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Jan Böhmermann in Facebook Live-Fragerunde: „Spreche der Bundeskanzlerin mein vollstes Vertrauen aus“

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Er ist zurück: Nach dem schriftlichen Interview in der Zeit nahm Jan Böhmermann nun auch mündlich Stellung zu seinen turbulenten Wochen nach dem Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Auf Facebook beantwortete der 35-Jährige am Mittwoch knapp zwanzig Minuten Fanfragen und teilte dabei wie gewohnt aus – auch gegen Twitter...

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Erleben wir in diesen Tagen „Peak Böhmermann“, also den Popularitätszenit des Publikumslieblings Jan Böhmermann, der mit seinen donnerstäglichen Scoops in „Neo Magazin Royale“ vor allem Städter in den Dreißigern bis Ende März so blendend unterhielt? Böhmermann war der Mann, auf den sich alle Hipster mit iPhone und Twitter-Account einigen konnten: Der saucoole 35-Jährige war immer gut für den Spruch der Woche.

Dann kam das kalkulierte Schmähgedicht und die unkalkulierte Reaktion der Kanzlerin – und das Konstrukt Böhmermann schien etwas aus den Fugen zu geraten. Dass der Mann, der so beinhart austeilt, vielleicht doch nicht ganz so gut einstecken kann, offenbart das wenig hilfreiche Interview in der Zeit, das zwar für jede Menge Schlagzeilen sorgte, nur neuerdings eben auch für negative.

Also zurück zur Basis, zurück an die Social Media-Front: Böhmermann stellte sich Mittwoch bei Facebook einer Fragerunde, in der der Comedian ziemlich alt aussah – allerdings nur optisch, bedingt durch seine Augenringe. Böhmermann kokettiert mit einer Unterhose, einem Glas Cola in der Hand – und einem beherzten Rülpser.

Dazu die obligatorische Komik: Ein bisschen trockenes Bashing gegen „die abgehobenen Gymnasiasten bei Twitter“, gegen die „kaltherzigen re:publica-Typen bei Twitter“ geht immer, dann bezieht der 35-Jährige bei Facebook Stellung zum Trubel der letzten Wochen.

„Es gibt den Freetime-Privat-Böhmi, und es gibt die Bühnenfigur“

„Es gab Wochen, in denen es relativ anstrengend war“, gibt Böhmermann zu. Und präzisiert, wie dicht er die Eskalation um das Schmähgedicht, das am Ende zur Staatsaffäre wurde, an sich rangelassen hat. „Man muss es unterscheiden: Es gibt den HipHop-T-Shirt-Böhmi, Freetime-Privat-Böhmi, und es gibt die Bühnenfigur. Quasi als Spaßvogel so eine Nummer abzuziehen, war natürlich mega, aber die persönlichen Konsequenzen, die nicht sehr überraschend kamen, aber halt da waren, die sind dann tatsächlich so unangenehm, dass das schon an die Nerven geht. Aber die großen Entscheidungen waren richtig.“

Ob er „Frau Merkel“ noch möge, fragte ein anderer Facebooker. „Ich spreche hiermit der Bundeskanzlerin mein vollstes Vertrauen aus“, gab Böhmermann ziemlich vorhersehbar zurück. „Wenn die Reaktionen so zu erwarten waren, warum hast Du es dann durchgezogen?“, will ein anderer Nutzer des Social Networks wissen.

„Pushing the boundaries, liebe Freunde. Um nichts anderes geht es.“
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„Weil es mein Job ist“, gibt sich der ZDF-Comedian entschlossen. „Das verstehen auch viele nicht. Auch viele Journalisten fragen immer: Warum macht er das? Ich habe einen anderen Job als ihr. Es geht tatsächlich darum: Pushing the boundaries, liebe Freunde. Um nichts anderes geht es.“

Und am Ende die Frage, die schon Kurt Tucholsky beschäftigte: „Was ist Satire?“ Jan Böhmerman hat sich dazu natürlich eine druckreife Antwort zurechtgelegt:  „Satire ist so ein bisschen etwas wie eine Fremdsprache. Leute, die die Fremdsprache nicht beherrschen, sollen die Fresse halten, wenn sie versuchen, Satire zu beurteilen“, redet sich Böhmermann – gespielt oder nicht – in Rage.

 „Satire ist so ein bisschen etwas wie eine Fremdsprache“

„Das ist genauso, als wenn ich in die Uni gehe, und da ist ein Professor, der auf Englisch einen Vortrag hält, und ich mich hinterher darüber beschwere, dass ich es nicht verstanden habe. Das liegt ganz offensichtlich nicht am Professor, der Englisch spricht, sondern an demjenigen, der kein Englisch kann. Das Gleiche gilt auch für Satire.“

Auf das Satire-Comeback müssen sich Fans von Jan Böhmermann noch eine Woche gedulden: Am 12. Mai kehrt „Neo Magazin Royale“ zurück. Böhmermann will dazu Witze crowdfunden lassen. In anderen Worten: Fans haben die Chance, dass ihr ausgewählter Gag in der Sendung verlesen wird. Sicher ist schließlich sicher: Die Strafverfolgung trifft dann vielleicht jemanden anderen…

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Alle Kommentare

  1. „Böhmermann will dazu Witze crowdfunden lassen.“

    Echt jetzt Böhmermann will Witze bezahlen und ihr schreibt dazu crowdfunden .
    Medien Magazin oder Leute ohne Ahnung?

    1. Ja schlimm.
      Böhmermann lässt die abgehängten im Mediengeschäft wirklich sehr alt aussehen. Hipster + Twitter-Account? Wenn überhaupt, dann hätte man vielleicht mit Snapchat kontern müssen.
      Leute lasst es doch einfach Texte über einen Komiker zu schreiben und dabei selbst unfreiwillig komisch zu wirken.
      Böhmermann beherrscht Social Media. Lasst euch mal ein paar Workshops bezahlen. Oder von der Teenager Tochter des Nachbarn ein paar tips geben lassen.

  2. Die Fragerunde fand nicht bei Facebook statt, sondern auf Periscope. Es haben sich also keine „Facebooker“ mit ihm unterhalten.

  3. Jan Böhmermann ist zurück und plötzlich gibt es einige, welche nicht alles hören wollen, was er so von sich gibt 😉

    Bisher war es nur ein als zu Unrecht als tierlieb titulierter Bewohner eines Naturschutzgebiets, der Böhmermann gar nicht mochte. Und natürlich war da auch noch eine antialternative Politikerin, die dem Charme dieses Typen vom Bosporus mit seiner machohaften bzw. geradezu erpresserischen Dominanz immer wieder erlag und daher ebenfalls gegen Böhmermann polterte.

    Aber erst jetzt nach dem Comeback hört man vermehrt negative Schlagzeilen?! Herr Böhmermann hat dieses Phänomen jedoch eigentlich schon selbst recht gut erklärt. Satire ist vielleicht wirklich wie eine Fremdsprache und mancher einer würde in den Augen derer, die diese Sprache verstehen und lieben, weniger als unterbelichtet wahrgenommen werden, wenn sie einfach der Empfehlung von Böhmermann folgen würden 😉

    Daneben muss man aber auch sehen, dass Herr Böhmermann um seine Person einen Hype ausgelöst hat. Mitleid bekommt man geschenkt und Neid muss man sich erst verdienen. Einige Neidhammel verpacken nun ihren Neid jedoch offensichtlich in negative Schlagzeilen gegen Böhmermann. Ist es aber nicht blöd, wenn man selbst nur deshalb öffentlich den Neidhammel geben kann, weil es schon immer Leute wie Böhmermann gab, welche die Grenzen der Meinungsfreiheit ausgelotet und damit verteidigt haben.

    1. Vielleicht ist er aber auch gar kein genialer Freiheitskämpfer, sondern nur der nervige Klassenclown, der mit Störungen austesten wollten, wie weit er gehen kann und dann über die Stränge schlug und überraschend einen Schulverweis bekam.
      Und dass absolut niemand neidisch auf Böhmermanns Situation ist, sieht man ja daran, dass sich noch niemand an einer weiteren Steigerung des Gedichts versucht hat.

      1. @Heino
        Ein Klassenclown ist ein Schüler, der statt zu lernen herumalbert. Jemand wie Jan Böhmermann wird jedoch dafür bezahlt, dass er hier die „Rampensau“ gibt.

        Außerdem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man das Gedicht noch verbal hätte steigern können. Das einzige, wie man Herr Erdogan noch mehr treffen könnte, wären Anspielungen mit der Wahrheit.

        Herr Erdogan unterscheidet hier ja aber nicht zwischen bitterböser Satire oder vorsichtiger und gezielter Satire wie bei extra3 (oder „Die Anstalt“), sondern tobt jedes Mal mit dem ihm maximal zur Verfügung stehenden Mitteln herum. Allerdings möchte ich bezüglich dieses aufbrausenden Verhaltens bewusst keine Aussage zu seinem Nervenkostüm abgeben.

        Aktuell soll auch auch in Mainz geprüft werden, ob Äußerungen zur nervlichen Belastbarkeit Erdogans der Wahrheit entsprechen oder gar eine weitere Beleidigung darstellen könnten. Und auch wenn die bisherigen Reaktionen dafür sprechen könnten, dass Herr Erdogan besser austeilen als einstecken kann, möchte ich ihn in keinem Fall in die Nähe eines Sensibelchens rücken. Schließlich läge es mir ja fern einen Staatschef auf die Schippe nehmen zu wollen, der auch alleine dazu in der Lage ist, seine Wertschätzung durch sein Handeln maßgeblich zu prägen.

        BTW: Frau Merkel hat auch mein größtes Vertrauen Entscheidungen zielstrebig wie in einem Dominospiel aneinander zu reihen. Und wenn die Wähler im kommenden Jahr so loyal handeln wie Herr Davutoglu, könnte Frau Merkel auch in Zukunft mit ihrer Politik ungehindert fortfahren.

  4. Herr Böhmermann scheint das Idealbild des neuen Deutschen zu sein. Erst sich filetieren lassen und dann immer noch Vertrauen haben ist ein Musterbild deutscher Treue, solche Bürger kann sich jeder Staat wünschen.

    1. @ W. Winkler
      Mein Gott, ist Ironie wirklich so schwer zu verstehen? Böhmermann zitiert hier die Kanzlerin, die immer Leuten ihr vollstes Vertrauen ausspricht, bevor sie ihnen dann einen Tritt versetzt, um ihre eigenen Haut zu retten (siehe Fall Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg).

  5. Digitale Fragerunden an Neue-Markt-Manager, Politiker, Entscheider, FußballTrainer, Bürgermeister, Verantwortliche usw. will ich schon ewig. Dafür braucht es nur ein wenig Zeit und Schutz. Bisher habe ich keine Organisation (Kleinanleger-Verein ? Banking-Krise-Geschädigten-Verband ? …) gefunden welche daran interessiert ist. Hinterzimmer-Entscheidungen und Parteitage vor Ort sind oft wohl wichtiger als Partizipation durch jedermann per Handy.
    Sowas wäre schnell organisiert und wohl noch schneller abgemahnt und verklagt. Weil man es generell einsetzen kann, um die eigenen Verantwortlichen zu Rede und Antwort zu stellen sind auch West-Kritiker oder Putin oder Erdogan vermutlich nicht interessiert sondern nur kleine Bürger.
    Alle Politiker-PR-Konferenzen, EZB-, FED-Sitzungen, alle kleinen und großen Fußballvereine vor und direkt nach dem Spiel,… Quasi ein Periscope aber auf Textbasis für konstruktive legale Frage-Listen getrennt nach Anonym, Facebook, google+, Parteimitglied, Presse, Blogger usw. Die Manager, Politiker, Fußballtrainer, Boni-Manager, Firmen-Chefs, Bürgermeister und natürlich National-Trainer bei der kommenden EM… würden die Listen nach Votes sortiert sehen und sich dann überlegen wem man welche Fragen beantwortet.
    Als Journalist würde man das sofort benutzen um ohne lange Anreise seine Fragen zu stellen und nicht mit zig Kollegen zur EZB-Sitzung zu fahren um vielleicht eine Frage stellen zu können nachdem Draghi seine Rede abgelesen hat. Man muss Fragen zwar nicht beantworten aber weil es live-Transcripts und die Top-Listen der Fragen im Internet mit jedem Handy auch per GSM abrufbar wären, würde es sofort jeder benutzen und berechtigte Fragen würden nicht untern Tisch fallen weil ja jeder sehen kann welche Frage beantwortet wurde. Und weil man schlau ist macht man das konstruktiv und legal und kriegt bessere Wirkung als mit agressiven Fragen welche oft nur vom Thema ablenken.

    Schade das Zuckerberg anscheinend lieber per Mikrofon vor Ort als per Handy von weltweit befragt wird und selber anscheinend keine Fragen an die US-Präsidentschafts-Kandidaten hat.

    Meine Lösung wäre natürlich ohne Facebook-Mitgliedschaft und natürlich kostenlos für jeden noch so kleinen Fußballverein oder Stadtpolitiker nutzbar und auch am Handy in der Eisenbahn ohne Megabytes an teuren Download-Kosten. Doch welches Land lässt es einen stressfrei zur Demokratie-Steigerung und breiten Partizipation realisieren ? Man bräuchte im Gegensatz zu Startup-Holding-Ketten-Briefkasten-Firmen in Höchstpreis-Mietgebieten nicht einmal Steuersubventionen oder jegliche Finanzierung und würde sogar Steuern zahlen. Weil es so einfach ist und heutzutagen Clouds alles flexibel und preisgünstig bezahlbar machen.
    Schon rot-grün damals 2000 hätte das einführen können. Dann würde allerdings auffallen das die Talkshows oft schon bequem am nachmittag aufgezeichnet wurden und ab 18 Uhr im Internet gezeigt werden könnten während man als kleiner Zuschauer wohl bis 22 Uhr warten muss um oft dieselben Leute immer wieder ähnliches wiederholen zu hören…

    Im Börsen-TV sind ständig Werbungen von Investment-Gebieten als guter Firmen-Sitz. Dort geht es aber um die Beschäftigung tausender mehr oder weniger gelernter Arbeiter. Schade das im Gegensatz zu Glücksspiel (Macau, Monaco), Firmensitzen(Luxemburg, Hong-Kong, aber auch Staaten wie Panama oder US-Bundesstaaten wie Delaware), Handel(Hong-Kong), Banking(Luxemburg, Singapur,…) kein Kleinstaat nützliche Internet-Firmen als virtuelles Standbein nutzt und die Vorteile (kein Flächenbedarf, wenn man will, keine Pendler) erkennt.

  6. Böhmermann – Publikumsliebling? Herrgott sakra! Eher ein verklemmter Klaumaukheini. Wieso eigentlich, wenn alle schweigen, schwelgt Jacobsen abermalsüber das – wie ein Indianer sagen würde: Bleichgesicht? Gibt es wirklich kein vernünftiges Thema? Dann Gute Nacht Meedia.
    ps: Und vorsicht mit dem Begriff Grenze! Es gab schon einmal einen, der Fakes setzte, Interviews erfand und dies, vollkommen uneinsichtig, Borderline-Journalismus nannte. Er hieß Kummer. Heute redet niemend mehr von ihm. Zu Recht.

    1. Hey, Schulze Ulrich. Schlechter Text weil: viel zu verklausuliertes pseusdointelektuelles Schachtelsatz-Gewäsch.

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