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„Hallo, hier Erika Berger“ – Die berühmte „Sexpertin“ ist verstummt

Erika Berger ist im Alter von 76 Jahren gestorben
Erika Berger ist im Alter von 76 Jahren gestorben

Sie hatte eine der berühmtesten Stimmen der Republik. "Hallo, hier ist Erika Berger, wer spricht?" Dieser Satz, zahllose Male parodiert, war Kult. Und obwohl sie keine richtige Expertin war, war sie ihrer Zeit in einem Punkt doch voraus. Nun ist die "Grande Dame der Sexberatung" im Alter von 76 Jahren gestorben.

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Wenn man von irgendeiner Frau gedacht hätte, dass sie 90 Jahre oder älter werden würde, dann war das die „Sexpertin“ Erika Berger. Sie sah immer mindestens zehn Jahre jünger aus und bewegte sich dank regelmäßigen Sporttrainings flinker als so manche Frau in mittleren Jahren. Ihr Tod mit 76 kam für alle, die sie kannten, völlig überraschend.

„Je älter man wird, desto klarer wird auch, dass das Leben endlich ist“, sagte sie vor zwei Jahren in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb sollte man sich jetzt vorrangig mit Dingen beschäftigen, die Spaß machen.“ Sie selbst hat sich daran bis zuletzt gehalten und das Leben in vollen Zügen genossen.

 

Weil sich Erika Berger so gut gehalten hatte, konnte man sie auf der Straße leicht wiedererkennen. Hundertprozentig sicher waren sich die Leute aber immer erst, wenn sie ihre Stimme mit der typisch bayerischen Färbung gehört hatten. „Hallo, hier ist Erika Berger, wer spricht?“ Das hatte man auch Jahrzehnte später noch im Ohr. Es war ein Kultsatz, der zahllose Male parodiert wurde. Ihr zweites Markenzeichen waren die gekonnt übereinandergeschlagenen Beine.

Auch an ihr Sofa erinnern sich noch viele, obwohl es mittlerweile ein Vierteljahrhundert her ist, seit sie in der RTL-Live-Sendung „Eine Chance für die Liebe“ am roten Telefon Zuschauerfragen beantwortete. 1987 startete die Sendung und war ein Riesenaufregerthema, einmal wurde sogar wegen Aufforderung zum Exhibitionismus gegen sie ermittelt. Sie selbst sagte rückblickend: „Es war Aufklärungsarbeit, weil die Leute wirklich nicht wussten, was Sache war.“ Das Internet gab es noch nicht, nur die Bravo, die Stadtbücherei und die beste Freundin.

Psychologen warfen Berger damals vor, sich ohne entsprechende Ausbildung zur Sextherapeutin hochzustilisieren. Sie hat sich gegen diese Kritik immer mit dem Hinweis verteidigt, dass sie nie behauptet habe, eine Expertin zu sein. „Ich bin immer Journalistin gewesen.“

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Wenn sie mal etwas nicht wusste, rief sie Oswalt Kolle an, den „Aufklärer der Nation“. Der war zwar auch nur Journalist, kannte aber die Grundlagenforschung. Sie selbst war „nicht so ein großer Studienleser“, sondern löste die Probleme ihrer Zuschauer „eher aus dem Herzen heraus“. Ihre Hauptbotschaft lautete dabei immer: „Sprecht doch mal miteinander!“ Mit diesem Appell zu mehr Offenheit in der Partnerschaft war sie ihrer Zeit durchaus voraus.

Privat hatte Erika Berger ihre große Liebe längst gefunden: Es war der Journalist Richard Mahkorn (1944-2007), den sie nach einer gescheiterten ersten Ehe kennengelernt hatte. Über ihn fand sie in den Journalismus, schrieb für Illustrierte und Bild und wurde dann von dem jungen Privatsender RTL angeheuert.

Auch dank ihrer erfolgreichen Bücher war sie für viele Deutsche eine Autorität in Sachen Sex. Regelmäßig wurde sie privat von wildfremden Menschen angesprochen und um Rat gebeten, zum Beispiel beim Einkaufen auf dem Markt. Bei diesen Gesprächen stellte sie fest, dass sich die Probleme im Grunde nicht änderten: „Er hat mich angelogen – warum macht er das? Er ist nicht zärtlich zu mir – wieso küsst er mich nicht?“

Ein Schicksalsschlag war für sie der plötzliche Herztod ihres Mannes vor neun Jahren. Um darüber hinwegzukommen, stürzte sie sich mehr denn je in die Arbeit. Die letzten Jahre arbeitete sie aber nicht mehr, sondern wollte nur noch genießen. Obwohl ihre beiden Kinder und die Enkel in München wohnten, blieb sie in Köln. Sie wohnte über einem Pub in der Innenstadt, in der unmittelbaren Umgebung kannte sie fast jeden.

Und ihr eigener Sex? Sie lachte ihr herzhaftes Erika-Berger-Lachen, wenn man sie danach fragte. Und erwiderte dann: „Oswalt Kolle hat mir mal einen sehr guten Satz gesagt: ‚Erika, du musst wissen, wer in der Jugend viel geübt hat, der kann’s auch noch im Alter!'“

Text: Christoph Driessen, dpa

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Alle Kommentare

  1. Zum Tabuthema Exhibitionismus war ich damals bei Frau Erika Berger in der Sendung bei Rtl – sie war sehr freundlich, aufgeschlossen, fair, sachlich und objektiv. Schade, das es sie nicht mehr gibt.
    Sexualität gehört wie Essen und Trinken zu uns Menschen und so verschieden wir Menschen sind, sind wir auch dabei. Seit Menschengedenken gibt es z. B. Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität, Prostitution, Voyeurismus und eben auch Exhibitionismus. Weder durch harte Sanktionen noch Therapie – Versuche konnten diese „Irrungen und Wirrungen“ unschädlich gemacht werden.
    Was man über Exhibitionismus wissen sollte – daher:
    Aufklären statt Panik machen.
    Man sollte endlich offen und sachlich über das Tabuthema Exhibitionismus – die sexuelle Lust/ Sucht am Zeigen – aufklären anstatt unverhältnismäßig zu dramatisieren und die Bevölkerung ungerechtfertigt verunsichern. Die meisten Exhibitionisten (ca 70 %) sind Heterosexuell und zeigen sich ausschließlich nur vor Erwachsenen Frauen. Dann gibt es die Homosexuellen die sich nur männlichen Personen zeigen, die Bisexuellen die sich Frauen und Männern zeigen, die Pädophilien die vor Kinder die Hosen herunter lassen und nur sehr selten, dass Einer vor allen und jedem exhibiert. Exhibitionisten die sich Erwachsenen Personen zeigen – wollen in der Regel weder erschrecken, beleidigen, schänden und schon gar nicht gewalttätig sein. Übrigens gibt es auch Frauen, die sich gerne entblößt zeigen, jedoch werden diese nicht kriminalisiert (§ 183) da die meisten Männer es nicht nur tolerieren sondern sich noch über den gebotenen schamlosen Anblick erfreuen. So wie noch vor einiger Zeit nur homosexuelle Männer bestraft wurden (nach § 175) – konnten Frauen dagegen (zumindest nach dem Gesetz) so lange und oft Sex miteinander haben wie sie wollten. Was das Wissen und die Kenntnis über den männlicher Exhibitionismus betrifft, befinden wir uns in unserem Land noch im finstern Mittelalter. Sowie bsw eine homosexuelle Person weder durch Strafen oder Therapien dazu gebracht werden kann den Normen der gesellschaftlichen Sexual Vorstellungen zu entsprechen – nämlich Frau liebt Mann, Mann liebt Frau also heterosexuell – sowenig kann der geächtete männliche Exhibitionismus völlig unterdrückt oder ausgemerzt werden. Leider gibt es auch in der heutigen Zeit immer noch einige (jedoch nicht alle) Psychologen, Therapeuten oder sogenannte Experten deren Kenntnisse und Wissen über den männlichen Exhibitionismus aus der Zeit stammen als die Menschen noch glaubten – die Erde wäre eine Scheibe. Ihre selbstgefälligen, schlau anzuhörenden und lesenden Statements (bei Interviews) sind oftmals schlichtweg falsch und unlogisch – entsprechen nicht der Realität. Der Grund – weil sie die Rechnung ohne den Wirt machen, wie es im Volksmund so schön heißt. Unverständlich und rätselhaft ist auch der oftmals übertriebene polizeiliche Einsatz nach (nachweislich) harmlosen Exhibitionisten, wo doch ständig gejammert wird und zu hören und lesen ist – Polizei und Justiz wären überlastet. Es gibt einige „Belästigungen oder Bedrohungen“ in unserer Gesellschaft die für Jemanden unangenehm, ekelig oder gefährlicher sind oder wirken, bei denen die Polizei (wenn sie denn gerufen wird) sich lange nicht so engagiert zeigt. Alles was mit Sexualität zu tun hat unterliegt offensichtlich einer gewaltigen Anziehungskraft. Fakt ist jedenfalls auch, (was gerne von den Medien unterdrückt und verschwiegen wird aus welchen Gründen auch immer), dass einige aufgeklärte, selbstbewusste, emanzipierte Frauen eine männliche exhibitionistische Zurschaustellung als witzig ansehen und sich darüber amüsieren können oder es als ein interessantes, prickelndes geiles Erlebnis ansehen – während andere sich als „Opfer“ sehen und benutzt fühlen, wobei auch Ekel oder unbegründete ängstliche Phantasien die Ursache sein können. Die unbegründete Angst (Phobie) ist ähnlich wie die Furcht vor einer Spinne oder kleinen Maus. Oftmals erstatten Frauen nur deswegen Anzeige weil sie die Vorstellung haben (es ihnen so einsuggeriert wurde) der Exhibitionist könnte ja schlimmeres tun als sich nur “Zeigen” und die Justiz bestraft daher entsprechend hart oder ist mit der Problematik überfordert, einer gewissen Hilflosigkeit ausgesetzt.
    Auf keinen Fall möchte ich hier den Eindruck erwecken Exhibitionismus sei in Ordnung und müsste toleriert werden und schon gar nicht vor Kindern – moralisch gesehen sicherlich nicht akzeptabel – doch es zu kriminalisieren erzeugt nur unnötige Angst, Panik und Hysterie und das ist ebenfalls etwas verwerfliches. Das menschliche Verhalten ist oftmals Rätselhaft und kann nur durch offene, sachliche Nachforschungen ein wenig Klärung bringen. Dazu müssten wir aber die weit verbreitete Heuchelei und Doppelmoral einmal beiseite schieben und lernen Unterscheidungsvermögen zu praktizieren, die Verhältnismäßigkeit zu berücksichtigen und uns nicht von Vorurteilen und falschen unrealistischen Vorstellungen leiten lassen. Alfred Esser
    Übrigens kann man schon bei kleinen Mädchen und Jungen beobachten, dass sie gerne, lustvoll und voller Stolz ihre Geschlechtsorgane zu Schau stellen (schon Sigmund Freud stellte das fest). Bei manchen Menschen ist/ bleibt dieses “schamlose Verhalten” ein lebenlang fest Verankert – während bei anderen Personen es sich in Luft auflöst.

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