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„So eine Scheiß-Plattform“: So lästerten Schulz und Böhmermann im Radio über Spotify

Olli Schulz und Jan Böhmermann funken  bei Spotify – diesmal nahmen Sie die deutsche Fernsehunterhaltung ins Visier
Olli Schulz und Jan Böhmermann funken bei Spotify – diesmal nahmen Sie die deutsche Fernsehunterhaltung ins Visier

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Getreu diesem alten Politiker-Motto, änderten Oli Schulz und Jan Böhmermann offenbar ihre Meinung zu Spotify. Vor drei Jahren regten sie sich bei „sanft und sorgfältig“ noch fürchterlich über die „fucking Aldi-Mentalität“ der Kids auf, die alles nur beim Streaming-Dienst hören wollen, statt die Alben zu kaufen.

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Damals lästern die beiden noch: „Spotify ist so eine Scheiß-Plattform, wo der Künstler keine Kohle bekommt.“

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Jetzt wechseln sie selbst zum Web-Sender. Tatsächlich leidet der Transfer etwas unter einem unglücklichen Timing. Ihre Verträge mit den öffentlich-rechtlichen Sendern waren schon länger gekündigt. Doch durch den Ärger wegen des Erdogan-Schmähgedichtes können sich Schulz und Böhmermann noch nicht einmal mehr anständig von ihren Radio-Hörern verabschieden. Für den Tagesspiel-Chefredakteur Lorenz Maroldt, der das alte Anti-Spotify-Zitat ausgrub, ist der Sender-Wechsel und seine Begleitumstände „wieder mal ein großartiger Witz voll allerfeinster Ironie und bitterböser Satire“.

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Alle Kommentare

  1. Hallo Frau Klopp, über Für und Wider des Rundfunkstaatsvertrages und seine Auslegung lässt sich selbstverständlich ausgiebig diskutieren, das ist korrekt. Ob entsprechende Rahmenbedingungen die Entscheidung beider Protagonisten nachhaltig beeinflusst haben? Es lässt sich naturgemäß lediglich spekulieren. Aktuell ist schließlich nur die Abkehr von Radioeins bestätigt und diesen Sender träfe ein etwaiger Illoyalitätsvorwurf vermutlich zu unrecht. Ich persönlich würde es da mit Frau Simon halten, welche dem Spotify-Deal als erste auf die Schliche kam und im Rahmen ihres Artikels auf Horizont.net Folgendes zu Bedenken gab: „Zu gern wüsste man, ob Spotify sich ähnlich solidarisch wie der RBB verhalten hätte, wäre „Sanft & Sorgfältig“ schon vor der Staatsaffäre zum Streamingdienst gewechselt.“

    Ich respektiere Ihre Einschätzung, aus meiner Sicht fußt Herrn Böhmermanns Wechsel – vollkommen wertneutral – allerdings primär auf monetären Beweggründen. Bereits vor viel (oder besser: kaum) zitiertem Schmähgedicht konnte man aus seinen Äußerungen Unschlüssigkeit hinsichtlich dessen zukünftiger TV-Präsenz herauslesen. Wie es nun kommt – wir werden es erleben. Ich hege seit Jahren durchaus eine gewisse Sympathie für Herrn Böhmermann, solidarisiere mich jedoch naturgemäß nicht mit jeder seiner Aussagen. (Angesichts ehemals recht despektierlicher Kommentare in Richtung Spotify lässt sich vermuten, dass nicht einmal er selbst langfristig hierzu bereit ist.) Mag er eine gewisse Erschütterung von all jenem verspüren, an das er je glaubte, so waren ihm mögliche Auswirkungen seiner Performance doch sehr wohl bewusst. Abseits jeglicher subjektiv-geschmacklicher Einschätzung bewegte er sich hiermit bewusst in einem juristischen Grenzbereich. Entsprechend kontroverser Inhalt kam mir bei privaten deutschen Medienanbietern bisher eher selten unter. Ob sie im Fall der Fälle mehr Freiheiten gewähren und persönlich eine eventuell justiziable Position zugunsten ihrer Angestellten einnehmen? Auch das wird künftiges Engagement bei benanntem Streaming-Dienstleister möglicherweise offenbaren.

  2. Absolut nachvollziehbare Entscheidung. Ich wage sogar die Prognose, dass auch das Neo Magazin Royale nach der kommenden Sommerpause bzw. nach Ablauf der aktuellen Verträge nicht mehr im ZDF oder in einem sonstigen öffentlich-rechtlichen Kanal ausgestrahlt werden wird, sondern dann bei Netflix oder Amazon. Bellut und Himmler sei Dank, wird dann das „Qualitätsniveau“ auch ohne Zensur bei den Öffentlich-Rechtlichen wieder den gewohnt niedrigen Durchschnitt erreichen. Fly on, fly high.

    1. Frau Klopp, ich stimme Ihnen weitgehend zu. Allerdings wird weder Herr Bellut noch Herr Himmler für das Ende betreffenden TV-Formats verantwortlich zeichnen, sondern das liebe Geld der Konkurrenz. Da hätte sich das ZDF noch so verständnisvoll und unterstützend gebärden können. Bei Radioeins mangelte es den beiden Künstlern in dieser Hinsicht auch an nichts. Dass man aus finanziellen Gründen einen anderen Weg einschlägt – geschenkt, aber die Art und Weise, wie man einen solchen Wechsel vollzieht sowie gegenüber bisherigem Sender und Publikum kommuniziert, hinterlässt einen äußerst faden Beigeschmack.

      1. Hallo Herr Müller, da gebe ich Ihnen durchaus Recht, was das „Timing“ und das unglückliche Ende anbelangt. Das halte ich aber im Gesamtkontext für vernachlässigbar. Klar spielt Geld eine Rolle! Warum sollte ein erfolgreiches Duo bei einem Senderverbund verbleiben, der wenig zahlt, und gleichzeitig durch den Unterhalt hunderter Radiostationen Millionen verbrennt? Sprich: Marktwirtschaftlich nicht dazu fähig ist, erfolgreiche Inhalte entsprechend zu honorieren, aber Milliarden in der Struktur seiner flächendeckenden Banalitäten verpulvert? Und dann auch noch ohne rechtlichen Zwang (!) freiwillig Inhalte entfernt, weil der Politiker-durchsetzte Rundfunkrat und der gesamte Marionetten-Führungsstab mehr an glatter Politik als an provokanten Inhalten interessiert ist?

        Böhmermann fühlte sich erschüttert in allem, an das er je geglaubt hat. Mich jedenfalls würde es schwer wundern, falls das vormalige intensive Vertrauensverhältnis sowie die gegenseitige Loyalität beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht irreparabel darunter gelitten hätte. Da ist dieser erste Schritt hin zu Spotify nur konsequent und ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl an das ZDF. Die Message ist ja wohl deutlich: „Wir fühlen uns ab sofort nicht mehr an unsere vormalige exklusive Partnerschaft im Verbund der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gebunden“.

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