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„Team Royaleraff“ übertölpelt Vera Int-Veen: Jan Böhmermanns grandioses Comeback mit „Schwiegertochter gesucht“-Fake

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann

Nach einem Monat TV-Abstinenz trat Jan Böhmermann am Donnerstagabend wieder vor die ZDFneo-Kameras. Wer erwartet hatte, dass die turbulenten Wochen der Schmähgedicht-Affäre beim Moderator sichtbare Spuren hinterlassen hätten, sah sich getäuscht: Dem 35-Jährigen und seinem "Neo Magazin Royale"-Team gelang ein grandioses Comeback – und sogar ein investigativer Scoop im Stil des "Team Wallraff".

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Aber der Reihe nach. Alles begann damit, dass Böhmermann entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten in seiner „Hashtag-Konferenz“ auf Periscope den Hashtag der Woche anders als gewohnt geheim gehalten hatte. Den enthüllte der Moderator erst in der Sendung – #verafake. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich noch kein Zuschauer einen Reim darauf machen, denn erwartet hätte man eher ein politisches Schlagwort. Doch hinsichtlich des schwelenden Erdogan-Beleidigungs-Verfahrens beschränkte sich Böhmermann auf mal mehr, mal weniger lustige Anspielungen. Die Gags zum Auftakt lieferten zudem Zuschauer, die pro vorgelesenem Spruch 103 (!) Euro verdienen konnten. Die eher mauen Witze lassen hoffen, dass hier bald die Profis wieder übernehmen.

Highlight von Folge 45 des „Neo Magazins Royale“ war definitiv der Report über die Einschleusung eines Fake-Kandidaten nebst weinerlichem Vater in die RTL-Trashshow „Schwiegertochter gesucht“. Der Comedian hatte den fiktiven „Robin“ mit einer abstrusen Geschichte bei der Produktion ins Rennen geschickt, und die Redakteure der Kuppel-Sendung bissen sofort an. Der angeblich 21-Jährige aus dem Ruhrgebiet hatte sich dem Format von Vera Int-Veen als „einsamer Eisenbahnfreund“ und Reptilienliebhaber angedient, der „noch viel Liebe zu verschenken“ habe. Offenbar war die Produktionsmannschaft begeistert, denn ein Vorort-Drehtermin wurde umgehend vereinbart.

Was die Auftragsproduzenten von RTL nicht wussten: Die Wohnung von „Robin und René“ war von den „Neo Magazin Royale“-Leuten eingerichtet und mit Kameras und Mikros ausgestattet worden, die die „Schwiegertochter gesucht“-Redakteure bei der Arbeit filmten. Was dazu bei ZDFneo zu sehen war, ist für RTL hochnotpeinlich. So wurde gezeigt, dass den Protagonisten der RTL-Show für bis zu 30 Drehtage insgesamt lächerliche 150 Euro „Aufwandsentschädigung“ gezahlt wurde – fünf Euro pro Drehtag. Den Vertrag nahmen die Redakteure dann nach der Unterschrift gleich wieder mit, ohne eine Kopie zu hinterlassen. Völlig irrsinnig ist zudem, dass die Kandidaten selbst an Eides statt versichern mussten, dass sie nicht geistig behindert seien. Interessant auch, dass die Angabe des angeblichen Vaters, er trinke täglich acht Bier, die Redakteure nicht davon abbringen konnte, das Duo für die Sendung anzuheuern, bei der die Werbeminute rund 90.000 Euro kostet. Nicht einmal einen Ausweis der Darsteller ließ sich die Vera-Produktionstruppe vorlegen, sondern mit der Ausflucht des vermeintlichen Vaters abspeisen, die Papiere lägen alle „bei meiner Frau“.

Stattdessen halfen sie noch nach, das Hinterwäldler-Image von „Robin“ zu verstärken, u.a. durch auf dem Bett drapierte Plüsch-Schildkröten. Die von ZDFneo eingeschleusten Kandidaten – beide gelernte Schauspieler – hielten ihre Rolle durch und wurden sogar zum beim Publikum beliebtesten „Schwiegertochter gesucht“-Duo der aktuellen Staffel. Den Irrtum löste erst Böhmermann selbst in der Sendung auf und stellt RTL damit im zehnten Jahr des Formats vor erhebliche Probleme. Sein „Team Royaleraff“ hatte den Undercover-Job minutiös geplant und durchgeführt. Fazit des Comedian in Richtung des Senders und Moderatorin Vera Int-Veen: „Ihr habt Robin und René noch dümmer gemacht, als wir sie uns ausgedacht hatten – und das will was heißen.“

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Sogar Studio-Gast Gregor Gysi lobte den Scoop: „Was Sie mit der Vera gemacht haben, finde ich gut.“ Der Linken-Politiker hatte einen launigen, wenn auch recht unspektakulären Auftritt in der Comedy-Sendung. Und auch in der Erdogan-Affäre hatte Gysi, selbst Anwalt, versöhnliche Worte für Jan Böhmermann: Zwar billige er das Schmähgedicht nicht und hätte ihm als sein Rechtsvertreter „hinter verschlossenen Türen“ ordentlich die Leviten gelesen – als Strafverteidiger hätte er danach aber im Beleidigungsverfahren vor Gericht auf Freispruch plädiert, „und zwar mit einer sehr guten Begründung“.

Am späten Abend reagiert auch RTL. Der Kölner Sender gab sich erwartbar ahnungslos, will die Umstände bei der Produkiton nun aber überprüfen:

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Alle Kommentare

  1. Nicht erst seit heute ist und war Vera Int-Veen für mich die Fleischwerdung des Ekeltrainigs

  2. Jan Pimmelmann (Name von der Redaktion geändert) zeigt, wie man beim öffentlich-rechtlichen Bezahlfernsehen Karriere macht: Man trägt ein drittklassiges „Gedicht“ obszönen Inhalts gegen einen ungeliebten ausländischen Staatspräsidenten vor und beleidigt ihn damit öffentlich. Wenn sich dieses beleidigte Staatsoberhaupt dagegen wehrt, wird der Pimmelmann plötzlich bekannt, erhält die Unterstützung anderer Schwachmaten und darf vom Kleinsender ins Flaggschiff wechseln. Freundlicherweise wird sogar noch das Strafrecht geändert. Majestätsbeleidigung kann in Zukunft nur der deutsche Bundespräsident für sich beanspruchen, für den Rest der Welt gibt es das nicht mehr. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dieser Pimmelmann gehört bestraft. Nicht für das, was er Erdogan angetan, sondern für das, was er der deutschen Sprache angetan hat. Ach so, ja. Wer beim öffentlich-rechtlichen Bezahlfernsehen ebenfalls Karriere machen möchte: Putin wäre noch frei. Allerdings ist der dafür bekannt, daß er auf minderwertige Störkläffer nicht reagiert.

    1. Hahaha, Herr Erdogan sind Sie es? Falls nicht, Böhmermann wird auch von Ihren Gebühren bezahlt. DAS ist richtig komisch, hahaha

    2. @paece
      Ich bin nach wie vor der Ansicht, Peace Blödmann (Name von der Redaktion geändert) gehört bestraft. Nicht für das, was er Jan Böhmermann (Name von der Redaktion nicht geändert) angetan, sondern für das, was er der deutschen Sprache angetan hat. Die deutsche Sprache diente früher der Kommunikation, sprich: der Vermittlung von Fakten. Bei Putin-Freund Peace Blödmann, der – um sich in seinem Stil für ihn verständlich zu machen – minderwertigen Fußhupe unter den Kommentatoren, werden dagegen nur Unlogik und der eigene Bildungsnotstand zum Maß aller Dinge gemacht. So mit der unsinnigen Behauptung eines Wechsels „vom Kleinsender ins Flaggschiff“.

    3. Ich bin mir sicher, dass mindestens 13 afrikanische Kinder von diesem Comment Krebs bekommen haben . Ich hoffe du schämst dich dafür Mr. Piss.

      1. Das heißt „wascht euch mal…“, du Freund und Verfechter der deutschen Sprache. Meint jemand, dessen Kopfhaar so kurz ist, dass Ungeziefer dort keinen Halt finden…

  3. Wie schön, dass die selbsternannte „Initiative Nachrichtenaufklärung“ gerade erst vor ein paar Tagen wieder ihren „Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik“ (schon der Titel ist ein hübscher Gag) ausgeschrieben hat. Böhmermann hätte ihn sich jedenfalls mit seinen „Team Royaleraff“-Enthüllungen über RTL verdient!

  4. Sehr geil, Jan Böhmermann so wiederkommen zu sehen.
    Die Schwiegersohn-Aktion ist ein echtes Langzeit-Highlight.

  5. Kann nur zustimmen, furioses Comeback des NeoMagazins. Schwache Gags zu Beginn, starker Dendemann Song und als Höhepunkt #verafake. Echter Geniestreich. Zeigt wieder mal die Qualität dieser Sendung und des Neo Magazin Teams.
    Erschreckend und entlarvend wie RTL hier mit den Menschen umgeht. Lässt auf weitere unsägliche Formate wie Bauer sucht Frau und DSDS schließen, wo Teilnehmer ebenfalls als im besten Fall skurril und im schlechtesten Fall als absolut minderbemittelt dargestellt werden.
    Ich bin sehr gespannt wie RTL darauf reagiert. Auf Twitter gibt sich der Sender weiterhin wortkarg. Der Schock sitzt vermutlich.
    Robins Auftritt ist übrigens zur Zeit noch online. Im Kontext der Sendung ist es fast unglaublich das RTL nichts gemerkt hat.

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