Wenn Radioeins-Macher Skuppin zwei Jung-Journalisten ein Interview gibt: „Die Pressestelle des rbb hat die Antwort gänzlich gestrichen“

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Dieses Interview kennt vor allen einen Verlierer: die Pressestelle des rbb. Das junge journalistische Projekt Jungpublik sprach mit dem Programmchef von Radioeins, Robert Skuppin, der durch seine Äußerungen zum Senderwechsel von Jan Böhmermann und Olli Schulz derzeit ohnehin nicht die beste Figur abgibt. Dem nicht genug, lässt ihn jetzt sogar die eigene Öffentlichkeitsarbeit schlecht aussehen. Häufigste Antwort im Interview: „Die Pressestelle des rbb hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.“

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Dieses Interview hat dem Radio-Macher – zumindest in dieser Form – gerade noch gefehlt. Am Sonntag nahmen ihn sich schon Olli Schulz und Jan Böhmermann so richtig zur Brust. Vor allem Schulz regte sich über die Begleitgeräusche des Wechsels ihrer Sendung „sanft & sorgfältig“ von Radioeins zum Streaming-Dienst Spotify auf. Seiner Meinung nach hat Skuppin „weinerlich“ versucht, den Eindruck zu vermitteln, dass die Konkurrenz die Moderatoren abgeworben hätte. Dabei seien sie auf Spotify zugegangen, weil sich bei der ARD niemand für sie interessiert hätte, so Schulz.

„Unglaublich, dass es Leute gibt, die noch Interesse an uns haben“, kommentierte Olli Schulz an einer Stelle in der neuen Sendung „fest & flauschig“: „Das habe ich lange nicht mehr gedacht bei der ARD.“ Böhmermann ergänzt: „Die haben sogar Plakate aufgehängt. Wie lange haben wir bei der ARD gebettelt, dass die ein bisschen Werbung für die Sendung machen und kaum bist du bei einem neuen Anbieter von der New Economy und auf einmal ist ganz Deutschland voll mit deiner Fresse.“

Bevor seine ehemaligen Star-Moderatoren bei Spotify ablederten, stand Skuppin Frederik Mittendorff und Sina Aaron Moslehi Rede und Antwort. Anders, als es Schulz und Böhmermann suggerierten, sprach der Radio-Profi offen und sehr meinungsstark über den gesamten Themenkomplex, die privaten Radiosender und die Öffentlich-Rechtlichen im Allgemeinen. Möglicherweise war er sogar zu deutlich. Denn im Autorisierungsprozess blieben einige seiner Antworten offenbar auf der Strecke.

Statt einer Antwort heißt es jetzt an mehreren Stellen in dem Gespräch: „Die Pressestelle des rbb hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.“ Oder: „Die Pressestelle des rbb hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung gänzlich abgeändert.“

Wie es zu den Streichungen kommen konnte, erklären Mittendorff und Moslehi gegenüber MEEDIA: „Richtig ist, dass vor dem Interview vereinbart wurde, nicht ausschließlich über den Wegkauf von „sanft & sorgfältig“ zu sprechen, sondern auch über die allgemeine Konkurrenzsituation zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten. Im Zuge der Autorisierung des Interviews wurden dann durch die rbb-Pressestelle diverse Antworten von Herrn Skuppin gestrichen – auch solche, die von der Absprache gar nicht oder nur marginal betroffen waren.“

Weiter sagen sie: „Wir haben uns schließlich darauf eingelassen, alle Fragen und Antworten gänzlich zu streichen, in denen es um Jan Böhmermann und Olli Schulz geht. Doch auch darauf hat sich die Pressestelle nicht eingelassen.“

Es spricht für die beiden jungen Journalisten, die so entstandenen Leerstellen zu dokumentieren und gleichzeitig immer noch ein interessantes Gespräch abzuliefern. So sagt Skuppin unter anderem: „Es ist ja nicht so, dass bei den Öffentlich-Rechtlichen nur alte Menschen arbeiten, die keine Ahnung vom Internet haben. Unser Hauptproblem ist kein Mangel an Kreativität oder an Talenten, sondern ein ganz anderes: Wir dürfen vieles einfach nicht. Es gibt juristische Beschränkungen.“ Weiter sagt er: „Wenn wir das Internet als richtige Multiplattform nutzen dürften, wie das Streamingdienste und private Radiostationen machen, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was im Netz los wäre.“

Tatsächlich machen vor allem die veröffentlichten Antworten Lust, einmal das ganze Gespräch zu lesen. Aber das
wollte offenbar die Pressestelle des rbb nicht.

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Alle Kommentare

  1. Heinrich Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen – Caput XXV – dort ist die Geschichte – vor beinahe zweihundert Jahren – schon einmal erzählt worden, man braucht garnichts mehr hinzuzufügen, denn es hat sich doch kaum etwas geändert:

    RBB:

    „Die Pressestelle des rbb hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.“

    Heine:

    „Gedankenfreiheit genoß das Volk,
    Sie war für die großen Massen,
    Beschränkung traf nur die geringe Zahl
    Derjenigen, *die drucken lassen*.“

    Jungpublik:

    „„Wir haben uns schließlich darauf eingelassen, alle Fragen und Antworten gänzlich zu streichen, in denen es um Jan Böhmermann und Olli Schulz geht.“

    Heine:

    „Du selbst bist älter und milder jetzt,
    Wirst dich in manches schicken,
    Und wirst sogar die Vergangenheit
    In besserem Lichte erblicken.“

  2. Qualitätsmedien in der Transparenzoffensive.
    Da ist man mal wieder in den Untiefen der täglichen Realität stecken geblieben.
    Aber was versteht schon ein Putinversteher, Rechtstroll, besorgter Bürger und Pegidiot von harten Geschäft der Medienarbeit.
    Demokratieabgabe für die einfältigen Untertanen ist schließlich eine tragende Säule der Merkelschen Demokratie.
    Realsatire in Deutschland

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