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Otto Brenner Stiftung: Gier nach Aufmerksamkeit und Geld gefährden den Journalismus

Die Otto-Brenner-Autoren Wolfgang Storz (l.) und Hans-Jürgen Arlt
Die Otto-Brenner-Autoren Wolfgang Storz (l.) und Hans-Jürgen Arlt

Die gewerkschaftsnahe Otto Brenner Stiftung (OBS) hat mal wieder ein medienkritisches Arbeitspapier veröffentlicht. Die OBS-Autoren, Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz, haben diesmal Thesen und Analysen zur Zukunft des Journalismus unter der Überschrift "Journalist oder Animateur - ein Beruf im Umbruch" gesammelt.

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Dabei argumentieren die beiden Autoren, dass unter dem Begriff Journalismus zunehmend so genannte „Animationsarbeit“ stattfinde, die den Zweck verfolge, „verkäufliche Aufmerksamkeit zu produzieren“. Die Digitalisierung mache die Aufmerksamkeit „endgültig zu dem knappen Gut, mit dem sich wirtschaften lässt, während die Information, das ist ohnehin ihr Grundcharakter, beliebig vermehrt werden kann“.

Echter Journalismus, wie ihn die OBS-Autoren Arlt und Storz verstehen, lasse sich anhand von sieben Kerneigenschaften identifizieren. Journalismus muss demnach unabhängig, aktuell und allgemeinverständlich, relevant und richtig, kontrollierend und überparteilich sein. Publikum und Gesellschaft würden vom Journalismus Informations- und Orientierungsangebote erwarten, die zu eigenständiger Meinungs- und Willensbildung einladen und befähigen. Dadurch spiele der Journalismus eine wesentliche Rolle in der Demokratie.

Diesem „echten“ Journalismus entgegen stehe die „Animation“, was die Autoren als ein rein Geld- und Aufmerksamkeits-getriebenes Geschäft beschreiben. In einer Zusammenfassung des Arbeitspapiers heißt es: „Aber Journalismus darf sich der Produktion von Aufmerksamkeit und der Beschaffung von Geld nicht unterwerfen, wenn er die Merkmale garantieren will, die sein Kennzeichen sind.“

Während es dem echten Journalismus um um wichtige Neuigkeiten des gegenwärtigen Geschehens gehe, verfolge der „Animateur“ einen „Mix aus Reiz des Neuen und ewigen Reizen (Sex first)“. Superlative und Skandale würden den Ton bestimmen. Relevanz sei im echten Journalismus definiert als aktuell Wichtiges für das Funktionieren des Gemeinwesens und für die alltäglichen Entscheidungen der Menschen in Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung, Familie etc. Im Animationsbereich bedeute Relevanz dagegen einen „Mix aus Relevantem und absoluten Nebensächlichkeiten“. Der Aufmerksamkeitswert des gesellschaftlich Wichtigen werde genutzt und zugleich alles Unwichtige groß herausgebracht, das Aufmerksamkeit erregen kann. Ins Zentrum würden Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Social-Media-Agenda rücken.

Während sich der echte Journalismus der Schriftsprache bediene, Laien-Kommunikation pflege und fachspezifisches Vokabular erkläre, würden sich in der Animation hohe umgangssprachliche Anteile finden, Wortspiele, neue Wortschöpfungen und Trivialisierungen.

Arlt und Storz kritisieren in ihrem Papier einen Hang der Medien zu Skandalisierung, Oberflächlichkeit und Fixierung auf Aufmerksamkeit und Rendite. Darüber würde der eigentliche Auftrag des Journalismus, nämlich einen Beitrag zur Meinungsbildung in der Demokratie zu leisten, ins Hintertreffen geraten. Solche Thesen sind freilich ebenso richtig wie leicht abgehangen und leider auch wenig differenziert. Zudem leidet das Papier an einer gewissen Verklärung einer reinen Form des wahren, schönen, guten Journalismus, der in einen allzu platten Gegensatz zum oberflächlichen, digitalen, aufmerksamkeitsheischenden Animationsbetrieb gesetzt wird.

Wie oft bei der Otto-Brenner-Stiftung kommt das Papier in einer pseudo-wissenschaftlichen Sprache und Aufmachung daher, ohne einen wissenschaftlichen Anspruch zu erfüllen. Es ist eher ein überlanger Meinungs- und Debattenbeitrag, der sich schwergängig liest und leider ganz und gar nicht animiert.

Hier kann man sich das Arbeitspapier der Otto-Brenner-Stiftung herunterladen.

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Alle Kommentare

  1. Bei den „Studien“ der OBS geht es auch weniger um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern die sind eher so eine Art Versorgungswerk für Storz und Arlt. Anders zumindest ist es nicht erklärbar, dass die OBS fast auschließlich auf dieselben zwei Autoren zurückgreift. Autoren, deren „Studien“ einen überschaubaren Erkenntnisgewinn aufweisen, die teilweise fehlerhaft sind (wie zuletzt die „Querfront“-Studie) und deren einziger Sinn darin besteht, die Klischees und Vorurteile zu transportieren.
    Andererseits ist es sicher angenehm von der mit Gerwerkschaftsgeld alimentierten Hängematte aus, anderen Journalisten die reine Lehre zu predigen. Alternde Politiker bekommen ihr Gnadebrot in Brüssel, journalistische Fossile dürfen zur OBS.

  2. Ohne die „Gier nach Aufmerksamkeit und Geld“ würde es überhaupt keinen Journalismus geben und hätte es auch niemals einen gegeben. 🙂

    Beides sind (zwar nicht die einzigen) aber doch zwei sehr entscheidende Grundlagen für den Journalismus als solchen überhaupt.

    Mir scheint diese OBS backt sich am grünen Tisch ihren eigenen Journalismus und nimmt nur die besten Zutaten, die man sich denken kann.

    Sowas mag ja schön für eine Demo-Version sein, hat aber mit der Realität nicht viel zu tun.

    Wozu dann also dieses unsinnige Statement von dieser weitgehend unbekannten Stiftung?

    Aus Gier nach Aufmerksamkeit und damit letztendlich auch Geld vielleicht?

    1. „Wie oft bei der Otto-Brenner-Stiftung kommt das Papier in einer pseudo-wissenschaftlichen Sprache und Aufmachung daher, ohne einen wissenschaftlichen Anspruch zu erfüllen. Es ist eher ein überlanger Meinungs- und Debattenbeitrag, der sich schwergängig liest und leider ganz und gar nicht animiert.“ So Autor Winterbauer in seinem Fazit.
      Mag sein, dennoch ist das kein Argument gegen den Wahrheitsgehalt des Papiers, oder? Es sei denn, man denkt so krude wie: „Kommt aus der Gewerkschaftsecke, deshalb unglaubwürdig – Punkt, Aus, Ende!!“

      1. Ich habe es mir vorhin extra verkniffen aber wenn Sie schon die Gewerkschaft decke erwähnen:

        Eine Gewerkschaft (!) bzw. eine Stiftung, die ein Anhängsel einer solchen ist, sollte es sich doch bitte tunlichst verkneifen, ausgerechnet das Streben nach einem akzeptablen Verdienst als „Gier nach Geld“ zu diffamieren.

        Da fragt man sich doch, was da für Leute sitzen, die ja vermutlich ganz oder teilweise aus Gewerkschaftsgeldern bezahlt werden und dann so abgehoben sind, das sie denen, die sie bezahlen auch noch in den Rücken fallen.

        Die Gewerkschaften sind in meinen Augen aber sowieso die zweitgrößten Verräter an denen, denen sie ihre Existenz und ihr Geld verdanken, sie kommen gleich nach der SPD.

  3. Heute lässt irgend ein sog. „Kunstschaffender“ im Fernsehen einen Darmwind abgehen und die Qualitätsmedien bringen es geschlossenen am nächsten Tag auf Seite 1 und bezeichnen das Ganze dann als Pressefreiheit.
    Und dies tatsächlich nur, um die schwindende Aufmerksamkeit zu kompensieren, Stichwort Panamapapers.
    Kein Wunder, dass man als Journalist heute provozieren muss, damit sich vielleicht noch einer dort kurz krazt, wo sich der ganze „Qualitätsjournalismus“ gerade befindet, Niveau und Sachverstand lässt sich käuflich nicht erwerben.
    Aber vielleicht gewährt Mutti ja die Medienabgabe. Dies würde in das derzeitige politische Gefüge perfekt passen.

  4. hallo Herr Winterbauer, sind Sie nicht derjenige, welcher wegen Falschaussagen gegen Dr. Ulfkotte und den Kopp-Verlag den Schwanz einziehen musste?? Solche Journalisten wie Sie braucht das Land, welche gewerkschaftsgetrieben dem Volke erzählen wollen, was im Journalismus gut oder schlecht ist.

  5. Hm, der Originalbericht mag ja schwergängig lesbar sein, aber die Zusammenfassung, die Sie uns hier präsentieren, liest sich für mich als Journalistin wie eine absolut zutreffende Beschreibung der Situation. Gewiss als Darstellung zweier extremer Pole, sozusagen Idealtypen des „guten Journalisten“ und des „Animateurs“, aber damit komme ich intellektuell trotzdem noch zurecht.
    Was mich hingegen ärgerte ist Ihre Einleitung und der Hinweis, dass die Stiftung „mal wieder“ ein medienkritisches Arbeitspapier veröffentlicht hat. So eine Bewertung gehört, wenn überhaupt, an das Ende eines Textes. So lese ich den ganzen kommenden Text unter dem Vorurteil, dass hier die Essenz eines Artikels von zwei nervigen Dauernörglern niedergeschrieben wurde.

  6. Gibt es für diesen Animation-Journalismus nicht bereits einen Namen – den in völliger Selbstbesoffenheit propagierte „Qualitätsjournalismus“?

  7. Sehr geehrter Herr Winterbauer, vor allem Sie selbst sollten diesen Satz mal beherzigen.

    „Gier nach Aufmerksamkeit und Geld gefährden den Journalismus“

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