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„In Deutschland gibt es keine Lügenpresse“: Zeitschriften-Verleger ziehen positive Branchen-Bilanz für 2015

VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer
VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer

Der VDZ steht nicht mehr für „Print wirkt“. Längst muss es heißen: „Content wirkt“. Denn zum ersten Mal erreichten die Zeitschriftenverlage bei Online eine ähnlich hohe Reichweite, wie bei den gedruckten Heften. Wichtigster Treiber der massiven Web-Zuwächse ist der Mobile-Traffic. Insgesamt verzeichnete die Branche beim Gesamtumsatz aber ein leichtes Minus, wie der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger bei seiner Bundespressekonferenz in Berlin verriet. 2014 lag der Umsatz bei 15,1 Milliarden Euro. 2015 betrug er 14,7 Milliarden.

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Als Grund für das Minus nennt Haupt-Geschäftsführer Stephan Scherzer vor allem Rückgänge im Auslandsgeschäft, wie durch die neue Mediengesetzgebung in Russland. Insgesamt beschäftigt die Zeitschriften-Branche rund 60.000 Mitarbeiter, die mittlerweile 1.589 Hefte produzieren. Noch nie wurden in Deutschland mehr – mindestens quartalsweise erscheinende – Publikumszeitschriften verlegt. Alleine im vergangenen Jahr starteten 113 neue Magazine. Allerdings wurden 78 auch wieder eingestellt.

2016 sollen die Branchen-Umsätze stabil bleiben

Für das laufende Jahr rechnet der Verband im Digital-Geschäft mit einem Wachstum von 16,7 Prozent. Die Verluste im Vertrieb und beim Anzeigengeschäft sollen sich dabei zwischen 2,6 und 2,8 Prozent bewegen. Bei den Umsatz-Anteilen kalkuliert der VDZ, dass die gedruckten Produkte 60 Prozent, das Digital-Geschäft 18 Prozent auf die sonstigen Geschäfte (Events, Konferenzen, Corporate Publishing etc.) etwa 22 Prozent entfallen. Dabei hofft Scherzer, dass das Web-Wachstum die Print-Verluste auffangen kann. Damit würde es der Branche für das Jahr 2016 gelingen, immerhin eine Umsatzstabilität zu erreichen.

Besonders zufrieden sind die Zeitschriftenverleger mit der Fachpresse. Seit der Finanzkrise sei es den Spezial-Angeboten gelungen, jedes Jahr um zwei bis drei Prozent zuwachsen. „Die Fachverlage sind vorbildlich diversifiziert und erreichen ihre Zielgruppen in Print, Web, Mobil, Social und mit einem starken Konferenzgeschäft“, erklärt Scherzer.

Im laufenden Jahr wollen 89 Prozent der Verlage in ihre Mobil-Aktivitäten investieren, 71 Prozent planen die Budgets für Native Advertising zu erhöhen und fast zwei Drittel (67 Prozent) gehen davon aus den Online-Etat aufzustocken.

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Trotzdem soll das Kerngeschäft auch 2016 ausgebaut werden. 91 Prozent aller deutschen Medienhäuser wollen im laufen Jahr neue periodische Print-Titel auf den Markt bringen. „Die Verlage stehen mit ihren Angeboten im digitalen Wandel mitten auf dem Spielfeld und zwar bei Print, Web, Mobil und Social“, sagt Scherzer.

Allerdings sieht der Haupt-Geschäftsführer seine Branche „im digitalen Strudel“ gut aufgestellt. Immerhin beschäftigt man sich schon seit 1990 mit den Folgen der Digitalisierung. „Schauen sie mal, wer heute damit zu kämpfen hat“, sagte er in Richtung der Automobilbranche. Nicht ohne einen gewissen Stolz vermerkte Scherzer: „Der VDZ hat heute mehr Mitglieder, als vor 20 Jahren“. Mittlerweile sind es über 450.

Zeitschriftenverlage sorgen sich um die Pressefreiheit in Deutschland

Neben den nackten Branchen- und Bilanz-Zahlen, schwebten über der Bundespressekonferenz des Verbandes der Deutschen Zeitschriftenverleger aber auch die beiden Mega-Themen Lügenpresse und die Debatte um Jan Böhmermann. Scherzer sprach davon, dass die Zeitschriftenverlage sich um die Pressefreiheit in Deutschland „ernsthafte Sorgen“ machen würden. „Der VDZ-Umfrage zufolge sagen 93 Prozent der Verlage, dass die Einschüchterung von Journalisten durch politische und religiöse Extremisten zugenommen habe“, heißt es in einer Erklärung des Verbandes. „Die Pressefreiheit ist von Diskreditierung unter dem Kampfbegriff der Lügenpresse betroffen, aber auch durch versteckte oder offene Diskreditierung, wie etwa durch den türkischen Präsidenten“. Zum ersten Punkt hält Scherzer fest: „Es gibt in Deutschland keine Lügenpresse“.

Auch zur Causa Böhmermann äußerte sich der Verbandsgeschäftsführer: „Der türkische Präsident kann, wenn er sich durch die Satire von Herrn Böhmermann in seiner Ehre verletzt sieht, ohne weiteres vor den Zivilgerichten gegen das ZDF und Herrn Böhmermann auf Unterlassung und auf Schadensersatz klagen“. Allerdings: „Wenn er nun stattdessen die Bundesregierung mit seinem Ersuchen um Strafermächtigung unter Druck setzt, gibt es keinen überzeugenden Grund, diesem Druck nachzugeben“.

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Alle Kommentare

  1. Lügenpresse ist vielleicht tatsächlich nicht ganz richtig, besser müsste es heissen „Lückenpresse“! Aber auch mit Informationslücken kann man wunderbar manipulieren, was denn auch zumindest versucht wird….! Das gelingt nur leider immer weniger, oder besser glücklicherweise?

  2. „In Deutschland gibt es keine Lügenpresse“: Zeitschriften-Verleger ziehen positive Branchen-Bilanz für 2015
    selten so gelacht. Auf was wollen die hinaus? der 1.April ist doch schon vorbei?

  3. So feuern sich die Pinnochios also wieder selbst. Glückwunsch, ihr politisch gleichgeschalteten Tintenstrolche.

  4. Wie heißt es heute in Focus Online:

    „Experte: Putin hat Deutschland unterwandert“
    „Nach monatelangen Recherchen darüber, wie der Kreml im Westen agiert, muss ich sagen, dass es mich sehr wundern würde, wenn Moskau etwa bei der AfD nicht zumindest die Hände mit im Spiel hätte.“

    Wie vor 70 Jahren. Der Feind ist der Bolschewist.
    Aber was ein Glück dass keine Lügenpresse gibt.
    Die Kanzlerin und ihr Gefolge sieht sicher auch keine Lügenpresse.
    Es kommt halt auf die politische Perspektive an.

  5. Es gibt bei den deutschen Medien offensichtlich drei konstante Prinzipien:

    1. Sie feiern sich gerne selbst;
    2. Sie meinen, ihre Leser seien geistig minderbemittelt und sie müßten sie über ihre Sicht der Welt aufklären;
    3. Manche scheinen tatsächlich zu glauben, was sie ihren Lesern mitteilen, andere müssen es.

  6. Interessante Zahlen aus der PK – aber, ganz ehrlich, bitte doch mal auf Rechtschreibung und Zeichensetzung im Artikel achten, GERADE bei einem Mediendienst erwarte ich mehr!

  7. „In Deutschland gibt es keine Lügenpresse.“

    (behauptet jedenfalls VDZ-Chef Scherzer)

    /me meint:

    Möglichkeit 1: Nomen est Omen, manchmal.

    Möglichkeit 2: Scherzer wollte nur die Dickmann-Satire imitieren und es kommt gleich die Auflösung.

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