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Kündigungen widerrufen: Red-Bull-Chef Mateschitz lässt Servus TV doch weitersenden

Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz (Foto) wollte Servus TV einstellen – und lässt nun doch weiter senden.
Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz (Foto) wollte Servus TV einstellen – und lässt nun doch weiter senden.

Überraschende Wende: Servus TV bleibt auf Sendung, hat Dietrich Mateschitz entschieden. Der Red-Bull-Boss ließ sich von Mitarbeitern, Gewerkschaft und Arbeiterkammer überzeugen, dass es keinen Betriebsrat geben wird. Und so machte am Mittwoch die am Dienstag angekündigte Einstellung wieder rückgängig. Die Gewerkschaft reagierte hoch erfreut.

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„Wirtschaftlich untragbar“ sei ServusTV, hatte der Red-Bull-Konzern am Dienstag das Aus für den Sender begründet. Seit dem Start 2009 habe man Jahr für Jahr einen fast dreistelligen Millionenbetrag hineingepumpt, doch eine positive Entwicklung sei auch nach sieben Jahren nicht abzusehen. Daher gebiete es die „Sorgfaltspflicht eines ordentlichen Geschäftsmannes“, einen strich zu ziehen. Für 264 Mitarbeiter hieß das die Kündigung. Entsprechend fassungslos reagierte die Belegschaft.

Bald machte das Gerücht die Runde, dass nicht der mangelnde wirtschaftliche Erfolg, sondern eine geplante Betriebsratsgründung Matschitz zu diesem Schritt veranlasst habe. Dass in dieser Hinsicht etwas im Busch war, bestätigte er selbst: Per anonymem Mail, betrieben von Gewerkschaft und AK, seien die Mitarbeiter dazu befragt worden. Das würde aber den Sender, der auf den Grundpfeilern der Unabhängigkeit und Unbeeinflussbarkeit ruhe, beschädigen, argumentierte er. „Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich war, ist evident.“

Noch am Dienstag unterschrieben daraufhin über 200 Mitarbeiter einen Offenen Brief gegen einen Betriebsrat. „Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV – ausdrücklich nicht“, hieß es darin. „Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat.“

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Am Mittwoch traf der 71-jährige Mateschitz dann Gewerkschaft und Arbeiterkammer. Es sei ein „konstruktives Gespräch“ gewesen, ließ der Konzern danach in einer Aussendung wissen. Er verwies auf den Mitarbeiterwillen contra Betriebsrat, und „im Gespräch mit AK und ÖGB wurde diese Haltung der Belegschaft respektiert und damit bestehende Vorbehalte beseitigt“. Damit sei auch die „Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie“ von „allen Beteiligten begrüßt“ worden. Und dann folgten in der mit „Positive Wendung Servus TV“ betitelten Aussendung die erlösenden Worte: „Red Bull führt daher den Sender weiter, und die Kündigungen werden zurückgenommen.“

Die Gewerkschaft reagierte hoch erfreut. Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg, betonte, dass sich die GPA-djp nie in die inneren Angelegenheiten des Senders eingemischt habe. Die Frage, ob Mitarbeiter ihre innerbetrieblichen Mitwirkungsrechte wahrnehmen wollen, obliege ausschließlich ihnen selbst. „Diesbezüglich werden wir alle Entscheidungen akzeptieren.“

Auch mit dem Rund-Mail habe man nichts zu tun gehabt. Die Gewerkschaft sei darüber informiert, dass es bei Servus TV Mitarbeiter gegeben habe, die eine Betriebsratswahl angedacht haben, erklärte Forcher im APA-Gespräch. „Es hat aber keine Einberufung für eine Betriebsversammlung gegeben. Es haben nur einige darüber nachgedacht, ob das sinnvoll wäre oder nicht.“ Der Salzburger Medienlandschaft seien nun jedenfalls „weitere Auseinandersetzungen und ein herber Verlust“ erspart geblieben, so das erleichterte Fazit Forchers.

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Alle Kommentare

  1. Sehr erhellend, dass der Meedia-Redaktion nicht aufgefallen ist, dass die Kündigungen bei „Servus TV“ nicht „wiederrufen“ (das Wort gibt es nicht), sondern „widerrufen“ wurden. Offenbar hat (auch) bei Meedia der Anteil der Mitarbeiter mit linkem – also minimalem, schlimmstenfalls aus Nordrhein-Westfalen, Bremen oder Berlin stammenden – „Bildungs“-Hintergrund eine gefährliche Dimension erreicht. Jedenfalls ist zweifelhaft, ob der in den durchgängig rot-grünen „Leit“-Medien verbreitete Grundsatz „Wozu Sachkunde und Rechtschreibung, wir haben Gesinnung“ ein erfolgversprechendes Rezept für das Überleben der Branche ist.
    Schöne Grüße aus der Bildungsrepublik Bayern.

    1. Prinzipiell haben Sie recht, ich meine den Rechtschreibfehler, aber die Schlußfolgerungen daraus finde ich schon etwas sehr weit hergeholt.

  2. Boss ließ sich von Mitarbeitern, Gewerkschaft und Arbeiterkammer überzeugen, ein Satz, den dt. Nachrichtensprecher ungerne vorlesen. Da sorgen die Intendanten schon vor.
    Anders der DFB. Als der Brausekönig mit seinem Konzept Alleinherrscher seine Bullenclub Leipzisch (zisch- Brause- Hammergag!) etablierte, wurde er eingenordet. Ist aber noch immer nicht beliebt. Wird auch so bleiben. Tätschel!

  3. Well done, Mateschitz: Die knallharte Kündigung aller zusammen mit der Mitteilung, den Laden zuzumachen, war genau richtig. Wenn ein kleiner Sender sich der staatlich mit Milliarden zwangsfinanzierten Quasi-Monopolisten nur mühsam erwehren kann, muss der voll im Risiko stehende Unternehmer sich links-klassenkämpferische „Mitesser“ vom Halse schaffen. Die bloße Gefahr, dass man im eigenen Hause nichts mehr zu sagen hat und „Räte“ sich parasitär fette Pfründen einrichten, ist Grund genug.

    Wer wie ein Unternehmer (mit-) entscheiden möchte, kann – auch in Österreich und Deutschland – jederzeit Unternehmer werden; so wie es Mateschitz gemacht hat. Niemand muss dort als Angestellter („Erfüllungsgehilfe“) anheuern, jeder kann gehen, wenn’s ihm nicht passt. Bei „Servus TV“ wollten sich offenbar von um Macht und Geld besorgten Gewerkschafts-Apparatschiks aufgehetzte anonyme Pöstchenjäger als Schmarotzer etablieren, indem sie künstlich Probleme erfanden und sich als deren Lösung luxuriös alimentieren lassen wollten – eine lähmend-unproduktive Nomenklatura wie im Sozialismus.

    Das ist zum Glück für das Unternehmen und die übergroße Mehrheit der ehrlichen Mitarbeiter krachend gescheitert. Gewerkschaften sind Fossilien: Die Mehrheit der zufriedenen und gut gebildeten Arbeitnehmer kann und will ihre Angelegenheiten mit dem Arbeitgeber selbst regeln; sie lehnen „Zwangskollektivierung“ ab und brauchen keine Funktionäre. Der Minderheit der Ungebildeten, Unfähigen, Faulen und Dreisten kann keine Gewerkschaft helfen, sie kosten nur Geld und Nerven, bringen aber nichts ein für die Finanzierung nutzloser Gewerkschafts-Bonzokratie, wo das Prinzip „Der Dümmste wird Chef“ herrscht.

    In Österreich kommt noch die Zwangsmitgliedschaft in der „Arbeiterkammer“ hinzu, die eine freie Menschen entmündigende Versorgungsanstalt für für gescheiterte Parteibuch-Funktionäre ist. Denen sollte man One-Way-Tickets nach Nord-Korea spendieren.

    Fazit: 264 Jobs gerettet, Schmarotzer abgewehrt, ein tapferer kleiner Sender lebt (zunächst) weiter. Und „Red Bull“ Mateschitz hat gezeigt, wie man mit denen umgeht, die links reden, aber rechts leben – well done.

    1. Was für ein selbstgerechter Schwachsinn. Jeder Arbeitnehmer wird den Wert von Gewerkschaften, Betriebsrat und Co selbst erleben, wenn es mal nicht „so gut“ läuft, wenn der Vorgesetzte mobbt, wenn Willkür herrscht. Leider merken das die vermeintlich so Schlauen immer erst wenn es dann zu spät ist. Aus Dummheit und Ignoranz alle Errungenschaften der Generationen vor uns mit Füssen zu treten, zeigt nur wie weit Neoliberale Propaganda schon geht. Der Depp verteidigt noch seinen Ausbeuter.

      1. Wie undankbar von den allermeisten „Servus“-Leuten, dass sie nicht blöd genug für den verlogenen Gewerkschafts-Mummenschanz und die die eigenen Taschen füllenden Funktionäre sind. Köstlich, wie die vermeintlich „Ausgebeuteten“ denen, die ihnen aufdringlich-missionarisch „Erlösung“ andienten, aber Pfründen wollten, in den Hintern getreten haben. Bildung und Selbstverantwortung freier Bürger sind eben die ärgsten Feinde von Gewerkschaftensbonzen, die unmündige Proletarier brauchen.

    2. Ich könnte kotzen wenn ich das lesen muß. Das muss ironie sein!

      Mitbestimmung, Gewerkschaften und Betriebsrat sind keine Schmarotzer die nur zu bequem sind selber eine Unternehmen zu gründen. Es geht um „Mitbestimmung“. Ja, das hört sich an, als ob hier die unternehmerische Freiheit eingeschränkt wird. Das ist aber nur in ganz bestimmten Bereichen so, nehmlich da wo es um Arbeitnehmerrechte geht! Und das ist auch gut so. Sonst lass uns doch die Arbeitnehmerrechte anschaffen.

  4. Auch wenn die Mitarbeiter keinen Betriebsrat wollten (wirklich?) ist das doch eine ganz miese Tour, die Möglichkeit, einen Betriebsrat zu gründen, auszuhebeln. In D ist das ja explitiz erlaubt bzw. ab bestimmter Mitarbeiter-Anzahl Pflicht, wie ist das in genauÖsterreich?

    Die Geschichte sagt auf jeden Fall viel über den Mann aus, wenn man schließen willl, weil sich ein Betriebsrat formiert. Nenn ich jetzt mal Erpressung.

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