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„Ein Sargnagel des Journalismus“: Otto Brenner Stiftung stellt erste große Studie zu Content Marketing vor

 Dr. Lutz Frühbrodt ist  Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Universität Würzburg-Schweinfurt
Dr. Lutz Frühbrodt ist Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Universität Würzburg-Schweinfurt

Wie viel Einfluss wird Content Marketing (CM) auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen? In einer Studie in Zusammenarbeit mit der Otto-Brenner-Stiftung beobachtet Prof. Lutz Frühbrodt von der Uni Würzburg-Schweinfurt, dass mittlerweile alle 30 DAX-Konzerne mit Mitteln des CM arbeiten. Im Interview mit MEEDIA ermahnt er die Wirtschaft, die neue Werbeform möglichst transparent zu gestalten und warnt Verlagshäuser durch zunehmende Konvergenz, den unabhängigen Journalismus zu gefährden.

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In Ihrer Studie schreiben Sie, dass alle 30 Dax-Konzerne Content Marketing betreiben, allerdings mit unterschiedlichem Ausmaß. Wo fängt Content Marketing an und wo hört es auf?
Wo es aufhört, müssen die Unternehmen selbst entscheiden. Wo es anfängt, ist eine andere Sache. Meine Co-Autorin Annette Floren und ich haben festgelegt, dass man von einer erkennbaren Content-Marketing-Strategie reden kann, wenn ein Konzern mindestens zwei CM-Instrumente einsetzt. Das machen alle DAX-30-Unternehmen. Die meisten haben aber noch weit weit mehr am Start. Das ist der quantitative Aspekt. Der qualitative besteht in der genauen Eingrenzung dessen, was wir unter Content Marketing verstehen: Nach meinem Verständnis handelt es sich um quasi-journalistische Inhalte, die ausschließlich über eigene, überwiegend digitale Kanäle gesteuert werden, zum Beispiel über Online-Magazine, Blogs, Videos oder auch Apps. Quasi-journalistisch bedeutet: Inhalte, die nicht direkt werbend, sondern „werthaltig“ das Vertrauen potentieller Kunden gewinnen sollen. Diese informierenden, beratenden oder unterhaltenden Inhalte kommen in ihrer äußeren Form wie journalistische Angebote daher, sind aber nicht unabhängig produziert, sondern eindeutig interessengeleitet.

Was ist dagegen einzuwenden, dass Unternehmen ihre (potentiellen) Kunden informieren, beraten oder unterhalten möchten?
Aus Unternehmenssicht ist dagegen ganz sicher nichts einzuwenden. Ich halte Content Marketing grundsätzlich für ein legitimes Werbekonzept. Unternehmen haben genau wie jeder einzelne Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung. Das Problem ist ein anderes: Wenn Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung betonen und das nicht nur als wohlfeile PR-Phrase artikulieren, sollten ihnen auch die Entwicklung der öffentlichen Meinungsbildung am Herzen liegen. Diese wird nämlich auch dadurch mittelfristig massiv verändert, dass Unternehmen und teils auch schon Verbände mit ihren Content-Marketing-Angeboten en masse kostenlose Inhalte in einer Situation schaffen, in der klassische Medien versuchen, ein Bezahlmodell zu etablieren.

Inwiefern ist der Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung denn nachweisbar?
Zumindest einzelne Online-Magazine haben mehrere Millionen Besucher pro Monat, andere weniger, es mag auch regelrechte „Content-Friedhöfe“ geben. Dass es den Machern von Content Marketing auch um Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung geht, zeigen Aussagen des Branchenverbands Content Marketing Forum, mit den eigenen Angeboten die Meinungsvielfalt zu erhöhen. In der Wissenschaft hat es bisher noch keine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik des Content Marketing gegeben. Nach diesem „first shot“ muss ganz sicher nachgelegt werden. Dazu gehört auch, die Seite der Mediennutzer empirisch noch genauer zu erforschen.

Wieso ist es verkehrt, das Unternehmen nicht nur mit Werbung, sondern auch mal mit Inhalt überzeugen wollen?
Das dürfen sie ja, die Frage ist nur wie. Content Marketing wird in unterschiedlicher Art und Weise durchgeführt. Einige wie die DAX-30 praktizieren es sehr offen, weil sie in der Regel starke Marken haben und ihr Image direkt stärken wollen. Sie zeigen klar, dass sie zum Beispiel hinter einem Online-Portal stehen. Oftmals wird die Transparenz aber auch verschleiert oder ist gar nicht vorhanden: Das beginnt damit, dass vielleicht nur das Logo der dahinter stehenden Firma gezeigt wird, und endet damit, dass der Nutzer sogar extra ins Impressum schauen muss und vielleicht dort noch nicht einmal fündig wird, weil dort nur die beauftragte Agentur genannt wird.

Auch der Nutzer steht doch in einer gewissen Verantwortung?
Klar, aber er bekommt deutlich mehr Verantwortung aufgebürdet, weil er zunehmend prüfen muss, ob das, was er da gerade angesteuert hat, unabhängig-neutral oder verkappt interessengeleitet ist. Wenn der Mediennutzer viele Ziele ansteuert, dann wird er auch nicht jedes Mal genau hinschauen. Genau das ist Kalkül einiger Unternehmen, die darauf hoffen, dass der Nutzer das Angebot als ernsthaftes journalistisches Angebot wahrnimmt, weil es äußerlich wie eines wirkt. Darauf setzt beispielsweise das Tech-Portal Curved.de, hinter dem der Mobilfunkkonzern E-Plus beziehungsweise Telefónica steht. Gewisse Grenzen werden auch überschritten bei Portalen wie Gesundheit.de, hinter dem sich ein Pharmagroßhändler verbirgt. Beide agieren „unter Tarnkappe“. Diese Versuche, den Journalismus auf seine äußere Form zu reduzieren und damit umzudeuten, halte ich für nicht legitim und hoch problematisch.

Wie genau lautet denn der Auftrag des Content Marketings: Geht es um den Verkauf eines Produktes oder um Imagebildung?
Mittelbar ist immer der Produktverkauf das Ziel. Content Marketing dient als Ergänzung der Werbung. Sein Leitspruch heißt: “Dont talk about products, talk around products”. In der Theorie verfolgt das Content Marketing die Philosophie, dass Produkte gar nicht konkret angesprochen werden. In der Praxis sieht es oft ganz anders aus: In den Texten finden sich oft Links zu konkreten Produkten, im Umfeld werden Eigenanzeigen ausgespielt. Natürlich geht es im Content Marketing auch darum, bestimmte Botschaften oder Werte zu vermitteln. Das geschieht indirekt wie auch sehr direkt. Es geht sogar so weit, dass sich Unternehmen auch zu einzelnen politischen Themen äußern wie etwa zur Asylpolitik.

Wird hier durch eine Hintertür öffentlicher Lobbyismus betrieben?
Es geht meines Erachtens noch nicht so weit, dass Unternehmen durch die Hintertür in die politische Berichterstattung einsteigen. Aber man sollte durchaus frühzeitig vor der Gefahr warnen, sollte es immer mehr dieser Fingerübungen geben. In anderen Segmenten wie Lifestyle oder Sportartikel sind Unternehmen wie Schwarzkopf oder Adidas schon sehr fortgeschrittene Content-Lieferanten. Gepredigter Materialismus kann auch eine politische Dimension haben. In der gesamten Thematik „Wie lässt sich die bewährte öffentliche Meinungsbildung sichern?“ ist meines Erachtens auch die Politik gefragt.

Wieso die Politik?
Wir beobachten, dass sich Geschäftsmodelle massiv ändern. Klassischer Journalismus wird auf der einen Seite werblicher oder sieht sich zumindest verstärkt Werbeeinflüssen ausgesetzt. Medienunternehmen rücken von ihren bisherigen Geschäften immer weiter ab, investieren in nicht mehr Content-getriebene Start-ups. Im Content Marketing gibt es wiederum den Leitsatz “Marken müssen zu Medien werden”. Red Bull hat das mustergültig vorexerziert, andere Unternehmen werden folgen, wenn wahrscheinlich auch nicht ganz so radikal. Es findet hier also eine Angleichung zwischen Medienhäusern und „normalen“ Unternehmen statt. Diese Konvergenz führt dazu, dass nicht mehr deutlich sein wird, welche Medienmarke glaubwürdig ist und welche nicht. Das kann nicht im Interesse einer Demokratie sein. Die Medienpolitik ist deshalb gehalten, dem klassischen Journalismus endlich den Rücken zu stärken – nicht nur mit freundlichen Absichtserklärungen.

Mit Blick auf die Redaktionen: Wenn sich durch das Content Marketing die werbungtreibende Wirtschaft auf eigene Portale zurückzieht, sinkt dann im Gegenzug nicht der Werbeeinfluss, dem Redaktionen ausgesetzt sind?
Die Vermutung kann man sicher anstellen. Es schließt sich aber eine Gegenfrage an: Wie finanzieren sich die klassischen, werbefinanzierten Portale dann? Diese Frage würde nicht so schwer ins Gewicht fallen, wenn sich Medienhäuser eher um Bezahlmodelle gekümmert hätten. So haben sie jetzt Probleme sowohl auf der Werbe- als auch auf der Vertriebsseite.

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Lässt sich dies als Nebeneffekt des Content Marketings beschreiben oder zielen Unternehmen vielleicht darauf ab, klassische Medien zu verdrängen?
Gewiss lässt sich hier nicht pauschalisieren. Aber ganz vom Tisch wischen will ich nicht, dass der Gedanke in der einen oder anderen Konzernzentrale hochpoppt „Weniger Macht der klassischen – kritischen – Medien bedeutet mehr Einfluss für unsere eigenen Medien. Und die sind verdammt freundlich zu uns!“. Da sind wir wieder beim Gedanken der gesellschaftlichen Verantwortung: Die Unternehmen sind sich sicherlich bewusst darüber, was sie tun, und können nicht einfach darauf hinweisen, dass die Medienbranche selbst Schuld an der Suppe ist, die sie nun auslöffeln muss.

Wenn Content Marketing als so eine Bedrohung gesehen wird, machen sie offenbar etwas besser als übliche Portale. Was ist das?
Eine ziemlich große Lücke tut sich durch den schwächelnden Journalismus auf. Zum Teil sind das konzeptionelle Schwächen, zum Teil aber auch Schwächen, die Folge mangelnder Ressourcen sind. Content-Marketing-Publisher müssen sich beispielsweise weniger Gedanken über finanzielle Mittel machen. Werden Mittel gebraucht, können sie freigemacht werden. Diesen Luxus hat der Journalismus nicht mehr. Zusätzlich arbeitet Content Marketing auch viel stärker mit Storytelling und Emotionalisierung, was viele Nutzer stärker anspricht. Das sehen Sie am Beispiel von Curved.de, wo Nutzer mit ihren Votings klar ausdrücken können, was sie von dem besprochenen Produkt halten. Und Curved.de versieht sie dann mit Tags wie “Weg damit!” oder “Her damit!”.

Verlage reagieren auf die Entwicklung zum Teil damit, dass sie sich Content Marketing einverleiben. Gruner + Jahr oder Burda haben eigene Geschäftsbereiche hochgezogen, die für die Wirtschaft arbeiten. Wie beurteilen Sie diese Strategie?
Corporate-Publishing-Units gibt es bei einer Vielzahl von Medienhäusern schon länger. Bislang liefen diese Geschäftsbereiche immer neben dem Kerngeschäft. Die aktuellen Entwicklungen – dass Burda C3 gekauft oder Gruner + Jahr Territory gegründet und auch Springer extra Corporate Solutions ins Leben gerufen hat – zeigen eher eine Expansion zu einem wesentlichen Geschäftsfeld. Das Management muss sich deshalb immer mehr fragen: Welches Selbstverständnis hat mein Medienunternehmen? Geht es in erster Linie um Rendite, ist die Expansion eine mögliche Strategie. Auf der anderen Seite muss man sich gut überlegen, was dann mit den eigenen, journalistischen Angeboten geschieht. Setzt man wie Burda auf eher populäre Kost, läuft man Gefahr, sich dadurch eigene Konkurrenz hochzupäppeln. Ich halte das für ein gefährliches Spiel, bei dem Verlage einen Nagel in den Sarg mit einschlagen, auf dem Journalismus steht.

Ist für Redaktionen Native Advertising ein Weg, weiterhin ein Stück vom Werbekuchen abzubekommen?
Native Advertising beschreibt ein sich nur schwer auflösendes Dilemma. Die Idee dahinter besteht ja darin, dass der Mediennutzer die Anzeige auf den ersten Blick gar nicht erkennt, sondern sie für ein redaktionelles Format hält. Je deutlicher „Anzeige“ über dem Text steht, desto leichter ist sie erkennbar und somit für den Nutzer irrelevant. Er liest den Text also nicht. Umgekehrt fühlt er sich hinters Licht geführt, wenn er dahinter kommt, das er gerade etwas gelesen hat, das Werbung ist, als solche aber nicht klar ausgewiesen ist. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit und damit die Medienmarke . Die einzige nachhaltige Strategie kann deshalb nur sein, dass die Verlagshäuser ihre Publikationen so unabhängig-journalistisch wie möglich halten. Das ist der USP, den man immer im Blick haben muss.

Sehen Sie, dass Journalismus ein Subventionsgeschäft wird, auf das Medienunternehmen irgendwann sogar verzichten könnten?
Im Moment sagen die Größenverhältnisse innerhalb der Häuser noch etwas anderes. Auf der anderen Seite erkennt man beispielsweise an Axel Springer, dass man sich von auf Dauer unrentablen Journalismus-Bereichen trennt, nur noch wenige, starke Marken hält und seine finanziellen Mittel in andere Felder investiert. Solche „Schlankheitskuren“ sind erste Anzeichen für eine Entwicklung, die auch noch zahlreiche andere Unternehmen durchlaufen werden.

Content Marketing wird nicht mehr als Trend, sondern als fester Bestandteil der Medienindustrie gehandelt. Sie fordern – ähnlich wie ihn Redaktionen haben – einen Kodex. Wie sollte dieser aussehen?
Ich plädiere für einen speziell zugeschnittenen Kodex, wie es ihn auch für PR-Schaffende gibt. Leider ist dieser nur 50 Prozent der Adressaten bekannt. Man sollte also von vornherein mehr PR für den neuen Content-Marketing-Kodex machen. Ich halte den PR-Kodex trotzdem für wichtig, weil er einen ethischen Leitfaden an die Hand gibt. Der CM-Kodex sollte festschreiben, wie Content Marketing kenntlich gemacht wird. Transparenz wird immer betont – auch von Medienunternehmen. Dann sollte eine Richtlinie, die Firma und Logo deutlich erkennbar im Domainnamen und auf der Homepage vorsieht, kein Problem sein. Darüber hinaus sollten Links zu Shops und Eigenanzeigen untersagt werden. Dass manche Medienmenschen glauben, dass Kodizes ein Anachronismus des 20. Jahrhunderts seien, halte ich für anachronistisches Denken. Ein Kodex zieht zwar keine Sanktionen nach sich, regt aber immer wieder eine Debatte an, wie wir ja anhand des Pressekodex sehen. Er ist eine Art Kontrollinstanz, der sich neuerdings ja auch journalistische Online-Medien unterordnen.

 

Lutz Frühbrodt ist seit Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. In seiner OBS-Studie „Wie ‚Unternehmensjournalisten‘ die öffentliche Meinung beeinflussen“ beschäftigt sich der gelernte Journalist (u.a. Deutschlandradio und Die Welt) mit der Entwicklung des Content Marketings in Unternehmen und den Gefahren für unabhängigen Journalismus. 

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Alle Kommentare

  1. Es wäre schon ein wesentlicher Schritt, wenn die Landespressegesetze für diese redaktionellen Medienprodukte greifen würden. Da gibt es ein paar interessante Paragraphen…

  2. Der komplette Leere. Daher gibt es nichts zu sagen. Deshalb schlage ich vor, die Praxis, anstelle von breiten Gedanken auf dem Papier. Es gibt Business-Projekt „Das Konzept der Printmedien im 21. Jahrhundert“, und sogar patentiert es. Ich schlage vor, dieses Projekt umzusetzen. Ich kann es tun. Die tägliche gedruckte Zeitung wird eine Million Abonnenten haben wird. Dies wird die Antwort sein. Mit freundlichen Grüßen, Aleksandr Solodilov (LinkedIn).

  3. Wie wäre es mit einem Beipackzettel für Medien, auf dem unter anderem auch Angaben darüber zu finden sind, wem das Medium gehört. Zudem ist immer — berechtigterweise — die Rede vom Einfluss der Wirtschaft auf unabhängigen Journalismus, aber wengig die Rede vom Einfluss der Politik auf den unabhängigen Journalismus — siehe die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH als Medienbeteiligungsgesellschaft der SPD.

    1. .. ja @SPD.., der gute alte Tendenzschutzparagraph, damit der arme Verleger nicht sein Geld in etwas investiert, das seiner Meinung zu wider handelt. Hat sich mir nie erschlossen, wie der mit der sogenannten Freiheit der Presse zusammen gehen soll, wie auch immer … zementiert letztlich die Freiheit des Investors in ein Medium, nicht die des Journalisten (s. Forderungen von Journalistenverbänden diesen Paragraphen vielleicht doch bei Gelegenheit einmal abzuschaffen).

      Aber den Beipackzettel gibt es ja an sich immerhin – nennt sich Impressumspflicht 😉 Nur s.o. wenn dort z.B. nur die umsetzende Agentur oder eine beliebige Privatperson steht, nicht der oder die Organisation die wirklich dafür bezahlt .. ist das u.U. auch nicht wirklich erhellend. Keine Ahnung ob es rechtlich möglich wäre, diesbzgl. eine Abmahnserie zu starten oder ob diese Praxis legal ist, dann bräuchte es diesbzgl. eine Gesetzesänderung. Faktisch heißt es aber: Es gäbe in vielen Fällen die Kontrollmöglichkeit bereits, nur wird sie vielleicht nicht konsequent genug umgesetzt? – Wobei wenn ich mir z.B. diese Auslegung des Telemediengesetzes und Rundfunkstaatsvertrags ansehe, sind die zwar gut gemeint aber haben in diesem Punkt wirklich Lücken?? (HIer müssten uns nun aber Rechtsexperten mit weiteren Auskünften helfen, ich bin keine Juristin..) http://www.linksandlaw.info/Impressumspflicht-Notwendige-Angaben.html

  4. „Es geht meines Erachtens noch nicht so weit, dass Unternehmen durch die Hintertür in die politische Berichterstattung einsteigen.“
    Man kauft die Zeitung weil die Herausgeberfamilie die eigene politische Meinung verbreitet. Der Journalismus hat uns praktisch doch bisher vor keinem !vorhersehbaren! Problem geschützt.

    Für Wissenschaftler mag die Abgrenzung einfach sein. Der kleine Zuschauer hingegen muss überall lauernde Werbung befürchten:
    – Kundenzeitschriften von Supermärkten
    – Kundenzeitschriften von Strom-Anbietern, Krankenkassen und natürlich Sparkassen hat praktisch jeder im Briefkasten. Wahrscheinlich haben alle DAX-Konzerne schon unter Helmut Kohl und vor dem Internet Kunden-Zeitschriften und Eigen-Publikationen welche keine Kataloge oder verkappten Kataloge waren.
    – Wenn Saison-Nahrungsmittel (Spargel, Weihnachts-Zutaten…) verkauft werden, stehen Rezepte daneben im Supermarkt-Prospekt.
    – Fußball-Vereine
    – taz und andere deckten ein- oder mehrmals auf wie einfach man Artikel platziert bekommt
    – An Berichten von Veranstaltungen steht nie dran das man dort eingeladen wurde. t3n.de macht als einer der wenigen Medien einen Unterschied und dann kann man die Artikel über dasselbe Thema bei den anderen Medien und deren Reporter-Glaubwürdigkeit sauber einordnen.
    – Bei Technik-Tests ist normal das man die Produkte (Autos, Fahrräder, Laptops…) gestellt bekommt. Daher testen die fast immer das beste Modell in der besten Ausstattung während 90% der wirklich verkauften Produkte nur die Basis-Ausstattung sind. So sieht Ehre aus. Leistung muss man wirklich schützen…
    – Fernsehsendungen werden von Firmen gesponsored.
    – Was ist jetzt Content-Marketing und wieso und welche Abgrenzung: Red Bull TV oder ServusTV ?
    – Gigantische Großveranstaltungen wie Olympische Spiele oder Fußball-WM oder Stadion-Namen oder Gebäude-Namen („Trump-Tower“) werden von Firmen finanziert

    Für den Kunden lauert überall Werbung. Die wahre Presse würde darauf hinweisen. Web-Of-Trust und viele andere Checker-Dienste hätten den wahren Eigentümer oder das es eine Abo-Falle ist als Warnung oben in der Browser-Leiste stehen. Bei Blumengeschäften (siehe Gelbe Seiten) steht ja auch immer „Inh. Vorname Nachname“ dran. Tolles rot-grünes Firmen-Namens-Recht für kleine Gewerbesteuer-Zahler während die großen Firmen sich tarnen dürfen. Schutz vor Leistung machts möglich.

    Die Anzeigenblätter(diese kostenlosen Mittwoch und Samstag im Briefkasten) sind sehr beliebt (und werden in der Medien-Online-Presse anscheinend grundsätzlich ignoriert), auch und eben weil man lokale Angebote aus der Umgebung bekommt. Die Leute lesen die Discounter-Prospekte oder Amazon-Produkte-des-Tages oder diese Ebay-Tages-Schnäppchen obwohl es ja eindeutig Kauf-Angebote sind. Werbung ist auch Information: Produkteigenschaften und Preise.
    Das „Anzeige“ dransteht ist nur dann ein Problem, wenn wie oft nur heisse Luft drin steht.

    Ein Konfigurator und eine ENDLICH MAL BENUTZBARE (durch Rentner und Hausfrauen) Tabelle der Produkte und Optionen und z.b. Statistik wer welche Ausstattung wie oft kauft (sehr Weiterverkaufswert-relevant z.b. bei Autos wenn 70% eine Standheizung oder Klima-Anlage haben) wäre zwar auch reine Produkt-Information aber würde wohl gerne genutzt.
    Viele Hersteller peilen nicht das die Kunden die Angebots-Vielfalt nicht mehr durchblicken. Und bald will jeder ein Elektroauto oder jedes Jahr ein neues Handy oder bald viele einen T2-Receiver. Der Presse ist es egal.

    Den PR-Kodex hätte man verlinken können. Der ist kostenlos im Web und sehr informativ speziell weil er wohl schon so alt ist und damals wohl noch Ehre herrschte. So schlecht ist die Idee nicht. Oder man hat +/- Listen mit den Regeln und eine öffentliche Tabelle wo die Zahl der +/- dransteht welcher Dax-Konzern oder Medizin-Verkäufer wie viele der Regeln erfüllt und eben nicht je nach Medium. Die Verkappten DAX-Konzern-Webseiten sind evtl gegen alle Regeln und haben 10 Minus-Punkte, aber die Kundenzeitschrift ist nach den uralten Kodex-Regeln vielleicht quasi perfekt korrekt. Als guter Handwerker kann man seine Leistungen (könnte die Politik ja auch machen wenn es mehr als Schulden und Posten wären) anhand von Fotos jeden Monat dokumentieren und man würde Interesse kriegen, sich sowas ähnliches bauen zu lassen.
    Solche +/–Listen wie bei Fußball-Tabelle wirken psychologisch dann so, das der böse Konzern quasi was zu verstecken hat und einem ständig und überall verlogene Werbung reinschieben und unterjubeln will. Und ratz-fatz steigt vielleicht die Ehre und eine Regel nach der anderen wird erfüllt.
    Die vielen Bild-Berichte über scripted Reality haben wohl dazu geführt das scripted Reality sehr sehr sehr viel deutlicher klar markiert wird als früher. Ein Test(Ökotest?Warentest?)-Ergebnis führte dazu, das Kartoffelchips und evtl weitere Produkte maximal mit 170-180 Grad produziert werden. Kampagnen können sehr gut verhaltens-verbessernd funktionieren ! HDready ist ein Vorzeigebeispiel.

    Vermutlich informieren manche Kundenzeitschriften besser und ehrlicher als viele Leistungs-geschützten Agenturmeldungs-Copy-Paster.
    Verlorenes Vertrauen müsste die Presse (so wie alle Parteien) sich mal zurück-erarbeiten. Tja. Danach sieht es nicht aus weil die (Politiker aber auch Presse) nicht einmal wissen was sie falsch gemacht haben und sich sogar für ach so toll halten wenn sie immer erst hinterher extra-teuer Probleme mit Zilliarden verschleiern und meist nicht mal lösen oder hinterher berichten wenn das Volk mit Zilliarden mal wieder bezahlen muss.
    Ich würde mich mit allen DAX-Konzernen zusammentun und die totale Erosion des Volksvermögens endlich mal massiv bekämpfen und die Wahrheit wirksam verbreiten oder den Firmensitz schon mal in den kommenden Wohlstands-Staaten (China, Indien,…) einplanen. Denn Presse leistet schon lange nicht und vermutlich noch nie (sonst wäre sie ja verboten worden).

  5. Ich möchte ja nicht lästern: Aber haben die Logoplacement-betreibenden Unternehmen – siehe Logos hinter Herrn Frühbrodt links groß im Bild – die Studie etwa gesponsert … ? – Nein, im Ernst, evtl. etwas instinktlos, dieses Bild voller Firmenlogos zu diesem Thema zu verbreiten? Oder ist das als Doppeltdeutigkeit und Ironie zu verstehen ;?) Auch dann bliebe es nützliche Präsenz für die Dargestellten.

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