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Gewinner, Verlierer und Abschiede: eine Bilanz der TV-Saison

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Vier Köpfe der TV-Saison 2015/16: Stefan Raab, Jan Böhmermann, Daniela Katzenberger und Til Schweiger

Zwischen "Weissensee" und "Deutschland 83", zwischen dem "Club der roten Bänder" und "Mila" - die zurückliegende Fernsehsaison hatte Höhepunkte zu bieten, aber auch einige recht deutliche Tiefpunkte. Die dpa hat die größten Hits und Flops der vergangenen Monate zusammen gestellt - und die wichtigsten Abschiede aus dem deutschen Fernsehen.

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Eine Fernsehsaison dauert in der Regel fast wie im Fußball von September bis Mai – in der Phase sind mit Filmen, Serien oder Shows die höchsten Werbepreise zu erzielen. Im Sommer wimmelt das Programm dagegen von Wiederholungen oder eben Sport wie jetzt die Fußball-EM und Olympia.

Den größten Knaller im Fernsehen erlaubte sich in der zu Ende gehenden TV-Saison Jan Böhmermann mit seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – ob er damit zu den Siegern oder Verlierern gehört, ist noch nicht abschließend geklärt.

Aber einige Gewinner und Enttäuschungen (und die überwiegen) der Ausstrahlungsperiode zwischen September 2015 und Mai 2016 stehen bereits fest. Auch einige Abschiede gehören dazu. Ein Überblick:

Gewinner

ARD:

„Weissensee“: Mit dem sorgfältig inszenierten historischen Dreiteiler landete Das Erste einen Achtungserfolg unter Kritikern und mit fünf Millionen Zuschauern eine ordentliche Quoten-Bilanz.

„Die Kanzlei“: Herbert Knaup schickte sich im Herbst an, in die Fußstapfen von Dieter Pfaff („Der Dicke“) als TV-Anwalt am Dienstag zu treten und meisterte die Rolle ohne Umschweife und mit Bravour.

„Anne Will“: Günther Jauchs schweres Erbe? Keine Spur. Wie selbstverständlich trat Anne Will im Januar ihren Dienst sonntags im Ersten an. Es gab kaum Kritik. Das bedeutet: alles im grünen Bereich.

ZDF:

„Ku’damm 56“: Volltreffer, obwohl der Start parallel zum „Tatort“ erfolgte. Drama, Ausstattung, gute Besetzung machten aus dem Dreiteiler ein treffendes Sittenbild des alten Westberlin.

Die Krimidramen: Wochenlang um die sieben Millionen Zuschauer mit dem Genre-Hybrid aus Krimi und Drama am Montag und am Samstag. Das schafft nur das ZDF. Die Fortsetzung 2016/2017 ist gewiss.

RTL:

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“: Der Dauerlutscher Dschungelshow ist großes Kino, mittlerweile auch trotz Gezicke und Ekelfaktor unangetastet von der Kritik und quotenstabil.

„Wer wird Millionär?“: ein Fels in der Brandung und professionelle Inszenierung, gerade weil sich Günther Jauch wieder mehr auf die Rateshow konzentrieren kann? Die Quoten stimmen.

ProSieben:

„Germany’s next Topmodel“: Heidi am Ende? Keineswegs. Die Laufstegshow mit US-Blondine aus Bergisch-Gladbach gewann neue Freunde hinzu und ist in der Mediathek Dauer-Spitzenreiter.

Vox:

„Der Club der roten Bänder“: Was war das für ein Zittern. Ein spanisches Krankenhaus-Serienformat, umgesetzt aufs deutsche Fernsehen? Es hat auf Anhieb geklappt. Die deutsche Serie lebt.

„Kitchen Impossible“: Tim Mälzer ist bei dem Sender, der ihn mit „Schmeckt nicht – gibt’s nicht“ groß gemacht hat, zurück und kocht. Dem „Tatort“ ringt er immerhin gut zwei Millionen Zuschauer ab.

kabel eins:

„Tamme Hanken – der Knochenbrecher on Tour“: Ein nicht mehr ganz taufrischer Ostfriese, der die deutschen Stalltiere kuriert, mischt das Privat-TV auf und hat eine beachtliche Fangemeinde.

RTL II:

Daniela Katzenberger, das Stehauffrauchen. Wer geglaubt hätte, nach ihrem Aus bei Vox sei Schluss im TV, sah sich getäuscht. Ihre Soap „…mit Lucas im Babyglück“ schoss aus dem Stand nach oben.

Die Enttäuschungen

ARD:

„Mitten in Deutschland: NSU“ – Der Dreiteiler war stimmig: Die Täter, die Opfer, die Ermittler – hochwertig inszenierte Filme. Nur: Das Publikum mied die große Filmkunst, enttäuschende Sehbeteiligung.

„Die Stadlshow“: Die ruckartige personelle Umbesetzung tat dem in die Jahre gekommenen Unterhaltungsklassiker nicht gut. Er läuft aus. Beim „Silvesterstadl“ muss Allrounder Jörg Pilawa ran.

Til Schweiger und der „Tatort“: Seine beiden Fälle mit viel Werbung im Vorfeld und einer Überdosis Action verliefen enttäuschend, gemessen an der Quote. Selbst der ZDF-„Bergdoktor“ hielt mit.

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„Die Stadt und die Macht“: Anna Loos als Bürgermeisterin der Hauptstadt? Das schien dem TV-Publikum zu absurd. Die Politserie, an drei Abenden ausgestrahlt, konnte die Erwartungen nicht erfüllen.

ZDF:

Show-Mann Steven Gätjen und sein neuer Brötchengeber das ZDF: die „Versteckte Kamera“ und „I can do that“ passten nicht zu ihm. Im Herbst kriegt Gätjen mit „4 geben alles!“ eine dritte Chance.

Johannes B. Kerners bunter Abend im September mit Flüchtlingen und Künstlern geriet angesichts des Durcheinanders und der damit verbundenen massiven öffentlichen Kritik zum Fiasko.

Auch nicht der Hit: Maybrit Illners Themenabend zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung „Sind wir ein Volk?“ Anfang Oktober. Weniger als zwei Millionen Zuschauer für den ZDF-Hauptabend sind zu wenig.

RTL:

„Deutschland 83“: Die große RTL-Hoffnung der TV-Saison – das Publikum zeigte dem ambitionierten Achtteiler rund um Spionage und Liebe die kalte Schulter. Ein Rückschlag für das Thema deutsche Serie.

„Stern Crime“: Kriminalfälle und ihre Storys – ein Printobjekt fürs TV umgesetzt. Die Geschichte von „Stern TV“ ist lang und erfolgreich. Die Geschichte von „Stern Crime“ war kurz und erfolglos.

„Stepping out“: Für eine zweite Tanzshow neben dem gut funktionierenden Dauerbrenner „Let’s Dance“ wird die Luft deutlich dünner. Das bewiesen mäßige Quoten und öffentliche Wahrnehmung.

Sat.1:

„Mila“, „Frauenherzen“, „Unser Tag“: Eine Daily Soap, eine Abendserie, ein tägliches Vorabendmagazin. Der Versuch, das TV im Stil der Jahrtausendwende neu aufzulegen, scheiterte kläglich.

„Mordkommission Berlin 1“: Eine große Kulisse, große Ausstattung, gutes Ensemble. Der Krimi nach den Aufzeichnungen des Berliner Kommissars Ernst Gennat verlief jedoch zu banal.

ProSieben:

„Wild Island“: Die Inselshow stolperte schon zu Beginn ihrer Ausstrahlung über Proteste von Tierschützern. Der große Knaller wurde sie im Verlauf der Staffel dann auch nicht mehr

Mit dem Abgang von Wirbelwind Stefan Raab probierte der Sender viele Alternativen aus – aber gerade Damen wie Lena Gercke, Palina Rojinski oder Enissa Amani scheinen mit Raabs großen Fußstapfen überfordert.

Vox:

„Ewige Helden“: Gute Idee, aber: Die Show mit vielen Weltmeistern, die unter sich einen Gesamtsieger ausmachten, bestand aus Kandidaten, die in den neunziger Jahren hip waren, aber heute nicht mehr.

„Battle Creek“, „The Night Shift“, „Suits“: Lauter neue Serien aus Übersee, lauter Flops. Meist weniger als eine Million Zuschauer ist für Vox-Ansprüche am Hauptabend viel zu wenig.

kabel eins:

„Vom Spinner zum Gewinner“: Eine Unternehmensgründershow (nämlich „Die Höhle der Löwen“ auf Vox) im deutschen TV reicht aus – jede weitere Kopie stößt wohl auf Desinteresse.

sixx:

„Big Brother“: Der erneute Versuch, die Containershow 15 Jahre nach der Erstausstrahlung zu reanimieren, zeigte, dass das Format nicht weiter strapazierbar ist, auch wenn die Quoten nicht schlecht waren.

Abschiede

Frank Elstner (74): Nach 15 Jahren beendete er im Oktober 2015 den Talk „Menschen der Woche“ im SWR Fernsehen und zog sich zurück.

Stefan Raab (49): Noch einmal „Schlag den Raab“ im Dezember, dann war Schluss: Der Tausendsassa reißt bei ProSieben eine große Lücke.

Günther Jauch (59): Teilrückzug – im November 2015 verabschiedete er sich vom ARD-Polittalk und beschränkte sich auf RTL.

Michael Ande (71): Nach 39 Jahren zog sich der dienstälteste TV-Kommissar Deutschlands zurück – „Der Alte“ ermittelt nun ohne ihn.

Heiner Bremer (74): Er war der erste Moderator des „Nachtjournals“ auf RTL. Nun verabschiedet er sich auch vom Talk „Das Duell“ (n-tv).

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Alle Kommentare

  1. Dass Deutschland 83 nicht so gut lief, lag wohl am Sender selbst. Wer erwartet denn von einem so unterirdischen Sender wie RTL eine gute Serie? Ich hielt es auch nicht für möglich, war aber dann begeistert. Ich denke, auf einem anderen Sender hätte Deutschland 83 mehr Chancen gehabt.

  2. Gerade wollte ich etwas (sehr) Kritisches zu dem Abschnitt schreiben, in dem über unser Kanzlerinnensprachrohr folgendes behauptet wird:

    „ARD: Anne Will … Es gab kaum Kritik, das bedeutet: Alles im grünen Bereich.“

    Im letzten Moment aber viel mir dann auf, das die Redaktion hier eindeutig wieder einen ihrer spontanen Satireanfälle gehabt haben muss, ähnlich dem Artikel: „Sie werden es nicht glauben, was dann passierte.. “

    Nun, obige Behauptung glaube ich auch tatsächlich nicht, außer was den „grünen Bereich“ angeht, der stimmt zumindest zu der Hälfte, welche seine politische Farbenlehre betrifft.

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