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„Mensch Gottschalk“ in der TV-Kritik: „Es ist nicht schön, Dinosauriern beim Sterben zuzusehen“

Showmaster Thomas Gottschalk und Spiegel TV bekommen bei RTL eine zweite Chance
Showmaster Thomas Gottschalk und Spiegel TV bekommen bei RTL eine zweite Chance

Er hat es mal wieder versucht. Aber trotz streckenweise passabler Leistung hat Thomas Gottschalk die Rückkehr auf die große TV-Bühne nicht geschafft – und RTL ein Problem mehr. Weniger als eine Million 14- bis 49-jährige Zuschauer, nur 2,09 Millionen insgesamt: Für RTL war "Mensch Gottschalk" ein Flop. Auch bei den Fernsehkritikern kommt der ergraute große Blonde nicht gut weg. Das Medienecho.

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Alexander Krei, DWDL: „Natürlich wäre Gottschalk nicht Gottschalk, würde er nicht auch für ein paar Fremdschäm-Momente sorgen. Doch das Gesamt-Paket stimmt in seiner neuen Show, die fast schon öffentlich-rechtlich anmutet. Dafür sorgt nicht nur der Moderator, sondern auch die Produktionsfirma Spiegel TV, die dank cleverer Interpretation der Drittsendelizenz den prominenten Primetime-Sendeplatz bei RTL ergatterte.“

Hans Hoff, Süddeutsche Zeitung: „Die berühmteste Ich-AG des deutschen Fernsehens (…) ‚Mensch Gottschalk – Das bewegt Deutschland‘ heißt die Show, aber man könnte sie problemlos auch ‚Mensch Deutschland – Das bewegt Gottschalk‘ nennen. (…) Man kennt ihn, man weiß immer schon vorher, was er gleich sagen wird. Auf besondere Weise sediert seine Anwesenheit, weil sie in unruhigen Zeiten Zuverlässigkeit garantiert, weil es eben noch Dinge gibt, die so sind, wie man sie kennt. Man weiß bei Gottschalk halt, dass er keine fünf Minuten aushält, ohne seinen Namen oder wenigstens die Personalpronomen, ich, mir oder mich einzufügen.“

Zeit Online: „RTL hat jetzt auch einen ‚Tatort‘. Oder besser gesagt: Thomas Gottschalk hat einen neuen Sendeplatz. Gottschalks Tatort konnte man fast geschlagene vier Stunden besichtigen, und es erging einem dabei wie den Kommissaren, die bei Dauerregen nach Verwertbarem suchen und nichts finden. Seine Show war ein einziger Matsch aus ein paar aktuellen Befindlichkeiten, verstaubten Attitüden, Prominenz, Pop und Plauderei. Gottschalks 40-jährige Erfahrung im Fernsehgeschäft ließ sich hier nur noch als dünne aufgeweichte Spur eines klapprigen Rädchens erkennen; vom starken, sich tief in die Fernsehlandschaft eingrabenden Profil des blonden, supernasigen Showbulldozers war nichts mehr zu erkennen. Selbst wer die Hoffnung hatte, die neue Sendung würde eine Art verlängertes „Wetten, dass..?“-Plaudersofa, wurde schwer enttäuscht. (…) Es ist nicht schön, Dinosauriern beim Sterben zuzusehen.“

Lars Peters, stern.de: „Was ‚Mensch Gottschalk‘ ist oder sein will, war auch nach knapp vier Stunden Sendung nicht klar. Für einen Halbjahresrückblick war es nicht emotional genug, für eine Unterhaltungsshow fehlte die Spannung. Letztlich war es viel zu aufgebläht, wenn auch inhaltlich ansprechend.“

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Markus Ehrenberg, Tagesspiegel: „So schleppte sich der lange Infotainment-Abend hin. ’stern tv XXL‘? ‚Schreinemakers live‘? Was war das? Alte Bekannte wie die Pet Shop Boys und Nena, eine Werbeveranstaltung mit einem selbstfahrenden Mercedes samt Mercedes-Chef, Hochwasser-Geschädigte, ‚Let’s-Dance‘-Gewinner, ein smarter ‚Wer wird Millionär?‘-Millionär, der aus dem Nähkästchen plauderte, der Auftritt von Samuel Koch und seiner Freundin (…) Von allem ein bisschen. Kurz vor Mitternacht war Schluss mit Plaudern, gefühlt zehn Werbeinseln weiter. Finale mit Berliner Zuschauer-Hunden, die Gottschalk ins Studio gebeten hatte. Verpasst hätte man nichts. Oder eben Thomas Gottschalk pur. Erkenntnisinteressen sind woanders zu stillen.“

Björn Sülter, Quotenmeter: „Jahresrückblick im Sommer? ‚Gottschalk live‘ am Abend? ‚Gottschalk Late Night‘ zu früherer Stunde? ‚Wetten, dass..??‘ ohne Wetten? Irgendwie von allem ein wenig – durch die Einspieler drängte sich jedoch ein viel naheliegender Vergleich auf: ‚Mensch Gottschalk‘ ist ‚SternTV‘ mit Spiegel statt Stern, mit Gottschalk statt Hallaschka und mit Showacts dank längerer Laufzeit. (…) Im Rahmen des Erwartbaren ist das Format durchaus etwas, was alle paar Monate für angenehme Zerstreuung und viel Retro-Charme sorgen kann. Zudem bleibt Gottschalk der einzige deutsche Showmaster, der diese Bezeichnung noch verdient. Dieser Mann gehört einfach live.“

Daland Segler, Frankfurter Rundschau: „Der Tiefpunkt: Unbeleckt vom Skandal um gefälschte Abgaswerte lobhudelte ein Beitrag über deutsche Autohersteller, bevor Gottschalk (‚Ich mit Didi unterwegs‘) sich mit Mercedes-Benz-Chef Dieter Zetsche im selbstfahrenden Benz  überschlug – sprachlich und emotional wenigstens, bis beide zum peinlichen Ende ‚Highway to Hell‘ jodelten.“

Daniel Benedict, Neue Osnabrücker Zeitung: „Wie ’stern TV‘ in der Endlosschleife: Vier Stunden ‚Mensch Gottschalk‘ ohne Zappen durchzugucken ist genauso, als würde man zehn stern-Ausgaben ohne Unterbrechung lesen, von der ersten bis zur letzten Seite.“

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Alle Kommentare

  1. Ich kann es nicht mehr hören.
    Armes (Redaktions)-Deutschland.
    Bevor die Quoten nicht bekannt waren gab es viel Lob von der Presse für die Sendung.
    Nachdem nun klar ist dass die Quoten nicht gut waren blasen alle Redakteure wieder ins gleiche Rohr und reden die Sendung schlecht.
    Hätte Gottschalk nicht gegen den übermächtigen Tatort und schönes Wetter senden müssen , dann hätte er sicher seine 3 Millionen Zuschauer bekommen, und alle Redakteure hätte geschrieben: Gottschalk ist zurück.
    Und Herr Thoma hätte gesagt: habe ich doch immer gesagt dass Thomas Gottschalk einer unser besten Moderatoren ist, die wir in Deutschland haben.

    Ich fand die Sendung gut.

  2. Die Medienaffen prügeln wieder auf eine Legende ein. Ist ja üblich in Deutschland, hier werden die Großen zum Abschuss frei gegeben. Nur die Vorturner in Berlin bleiben verschont…

    1. Einfach furchtbar das er Leute die Donald Trump kennen bewundert und keine einzige Kritik gegen diesen verrückten Rassisten äußert.

      1. Der Film-Beitrag hierzu in der Sendung hat finde ich sehr wohl Kritik geübt an Donal Trump. Es war geradezu köstlich anzuschauen, wie Donald Trump hier vorgeführt wurde.

  3. Also. Gottschalk hin oder her, mir hat die Sendung gefallen, Thomas Gottschalk ist ein super Unterhalter, alle, die Kritik an Ihn üben, sollten sich selbst mal anschauen und prüfen, ob sie Ihren Job zufriedenstellend ausüben, sicher gefällt einigen Leuten seine Art wie er ist nicht immer , mir wird schlecht, wenn ich lese, was Herr Gottschalk alles falsch macht, er hat nie vergessen, wo er herkommt und ist einer von uns geblieben.
    Das Fernsehen sollte froh sein,noch solch einen Entertainer zu haben, viele Neue die man uns vorführt kann man vergessen!!!

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