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Kult oder belangloser Pop? Fünf Gründe für und fünf gegen den ESC

Jamie-Lee-Kriewitz fährt in diesem für Deutschland zum ESC nach Schweden
Jamie-Lee-Kriewitz fährt in diesem für Deutschland zum ESC nach Schweden

Kult? Kitsch? Multikulti? Wettstreit der Nationen? Der seit 1956 veranstaltete Eurovision Song Contest (ESC) ist ein friedlicher Musikwettbewerb und eine große Show mit Beiträgen aus Dutzenden Ländern. Musik verbindet – selbst wenn man die Sprache der Texte nicht versteht. Oder handelt es sich um ein klischeeförderndes, peinliches Event? Ein pro und contra ESC.

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Pro ESC

1. In der Außensicht – etwa kürzlich in einer Rede von US-Präsident Barack Obama in Hannover – ist der ESC ein völkerverbindendes Event, das den Zusammenhalt Europas stärkt.

2. Der ESC schafft einmal im Jahr ein paar Tage eine internationale Öffentlichkeit und ist geeigneter Smalltalk-Stoff – ähnlich wie Fußball.

3. Der ESC hat unzählige Hits und Prominente hervorgebracht, ohne die die Musikgeschichte ärmer wäre und auch viele (Karaoke-)Partys weniger Songs zu spielen hätten.

4. Der ESC lenkt die Aufmerksamkeit auf Länder und Städte, die sonst weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

5. Der ESC ist kult (vor allem die Punkte-Schalte am Ende), eine spaßige Show, die Lockerheit und internationalen Humor ins Fernsehen bringt. Ein kontinentaler Konsens.

Contra ESC
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1. Der ESC befördert Klischees («Osteuropäer schanzen sich Punkte zu», «Die lustigen Holländer machen dies und das», «Typisch Balkan», «Die schwulen Fans sind so und so»).

2. Die ESC-Musik ist meist Ware vom Band, belangloser Pop. Nach einem sehr langen Abend mit Dutzenden Songs kann man sich an so gut wie keinen mehr erinnern und muss sich erstmal die Ohren waschen.

3. Aussehen und Auftreten der ESC-Musiker scheinen inzwischen viel wichtiger als die Komposition – obwohl es doch eigentlich ein «Song Contest» (Liederwettbewerb) ist und keine Star-Castingshow.

4. Bis auf wenige Aufnahmen hat der ESC eigentlich nur Eintagsfliegen hervorgebracht und viele Fremdschäm-Momente, was Lieder, Mode und technische Ausstattung angeht.

5. Im Angesicht des politischen Streits (etwa um die Flüchtlingskrise) erscheint der ESC als verlogene Veranstaltung, die einen europäischen Geist beschwört, der kaum existiert.

Text: Gregor Tholl, dpa

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Alle Kommentare

  1. Der ESC ist inzwischen eine Darbietung belangloser Pop Musik geworden. Alles austauschbar. Da zieh ich mir lieber die ‚richtigen‘ Stars und Nachwuchsmusiker rein. Da gibt es ja auch eine Menge uninteressanter Belanglosigkeiten. Aber auch viel Neues und Interessantes.

  2. Mal ein sinnvoller Artikel mit Pro- und Contra. Mehrere Blickwinkel fehlen fast überall.
    Z.b. bei Tim Cook und Apple könnte man eine Spalte mit seinen Nachteilen um eine Spalte mit seinen Vorteilen ergänzen. Die Leser ergänzen gerne und man bekommt ein umfassenderes und ausgewogeneres Bild welches bei den meisten anderen Medien und Agentur-Meldungs-Copy-Pastern fehlt. Mehr als Ehre und Lernvermögen braucht man dafür nicht und hätte einen spürbaren Marktvorteil.

    Im Gegensatz zu Bundespolitik, Weltpolitik, Leistungs-Schutz und TTIP-Beitritt muss man nicht die einseitige Einstellung der jeweiligen Herausgeber-Familie werbe-mäßig propagieren.

  3. Ich finde, jedes Land sollte zum ESC wieder in seiner Landessprache antreten müssen, so wie das früher ja jahrzehntelang verpflichtend war.

    Das war eine gute Sache, die aber leider irgendwelche Idioten und Wichtigtuer zugunsten des jetzt vorherrschenden englischen Einheitsbreis abgeschafft haben.

    Die ursprüngliche Idee des ESC wurde damit ad absurdum geführt.

  4. Die Frage in der Überschrift stellt sich garnicht, bzw. ist leicht zu beantworten.

    Der ESC ist Kult UND bietet belanglosen Pop.

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