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BDZV-Präsident Heinen: „Durchsetzung des Rechts auf Pressefreiheit wird anstrengender“

BDZV-Präsident Helmut Heinen
BDZV-Präsident Helmut Heinen

Helmut Heinen, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), findet die zunehmenden Angriffe auf Journalisten und Redaktionen bedrückend. Dass sich die Situation für die Medien in Deutschland bleibend verschlechtert, glaubt Heinen jedoch nicht. Er halte die "Lügenpresse"-Vorwürfe für eine Zeiterscheinung, sagte so einen im Interview.

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Machen Sie sich Sorgen um die die Pressefreiheit in Deutschland?

Sorgen ist ein sehr massives Wort, das empfände ich als nicht angemessen. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit nicht nur im Grundgesetz verankert ist, sondern täglich gelebt wird. Aber ich sehe schon, dass das Recht auf Pressefreiheit derzeit von vielen Seiten bedrängt wird, auch – wenn ich an die jüngste und in dieser Form völlig überflüssige Debatte über sexistische Werbung denke – aus Richtungen, aus denen das nicht unbedingt zu erwarten war.

Wird die freie Berichterstattung in Deutschland schwieriger?

Die Durchsetzung des Rechts auf Pressefreiheit wird für uns Medienleute anstrengender. Dabei denke ich weniger an die aktuell so lebhaft diskutierte Frage, was Satire ist und darf und wo die Schmähkritik anfängt. Das muss eine demokratische Gesellschaft von Zeit zu Zeit neu verhandeln. Mich bedrücken vielmehr die zunehmenden Angriffe auf Journalisten und Redaktionen.

Welche Dimension hat das inzwischen?

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Mindestens elf tätliche Angriffe hat das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit seit Jahresbeginn bereits wieder verzeichnet, sämtliche im Umfeld von rechtspopulistischen oder extremistischen Demonstrationen. Der MDR hat zu Jahresbeginn erklärt, bei Berichten über die sogenannten Montagsumzüge in Dresden und Leipzig seine Reporter nur noch mit Schutzpersonal rauszuschicken. Was sagt das über unser Land und seine Debattenkultur? Wer nicht mitläuft oder zumindest die Klappe hält, wird verprügelt? Journalisten sind per se „der Feind“? Das ist, leider, keine singuläre Erscheinung im Osten, auch im Westen der Republik werden Journalisten bedroht.

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Situation bleibend verschlechtert?

Nein. Dann hätten die Medien und gerade auch die Zeitungen, die das Gespräch einer Gesellschaft vor Ort moderieren, versagt. Ich halte die Anwürfe, angeblich „Lügenpresse“ zu sein oder zu verbreiten, nur für eine Zeiterscheinung. Wir sehen, dass Institutionen – seien es die Kirchen, die Parteien oder eben auch die Medien – in den Augen von Teilen der Bevölkerung an Einfluss verlieren. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Zeitungen unabhängig von ihrer Erscheinungsform systemrelevant für unsere Demokratie in Deutschland sind.

Was können Verlage und Redaktionen tun, wenn Journalisten angefeindet oder sogar angegriffen werden?

Sie müssen Transparenz schaffen, über den Vorfall, aber auch über ihre Arbeit ganz allgemein. Wer erläutert, warum und aus welchen Quellen wie berichtet wird, macht sich viel schwerer angreifbar. Täter müssen gerichtlich verfolgt und namhaft gemacht werden. Wir sind eine wehrhafte Demokratie. Wir sollten uns darauf besinnen, dass auch die Meinungs- und Pressefreiheit als eine der Säulen unseres demokratischen Miteinanders Wehrhaftigkeit verdient.

Das Interview führte Andreas Heimann, die Fragen wurden per E-Mail gestellt.

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Alle Kommentare

  1. Medienleute? Eher wohl gekaufte Propagandisten, wenn man einmal von der Handvoll tatsächlicher kritischer Journalisten wie denen um Jung oder Tichy oder von Leitner absieht, die tatsächlich mal mit Informationen aufwarten.

    Wer den ganzen Tag nichts tut als vorsätzlich Unwahrheiten und Verdrehungen in die Welt zu setzen und zugunsten seines Salärs über Jahrzehnte erkämpfte journalistische Standards verhurt, wer offen gegen andere Völker hetzt oder gegen Einzelpersonen – und das auf Titelseiten -, muss sich nicht wundern, wenn ihm weder etwas zugetragen wird noch der geringste Rückhalt in der Bevölkerung existiert. Dass Menschen, die derart offen amoralisch und asozial agieren, Antipathie entgegengebracht wird, ist sicherlich wichtig und ebenso sicher keine Zeitgeisterscheinung. Dass „Presseleute“ aber derart blind sind und nicht sehen, wie sehr sie ihr Metier verraten haben, sondern die Schuld bei anderen suchen, erinnert haargenau an die Begründung „Vergewaltigt? Nein, das Mädchen hat sich zu aufreizend angezogen!“ Tumb bleibt tumb, und wer nicht einmal die simpelsten und abertausendfach ausbuchstabierten Zusammenhänge zwischen eigenem Tun und Reaktionen der Umwelt zu begreifen vermag wie der hier Interviewte und weite Teile des Journaillistentums, der wäre wohl auch für Fließbandarbeiten noch intellektuell unterqualifiziert – auf jeden Fall aber hochsymptomatisch für die peinliche Entstellungen der PR-Wirtschaft.

    Traurig, dass die meisten Medienschaffenden tatsächlich ein solches Mindestmaß an Intelligenz oder Intelligibilität nicht aufbringen, die nötig wären zur Erkenntnis über ihr Paralleltopos und ihre Rolle beim asozialen Zersetzen der Gesellschaft. Man kann dieser Tage – mit wenigen Ausnahmen – nichts nur leicht Verstimmtes über die Politbagage sagen, und erst recht nichts Positives. Dabei würde simple Informativität statt Wahrheitsanpassung an eigene oder redaktionelle Meinungen schon reichen, um da über einen Zeitraum von rund 30 Jahren wieder etwas street credibility zu erlangen. Zwar nicht auf dem Vorniveau (dafür müsste man schon einen Knall verlauten lassen, und der wäre mittlerweile kaum glaubhaft: wer x-mal lügt, dem glaubt man nicht…), aber immerhin 50% dessen dürften drin sein. Das hieße aber: Saubere Trennung von Kommentaren und Nachrichten, investigative Bemühungen gerade gegen diejenigen, die gerade Machtpositionen innehaben (größtes Missbrauchspotential, wer auch immer das sein mag), Hintanstellen und stetes Hinterfragen des eigenen Weltbildes, Ablassen von der selbstherrlichen Egomanie, Offenlegung redaktioneller Werbung, Offenlegung der direkten wie indirekten Finanzierung des Mediums, klare und unabhängige Verfolgung journalistischer Verfehlungen statt unangebrachtem Korpsgeist. Die Kriterien von gutem Journalismus sind in der Tat nicht issue- oder parteibezogen, sondern ganz universell. Es gibt nur bei ARD, ZDF, RTL/Spiegel, NTV, SZ, Bild und dem ganzen Rest niemanden, der sie anzuwenden bereit ist.

    Und damit gilt: Wer keine Presse ist, sondern Erpresse, der genießt auch keine Pressefreiheit. Vollkommen zu Recht. Noch immer nimmt sich die Hetzerfraktion der ÖR, von Spiegel/Bertelsmann, SZ und Konsorten Freiheiten, indem sie das, was sie tut, als „Journalismus“ bezeichnet. Ist es nicht. Wie sauberer und allseits kritischer, aber fundierter Journalismus geht, sieht man derweil im Web. Immerhin das können einige Journaillisten ja aufrufen, sofern sie den Anknopf ihres Rechners finden und die Schaltfläche zum Starten des Browsers. Mitunter bezweifle ich sogar das. Ich sympathisiere klar und offen mit denjenigen, die sich einer manipulativen „Berichterstattung“, die von vornherein nur auf eine Desavouierung und Verleumdung von Mitmenschen, nur auf das Säen von Zwietracht hin angelegt ist, in den Weg stellen. So etwas hätte es auch im Dritten Reich stärker gebraucht.

    1. Sie finden wohlfeile Worte darüber, wie unabhängiger Journalismus auszusehen hat – dem kann ich nur zustimmen. Auf der anderen Seite pauschalisieren und verurteilen Sie, dass sich die Balken biegen. Es ist schlicht falsch, den meisten Medienschaffenden „vorsätzlich Unwahrheiten und Verdrehungen“ zu unterstellen. Und es ist über alle Maßen arrogant, ihnen die Intelligenz abzusprechen, Entwicklungen in unserer Gesellschaft einordnen zu können. Das können Sie freilich viel besser, da Sie sich ja im Paralleltopos des Paralleltopos befinden …
      Besonderer Knüller: Sie verleumden eine ganze Branche, der sie die Verleumdung von Mitmenschen vorwerfen. Aber zum Glück bringen Sie dann noch das Dritte Reich ins Spiel, womit Sie die Qualität ihrer Einschätzungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen …

      1. Ein Pöbler spricht von Arroganz? Ein selbgefälliger Narzist ohne Bedeutung.

      2. Oh, steckt nicht schon allein im Namen Adonis Narzismus? Und seit wann geht es bei anonymen Kommentaren in kurzlebigen Foren um Bedeutung? Habe ich noch nie so gesehen.

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