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„Tortour de Ruhr“: FAZ-Redakteur will am Pfingst-Wochenende 230 Kilometer in 38 Stunden laufen

Niels Thies (37) will am Pfingstwochenende 230 Kilometer in 38 Stunden zurücklegen – laufend.
Niels Thies (37) will am Pfingstwochenende 230 Kilometer in 38 Stunden zurücklegen – laufend.

Pfingsten steht vor der Tür, und viele Arbeitnehmer nutzen den Feiertag am Montag, um es sich an einem langen Wochenende einfach mal gutgehen zu lassen. Nils Thies nicht. Der Fotoredakteur der FAZ wird sich quälen, über 230 Kilometer lang beim Ultramarathon "Tortour de Ruhr" – für den er nur 38 Stunden Zeit hat. Vorbereitet hat er sich mehr als ein Jahr, u.a. mit normalen Marathons "zum Frühstück".

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Herr Thies, während andere ein langes Pfingstwochenende genießen, werden Sie am Stück 230 Kilometer durch das Ruhrgebiet laufen. Um im charmanten Pott-Stil zu fragen: Nä! Bisse bekloppt, oder wat?
Ja, ein bisschen schon. Aber nur verrückt sein reicht nicht aus. Im Gegenteil. Die Verrückten scheiden schnell aus oder kommen erst gar nicht zum Start. Nein, Ultramarathonläufer wissen fast immer, worauf sie sich einlassen. Ohne Training und Vorbereitung läuft nichts. Nur, wer mit Leidenschaft dabei ist, wird durchkommen.

Ihr Arbeitgeber, der extra eine Pressemitteilung verschickt hat, zwingt Sie also nicht?
Nein nicht im geringsten. Am Anfang war es ja auch eigentlich ein privates Ding, aber mit der Möglichkeit, die Stiftung FAZ-Leser helfen zu unterstützen, wuchs das Projekt. Nun war es keine Spinnerei mehr, sondern ein richtiges Spendenprojekt. Ich werde also nicht entlassen, wenn ich zu langsam ins Ziel komme, hoffe ich.

Der Lauf nennt sich „Tortour de Ruhr“. Wissen Sie wirklich, auf was Sie sich da einlassen?
Ich vermute schon. Ich habe bereits ein paar Läufe über 100 Kilometer absolviert. Das ist auch Voraussetzung für die Teilnahme an der Tortour. Es ist nicht mein erster Ultramarathon, aber jeder hat seine Besonderheiten. Im letzten Jahr bin ich 320 Kilometer auf dem Rheinsteig von Wiesbaden nach Bonn gelaufen. Das hat etwas mehr als 90 Stunden gedauert. Aber dieser Lauf ist anders. Ich muss auf einer 90 Kilometer kürzeren Strecke schneller sein. Und das ist auch die Absicht des Veranstalters Jens Vieler, die Tortour bedeutet Zeitstress.

Wie bereitet man sich auf so einen Extrem-Lauf vor – wie viele Paar Schuhe packen Sie ein?
Ich packe drei Paar Schuhe ein, um Abwechslung zu haben. So werden die Muskeln nicht einseitig belastet. Die Vorbereitung dauerte ungefähr ein Jahr mit dreizehn Wochen Intensivtraining. Das ist dann eine Mischung aus langsamen Dauerläufen und schnellen kurzen Trainingseinheiten. Oft gab es auch einen Marathon zum Frühstück. Aber es war nicht nur Laufen. Fitnesstraining gehört für mich genauso dazu wie Radfahren.

Und mental: Reicht es, sich während des Laufens schöne Gedanken zu machen?
Das ist die halbe Miete. Essen und trinken darf man nicht vergessen, das fördert die Motivation. Aber in der Tat ist Spaß angesagt und positive Gedanken bringen einen über die Strecke. Bei 230 Kilometern darf man nicht mit sich hadern. Dafür ist die Strecke zu lang. Natürlich bin ich auch mal schlecht drauf. Dann muss ich aber auch schnell wieder zu den positiven Gedanken finden.

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Sie haben 38 Stunden, um am Ziel anzukommen – bleibt da Zeit für Schlaf?
Nein, ich werde nicht schlafen. Vielleicht setze ich mich kurz hin und mache Pause. Sonst schaffe ich die Strecke nicht in der Zeit. Eine Nacht übersteht man locker, wenn man genug zu essen dabei hat. Das schönste ist, wenn der Morgen graut, dann verfliegt jegliche Müdigkeit.

Haben Sie sich selbst eine bestimmte Zeit gesetzt?
Manchmal, wohl in einem Anflug von Wahnsinn, habe ich daran gedacht, in 32 Stunden ankommen zu wollen, aber es passiert immer sehr viel während eines Rennens. Das Wetter ist ein große Faktor, aber auch die Fitness. Nehmen wir also die 38-Stunden-Marke als Ziel. Durchkommen ist alles.

Wenn Sie im Ziel angekommen sind, was werden Sie wohl als Erstes machen, womit werden Sie sich belohnen?
Es geht ganz grundlegend los. Leute umarmen, die mich begleitet haben. Dann kommt eine kurze Völlerei mit Apfelschorle und Kuchen. Dann einen Kaffee mit Kuchen und danach vielleicht noch ein Stückchen. Wenn es nicht zu spät wird, gönne ich mir ein Bier. Am nächsten Tag geht das Spiel dann von vorne los – herrlich.

Am Ende machen Sie alles für einen guten Zweck: Wer kann sich wie beteiligen und für wen laufen Sie?
Ich laufe für die Stiftung „FAZ-Leser helfen“ und somit für das Projekt Faberis. Faberis bietet Sprachintegrationskurse für Flüchtlinge an, um sie im Arbeitsleben zu fördern. Spender und Spenderinnen übernehmen die Patenschaft für einen oder mehrere Kilometer und das für jeweils 20 Euro.

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