhältnis des Piloten zu seinen Eltern problematisiert wird“, wie der Presserat erklärt. Beide Veröffentlichungen sah der Ausschuss als Verletzung des in Ziffer 8 des Pressekodex geschützten Privatlebens und der informationellen Selbstbestimmung an. „Bei den Passagen aus dem Gutachten ist der Verstoß von besonderem Gewicht, weil eine Mitschuld der Eltern bzw. des Psychiaters an der Tat des Piloten in den Raum gestellt wird.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*