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Amazon schießt auf Allzeithochs: Wall Street hält Kurse von 1000 Dollar und mehr für möglich

Immer reicher: Jeff Bezos kann sich über üppige Gewinne freuen – in der Bilanz und an der Börse
Immer reicher: Jeff Bezos kann sich über üppige Gewinne freuen – in der Bilanz und an der Börse

Jeff Bezos kann weiter nichts falsch machen: Eineinhalb Wochen nach den beeindruckenden Quartalszahlen hat der weltgrößte Online-Händler neue Allzeithochs jenseits der 700 Dollarmarke aufgestellt. Für den Kurssprung gab es gleich zwei Gründe: Einerseits überzeugte die Wall Street der Launch von Amazon Video Direct, einer Self-Publishing-Plattform für professionelle Videos, die YouTube unter Druck setzt. Vor allem aber werden Analysten immer optimistischer: Bernstein rief nun als erste Investmentbank das Kursziel von 1000 Dollar aus.

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Der Traumlauf von Amazon an der Börse geht ungebremst weiter. Keine zwei Wochen ist es her, dass der weltgrößte Online-Händler erneut Quartalszahlen vorlegen konnte, die die Erwartungen der Wall Street pulverisierten: Die Erlöse legten auch im 22. Jahr des Firmenbestehens nochmals um 29 Prozent zu, während Konzernchef Jeff Bezos mit einem Plus von 513 Millionen Dollar sogar den bislang größten Nettogewinn der Konzerngewinn verbuchen konnte.

Seitdem befindet sich die Amazon-Aktie, die zu Jahresbeginn um fast 30 Prozent eingebrochen war, massiv im Aufwind.  Lohn der Rally: Heute konnte Amazon die alten Höchstkurse von 2015 überbieten und erstmals die Marke von 700 Dollar durchbrechen. Auf den neuen Allzeithochs wird der Online-Pionier bereits mit 330 Milliarden Dollar bewertet und ist damit nach Alphabet und Facebook das drittwertvollste Internet-Unternehmen der Welt bzw. sogar der siebtwertvollste Konzern der Welt.

Launch von Amazon Video Direct erfreut die Wall Street

Ein Grund für den heutigen Kursschub von immerhin 3,5 Prozent: Der Launch von Amazon Video Direct. Mit dem Angebot  startet der E-Commerce-Riese Amazon eine Self-Publishing-Plattform für professionelle Videos – und greift damit indirekt Alphabet-Tochter YouTube an.

Video-Anbieter können nun über Amazon Videos über den Abo-Service Amazon Prime vertreiben oder Videos zum Kaufen und Leihen anbieten und dabei die Infrastruktur von Amazon nutzen. Zum Start sind u.a. Conde Nast Entertainment, The Guardian, Mashable und Business Insider mit von der Partie.

Kurziele Kurstreiber
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Für weiteren Auftrieb sorgt die Wall Street selbst.  Als erster Analyst rief Carlos Kirjner von der Investmentbank Bernstein das symbolträchtige Kursziel von 1000 Dollar auf; bisher war JP Morgan mit einer Zielmarke von 915 Dollar am optimistischsten.

Gegenüber dem aktuellen Kursniveau von 703 Dollar entspricht Bernsteins Kursziel einem satten Aufschlag von mehr als 42 Prozent, der Amazon – Stand heute – in Schlagdistanz zu den beiden wertvollsten Konzernen der Welt rücken würde. Apple führt mit 511 Milliarden weiter die Bestenliste vor Alphabet an, obwohl der Abstand inzwischen auf einen hauchdünnen Vorsprung von nur noch 4 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen ist.

Auf dem Weg zum wertvollsten Konzern der Welt?

Glaubt man Chamath Palihapitiya, CEO des Wagnisfinanzierers Social Capital, der in der vergangenen Woche Apple-Chef Tim Cook als „lebende Schlaftablette“ abwatschte, ist Amazon langfristig nicht aufzuhalten. „Amazon ist das unglaublichste Unternehmen Welt“, erklärte Palihapitiya gegenüber CNBC.

Der Social Capital-CEO hat auch klare Vorstellungen davon, wie groß der weltgrößte Online-Einzelhändler noch werden kann: „Amazon kann bis 2025 einen Börsenwert von drei Billionen Dollar erlangen“, gab Palihapitiya vergangene Woche ein scheinbar astronomisches Kursziel heraus, schließlich ist es bis heute noch keinem Unternehmen geglückt, die 1-Billion-Dollar-Marke zu durchbrechen.

Die mögliche Wertverzehnfachung in zehn Jahren, die die Amazon-Aktie in Richtung von 6500 Dollar liften würde, begründet der Investor mit der enormen Wertschöpfung der Cloud-Sparte, die in ihrem Segment der unangefochtene Marktführer sei. „Jeff Bezos baut am beständigsten Unternehmen der Welt“, verteilt Palihapitiya den Ritterschlag.

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Alle Kommentare

  1. Der Text ist wegen der erklärenden Beispiele so lang. Würden manche Aspekte im Artikel angesprochen bräuchte man ja nicht ergänzen.

    Wenn man schon beim neuen Markt dabei war, sollte man mitbekommen haben wie und das die Zeiten sich ändern und der Wind sich dreht.
    Im Sommer laufen die Leute auch anders gekleidet herum als im Winter.
    Dasselbe gilt für die Börsenfirmen.
    Normalerweise gilt, das Geld vor den Kleinaktionären zugunsten von Bonis durch Übernahmen usw. auszugeben.

    Zur Zeit – im aktuellen Marktklima – muss man aber (wie Pflanzen gegen Nachtfrost zu schützen) schauen das der Börsenkurs sich nicht ratz-fatz fünftelt und man von Chinesen oder Hedgefonds oder Heuschrecken oder auch mittelständischen Investoren billig aus der Portokasse aufgekauft wird.

    Im Herbst ist die Schlange beim Automarkt um ein Cabrio auch kleiner als wenn im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen kommen. Es gibt immer noch Käufer mit sehr viel Geld (für Cabrios und Aktien) und zu investierenden regelmäßigen Einnahmen (Warren Buffets Firmen beispielsweise) aber im Herbst bzw. der aktuellen Börsenabkühlung muss man das Cabrio bzw. Startup billig verschachern weil keiner sich gegenseitig überbietet wie noch vor zwei Jahren bzw. bei Cabrios im Frühjahr. Was die BWL gerne vergisst sind die zwei Preise die eigentlich immer in jede Bilanz gehören müssten: Man muss (oft unter Wert) verkaufen oder man will (oft mit Aufschlag) kaufen. Also ein hoher und ein niedriger Preis.
    Vielleicht habe ich ja Unrecht, aber ich denke, sowas gehört im Aktuellen Marktklima zu den Berichten dazu finde ich. Bei Modeberichten oder Urlaubs-Tipps (Wintersport und Warme Orte für im Winter, im Sommer fast nur warme Orte) ist sowas ganz normal und Märkte gehen auch mal runter.

    Also kauft Amazon keine neuen Firmen sondern schaut endlich mal mehr, was die Kunden wollen. Tages-Lieferung in Berlin hätte man schon unter rot-grün und dem neuen Markt im Jahr 2000 haben können. Das haben die Amazon-Manager verschlafen.
    Mit den Clouds machen sie Profite und zeigen das jedem während früher diese Zahlen versteckt wurden.

    – Musks Tesla hat – frühzeitiger als üblich – vielleicht auch wegen der Investoren die Pläne und Planungen für das Tesla3-Auto verkündet. Normalerweise ist sowas hoch-geheim.
    – Google jetzt als Alphabet hat den profitablen Kern und die (fast immer nur stagnierenden) Aufkäufe getrennt und kann Versager verkaufen.
    – Weitere Beispiele unüblichen Kommunikations-Verhaltens oder – im Gegensatz zu ständigen Übernahmen und Boni-Steigerungen – unüblichen wirtschaftlichen Entscheidungen sieht man wohl ständig. Viele Firmen bereiten sich auf den Winter vor. Hier hingegen würde jeder E-Autos (wie auch schon Elektro-Fahrräder) auch ohne Subventionen kaufen aber manche Autofirmen planen vermutlich schon Rettung-Zilliarden und Abwrackprämie2.0 ein. Wäre ich Wirtschafts-Journalist würde ich die Betriebsräte und HR-Vorstände schriftlich befragen ob man auf die E-Autos und den – dauerhaften – Rückgang der Benziner (Produkte, Jobs, Umsätze,…) – ziemlich vergleichbar wie damals bei den Trabbis nach dem Mauerfall – vorbereitet ist oder lieber Bonis steigert und mit Zilliarden noch einmal gerettet werden will ? Diese verlorenen Jobs kommen nicht mehr wieder. Man sollte also jeden vorher schriftlich befragen und kann dann in 1-2 Jahren als Scoop den abfindungs-freien Rücktritt fordern.

    Auch Rocket hat noch einen Exit hingelegt und eine Firma an Alibaba(?) verkauft, plant öffentlich die Profit-Erreichung mancher Beteiligungen und kauft evtl. auch Anleihen zurück, während viele andere Startups die frischen Auslands-Büros usw. (das erinnert sowas von 100% an den neuen Markt) wieder schliessen müssen oder froh um neuen Investmentrunden – aber dies mal zu deutlich kleineren Bewertungen – sein können um noch ein paar Monate durchzuhalten. Wird das bei den Universitäten gelehrt ?
    http://meedia.de/2016/05/10/rocket-internet-ceo-oliver-samwer-in-fuenf-oder-zehn-jahren-besser-verstanden-werden/

    Wenn ein Groß-Investor dann 10% oder so abstößt oder an einen Aktivisten(?) verkauft weil er das Geld braucht oder andere Firmen übernehmen will oder die Ex-Frau auszahlen muss oder Steuern nachzahlen oder bessere Investments sieht, hat man schnell ein Problem.

    Zur Zeit steht das Wasser tiefer und jedes Schiff muss – im Gegensatz zu den Investment-Zilliarden aka „Liquiditäts-Schwemme“ bis vor 2 Jahren – schauen das es nicht auf Grund läuft. Wenn man Pech hat (Groß-Investoren, Konkurrenten, Aufkäufer,…) wird man vom Wind(Börsen-Meinung, Presseberichte,…) aufs Ufer gedrückt und hängt dann fest und wird von Piraten, Strandgut-Räubern, Heuschrecken oder Termiten geplündert.

    Auch Großverlage freuen sich bei der nächsten Rezession, aus der Portokasse viele kleine Verlage aufkaufen zu können und wegen der Jobs vermutlich die Fusionsgenehmigung zu bekommen. Statt das Gesetz zu ändern sollte man die diese Übernahmen dann nur Ausnahmsweise erlauben und die bestehenden Gesetze bestehen lassen. Denn nach das Baisse kommt die Hausse, nach Ebbe die Flut usw. und dann sollten natürlich wieder die alten Anti-Meinungs-Oligopol-Gesetze gelten.

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