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Wie die neue Chefin von G+Js Roomido den Markt aufrollen will

Geschäftsführerin Andrea Fischer fusioniert Roomido mit Couch-mag.de zu Couchstyle.de
Geschäftsführerin Andrea Fischer fusioniert Roomido mit Couch-mag.de zu Couchstyle.de

Houzz, Solebich oder homify - in Deutschland tummeln sich immer mehr Wohn- und Einrichtungsportale, die webaffinen Nutzern mit kreativen Tipps die eigenen vier Wände verschönern. Jetzt will die neue Roomido-Chefin Andrea Fischer mit verschiedenen Maßnahmen die Reichweite steigern, um den heiß umkämpften Markt stärker zu besetzen.

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In einer zweigeschossigen Altbauwohnung in Kiew werden Kindheitsträume wahr. Vom Obergeschoss schlängelt sich eine Rutsche direkt ins geräumige Wohnzimmer. Der Besitzer des mehr als 200 Quadratmeter großen Appartements in der ukrainischen Hauptstadt hatte sich von der ortsansässigen Designerin Kateryna Goriaieva Stilelemente mit Hingucker-Effekten gewünscht. Was herauskam, ist ein metall-farbenes Monstrum, das auch bei Erwachsenen den Spieltrieb weckt.

Die Wohnung ist derzeit der Hype auf der Online-Plattform Roomido, die das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr im August 2013 gestartet hatte. Doch die Anregungen für besondere Wohnträume, die auf dem Webportal zu sehen sind, kommen nicht nur von Profis wie Designern, Inneneinrichtern oder Architekten. Vor allem Nutzer, die ungewöhnliche Einrichtungsideen haben, sollen sich hier mit Gleichgesinnten austauschen. Damit will die Hamburger Bertelsmann-Tochter eine eigene große Gemeinde von Einrichtungs-Vernarrten schaffen.

Um schnell mehr Reichweite aufzubauen, hat Gruner + Jahr im Februar Andrea Fischer als Managing Director geholt. Die 30-Jährige ist ehrgeizig und im Digitalgeschäft nicht neu. Die gebürtige Hamburgerin hatte vor einigen Jahren am Ideenwettbewerb von Gruner +Jahr mitgemacht und tambini.de entwickelt, einem Online-Shop für Kindergeburtstage und Mottoshops. Nun soll sie ihr Geschick und unternehmerisches Können bei Roomido einsetzen – und sie hat sich viel vorgenommen. Zunächst hat sie nach einer Einarbeitungsphase die Internetseite verschönert und lesbarer gemacht. Jetzt soll am Donnerstag die Mobile-Ansicht folgen. Sie soll einen neuen Anstrich erhalten und nutzerfreundlicher werden.

Dafür hat Fischer von Gruner + Jahr mehr Geld bekommen, um die Webseite personell aufzustocken. „Wir haben vor kurzem ein eigenes Entwicklerteam mit fünf Mitarbeitern aufgebaut, das Roomido technisch so weiterentwickelt, dass unsere Community Mitglieder einfache Features zur Interaktion an die Hand bekommen und noch mehr Freude daran haben, ihre schönsten Wohnideen bei Roomido zu präsentieren“, sagt die Firmenchefin. Denn die Qualität der Fotos ist wichtig, um die Klickraten zu treiben. Sie entscheiden mit darüber, ob die User die Geschichten liken. Zudem wird auf der Plattform seit Neuestem auch Bewegbild-Content gezeigt. „Wir bieten unseren Werbekunden seit der vergangenen Woche an, auch Videos direkt auf der Homepage präsent zu schalten“, verrät Fischer.

Doch das ist nicht alles. Um die Einrichtungsplattform bei den Nutzern bekannter zu machen, plant die junge Frau, mehr Medienkooperationen einzugehen. Erst jüngst wurden beispielsweise mit den Gruner + Jahr-eigenen Plattformen eltern.de und chefkoch.de Aktionen gestartet, beispielsweise ein Wettbewerb für das schönste Kinderzimmer in Deutschland. Fischer: „Wir nutzen die Synergien in unserem Verlagshaus und arbeiten natürlich auch eng mit den Redaktionen von Gruner + Jahr zusammen.“ Auch mit anderen Medienhäusern arbeitet man zusammen – beispielsweise mit Springer und ihrer Bild am Sonntag habe man jüngst kooperiert. Weitere mediale Partnerschaften sollen schnell folgen.

Derzeit weist Roomido laut Agof rund 690.000 Unique User aus. Die Zahl der registrierten Mitglieder, also vor allem Designer und Architekten, wird derzeit mit knapp 23.000 angegeben. Doch das soll sich schnell ändern. „Unser Ziel ist es, die Zahl unserer Mitglieder bis zum Jahresende zu verdoppeln“, sagt Fischer. Denn zunehmende Reichweite ist wichtig, um die Werbeeinnahmen zu steigern. „Wir finanzieren uns über Display-Werbung und wollen jetzt verstärkt auch das Thema Native Advertising angehen“, betont die Roomido-Chefin. Vor allem von Native Advertising erhofft sie sich deutliche Zuwächse, um die Erlösseite zu steigern. Strategisch soll die Plattform im Rahmen der 3C-Strategie Content, Community und Commerce unter dem Label Community laufen. „Wir werden kein eigener Online Shop, sind aber ein guter Affiliate Partner für Online Shops. Das machen wir bewusst, denn Warenhaltung und -logistik ist keine Kernkompetenz von Roomido“, sagt Fischer.

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Noch schreibt die Plattform keine schwarze Zahlen. „Roomido befindet sich noch in der Investitionsphase“, erklärt die Geschäftsführerin. Wann das Portal den Sprung in die Gewinnzone schafft, will sie nicht verraten. Das liegt möglicherweise am zunehmend einsetzenden Wettbewerb unter den Wohn- und Einrichtungsplattformen hierzulande. Denn immer mehr gleichgesinnte Portale tummeln sich auf dem milliardenschweren Einrichtungsmarkt in Deutschland, der stetig wächst.

Dazu zählt vor allem Houzz. Das Unternehmen gehört in den USA zu den führenden Einrichtungsportalen. Mehr als 40 Millionen User monatlich und über eine Million aktive Experten besitzt die Plattform nach eigenen Angaben. Jetzt greift das Houzz-Gründerpaar Adi Tatarko und ihr Ehemann Alon Cohen in Europa an. Nach Großbritannien hat das Unternehmen im vergangenen Jahr Deutschland als Markt entdeckt. Mittlerweile soll es hier bereits rund 21.000 aktive Experten zählen. Mehr als zehn Millionen Einrichtungs-Fotos auf der Plattform sollen Nutzer bei ihren eigenen Einrichtungs-Vorhaben inspirieren. Finanziert wird die Plattform über Banner-Werbung von Firmen, die mit Wohnen, Gestalten und Bauen zu tun haben. Weiteres Geld fließt über Provisionen durch Affiliate-Maßnahmen. Doch das ist nicht alles. Die Amerikaner setzen vor allen auf Ecommerce als weitere Erlösquelle.

Doch Roomido bekommt noch mehr Konkurrenz. Zwei weitere Portale wollen die Branche aufrollen: Solebich oder homify. Solebich, 2007 von Nicole Maalouf und Daniel Eichhorn gegründet, bringt wie Roomido wohnbegeisterte Menschen zusammen. Sie können sich untereinander austauschen und kennenlernen, indem „sie eigene Fotos hochladen und sich von den Wohnungsfotos der anderen Mitglieder inspirieren lassen“, heißt es bei dem Plattform-Betreiber. Aktuell verzeichnet das Portal mehr als 410.000 Visits. Auch Homify will nachziehen. Zahlen gibt zu dem Unternehmen es nicht. In der Agof sind sie bislang nicht vertreten.

Doch die Roomido-Chefin Fischer lässt sich von der aufkeimende Konkurrenz nicht beirren. Sie will weiter an den Inhalten feilen. Ideen, Carports vorzustellen gehören ebenso dazu wie verstärkt Designermöbel zu zeigen, die das zu G+J gehörende Start-up Pamano vermarktet. Im 4. Quartal will die junge Frau dann mit verschiedenen Marketingmaßnahme die Werbetrommel verstärkt rühren. Überlegungen, beispielsweise wie chefkoch.de neben dem Digitalprodukt ein gedrucktes Medium beizustellen, erteilt sie eine Absage. „Wir haben nicht vor, wie bei Chefkoch die Marke zusätzlich über einen Printtitel bekannter zu machen“, sagt Fischer. Und schmunzelt dabei. Vielleicht folgt doch noch ein Printtitel, wenn Roomido die Reichweite von chefkoch.de erreicht hat.

Anmerkung der Red.: Wir haben in einer früheren Version für Houzz veraltete Zahlen genannt. Wir haben dies korrigiert und bitten dies zu entschuldigen.

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Alle Kommentare

  1. Normalerweise interessieren mich diese Artikel a la „Jetzt kommt der ganz neue heiße Scheiß“ nicht, der hier Woche für Woche mit hübschen servilen 2D-Faces bebildert für fast jedes Ressort propagiert wird. Am Ende ist es ja doch nur alter Vorstandswein auf neuen, jüngeren Gesichtern … Wird Euch dieses dumme Spiel denn nie langweilig? Irgendwann kommt die Schlagzeile „Verlagswesen neu erfunden“, bebildert mit mehreren Mönchen, die bei Kerzenlicht eine Tageszeitung kopieren. Gebt es also auf. Eure Medienwelt hat fertig. Wir sind satt und wollen uns nicht mehr wie die Fliegen ernähren. Niemand weint um Euch. Es hat sich ausgebuzzert.

  2. Lieber Herr Lipinski,

    Mein Name ist Christo Mitov – ich bin bei Houzz Germany für die PR zuständig. Ich würde Ihnen gerne die aktuellen Zahlen zu Houzz an die Hand geben – wir haben mittlerweile über 10 Millionen hochauflösende Fotos in der weltweit größten Bilddatenbank für Einrichtung und Architektur sowie über 40 Millionen monatliche Nutzer und über 1 Million aktiven Experten online. Mehr Zahlen finden Sie auf unserer Webseite. Die Zahl der Experten in Deutschland (gerade über 21 Tausend) können Sie ebenfalls auf der .de Webseite unter Experten finden.

    Schönes Wochenende!
    Christo Mitov

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