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Studie über Mediennutzung der Millennials: „Fernsehen ist nicht totzukriegen“

Der Hamburger Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert erforscht das Verhalten der Millennials
Der Hamburger Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert erforscht das Verhalten der Millennials

Wie Menschen Medien nutzen, ist eine Generationenfrage. Die Jüngeren, die sogenannten Millennials, gehen dabei besonders deutlich ihren eigenen Weg. Medienmarken seien für sie nicht mehr so wichtig, sagte der Hamburger Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert, der über Millennials forscht, der dpa. Sie interessierten sich durchaus für Nachrichten, nur nicht für dieselben wie ihre Eltern.

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Sie arbeiten an einer Studie über Millennials – worum geht es dabei genau?
Prof. Stephan Weichert:
Wir untersuchen das Mediennutzungsverhalten von Millennials aus den Jahrgängen 1981 bis 2000 sowie die Handlungsoptionen für die Verlage.

Worin unterscheiden sich Millennials bei der Mediennutzung von anderen?
Sie sind Digital Natives und in einer digitalen Medienumwelt groß geworden. Und sie nutzen Medien zeit- und ortsungebunden mit einer Selbstverständlichkeit, die anderen Generationen nicht in die Wiege gelegt wurde. Ihre Mediennutzung ist sehr sprunghaft und sehr punktuell. Sie waren möglicherweise jahrelang bei Facebook und wechseln dann plötzlich zu Snapchat. Markenloyalität ist bei ihnen bei weitem nicht mehr so wichtig. Andererseits nutzen sie eine enorme Vielfalt an Medien.

Wie wichtig sind für sie Nachrichten?
Sie interessieren sich natürlich für Nachrichten, aber für andere, als wir vielleicht meinen. Da geht es um Informationen zu Themen von Klimawandel über Schminktipps bis hin zu Games. Millennials nutzen sie in aller Breite, gerade auf Plattformen wie Facebook oder YouTube. Die Herkunft der Nachrichten wird dabei allerdings oft nicht hinterfragt.

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Welche Rolle spielt das Fernsehen für Millennials?
Fernsehen ist nicht totzukriegen, gerade wenn man damit nicht nur lineares Fernsehen meint. Bewegtbild ist bei den Jüngeren sogar ganz weit vorne. Es gibt aber ein starkes Bedürfnis, selbst zu bestimmen, wann sie was schauen wollen. Deswegen ist es für Millennials gang und gebe, auf Mediatheken, YouTube und Streamingdienste zurückzugreifen.

Welche sozialen Medien sind für Millennials am wichtigsten?
2016 ist für mich ganz klar das Snapchat-Jahr. Ich treffe keinen Jugendlichen mehr unter 25, der nicht bei Snapchat ist. Und es gibt sogar Jugendliche, die inzwischen ihren Facebook-Account löschen, weil Facebook als zu stark kommerzialisiert wahrgenommen wird.

Wie groß sind die Unterschiede innerhalb der Gruppe der Millennials?
Die Gruppe ist sehr heterogen. Dazu gehört ein Schüler genauso wie eine allein erziehende Mutter Ende 20. Die nutzen Medien sehr unterschiedlich, aber es gibt auch viele verbindende Elemente wie die Nutzung sozialer Medien. Bei den ganz Jungen sind allerdings Chat-Apps weit verbreitet, das ist bei denen Ende 20 nicht mehr so selbstverständlich.

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Alle Kommentare

  1. Wenn die heiraten und einen Haushalt gründen müssen geht die Geschichte wie üblich weiter.
    Jugend-Zeitschriften haben auch andere News-Themen (Justin Bieber) als Yellow-Press für Rentner (Könige und so) oder Hausfrauen (Brangelina und so) oder Sportpresse (Welche Spieler und Trainer sind nächste Saison in welchem Verein).

    Früher gabs halt kaum Auswahl und Private Radios und TV-Sender gibts hier auch noch nicht so lange. Vielleicht sollte man in USA mit vielen TV-Sendern mal ältere Analysen suchen: Medien-Nutzung im Laufe des Alters oder Familien-Wachstums (Kindergarten,…, HighSchool, College) bzw. wie wechseln sich die Medien wenn jemand umzieht.

    Auch will man nicht sein wo die Großeltern oder Eltern einen beobachten können. Evtl. ein Grund, Facebook nicht so aktiv zu nutzen.

    Im Prinzip also nicht viel neues…
    Ich würde die Überschrift aber wegen
    „Fernsehen ist nicht totzukriegen, gerade wenn man damit nicht nur lineares Fernsehen meint. Bewegtbild…“
    auf „Bewegtbild ist nicht totzukriegen“ abändern oder die Prozente der Medien-Nutzung im Sinne der Aufmerksamkeits-Ökonomie (und somit den Antreiber von Werbung) nennen.

    Dafür das eigentlich zillionen Leute DSL haben (allerdings vielleicht 10-20% der Gesamtbevölkerung nicht genug DSL um Video zu schauen), scheinen die klassischen Sender kaum zu profitieren wie man an den geringen Abrufzahlen kostenloser Angebote sieht:
    http://meedia.de/2016/05/27/streaming-gigant-germanys-next-topmodel-selbst-der-tatort-ist-im-netz-chancenlos/
    Da verbieten sich Paywalls wohl von selbst.

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