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„Ich glaube, dass das mit dem Rücktritt so geplant war“ – Helmut Markwort über den exklusiven Nicht-Rücktritt von SPD-Chef Sigmar Gabriel

„Er ist eruptiv und emotional“: Focus Herausgeber Helmut Markwort über SPD-Chef Sigmar Gabriel
"Er ist eruptiv und emotional": Focus Herausgeber Helmut Markwort über SPD-Chef Sigmar Gabriel

Am Sonntag verbreitete Focus-Herausgeber Helmut Markwort in seiner BR-Sendung "Stammtisch", dass SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montag zurücktritt. Der Rücktritt blieb aus,Markwort glaubt aber immer noch an die Richtigkeit seiner Info. Dass er sie öffentlich gemacht hat, hat seiner Meinung nach Gabriels Plan "kaputt" gemacht.

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Herr Markwort, wie lange waren Sie am Samstag in der Sonne?

Ich bin kein Freund der Sonne. Der im fernen Berlin sitzende Politiker, der mich für sonnenhungrig hält, hat keine Ahnung von meinem Privatleben.

Es geht darum, dass Sie in Ihrer BR-Sendung „Stammtisch“ erklärt haben, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel würde am Montag zurücktreten. Er ist aber immer noch Vorsitzender der SPD. Diese Info war also falsch?

Nein. Wenn, dann war das eine gezielte Information, um den Rücktritt zu verhindern. Meine Quelle aus der SPD hat mir erzählt, Gabriel würde zurücktreten, Olaf Scholz wird sein Nachfolger als Parteivorsitzender und Martin Schulz wird Kanzlerkandidat. Das war eine zuverlässige Quelle, die ich seit Jahren kenne und die mich noch nie getäuscht hat. Deswegen habe ich das auch so weitergegeben. Ich glaube, der Effekt dieser Meldung war, dass der Plan zunächst kaputt gegangen ist oder verschoben wurde, weil man wütend war über diese Indiskretion.

Sie meinen also, jemand hat ihrer Quelle erzählt, Gabriel würde zurücktreten, um damit zu erreichen, dass er jetzt nicht zurücktritt. Ist das nicht etwas weit hergeholt?

Nein, nein. Das war in internen SPD-Kreisen bekannt. Niemand konnte dort wissen, dass diese Person – über deren Geschlecht ich keine Auskunft gebe – mir diese Information weitergeben würde.

Sie sagten, dass die Information „gezielt“ an Sie weitergegeben worden sein könnte. Das bedeutet ja, sie vermuten eine bestimmte Absicht dahinter.

Vielleicht ist meine Quelle selbst ihren Sympathien gefolgt. In der SPD gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen links und rechts, pro- und anti-Gabriel. Ich zitiere mal Gabriel selbst: „Die SPD spielt am liebsten das Spiel ‚Wir gegen uns‘“. Im Rahmen dieses Spiels hat meine Quelle mir von diesem Plan erzählt. Das ist aktuell meine Einschätzung der Geschichte. Ich glaube, dass das mit dem Rücktritt so geplant und verabredet war. Da waren viele nicht eingeweiht, ich glaube auch nicht der Herr Stegner. Aber das wurde durch die Veröffentlichung verhindert und das war möglicherweise beabsichtigt. Vielleicht sogar von dem Menschen, der mich angerufen hat.

Spekulationen über einen möglichen Gabriel-Rücktritt machen schon seit Wochen die Runde. Auch dass Scholz und Schulz als Nachfolger im Gespräch sind, ist keine neue Spekulation. Bei stern.de war am Freitag vor Ihrer Sendung mal wieder diese Spekulation zu lesen, dort mit Bezug auf einen „Insider“. Auch wieder mit den Namen Olaf Scholz und Martin Schulz als Nachfolger. War es rückblickend ein Fehler von Ihnen, einen konkreten Tag für einen Rücktritt Gabriels zu benennen?

Es ist ja keine Spekulation, es ist eine Tatsache, dass Gabriel genervt ist. Dass 25 Prozent der Parteitagsdelegierten gegen ihn gestimmt haben, war eine Sensation, und der Unterbezirk Odenwald fordert im Hessischen seine Ablösung. Das ist alles bekannt. Er ist eruptiv und emotional. Da hat er sicher schön öfter über Rücktritt nachgedacht.

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Gegenüber der dpa sagten Sie, der Nicht-Rücktritt von Sigmar Gabriel sei nur vorläufig. Das kann man aber eigentlich immer sagen oder?

Man muss ja nicht durch Rücktritt ausscheiden, man kann auch abgewählt werden. Ich denke, dass dieser Plan, den ich aufgrund meiner Informationen beschrieben habe, nur verschoben ist. Das sage ich nicht aus Rechthaberei, sondern weil ich es so einschätze.

Sie waren nicht der Einzige, der diese Information von Gabriels angeblichem Rücktritt am Montag bekommen hat. Die Website „Tichys Einblick“ des früheren WirtschaftsWoche-Chefredakteurs Roland Tichy hatte das auch gemeldet. Ist das für Sie auch ein Beleg, dass das absichtlich gestreut wurde?

Keine Ahnung, das habe ich nicht gelesen.

Tut Ihnen Ihre Aussage vom „Stammtisch“ im BR im Nachhinein leid?

Warum soll mir das denn leidtun? Ich habe eine exklusive Information aus einer guten Quelle veröffentlicht. Ich hatte den ganzen Tag Sorge, dass mir das jemand wegnimmt oder mir jemand zuvorkommt. Ich habe das in meiner eigenen Fernsehsendung verwendet, weil ich dachte, dass der Plan sonst woanders durchsickert.

Es war aber eine exklusive Information, die den Schönheitsfehler hatte, dass sie nicht stimmte.

Wahrscheinlich ist die Information durch die Veröffentlichung unstimmig geworden.

Wenn es Ihnen nicht leidtut, haben Sie sich geärgert, dass die Info am Ende nicht stimmte?

Diese lächerlichen Dementis vom Herrn Stegner, die haben meinen Eindruck von seinem Charakter verfestigt.

Es war nicht nur Ralf Stegner, der schnell dementiert hat, sondern zahlreiche namhafte SPD-Politiker und Sprecher haben sehr schnell sehr massiv dementiert. Auch Sigmar Gabriel selbst.

Die haben sich in dieser Krisensituation schnell und demonstrativ hinter dem Vorsitzenden zusammengerottet. Wie lange das hält, werden wir sehen.

Wie lange geben Sie Sigmar Gabriel jetzt noch als SPD-Vorsitzenden?

Das hängt von seinen schwankenden Stimmungen ab.

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Alle Kommentare

  1. Wenn die SPD schon sonst nichts zustandebringt, dann passt das auch , dass sie den Rücktritt vom ewigen Möchtegern vergeigt.
    Wenn er dann das nächste Mal hinschmeißt, dann interessiert es erst recht keinen mehr.
    Die SPD ist irrelevant. Da hilft es auch nicht, dass die miesbezahlten Pressesprecher jetzt hämisch über den Focus lachen.
    Das ist das letzte Zucken einer von Inkompetenz geprägten Partei.

  2. Wie sagte Markwort doch immer in den Spots für den „Focus“?
    „Fakten, Fakten, Fakten“.

    Hat er hier wohl vernachlässigt.

  3. /me meint:

    Es ist vollkommen egal, ob Gabriel nun zurücktritt, gestürzt oder doch der nächste SPD-Kanzlerkandiat wird.

    Wenn die „Alternativen“ tatsächlich nur Scholz und Schulz heißen, dann ist das alter Wein in neuen Schläuchen – und das soll man ja bekanntlich gerade nicht machen.

    Keiner von den beiden ist ein Sympathieträger, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.

    Und gerade Scholz gehörte unter Schröder zu den eifrigsten und gnadenlosesten Verfechtern der „Agenda 2010“, was im Land keinesfalls so vergessen ist, wie von manchen gehofft.

    Schulz wiederum, ist ein EU-Politiker, der seit 22 Jahren nur in Brüssel rumhockt und solche sind im Zweifel sogar noch unbeliebter als die anderen, vor allem, wenn sie sich dann Knall auf Fall auch noch als Kanzlerkanditat aufstellen. – Sowas ist Realsatire pur und kann wohl wirklich nur der SPD einfallen.

    Altes Personal durch genauso altes und beschädigtes zu ersetzen, das ist kein Neuanfang und so wird die SPD dann nächstes Jahr auch genau da landen, wo sie mit diesen Politikern und vor allem dieser Politik auch hingehört:

    Unterhalb der 20-Prozent-Marke und hoffentlich auch mal auf der Oppositionsbank.

  4. Wer viel mit dem Zug fährt, der kennt ja sicher auch die unvermeidlichen Ansagen wie z.B. „Bitte zurücktreten, von der Bahnsteigkante!“

    Und das macht ja auch Sinn, denn wer (rechtzeitig) zurücktritt, der kann nicht stürzen. 🙂

    Jeder Bahnfahrer weiss dass, nur manche Spitzenpolitiker in ihren Mercedes-Karossen haben davon scheinbar noch nie etwas gehört.

  5. Das Rumgeeier des Herrn Marquardt ist doch unfassbar. Mit seiner „Indiskretion“ hat er den Rücktritt von Sigmar Gabriel verhindert/verschoben. Ja geht es noch?

  6. Weg damit, ohne Diskussionen. Bringt nur Ärger und Kosten für Deutschland. Deutschland braucht eine neue Führung. Sofort Neuwahlen.

  7. Herr Markwort gehört leider zu der Sorte von Journalisten, die sich selbst für sehr, sehr wichtig halten.

    Die ungeprüfte Weitergabe einer solchen „exklusiven“ Information ist ein auch Beispiel für den grassierenden „Breaking News“-Hype. Ganz nach dem Motto: „Ob es stimmt, wissen wir nicht. Aber wir sind immerhin die ersten, die das melden.“

    So macht man Journalismus kaputt.

  8. Markwort ist ein überheblicher, offenbar nie an sich selbst Zweifelnder, ein Immer-Rechthaben-Wollender-Besserwisser und extrovertierter Oldie-Selbstdarsteller, der die SPD hasst! „Schüren“ war und ist sein Handwerk – im Widerspruch zu seinem bis zum Überdruss propagierten und unglaubwürdigen „Fakten-Fetischismus“. Auch mit fast 80 hat er seine Boulevard- und Yellow- Vergangenheit offensichtlich nicht verarbeitet – was auch überhaupt nicht schlimm ist, wenn man sich dazu bekennt und nicht politisch hochstapelt.
    Ansonsten: Die SPD muss dringendst mit sich und ihrem Führungspersonal ins Reine kommen – ob Scholz oder Schulz: Hauptsache Konsequenz und klare Kante! Das Desaster steht vor der Tür: Ein Jammer, wenn die Genossen es komplett hereinlassen würden (und Markworts Wunsch sich erfüllen würde!)

    1. @ Klaus Deumer: Vollste Zustimmung!
      Jetzt dreht er die Fakten so hin, dass er unbescholten rauskommt… sieht sich eher als Opfer als dass er seinen Fehler zugibt. Diese egozentrische Wichtigtuerei geht mir bei diesem alten Sack echt gehörig auf die Nerven! Ich bin Studentin und wünsche mir, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk endlich mal von solchen spießigen, selbstgefälligen Biedermännern befreit.

  9. Information aus EINER Quelle… Wenn ich mich recht an meine ersten Praktika bei der lokalen Tageszeitung erinnere hieß es da immer: „Immer eine zweite Quelle befragen, Informationen aus nur einer Quelle sind nichts mehr als Gerüchte!“. Ein Credo, dass auch an Journalistenschulen immer und immer wieder gepredigt wird.

    Das ist eigentlich etwas, das der werte Herr Erster Journalist Markwort wissen sollte…

  10. Alle Sozis in Europa treten zurück, dann wäre der Weg frei für AFD, FPÖ usw.
    Das wollen doch 80% der Kommentarschreiber hier in diesem Portal.

    ok

  11. Hat wohl nicht genau hingehört. Nicht Soz Gabriel wollte hinschmeissen sondern Soz Faymann.

    Kann einen BR-Moderator schonmal durcheinanderbringen, diese Sozen …

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