Wegen Pegida-Angriffen auf Journalisten: Deutschland verliert auf Liste der Pressefreiheit vier Plätze

Mitteleuropa und Skandinavien gehören zu den Weltregionen mit der größten Pressefreiheit
Mitteleuropa und Skandinavien gehören zu den Weltregionen mit der größten Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen veröffentlicht am Mittwoch seine neue Einschätzung der Pressefreiheit weltweit. In der Rangliste 2016 rutscht Deutschland um vier Plätze nach unten auf Rang 16. Zurückzuführen ist das Ergebnis auf die zunehmende Gewalt gegen Journalisten, vor allem bei den Kundgebungen von Pegida und ihren regionalen Ablegern. Die drei größten Verlierer sind Südsudan, El Salvador und Japan.

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„Journalisten und unabhängige Medien stehen weltweit unter zunehmendem Druck. In allen Weltregionen ist im vergangenen Jahr ein Rückgang ihrer Freiräume zu beobachten gewesen“, kommentiert Reporter ohne Grenzen (ROG) das Ergebnis der Analyse. „Zunehmend autokratische Tendenzen in Ländern wie Ägypten, Russland oder der Türkei tragen zu diesem Trend ebenso bei wie die bewaffneten Konflikte etwa in Libyen, Burundi und dem Jemen. Negativ wirken sich auch die Bestrebungen der Regierungen in Ländern wie Polen und Ungarn aus, staatliche und private Medien unter ihren Zugriff zu bringen.“

Ein schlechtes Ergebnis erzielte aber auch Deutschland. Die Bundesrepublik rutschte im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze nach unten und belegt Rang 16. Grund dafür ist die zunehmende Gewalt gegenüber Journalisten. „Insgesamt zählte Reporter ohne Grenzen mindestens 39 gewaltsame Übergriffe gegen Journalisten – insbesondere bei Demonstrationen der Pegida-Bewegung und ihrer regionalen Ableger, bei Kundgebungen rechtsradikaler Gruppen oder auf Gegendemonstrationen.“

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Größte Pressefreiheit in Finnland, geringste in Eritrea, Türkei verliert zwei Plätze

Das Land mit der größten Pressefreiheit bleibt nach wie vor Finnland, gefolgt von den Niederlanden (+2) und Norwegen (-1). Unverändert blieben auch die hinteren Plätze, auf denen weiterhin Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan und Syrien die Schlusslichter bilden. Die größten Verlierer sind der Südsudan (Rang 140, -15), El Salvador (Rang 58, -13) sowie Japan (Rang 72, -11), die größten Gewinner sind Tunesien (Rang 96, +30) und die Ukraine (Rang 107, +20). Diese Länder hätten zwar einen großen Sprung gemacht, seien nach wie vor aber zu kritisieren. „Gewalt und Prozesse gegen Journalisten sind dort weiterhin ein Problem, aber in der Tendenz rückläufig“, erklärt ROG zu Tunesien. In der Ukraine sei zwar die Gewalt gegenüber Journalisten zurückgegangen, das Land leider aber weiterhin unter Problemen wie der übermächtigen Rolle der Oligarchen für die Medienlandschaft und dem Informationskrieg mit Russland. Die Türkei, wo Staatspräsident Erdogan zuletzt kritische Journalisten wegsperrte, Medien verstaatlichte und ausländische Journalisten indirekt dazu zwang, das Land zu verlassen, weil ihre Akkreditierungen nicht bewilligt wurden, steht in der aktuellen Liste fast unverändert da. Das Land verlor zwei Plätze und steht auf Rang 151.

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Zur Entwicklung in Europa merkt die Organisation an, dass sich eine bereits 2014 begonnene Erosion der europäischen Vorreiterrolle fortgesetzt habe. „Gesetze gegen Terrorismus und Spionage wurden zur Einschränkung von Freiheitsrechten missbraucht, Gesetze zur massenhaften digitalen Überwachung verabschiedet.  Öffentliche sowie teils auch private Medien gerieten zunehmend unter Druck.“

Pressefreiheit-Karte-2016

Eine „zunehmende Gefahr“ für die Unabhängigkeit gehe mittlerweile auch von Großkonzernen aus, die Medien zum einen immer mehr kontrollierten, aber auch anderweitige Geschäftsinteressen mit ihnen verfolgten. So gehören in Frankreich ( Rang 45, -7) mittlerweile die meisten privaten Medien von nationaler Bedeutung wenigen Unternehmern, deren wirtschaftliche Interessen vor allem in anderen Branchen liegen. In Bulgarien (Rang 113, -7) kontrollieren Politiker und Oligarchen den Großteil der Medien.“ Zugleich nehme dort die Gewalt gegen Journalisten zu.

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Alle Kommentare

  1. Die Presse hat in diesem Land sowieso zuviel Freiheiten. Wer regelmäßig z.B. bildblog liest, lernt so einiges über die Sauereien einiger „Journalisten“ und wie sie immer wieder ungestraft damit davonkommen.

    Journalisten haben nicht mehr oder weniger Rechte als der normale Bürger, auch wenn sie das ansonsten gerne so hätten.

    Abschließend: Platz 16 von 180 ist außerdem ein sehr guter Rang. Da gibt es von Seiten der Journalisten eigentlich nichts zu meckern.

  2. Haha die rechten ticken ja völlig aus in den Kommentaren, die die am lautesten über angeblihc nicht vorhandene Pressefreiheit schrein zerstören diese scheinba 😀

  3. Vielleicht kann man ja mal die Unterschiede zwischen der Presse z.B. Finnlands und Deutschlands hervorheben? Ich meine nicht die vermeidlichen Übergriffe.

    Ich meine die Art der Berichtserstattung der Presse. Deren Unabhängigkeit.

    Erfahrungsgemäß sind die „Finnländer“ ein sehr gelassenes und trotzdem ehrliches Volk.
    Was aber durchaus nicht links steht trotzdem aber objektiv und offen zu allem steht.

    Man grenzt dort die Partei „wahre Finnen“ (könnte man AfD ähnlich nennen) nicht aus sondern beteiligt sie im Rahmen Ihrer Wahlergebnisse. Und die sind eben ganz gut. Auch in den Medien wird darüber neutral berichtet.

    Wenn man sich aber manche voreingenommenen Berichte in den Medien und manche Medienvertreter vor Ort bei Pegida-Demos angeschaut hat wunderte man sich das nicht mehr passiert ist.
    Manche Fragen/Berichte waren eben frech, respektlos und fragwürdig. Das ist auch für die Medien kein Rechtsfreier Raum.

    Man beachte die Schweiz.
    Die hatte die letzte Zeit viele wichtige Fragen zu klären. Mit viel Medienandrang. Die hat es gepackt neutral und sauber zu berichten. Ohne seine Bevölkerung oder Wähler der „scheinbar falschen Parteien“ zu beleidigen…

  4. Im Originaltext von „Reporter ohne Grenzen“ steht folgender Satz:

    „Insgesamt zählte Reporter ohne Grenzen mindestens 39 gewaltsame Übergriffe gegen Journalisten – insbesondere bei Demonstrationen der Pegida-Bewegung und ihrer regionalen Ableger, bei Kundgebungen rechtsradikaler Gruppen oder auf Gegendemonstrationen.“

    Man hat also alle möglichen Veranstaltungen gezählt bei denen es zu „Übergriffen“ (was immer damit gemeint sein mag) kam und schiebt dann alles PEGIDA in die Schuhe?

    Meine Fresse – Lügenpresse

  5. Wenn man hört, dass in z.B. Hamburg gewalttätigen „Gegendemonstranten“ nach polizeilicher Ingewahrsamnahme nachträglich noch der Pressestatus zukommen soll, den man vor den Ausschreitungen mal kurz beantragt haben will, dann kann man sich gut vorstellen, was dieses Schauspiel „Übergriffe gegen Journalisten“ tatsächlich für eine Aussagekraft hat. Nämlich gar keine mehr- das war aber mal anders.
    Aber scheinbar gibt es Kreise, denen nichts wichtig genug ist um sie nicht für einen Kampf gegen den politischen Gegner zu missbrauchen.
    Und der Vorwurf „Lügenpresse“ ist doch nicht aus dem leeren Raum gegriffen. Den hat man sich „mühsam“ verdient und ist noch immer nicht bereit es objektiver angehen zu lassen. So entzieht man sich bloß seine Legitimation, die man offenichtlichnicht mehr verdient.

      1. Mensch Bolli, wenn euch mal die „rechten“ Argumente ausgehen wirds doch ganz eng. Wer unsere Presse- und Medienlandschaft als unabhängig und objektiv empfindet ist entweder auf Droge oder hat andere schwerwiegende Probleme. Die 4 Millionen GEZ-Verweigerer sind alles Nazis und Rechtsextreme. Leg dich wieder hin und schlaf weiter.

      2. Mensch Thomas, wo kommt den die Zahl für die GEZ Verweigerer her? Alle Befreiungen mit reingerechnet? Wie immer nur behauptet und nichts belegt. Bezüglich rechten Argumente: mimimii…….

  6. Wenn es das staatlich finanzierte und verhüllte linke Lumpenpack nicht geben würde, gäbe es keine Angriffe auf Journalisten und die AfD wäre ganz plötzlich eine Partei der Mitte.
    An die Journalisten: Benutzt eure Pressefreiheit der Wahrheit und lasst euch nicht von den oberen vorschreiben, was ihr schreiben sollt.
    Wie heißt es doch so schön: Erst wird uns was vor geGAUCKelt und dann kaputt geMERKELt!!!!

    1. Was ist denn die Wahrheit. Die Ihre?
      Sie haben doch sicher schon Printerzeugnisse die das schreiben was „stimmt“. Aber wer schreibt eigentlich Kopp, Compact uswusf. vor was Sie schreiben sollen….mmmmmh?

  7. Hinter den Reportern ohne Grenzen steht offensichtlich die gleiche Interessengruppe, die in Deutschland Meinung macht. Insoweit ist nicht überraschend, dass hier die gleiche Bewertung, wie in der Tagespresse und den anderen Medien hierzulande herauskommt. Die Glaubwürdigkeit, dieser Gruppe wird dadurch weder besser noch schlechter, da alle Positionen ohnehin bekannt sind. Damit schadet sich eigentlich nur Reporter ohne Grenzen, denn der Schein der Unabhängigkeit geht dadurch verloren, wenn man bei solchen Meldungen natürlich nach recherchiert (wie bei allen kritischen deutschen Pressemeldungen), wer bzw. was dahinter stecken könnte und dann zu obigen Ergebnis kommt. So kann man auch, ohne es zu wollen, Propaganda für Pegida und die AfD und sogar Herrn Putin machen. Vielleicht sollten die Damen und Herren in den Redaktionsstuben daran denken, dass Leser ihre Meldungen auch kritisch nachprüfen könnten, dies würde sicher die Qualität ihrer Arbeit heben.

    1. Reporter ohne Grenzen ist eine Internationale und absolut Neutrale und unabhängige Organisation. Denen nachzusagen, sie würden lügen grenzt an Verschwörungswahn. Sie müssen wohl akzeptieren, dass die „Lügenpresse“ von rechts kommt.

  8. Jetzt fehlt nur noch der Hinweis auf die erstarkende AfD als Grund für die Auswahl der Reporter ohne Grenzen.
    Was man dieser Tage alles an Hetze, Verleumdung und übler Nachrede in den Qualitätsmedien ertragen muss, ist sicher nicht mehr demokratiekonform.
    Von öffentlich geführten Schwarzen Listen, Forderungen von Berufsverboten, öffentliche Abbildungen von Menschen, Mitteilungen von Wohnanschriften, Nennung des Arbeitsgebers,…. von der ganzen miesen Berichterstattung zur Urkainekrise, zu Russland, zu Syrien, zu Lybien, zur Flüchtlingskrise, zur Bereicherung von Fachkräften ganz zu schweigen. By the way … Briefkastenfirmen und Clinton…und schon wird es wieder ganz leise. Dafür zieht man weiter übelst über Trump her und glaubt es hätte etwas mit Pressefreiheit zu tun, wenn man Erdogan einen Ziegenficker nennt.
    Die Einschränkung der sog. Pressefreiheit ist langsam aber sicher zwingend von Nöten um die Demokratie und die Meinungsfreiheit in diesem Land zu schützen.

    1. Oha, Einschränkung der Pressefreiheit um Meinungsfreiheit zu schützen. Darauf muss man auch erst mal kommen. Den Widerspruch bekommen Sie aber schon noch mit?

      Aber bei der von Ihnen befürworteten politischen Richtung vermutlich nicht anders zu erwarten.

    2. @Replik: Interessant finde ich an Ihrer Aufzählung, dass „übelst über Trump hergezogen wird“. Nun ja, er liefert dafür auch jede Menge Steilvorlagen und hat entsprechenden Gegenwind durchaus verdient. Warum beschweren Sie sich darüber? Weil er vielleicht in ihr Idealbild eines starken, autoritären Staatsführers passt?

  9. Guter Journalismus ist offenbar recht einfach – man muss nur wollen und erkennen:
    Das politische System der Bundesrepublik Deutschland wird vom Bundesverfassungsgericht als streitbare, wehrhafte Demokratie definiert, die weder durch Mehrheitsbeschlüsse oder anderen legalen Wegen aufgehoben werden kann.
    Demokratie findet öffentlich im Raum vor der Rechtsordnung statt, als »institutioneller Streit«
    (Ralf Dahrendorf), deren essentielles Wesen auf strittige unzensierte Debatten um Für/Wider in freien rechts- und regelkonformen Meinungsäußerungen ruht.

    Viele deutsche Printmedien sperren beispielsweise Leser aus, lassen keine Nutzerkommentare zu oder üben Zensur aus, verlieren sich im vorauseilendem Gehorsam.
    Hier geht es mit geringem Budget – kress NEWS, 20.04.16:
    » Case „De Morgen“:
Nur 30 Journalisten für Europas beste Zeitung
    An der Anzahl der Journalisten kann es nicht liegen: De Morgen in Brüssel hat nur 30 davon, dafür allerdings erstaunlich viele Fotografen: 17, alle freiberuflich. Dazu fünf Layouter und einen Infografiker. Nach 2006 und 2008 ist De Morgen nun zum dritten Mal Europas beste Tageszeitung in der Kategorie National. Wie geht das? Hat es mit Reduktion und Relevanz zu tun – bei der journalistischen Arbeit? Oder hat es damit zu tun, dass die Chefredakteurin zuvor eine Karriere im Fernsehen gemacht hat und zugleich in Bildern denkt? Chefredakteurin Lisbeth Imbo und Art Director Arne Depuydt stellen in Wien „ihren“ De Morgen vor – und berichten über ihre Erfahrungen beim jüngsten Relaunch.«
    http://goo.gl/z3S3B2

  10. Zitat:
    »Hallo Herr von Boller,
    haben Sie Belege für Ihre Aussage? Beachten Sie: Wir sprechen hier von Übergriffen ausschließlich auf Journalisten.«
    Marvin Schade, 20.04.2016 um 08:58

    Gelassenheit ist gefragt und Ideologiefreie Sichtweisen, die auf Fakten ruhen:
    „Wir sprechen hier von Übergriffen ausschließlich auf Journalisten.“

    » Reporter ohne Grenzen « formuliert so, was zu hinterfragen ist.
    Die Gruppierung ist lobbyistisch atlantisch geprägt, siehe Finanzierung und Wikipedia:
    »Unabhängig dieser Fallbeispiele wird die methodische Vorgehensweise der Organisation stark kritisiert: lediglich drei Experten werden pro Land mit dem Ausfüllen des Fragebogens, der das einzige Instrument für die Indexbildung darstellt, beauftragt. Auch die Unabhängigkeit dieser Experten ist nicht immer zweifelsfrei gegeben.«
    https://goo.gl/4Nq5pL

    Fakten:
    Die Parlamentarische Versammlung des Europarates (Vertreter von 47 nationalen Parlamenten – Initiator der „Europäischen Menschenrechtskonvention“} sagt, FAZ,29.01.2016:
    » Die Wahrheit und sonst nichts –
    Die Parlamentarische Versammlung des Europarats liest der deutschen Politik und den Medien die Leviten. Ihre Entschließung heißt: „Der Schutz von Frauen und die ehrliche Darstellung unbequemer Wahrheiten“. Das lässt aufhorchen. –
    ….Die Medien seien gehalten, die Fakten objektiv darzustellen und nicht aus etwaiger Rücksichtnahme auf politische Korrektheit
    die Wahrheit zu verschweigen. Alles andere begünstige Verschwörungstheorien und das Misstrauen in Staat und Medien
    und schüre Hass. Zugleich dürften Menschen nicht stigmatisiert werden.«
    http://goo.gl/fgPv8p

  11. Junge, Junge was ich hier wieder lesen muss. Pegida ist an nichts schuld. Und das glauben die Anhänger dieser….ääääh Bewegung wirkich. Wer so Figuren wie Bachmann und Höcke hinterherläuft, muss auch damit leben, mit den radikaleren Teilnehmern und Auswüchsen in einen Topf geworfen zu werden.

  12. Junge, Junge, Junge, was ich hier wieder lesen muß.
    Pegida ist natürlich an allem Schuld.
    Ihr Journalisten glaubt das wohl wirklich,……….

  13. Ich bin davon überzeugt, dass wir mindestens noch fünf Plätze verlieren könnten, wenn Pressefreiheit so definiert wird, dass Presse die Freiheit hat, so zu lügen und zu biegen und sich den Lumpenjournalismus zu eigen macht, wie es anscheinend im oben angegebenen Artikel geschehen ist.

  14. Dieser Artikel ist eine absolute Frechheit und sollte wegen Falschinformation vom Netz genommen werden.
    Ich frage mich wirklich, wie lange ihr noch das Volk an der Nase herumführen wollt?
    Diese oben genannten „Pegida-Angriffe auf Journalisten“ wurden fast allesamt von den staatlich, parteilich und gewerkschaftlich unterstützten Linksradikalen Staatsschlägern begangen!

    Ich bin kein Anhänger der Pegida, aber man sollte bei der Wahrheit bleiben!

    1. Hallo Herr von Boller,

      haben Sie Belege für Ihre Aussage? Beachten Sie: Wir sprechen hier von Übergriffen ausschließlich auf Journalisten.

      Viele Grüße

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