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Neue Hyperlokal-Letter vom Tagesspiegel: „Wer das Stadtgespräch liefern will, muss seine Leser auf dem Handy erreichen“

Beim Tagesspiegel kümmert sich der stellvertretende Chefredakteur Arno Makowsky um das neue Newsletter-Projekt
Beim Tagesspiegel kümmert sich der stellvertretende Chefredakteur Arno Makowsky um das neue Newsletter-Projekt

Zwölf Bezirke, zwölf Lokal-Newsletter, auf fünf Tage verteilt. Nach dem stilbildenden und preisgekrönten Checkpoint startet der Tagesspiegel ein weiteres Newsletter-Projekt. Im MEEDIA-Interview erklärt der stellvertretende Chefredakteur Arno Makowsky, warum das neue Angebot nicht das Print-Produkt kannibalisiert und eine echte Innovation darstellt. Denn: Obwohl jeder Bezirk der Hauptstadt die Einwohnerzahl einer Großstadt hat, gibt es in Berlin noch keine Zeitung mit lokalen Teilausgaben. In diese Marktlücke will der Tagesspiegel nun digital stoßen.

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Das grundsätzliche Konzept des neuen Angebots erklärte Chefredakteur Lorenz Maroldt bereits am Mittwoch in seinem Checkpoint-Letter: „Jeweils einmal in der Woche bringt Ihnen ‚Tagesspiegel Leute‚ per Mail ganz nah, wer und was um Sie herum wichtig ist – pointiert, unterhaltsam, anregend und informativ“.

Zum Start gab es Post aus Friedrichshain-Kreuzberg (von Stephan Wiehler) und aus Reinickendorf (von Gerd Appenzeller). In den nächsten Tagen folgen dann noch Steglitz-Zehlendorf, Pankow und Neukölln (immer donnerstags), freitags sind Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf dran, montags Treptow-Köpenick und Lichtenberg und dienstags Marzahn-Hellersdorf und Spandau sowie Tempelhof und Schöneberg.

Die Zeitung als Newsletter – das neue Berliner Format? Ganz so weit ist es natürlich längst noch nicht, aber die Newsletter-Offensive der Hauptstadtzeitung von Holzbrinck spaltet die Branche: Die einen sehen in den digitalen Angeboten eine echte Innovation und einen wichtigen Schritt in die Zukunft. Andere argwöhnen, dass das kostenlose und extrem umfangreiche Newsangebot unweigerlich zu einer Kannibalisierung führen wird. Dies wiederum bestreitet Tagesspiegel-Vize Arno Makowski gegenüber MEEDIA entschieden.

 

Wer soll die neuen Newsletter lesen?
Arno Makowski: Berliner, die sich für das interessieren, was in ihrer direkten Umgebung passiert. Neue Projekte, Luxussanierungen, aber auch die Kultur- und Ausgehszene – das sind Themen, über die bisher kaum berichtet wird, obwohl die einzelnen Stadtbezirke alle die Dimension von Großstädten haben. In diese Lücke stoßen wir mit unseren zwölf lokalen Tagesspiegel-Leute-Ausgaben. Trotz der Vielfalt auf dem Berliner Zeitungsmarkt erscheint in dieser Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern bislang keine Tageszeitung mit lokalen Teilausgaben.

Warum nur einmal die Woche? Passiert in den Bezirken zu wenig oder rechnet sich der Arbeitsaufwand nicht?
Weil wir vorsichtig anfangen. Wenn wir merken, dass die Berliner mehr haben wollen, geht unsere lokale Offensive weiter. Täglich machen wir ja schon eine preisgekrönte Zeitung, Berlins größten News-Onlinedienst, den Tagesspiegel Checkpoint und die Tagesspiegel Morgenlage.

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Haben Sie keine Angst, sich durch diese Newsletter selbst zu kannibalisieren?
Nein. Das Beispiel Checkpoint hat gezeigt, dass wir mit Newslettern eine neue Leserschaft erschließen. Außerdem weisen wir dort auf unsere eigenen anderen Produkte hin und bringen so Leser neu zum Tagesspiegel.

Stibitzen Sie der Konkurrenz mit den neuen Lettern auch ein paar Leser?
Bisher haben die neuen Angebote den Markt immer ausgeweitet. Das neue Angebot macht ja niemandem Konkurrenz, weil es bisher keine Bezirkszeitungen gibt.

Gibt es bereits erste Reaktionen der Berliner Medien-Konkurrenten?
Auf Tagesspiegel Leute bis jetzt nicht, aber wir haben ja gerade erst vor wenigen Stunden angefangen. Aber unsere anderen Newsletter Checkpoint und Morgenlage haben stilbildend gewirkt und die Konkurrenz bundesweit inspiriert. Der Checkpoint hat sogar den Grimmepreis gewonnen.

Im Hyperlokal-Journalismus gibt es immer wieder Blog-Projekte, die sich an einer Berichterstattung direkt von den jeweiligen Kiezen versuchen. Diese scheiterten bislang aber fast immer an der Wirtschaftlichkeit der Projekte. So gab gerade erst HH-Mittendrin aus Hamburg auf. Sehen Sie diese Gefahr auch für die neuen Tagesspiegel-Newsletter?
Wir haben ein Vermarktungskonzept speziell für die Bezirke entwickelt, von dem wir annehmen, dass es funktioniert. Wir treten als Partner der kleinen Händler auf und bieten ihnen maßgeschneiderte Werbeauftritte zum kleinen Preis an.

Liegt eine Zukunft des Lokaljournalismus darin, den Menschen kostenlos via E-Mail eine Art Mini-Version der Lokal-Zeitung zu liefern?
Das wollen wir herausfinden. Nichts eignet sich für schnellen und responsiven Online-Journalismus besser als das lokale Geschehen. Wer das Stadtgespräch liefern will, muss seine Leser auf dem Handy erreichen. Und wo geht das besser als in Berlin mit zwölf Bezirken, mit jeweils um die 300.000 Einwohnern und einem eigenen Bürgermeister. Wir schließen seit heute mit Tagesspiegel Leute eine publizistische Lücke in der Hauptstadt.

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Alle Kommentare

  1. Zu oft werden Themen so hochgejubelt, wenn jemand „hyperlokal“ drüberschreibt. Hier reden wir von Gebieten mit 300.000 Einwohnern. Das sind für normale Lokaljournalisten Riesenstandorte. Schauen Sie mal in unseren Kleinststandort Drensteinfurt, was wirklich hyperlokal ist. Tag für Tag! Und mit Konkurrenzzeitung!

    Martin Krigar, Westfälischer Anzeiger

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