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Ohne Geld und ohne Visionen: manager magazin zeichnet katastrophales Bild von DuMont

CEO Christoph Bauer versucht die DuMont-Mediengruppe und das Erbe von Verleger Alfred Neven DuMont wieder auf Kurs zu bringen
CEO Christoph Bauer versucht die DuMont-Mediengruppe und das Erbe von Verleger Alfred Neven DuMont wieder auf Kurs zu bringen

Alfred Neven DuMont wollte seinen regionalen Verlag zu einem nationalen Player aufbauen – und hat sich verkalkuliert. Ein Jahr nach seinem Tod zeichnet das manager magazin ein neues, dramatisches Bild der wirtschaftlichen Situation der DuMont Mediengruppe und berichtet vom "vergifteten Erbe". Der Report nährt Zweifel, ob Nachkommen und Management das Kölner Traditionshaus wieder auf die Erfolgsspur bringen können.

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Es ist alles andere als optimistisch, was das manager magazin in seiner Juni-Ausgabe über die DuMont Mediengruppe (Express, Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost, Mitteldeutsche Zeitung) verbreitet. Wie bereits die Berichterstattung der vergangenen Monate vermuten ließ, zeichnet das Wirtschaftsmagazin aus dem Spiegel-Verlag ein alarmierendes Bild: Dem Unternehmen, das Alfred Neven DuMont im Rheinland zum Quasi-Monopolisten aufgebaut hatte, geht es miserabel. Neben den bekannten Fehlinvestitionen berichtet das manager magazin von „notorisch“ knapper Liquidität und fehlenden Wachstumsperspektiven. Der Grund: „Sir Alfred“, ein Patriarch und Verleger klassischer Prägung, wollte einer Liga angehören, der er unternehmerisch nicht gewachsen war. Die Übernahmen der später insolventen Frankfurter Rundschau (gehört heute zur FAZ) sowie des Berliner Verlags (Berliner Zeitung, Berliner Kurier) hatten vor allem eine Message: Das publizistische Wirken DuMonts sollte über die Grenzen des Rheinlands hinaus gehen.

DuMonts kapitaler Fehler: Er investierte in Gedrucktes statt in Digitales. Das Unternehmen verlor in den Folgejahren nicht nur Millionensummen, sondern auch den digitalen Anschluss. Bis zu seinem Tod habe Alfred Neven DuMont viele strategische Entscheidungen seines Managements verhindert, heißt es immer wieder im Unternehmen. „Ein Jahr nach dem Tod des letzten deutschen Pressezaren wirkt dessen unternehmerisches Erbe wie eine Zeitung von gestern, in die auf dem Wochenmarkt der Frischfisch eingeschlagen wird: fleckig, miefig und zerknautscht“, urteilt das manager magazin.

Gutachten taxiert Unternehmenswert auf unter 100 Millionen Euro

In Zahlen ausgedrückt, wird es nicht besser. 2012 erlitt die damals noch M. DuMont Schauberg genannte Mediengruppe aufgrund der FR-Insolvenz einen schockierenden Verlust von 112 Millionen Euro. Mittlerweile sie man zwar in die Gewinnzone zurückgekehrt und habe jüngst Plus von fünf Millionen Euro erzielt , so das manager magazin. Glücklich macht dieses Ergebnis aber wohl niemanden, vor allem mit Blick auf weitere Zahlen, die das Wirtschaftsblatt nennt. Zwischen 2010 und 2014 sei der Umsatz der Erbengemeinschaft auf zuletzt 539 Millionen Euro gesunken, die Anzeigenerlöse seien 2014 um 6,6 Prozent gefallen, die Online-Erlöse lägen bei 2,7 Prozent. Bei den Banken hat DuMont laut Jahresabschluss 2014 290 Millionen Euro langfristige Schulden, die Eigenkapitalquote liegt bei nur noch zehn Prozent. Laut einem Gutachten der Unternehmensberater von KPMG, das dem manager magazin offenbar vorliegt, habe man den Wert des Unternehmens im Jahr 2013 auf unter 100 Millionen Euro geschätzt.

Auch nach Alfred Neven DuMonts Tod fehlt es an Visionen. Vielleicht auch, weil er keine zugelassen hat. Das Management um den als harten Konsolidierer bekannten CEO Christoph Bauer ist dem Vernehmen nach schwer damit beschäftigt, an so ziemlich jeder Stelle Brandherde zu löschen. In Erscheinung tritt die Gruppe eigentlich nur, wenn Geschäfte – und damit Personal – in neue Tochtergesellschaften ausgegliedert, geschlossen oder weitere Verlustzahlen bekannt werden. Zwar betont der Verlag immer wieder Zukäufe im Digitalen sowie in der Fachmediensparte (hier sortiert DuMont seine sichere Bank, den Bundesanzeiger, mit zweistelligen Millionengewinnen ein) tätigen zu wollen, vermeldet wurde hier allerdings noch nichts. DuMont spare sich kaputt, lautet die immer wiederkehrende Kritik aus Verlagskreisen.

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Erneute Verkaufsgerüchte von Zeitungstiteln

Für Investitionen mangele es laut manager magazin an Geld. Um wieder liquide zu werden, bleiben nicht viele Optionen. Schon lange wird über den Verkauf einiger Zeitungstitel spekuliert. Immer wieder werden intern die „Neuen“ aus Hamburg (Hamburger Morgenpost) und Berlin (Berliner Zeitung, Berliner Kurier) als Kandidaten genannt. Ein Verkauf wäre nur bei Synergieeffekten sinnvoll. Hier ist allerdings oft das Kartellrecht im Weg. Wie schwerfällig die Berliner Zeitungsgruppe ist, machten zudem jüngst bekannt gewordene Verlustzahlen deutlich. Die Zukunft in Berlin werde „nicht ohne Schmerzen“ gehen, betonte Bauer zu Beginn des Jahres. der Umzug soll nun einen „Neuanfang“ symbolisieren. Und wird direkt gerätselt, ob in dem neuen so viel kleineren Verlagsgebäude überhaupt genügend Platz für alle Mitarbeiter sein wird. Ein weiterer Stellenabbau wäre sehr schmerzvoll.

Doch Veränderungen stehen vielleicht nicht nur in Berlin an. Das manager magazin schreibt vom möglichen Verkauf wesentlicher Titel und bringt die Funke Mediengruppe ins Gespräch. Funke-Manager seien die vergangenen Wochen öfter in der Konzernzentrale in Köln gesichtet worden seien. Für den Essener Konzern von Interesse sein könnten die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle aber auch der Kölner der Stadt-Anzeiger. Gegenüber dem manager magazin habe Funke sich nicht äußern wollen. DuMont teilte mit: Es gäbe „aktuell kein Mandat, den Verkauf nennenswerter Betriebseinheiten zu prüfen“. Eine gewohnt eindeutig uneindeutige Antwort.

 

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Alle Kommentare

  1. „Für den Essener Konzern von Interesse sein könnten die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle aber auch der Kölner der Stadt-Anzeiger, die von der Hauptstadtredaktion beliefert werden.“

    Besser wäre es wahrscheinlich für die „MZ“.

    Das die überhaupt noch jemand kauft, liegt allein an ihrer (recht guten) Lokalberichterstattung, in allen anderen Bereichen hat sie sich durch ihre Duckmäuserei und Hofberichterstattung beim Leser gründlich disqualifiziert – und das nicht etwa erst seit letztem Jahr.

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