Keylogger-Affäre bei der taz bleibt rätselhaft: beschuldigter Redakteur setzte sich nach Asien ab

Was waren Heisers Motive? Die Redaktion um Chefredakteur Georg Löwisch tappt offenbar weiter im Dunkeln
Was waren Heisers Motive? Die Redaktion um Chefredakteur Georg Löwisch tappt offenbar weiter im Dunkeln

Es war eine Entdeckung, die eine schwere Vertrauenskrise hätte bedeuten können: Die taz-Redaktion wurde mithilfe eines Keyloggers ausspioniert – von einem ihrer eigenen Kollegen. Daran lässt ein nun veröffentlichter Aufarbeitungsbericht keine Zweifel. Eine Erklärung für die Tat gibt es nicht: Der beschuldigte Kollege Sebastian Heiser habe sich ins Ausland abgesetzt, heißt es aus der Redaktion.

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Ein Jahr nach Bekanntwerden der Spionage im eigenen Haus hat die taz nun die Ergebnisse ihrer Recherche veröffentlicht, die Ordnung in das Chaos der Keylogger-Affäre bringen soll – und leider nur mäßig schafft. Denn eine Erklärung für das Handeln des ehemaligen taz-Redakteurs Sebastian Heiser gibt es noch immer nicht. Der Journalist habe sich kurz nach seinem Auffliegen ins Ausland abgesetzt – irgendwo nach Asien, wie die taz schreibt. In ein Land, das kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland habe. Hierzulande droht Heiser ein Strafverfahren.

Obwohl der Journalist untergetaucht ist, haben ihn die Redakteure der taz ausfindig machen können und versucht ihn zur Rede zu stellen. Doch Heiser, der sich hierzulande mit medienkritischen Recherchen einen Namen gemacht hatte, schweigt. Und so lässt sich nicht erfahren, welche Motive seine Spionage, die mindestens ein Jahr lang andauerte, wirklich hatte.

Auch die interne Recherche kann die Frage nach dem „Warum“ nicht beantworten. Unklar ist, seit wann Heiser die Rechner seiner Arbeitskollegen anzapfte. Der von den EDV-Mitarbeitern entdeckte Keylogger dokumentierte etwa seit Februar 2014 die Tastatur-Bewegungen von hauptsächlich Nachwuchsjournalisten und Praktikanten. Laut Strafanzeige geht es um insgesamt 23 Personen, von denen 19 Frauen seien.

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Alle Kommentare

  1. um rauszubekommen aus welchem Grund die TAZ die Le Monde diplomatique verfälscht (gab auch ne Sendung bei Report Mainz glaub ich ist aber schon lange her)

    immerhin gibt es neben den 19 ausgespähten Frauen auch 4 Männer und wer hat ne Ahnung von wem die PCs vorher genutzt wurden

    (die Taz hat Artikel der Le Monde diplomatique verfälscht und berief sich auf die Englisch Sprachig Ausgabe die aber noch korrekt war, außerdem Taz einen Artikel vom ehemaligen Chefredakteur Ignacio Ramonet unterschlagen) ich fände es schön wenn eine unabhängige Zeitung für die Übersetzung zuständig wäre.

  2. Da ihm in DE eine Verurteilung wegen diverser Vergehen sicher sein dürfte, Kann man sagen: Ja, er ist ein Verpisser, aber eben auch nicht dämlich.

  3. herr heiser wollte offensichtlich vorrangig an die logindaten junger, weiblicher kolleginnen. zumindest deute ich den artikel in der TAZ entsprechend, auch wenn die journalisten es nicht so darstellen.

    und ja, der keylogger war zwischen usb-port und tastatur angebracht. die wenigsten „normalos“ wissen, was das ist. laut taz hatten einige kollegen sogar noch nie von dem ding gehört. die wussten gar nicht, dass es sowas gibt.

    ich muß ganz ehrlich sagen, dass ich die methoden dieses typen sehr fragwürdig finde. er hat ja schon vorher mal interne gespräche bei der SZ mitgeschnitten, seinem damaligen arbeitgeber.

    der typ macht ganz groß einen auf „INVESTIGATIV-JOURNALISTEN“, aber selber ist er der größte verpisser vor dem herrn… anstatt mal das maul aufzumachen und zu sagen „JA, ICH HABE GESTALKED, WEIL MICH DAS HEISS MACHT!“ o.ä., schweigt er lieber und setzt sich nach bangkok ab.

    jetzt hofft er, dass gras über die sache wächst. aber das internet vergisst NIEMALS. der typ und sein name: verbrannt für alle zeiten.

  4. Haa, wenn ich das Bild richtig deute, dann war der Logger ein USB-Adapter, den man zw. Tastatur und PC steckt. Was für ein Amateur.

  5. Witzig. Ich habe damals an der Uni einen Keylogger selbstgeschrieben und damit die Passwörter meiner Kommilitonen abgefischt. Damals gab’s weder den Begriff „Keylogger“ noch entsprechende Straftatbestände. Hatte jede Menge Spaß.

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