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Nach Übernahme der Medienholding Nord: NOZ Medien wollen in die Top Five der Medienhäuser

NOZ-Geschäftsführer Laurence Mehl (li.) und Christoph Niemoeller
NOZ-Geschäftsführer Laurence Mehl (li.) und Christoph Niemoeller

Die Expansion der Neuen Osnabrücker Zeitung nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist vollzogen. Nun sollen die nächsten Schritte geplant werden und irgendwann wohl weitere Zukäufe folgen. Denn die NOZ will in die Top Five der Medienhäuser in Deutschland.

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Mit dem Kauf der Medienholding Nord (mh:n) rückt die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ Medien) in den Kreis der zehn größten regionalen Zeitungshäuser in Deutschland vor. Das Kartellamt hat der Übernahme zugestimmt, nun ist der Kauf endgültig abgewickelt. Im dpa-Interview äußern sich die NOZ-Geschäftsführer Laurence Mehl und Christoph Niemöller zu der Übernahme und den künftigen Vorhaben.

Die Neue Osnabrücker Zeitung ist eine der meistzitierten Zeitungen Deutschlands, im Printbereich waren die Aktivitäten bisher aber auf die Region beschränkt. Warum jetzt diese Expansion?
Christoph Niemöller
: Unsere Strategie ist klar. Wir wollen weiter wachsen. Wir sind fest davon überzeugt, regionale Medienmärkte gut bearbeiten zu können. Das haben wir in Osnabrück und im Emsland gezeigt. Und wir haben auch schon einen Verlag in Delmenhorst übernommen. Unser Ziel war es immer, andere regionale Märkte zu erobern.

Laurence Mehl: Wir sind natürlich auch jetzt schon außerhalb unserer Region aktiv, zum Beispiel mit dem Pferdemarkt ehorses.de oder der Online-Marketing-Agentur MSO-Digital. Der Hauptgrund, warum wir jetzt in den Norden gehen, ist: Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit von Lokaljournalismus, indem wir ihn erfolgreich ins Digitale übertragen. Das haben wir in Osnabrück schon weit vorangetrieben. Wir haben hier inzwischen 33 000 zahlende Digitalabonnenten. Es gibt ein Bedürfnis nach lokalen Informationen und dafür auch eine Zahlungsbereitschaft in der digitalen Welt.

Auf einen Schlag übernehmen Sie 32 Tageszeitungen. Was muss man denn dafür auf den Tisch legen?
Niemöller:
Das kann ich mir gut vorstellen, dass Sie die Zahl gerne hören würden. Aber wir haben Vertraulichkeit vereinbart, und die wahren wir natürlich auch. Sie können sich vorstellen, dass es sich um den größten Kauf in der Firmengeschichte handelt, das ist schon eine enorme Zahl.

Sie wachsen gewaltig. Die Mitarbeiterzahl wird mehr als verdoppelt: Haben sie manchmal auch die Sorge, ob alles gut geht?
Niemöller:
Wir übernehmen ein sehr gut aufgestelltes Haus. Die Kollegen in Flensburg haben einen sehr guten Job gemacht und können bestimmt einige Dinge besser als wir. Es ist ein tolles Haus, das wunderbar zu uns passt.

Was kann NOZ Medien von den Aktivitäten der Medienholding lernen, und wo sind Sie in Osnabrück vorn?
Niemöller:
Das Geschäft mit Anzeigenblättern verstehen sie deutlich besser als wir – 3,4 Millionen Exemplare werden dort wöchentlich verteilt. Auch Zeitschriften haben dort einen größeren Stellenwert. Auf der anderen Seite sind wir in Osnabrück bei digitalen Inhalten und im Bereich Paid Content weiter.

Erwartet wird, dass der Medienmarkt in einigen Jahren von einer Handvoll Verlagen dominiert wird. Teilen Sie diese Einschätzung? Und wo wollen Sie ihr Haus positionieren?
Niemöller:
Wir glauben in der Tat, dass es eine starke Konzentration im Bereich der Zeitungsverlage geben wird. Es wird dazu kommen, dass es nur noch fünf große Gruppen geben wird. Man kann darüber streiten, wann es soweit ist. Unsere Zielsetzung ist aber ganz klar: Wir wollen eine dieser fünf großen Gruppen sein.

Sie planen also weitere Zukäufe?
Niemöller: Wir müssen uns jetzt erst einmal mit diesem großen Zukauf beschäftigen. Die Integration wird uns auch nächstes Jahr noch beschäftigen – und dann sehen wir mal weiter.

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Mehl: Ich würde nichts ausschließen. Wir gucken, welche Optionen kommen.

Fusionen im Medienmarkt sind meistens mit dem Abbau von Stellen verbunden. Was planen Sie?
Mehl: Es wird Veränderungen geben, personelle Konsequenzen in diesem Jahr voraussichtlich aber nicht. Wir suchen nach Synergien. Das können aber auch Wachstumssynergien sein, weil wir weiter wachsen wollen. In manchen Bereichen werden wir bestimmt auch Stellen aufbauen.

Niemöller: Wir haben 2011 die Strategie gestartet, Ende 2016 das erfolgreichste regionale Medienhaus in Deutschland zu sein. Gestartet sind wir in Osnabrück mit 700 Mitarbeitern, heute sind wir 1000. In einigen Bereichen hat es Personalabbau gegeben, aber in Summe, auch in der Redaktion, sind wir deutlich gewachsen.

Große Gruppen wie Madsack und Funke haben die Produktion überregionaler Inhalte in Zentralredaktionen in Hannover und Berlin gebündelt. Verfolgen Sie einen ähnlichen Plan?
Mehl:
Wir müssen uns das jetzt erst einmal ganz genau angucken und überall ganz genau hinhören. Das Schöne ist: Beide Häuser sind gut aufgestellt, da brennt nichts an, wir haben alle Zeit der Welt. In der Redaktion gibt es vermutlich Synergien, die wir nutzen können. Es wird am Ende eher eine Verlagerung von Arbeitsplätzen geben – gerade, wenn wir den Digitaljournalismus ernsthaft vorantreiben wollen.

Und das Printgeschäft – welche Zukunft hat die gedruckte Zeitung?
Niemöller: Natürlich werden wir im Printbereich weiter an Auflage verlieren. Aber wir fangen das mit unseren Digitalabonnenten auf. Wir gehen fest davon aus, dass wir in zehn Jahren mehr Abonnenten haben als heute.

Kritik kommt vom Deutschen Journalistenverband. Es drohe der Verlust der regionalen Eigenverantwortung der Zeitungen, heißt es in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Mehl: Wir investieren in die Zukunftsfähigkeit von Lokaljournalismus. Wir glauben an das Kerngeschäft. Der DJV sollte sich eher freuen, dass wir diese Strategie verfolgen und damit ja auch die Vielfalt der regionalen Tageszeitungen erhalten. Uns geht es ja um die Aufrechterhaltung operativer Exzellenz. Das gilt besonders für lokalen Qualitätsjournalismus.


Das Interview führte Thomas Struk für die dpa

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  1. Die Neue Osnabrücker Zeitung hat bereits vor Jahren die künftigen Auswirkungen der Digitalisierung erkannt und sich strategisch auf den Wandel vorbereitet. Das Unternehmen ist damit ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich auch traditionsreiche Familienunternehmen zukunftsfähig aufstellen können. Als größtes Mittelstandsnetzwerk Deutschlands freut sich der Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW, dass mit der NOZ ein Vorreiter des digitalen Wandels aktives Mitglied ist!
    Nur wenn sich mehr – auch kleinere – Betriebe digitalen Lösungen gegenüber offen zeigen, wird dieser Megatrend dem Mittelstand letztlich mehr nutzen als schaden – sei es z.B. durch den Vertrieb über das Internet, die Kundenkommunikation über Soziale Medien oder ein modernes Dokumentenmanagement.

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