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Die beiden sehr verschiedenen Medien-Helferlein von AfD-Chefin Frauke Petry

OMFG!
OMFG!

AfD-Chefin Petry holt sich gleich zwei neue Kommunikatoren an die Seite. Der eine kommt vom Focus. Den anderen kennt man auch irgendwie. Die Neuauflage des Nannen-Preises ging am Donnerstag über die Bühne. Diesmal gab es Preise für alle. Also fast alle. Die Bild nimmt auch bei Symbolbildern die Privatsphäre top-ernst und für fünf Minuten konnte man glauben, die „Anstalt“ würde im ZDF künftig sonntags gegen den „Tatort“ laufen. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Erinnert sich noch jemand an den Fall Günther Lachmann? Ist ja schon ewig her, also Januar/Februar dieses Jahr. Lachmann war bei der Zeitung Die Welt für AfD-Themen zuständig und dann machte der AfD-Politiker und Lebensgefährte von AfD-Chefin Frauke Petry, Marcus Pretzell, via Facebook öffentlich, dass Lachmann sich gleichzeitig als Berater Petrys andiente. Welt-Chefredakteur Stefan Aust schmiss Lachmann dann nach ein bisschen hin und her raus und kündigte „lückenlose Aufklärung“ an. Was immer das bedeuten mag, seither war von der Sache jedenfalls nix mehr zu hören. Jetzt wurde bekannt, dass der Focus-Journalist Michael Klonovsky als publizistischer Berater – wohl als eine Art Spin Doctor – in die Dienste von Frau Petry eintritt. Mein Kollege Christian Meier berichtet in der Welt, dass Klonovsky bereits Reden für Petry geschrieben haben soll. Das muss dann ja gewesen sein, als er noch für den Focus tätig war. Ein zweiter Fall Lachmann? Smells jedenfalls fishy. Zusätzlich als Kommunikator verpflichtet hat Frauke Petry Markus Frohnmaier, den Vorsitzenden der AfD-Jugendorganisation. Der Herr Frohnmaier war in der jüngeren Vergangenheit dadurch aufgefallen, dass er erklärte, die Grünen-Politikerin Claudia Roth habe bei den Massen-Übergriffen in der Silvesternacht von Köln „mitvergewaltigt“ – natürlich hat er das nur im übertragenen Sinne gemeint und eine solche Äußerung ist darum total erlaubt, wie sein Anwalt Ralf Höcker klarstellen ließ. Aber wieso kommt jemand auf die Idee, dass einer, der solches sagt, als Kommunikator für die Vorsitzende einer politischen Partei geeignet ist? Frohnmaier sagte auch Sätze wie diesen:

Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk.

Das Zitat stammt aus einer Rede Frohnmaiers bei einer AfD-Veranstaltung in Erfurt vom Oktober 2015, die man sich auf YouTube anschauen kann. Klonovsky gilt als – nun ja – konservativer Intellektueller. Frohnmaier ist im Gegensatz dazu eher mit der verbalen Keule unterwegs. Ob er auch nich in seiner neuen Funktion so spricht? Das kann ja noch lustig werden, wenn die AfD mit ihren neuen Frauke-Petry-Kommunikations-Experten in den Bundestagswahlkampf 2017 eintritt. Also im Sinne von: „lustig“.

Ich weiß auch nicht, warum ich jetzt darauf komme, aber in der aktuellen Sachbuch-Bestseller-Liste des stern steht auf Platz eins das neue „Wir schaffen das nicht“-Werk von Thilo Sarrazin und auf Platz zwei die kritische Edition von „Mein Kampf“ eines gewissen A. Hitler. Dazu fiel den Kollegen vom stern, die die Bestseller-Listen betexten, Folgendes ein:

Den Leuten, die im Maschinenraum von Groß-Redaktionen solche kleinen Textperlen anonym anfertigen, könnte man auch mal einen Preis geben.

Vielleicht nicht gerade den Nannen-Preis, denn der ist nach wie vor für die Großkopferten unserer so wunderbaren Branche reserviert (die Gewinner stehen hier). stern, Spiegel, Zeit, Geo – auch beim wieder auferstandenen Nannen-Preis am Donnerstagabend im Hamburger Curio Haus wurden die allermeisten Preisträger aus diesem allseits bekannten und bewährten Nannen-Kosmos erwählt. Mit einer Ausnahme: die Berliner Morgenpost bekam einen Nannen-Preis für die Web-Reportage für „M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede“. Chefredakteur Carsten Erdmann freute sich da – glaube ich – ehrlich:

Die Veranstalter gingen jedenfalls volles Risiko und ließen auch die neuen Preise, eine Art Klotz, aus Bronze anfertigen. Einschmelzen wäre also theoretisch immer noch eine Option, wenn man seinen Protest gegen was auch immer äußern will. Was ist eigentlich aus den ganzen eingeschmolzenen Henri-Büsten geworden? Sie erinnern sich vielleicht: Die beiden Preisträger aus dem Jahre 2014, Jacob Appelbaum und Laura Poitras, wollten den Henri aus Protest gegen die NS-Vergangenheit Henri Nannens einschmelzen lassen. Ob das wirklich passierte oder bloß Sprücheklopferei war – man weiß es nicht. Beweisvideos von Henri-Köpfen im Schmelztiegel sind jedenfalls noch keine aufgetaucht. Diesmal gab es solche Revoluzzereien nicht. Es hat noch nicht einmal jemand den Preis auf offener Bühne abgelehnt. Der neue Nannen-Preis ging ganz und gar Eklat-frei friedlich über die Bühne. Gut für Veranstalter und Preisträger. Aber fast auch ein klitzekleines bisschen langweilig. Schlagzeilen wie anno 2012 „Feige, oberpeinlich, übereitel und kaputt“ sprangen diesmal jedenfalls nicht raus. Noch eine Notiz am Rande: Erstmals bekamen nicht nur die Preisträger einen Preis, sondern auch die Nominierten. Deren Trophäe war aber aus Porzellan gefertigt und somit nicht ohne weiteres einschmelztauglich.

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Dieser Herr am Ausgang beim Nannen-Preis war nicht etwa mit Einschmelzarbeiten beschäftigt. Nein, er hat die Nannen-Preise für die Preisträger individuell graviert.

Keinen Nannen-Preis gab es diesmal für die Bild. Vielleicht aber wieder, wenn die Kategorie lustigstes Symbolfoto dazukommt. Zum Beispiel wie dieses hier:

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Beachten Sie bitte die Verpixelung. Auch Sex-Symbolfoto-Darsteller haben eine Privatsphäre!

Mein Lieblings-Hashtag der Woche kommt von „Die Anstalt“ Co-Moderator Claus von Wagner. Für eine kleine Twitter-Diskussion, ob „Die Anstalt“ künftig sonntags zur Primetime um 20.15 Uhr im ZDF gegen den „Tatort“ läuft, erfand er den Hashtag #anstaltimzdfum2015gate.

Ich finde: absolut angemessen. Auflösung: Die „Anstalt“-Wiederholung läuft sonntags wie sonst auch um 20.15 Uhr bei 3sat. Es handelte sich wohl um ein Fehlerchen auf der mobilen Internetseite des ZDF.

Fröhliches 1. Mai-Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Guter Artikel, hat mich amüsiert. Am besten gefällt mir „smells fishy“ und der Hinweis auf die wunderbare Stern Textperle.
    Wenn ich so AfD Statements oder den vorstehenden Kommentar lese, scheint „das Volk“ ja so eine gleichgeschaltete, mit den gleichen Bedürfnissen ausgestattete Masse zu sein, wahrscheinlich wie ein Heringsschwarm. Na, wer sich darin wohlfühlt an den die Empfehlung, immer innen schwimmen…..

  2. Ganz schlimm – die Lügenpresse hier erschüttert.

    FÜR das Volk – wie kann das sein??????EUCH wirds erschüttern, was noch kommt, Hand drauf

  3. „Auf Platz eins ist das Werk eines polternden Polemikers …“

    Na, also besagter Stern-Texter braucht sich in Punkto Polemik nun aber auch nicht gerade zu verstecken, wenn man sich seinen Kommentar mal von A bis Z durchliest.

  4. Der Sinn des Aufsatzes erschließt sich nicht so ganz. Wollen Sie aussagen, dass ein gewisser Herr A. Hitler etwas weniger Interesse findet als Herr Sarrazin, aber immer noch deutlich mehr als die heutigen Vertreter der politischen Parteien im Bundestag, die ja, wenn sie überhaupt schreiben oder über sie geschrieben wird, dann nach Stern deutlich nachrangiger seien. Eine politische Aussage kann es ja auch wieder nicht sein, da wohl niemand ernsthaft besagten Herrn AH wieder haben will. Etwas konfus erscheint es dann doch, dies überhaupt zu erwähnen. Was das mit den Pressesprechern von Frau Petri zu tun haben soll, ist auch nicht klar. Der Einfluss der Herren Pressesprecher scheint ja auch nicht so groß zu sein, sonst würden Sie netter über Frau Petri schreiben. Folglich ist auch dieser Teil nicht so interessant. Bemerkenswert ist aber, wie gut Frau Merkel in der deutschen Presse (im Vergleich zum Ausland) wegkommt. Insofern würde mich viel mehr ein Artikel interessieren, wie die hervorragende Pressearbeit der Bundesregierung das in einer freien Presse schafft. Das wäre auch bestimmt interessanter als irgendwelche „Mitvergewaltigungen“, die dann auch noch im Text hier dazu kommen.

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