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Von sexistisch bis angsterregend: Werberat rügt grottoide Werbung

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Was würde der deutsche Werberat nur ohne kleine Handwerksbetriebe und ihre oftmals völlig missglückten Werbeversuche machen? Meistens geht der Vorsatz, nur auf leicht anzügliche oder etwas erotische Motive zu setzen, fürchterlich schief. So auch diesmal. Zudem mussten sich die Medienwächter mit „angsterregender Werbung in Zusammenhang mit Flüchtlingen“ beschäftigen.

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Insgesamt sprachen die Berliner sechs Rügen aus. Zwei Unternehmen wurden wegen Gewaltverherrlichung sowie diskriminierender und angsterregender Werbung in Zusammenhang mit Flüchtlingen kritisiert. Drei weitere Motive wurden als frauenerniedrigend sowie eines als männerherabwürdigend beanstandet und öffentlich missbilligt.

Als gewaltverherrlichend hat der Werberat die Kampagne eines Augenoptikers aus Altenburg in Thüringen gerügt. Das Unternehmen betextete das Bild einer Frau mit einem Maschinengewehr in der Hand mit dem Slogan „Zeit sich zu bewaffnen“. „Nach Ansicht des Werberats werde durch die Werbemaßnahme zur Gewaltanwendung aufgerufen. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten und Entwicklungen mit Blick auf die Flüchtlingsthematik sei ein derart offensiver Gewaltappell gesellschaftlich nicht akzeptabel“, heißt es in der Erklärung der Werbewächter dazu. Gemeint war eigentlich, dass man sich mit den Brillen des Optikers bewaffnen solle.

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Ebenfalls wegen diskriminierender und angsterregender Werbung wurde auch ein Sicherheitsunternehmen aus Leipzig gerügt. Der Experte für Alarmanlagen hatte einen Werbe-Flyer verteilt, in dem es unter anderem hieß: „Viele neue Mitbürger reisen in unser Land und leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein, darum sollten auch Sie nicht zögern, Ihr Eigentum, Gesundheit oder gar Ihr Leben zu schützen.“ Die Einschätzung der Medienwächter dazu: „Die Werbung suggeriert absichtlich, dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind. Solche Firmenpropaganda würdigt Flüchtlinge pauschal herab und stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Standesregeln der Werbewirtschaft dar“.

Wegen sexistischer Werbung wurden insgesamt drei Rügen ausgesprochen. Unter anderem wurde eine Druckerei aus Kürten gerügt. Auf ihrem Werbemotiv war eine Frau ohne Kopf von hinten mit kurzem, hochfliegendem Rock zu sehen. Auf ihrem Oberschenkel platzierten die Macher den Text: „Drucken können viele, beeindrucken nur wenige!“.

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Ebenfalls nicht zufrieden waren die Medienwächter mit einem Fliesenexperten aus Gotha. Das Motiv des „lasziv posierenden weiblichen Modells in Dessous und halterlosen Strümpfen“, wie der Werberat schreibt, wurde ebenfalls gerügt. „Nach Ansicht des Gremiums würden Frauen durch das Motiv ausschließlich auf ihr körperliches Erscheinungsbild reduziert. In Verbindung mit dem Slogan werde zudem die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen nahegelegt.“

Nicht nur Frauen wurden diesmal Opfer herabwürdigender Werbung, sondern auch Männer. So beanstandeten die Berliner ein Motiv von einen Spezialisten für Industrietore aus Schönebeck (Sachsen-Anhalt) „wegen männerherabwürdigender sowie gesellschaftlich nicht akzeptabler Werbung“. Auf dem Bild ist ein Mann zu sehen, der beim Anblick eines Industrietors eine Erektion bekommt.

„Diese Darstellung geht nach der Ansicht des Deutschen Werberats über die Grenzen dessen hinaus, was in Deutschland gesellschaftlich akzeptiert sei. Zudem werde der Mann auf eine triebhafte Sexualität reduziert und damit herabgewürdigt“, begründet der Werberat seine Rüge.

„Den Werberat beschäftigen aktuelle gesellschaftliche Themen, die in der Werbung aufgegriffen werden wie beispielsweise die Flüchtlingsdebatte aber auch Erotik und Sexualität“, stellt Julia Busse, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, fest. Grundsätzlich gelte es aber zu berücksichtigen, dass Grenzüberschreitungen dieser Art nicht die Regel, sondern die extreme Ausnahme sind. „Dies kann jeder bestätigen, der mit offenen Augen die täglich in Deutschland gezeigte Werbung beobachtet.“

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