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„Tagesschau“-Chefredakteur Gniffke erklärt, warum das „Horror-Haus von Höxter“ kein Muss-Thema ist und nur acht Leute gucken zu

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"Tagesschau"-Chefredakteur Dr. Kai Gniffke: Horror-Häuser sind nicht seine Kernkompetenz

Zum Tag der Pressefreiheit hat der NDR auf Facebook live aus verschiedenen Redaktionskonferenzen gestreamt. Die Resonanz war so naja. Nach einem Stream-Abbruch verfolgten noch acht (8) Zuschauer, wie Chefredakteur Kai Gniffke, erklärte, warum die Horror-Morde von Höxter "kein Muss" für die "Tagesschau" sind.

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Ein Paar aus Höxter hat mindestens zwei Menschen auf brutale Weise getötet. Der Fall beschäftigt derzeit Republik und Medien. Solche spektakulären Kriminalfälle werden von der ARD „Tagesschau“ aber wenn überhaupt, nur mit spitzen Finger angefasst. Nachdem die Zahl der Zuschauer beim Facebook-Livestream aus der „Tagesschau“-Redaktionskonferenz von 650 auf acht (!) abgesackt war, erklärte Chefredakteur Kai Gniffke die leicht seltsam anmutende Logik der ARD-Nachrichtensendung für solche Fälle. Gniffke gestand zu, dass der Fall vom „Horror-Haus von Höxter“ eine „etwas größere Dimension zu bekommen scheint“ aber es sei „kein klassisches Thema für die Tagesschau“. Ein solches Thema sei um 17.15 Uhr im Boulevardmagazin „Brisant“ gut aufgehoben.

Warum es „kein klassisches Thema für die Tagesschau“ ist, erklärt er nicht. Aber warum soll es dann trotzdem in der „Tagesschau“ um 17 Uhr kommen? Gniffke: „Aber wenn so ein Fall plötzlich etwas größer wird, ist das dann etwas, wo wir als Tagesschau sagen können: Nein, da gehen wir darüber weg? Wir dürfen als ‚Tagesschau‘ nicht die Sendung sein, deren Zuschauer am nächsten Tag die einzigen sind, die nicht wissen, worüber die anderen reden. Deshalb kann so ein Thema gerade auch in der 17-Uhr-Ausgabe mal in der ‚Tagesschau‘ vorkommen aber es ist sicherlich nicht unsere Kernkompetenz.“

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Alles klar? Kriminalfälle also eher nicht, außer sie sind irgendwie „plötzlich etwas größer“. Dann gerne bei „Brisant“ und vielleicht auch in der 17-Uhr-„Tagesschau“, damit die „Tagesschau“-Zuschauer wissen, worüber andere Leute reden. Außer sie gucken bloß die 20-Uhr-Ausgabe. Dann wissen sie es natürlich nicht, denn da hat das „Horror-Haus von Höxter“ nichts verloren. Alles klar?

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Alle Kommentare

  1. Grundsätzlich bin ich sehr froh, wenn die Tagesschau nicht boulevardisiert wird (und ein Doppelmord ist, auch wenn er spektakulär zu sein scheint, nur sehr bedingt ein Nachrichtenthema), und sie sich auf die wirklich wichtigen Themen konzentriert. Wenn die ÖRs sich den privaten weiter anpassen, was sie meiner Meinung mit dem Quotenschielen schon zu viel tun, fällt für mich die Motivation weg, sie zu gucken. Sie würden sich überflüssig machen. Ich zahle gern meine Rundfunkgebühren, wenn ich dafür reklamefreie seriöse Berichterstattung bekomme. Leider wird mehr Geld in Sport und Unterhaltung gesteckt und der Bildungsauftrag vergessen, was durch den ärgerlichen Artikel auf dieser Seite auch noch befördert wird.

  2. Na, da freut sich aber jemand, dass kaum jemand zusieht und fasst es, so könnte man es interpretieren, als Beweis dafür auf, dass jemand, der sich zu wichtig nimmt, nicht mehr wichtig genommen wird. Ich glaube viel eher, dass Nicht-Medienmenschen an Redaktionskonferenzen ungefähr so großes Interesse haben wie an der Liveübertragung der Reparatur eines Heizungsthermostats. Und das ist auch ganz normal. Ich möchte im Theater ja auch nicht das Schminken sehen, sondern das Stück. Und was die Aufführung angeht: Klar, lasse ich mich gern unterhalten von den Nachrichten der Privatsender. Wenn ich aber nicht den Thrill suche sondern Fakten, die für sehr, sehr viele Menschen relevant sind, dann wähle ich ÖR-Sender. Und am liebsten sogar Logo! Freuen wir uns besser, dass es die Vielfalt noch gibt – und so jeder noch wählen kann, wie er sich – und auch worüber – informieren möchte.

  3. Good man this Gniffke, biegt sich die Realität so, wie’s die Zwangsgebührenzahler seiner Einschätzung nach goutieren.
    So mies, wie der ausschaut, so mies kommt das dann auch ‚rüber.
    Ekelhafte Person.

  4. „Horror-Haus von Höxter“ – das ist reinstes „BILD-Vokabular. Das ist eine menschliche Tragödie, deren Einzelheiten eigentlich gar nicht so spannend sind. Aber sogar die SOnntags FAZ hat sich dessen angenommen. Da es eigentlich nichts zu berichten gab, hat eine Reporterin die Nachbarn ausgefragt, was ich ausgesprochen eklig finde („Die waren immer schon so komisch…“) und durch die Fenster des Horror-Hauses geschaut, wo offenbar ein Salatkopf und eine Gurke auf dem Tisch lagen. Meine Güte, das hätte man auch gerade mal lassen können. Wer säftelnde Details braucht, kriegt die später bei den Boulevardmedien zur Genüge oder bei irgendwelchen Pathologen, die ihre Memoiren veröffentlichen.

  5. Mit anderen Worten:

    Die Tagesschau ist sich schlicht zu fein für sowas, obwohl es doch Nachrichten sind, die Millionen Menschen bewegen und auf allen (echten) Nachrichtenkanälen laufen.

    Aber man ist ja „großzügig“:

    In der 17 Uhr-Sendung, wo man sicher sein kann, das die meisten noch von der Arbeit auf dem Nachhauseweg sind, Kinder abholen, das Abendessen vorbereiten, Einkaufen, usw. – da darf es kurz rein, dann fällt es hoffentlich nicht so auf und man kann trotzdem behaupten, man hätte darüber berichtet.

    Aber nicht in die Königssendung um 20 Uhr.

    Danke, Herr Dr. Gniffke, bleiben Sie auch weiterhin bei ihrer Kernkompetenz (was immer das nun sein mag) und wundern Sie sich nicht, wenn die großen Nachrichtensender und auch alternative Medien sie irgendwann als „Mitarbeiter des Monats“ ehren.

    Sie schaffen das!

    1. Nachtrag:

      Tagesschau (20 Uhr-Ausgabe) und Tagesthemen haben sich genau heute, nach drei Tagen, mit genau 2 Sätzen des Themas angenommen, wenn man das so sagen kann.

      Man merkte den beiden kurzen und dürren Sätzen an, das diese „Berichterstattung“ wohl nicht von Herzen kam.

      Für die Zukunft wird sich wohl nix ändern. Wer drei Tage braucht und auch dann noch durch die aufkommende Kritik selbst hier, bei Meedia ‚zum Jagen getragen“ werden muss, der hat nichts begriffen.

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