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Markus Beckedahl, ist die Re:publica noch das jährliche Klassentreffen der Blogger?

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Am Montag startet die zehnte Re:publica: Mittlerweile ist aus dem „Klassentreffen der Blogger“ einer der größten Digital-Events Deutschlands geworden. Im Interview mit MEEDIA erklärt Gründer Markus Beckedahl, warum er den alten Zeiten nicht nachtrauert und es so wichtig ist, für eine offenes Internet einzutreten.

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Viele nehmen die Re:publica noch immer als das „Klassentreffen der Blogger“ wahr. Trifft das noch zu?
Das trifft seit vielen Jahren nicht ganz so zu. Wobei: Eigentlich ist es eine Frage der Definition. Vor zehn Jahren trafen sich auf der ersten Re:publica vor allem Menschen, die selbst zu Sendern im Netz geworden waren. Hauptsächlich durch Blogs, aber auch durch Podcasts. Das Besondere dabei war, dass die meisten freiwillig und selbstbestimmt zum Sender geworden waren. Es waren vor allem keine Journalisten, deren Job es schlichtweg ist, zu senden.

Und heute?
Heute gibt es eben nicht mehr diese eine Blogger-Community, die damals zusammenkam, sondern es gibt unterschiedlichste Communities von Marketingleuten, Unternehmern oder auch Aktivisten, die alle gemeinsam auf die Re:publica kommen und sich hier treffen. Sie alle eint jedoch, dass sie im Internet selbst Sender sind. Ob nun via Blog oder via Facebook oder über eine andere Plattform.

Trauern Sie der alten Zeit hinterher, als alle noch so fleißig gebloggt haben? Früher war das eigene Blog so richtig hip, jetzt ist es ja fast schon konservativ.
Blogs bieten noch immer einen unschlagbaren Vorteil: Ich habe die volle Kontrolle. Bei Facebook kann ja durchaus das Problem bestehen, dass man gelöscht wird, weil man gegen deren Community-Standards verstößt – und das ohne Rechtsanspruch. Natürlich sind auch wir, wie auch die meisten Besucher, bei Facebook aktiv. Vor zehn Jahren hatten Blogs was tolles Emanzipatorisches. Andererseits ist die Möglichkeit zu Bloggen durch die großen Plattformen im Laufe der vergangenen Jahre demokratisiert worden, weil man keine Technik braucht und sich schnell vernetzen kann. Wenn auch oft in einem Walled Garden.

Das hört sich alles ja sehr schön an. Das hat aber doch bestimmt auch Nachteile?
Natürlich. Wir werden ein Stück weit abhängig von einer privatisierten Öffentlichkeit, in der fremde Unternehmen die Regeln vorgeben dürfen.

Im Gegensatz zu den anderen Konferenzen, die immer auch einen klaren Businessfokus haben, hat die Re:publica stets eine politische und moralische Position transportiert. Trifft das noch immer zu?
Ich hoffe, das ist so und bleibt so. Wir haben parallel 17 Bühnen. Da gehören selbstverständlich auch netzpolitische Fragestellungen zu unserem Programm. Allerdings: Man kann diese politischen Talks besuchen, muss es aber nicht.

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Hat die Veranstaltung bei 17 Bühnen dann überhaupt noch Schwerpunkte oder ist aus der Re:publica thematisch eine eierlegende Wollmilchsau geworden?
Ein großer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Thema Virtual Reality. Dazu werden die gesellschaftlichen Themen wie die Hate-Speech-Debatte oder die Frage nach dem offenen Internet und der Zunahme von Zensur und Überwachung eine wichtige Rolle spielen. Es ist ja so: Immer weniger private Unternehmen stellen immer mehr Kommunikations-Infrastruktur zur Verfügung. Wie gehen wir damit um?

Ist das gut oder schlecht für eine Gesellschaft?
Ich bin der Meinung: Eine offene Gesellschaft braucht ein offenes Internet. Sonst bekommen wir massive Probleme. Was bedeutet eine freie Meinungsäußerung, wenn ein Unternehmen jederzeit sagen kann Du verstößt gegen unsere Community-Regeln, die allerdings aus anderen Kulturkreisen zu uns rüberkommen.

Kann von einer Konferenz wie der Re:publica ein Signal ausgehen, dass im Anschluss mehr Menschen für ein freies Internet kämpfen?
Das wäre schön, ist aber wohl zu viel verlangt. Zu uns kommen die Menschen, um erst einmal Spaß zu haben, andere Menschen zu treffen und dabei noch etwas Wissen mitzunehmen.

Was muss also passieren, dass Sie am Mittwoch Abend sagen: Das war eine gute Re:publica?
Wenn ich viele lächelnde Leute sehe, die sich bei uns für eine schöne Zeit bedanken.

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