Erlösprobleme in der Vermarktung: Spiegel erwartet Gewinneinbruch von bis zu 40 Prozent

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass

Publishing Wachsen und Sparen – so lautet die Agenda 2018 von Spiegel-Verlagschef Thomas Hass, um die Ertragslage des Traditionsverlags zu verbessern. Denn die liegt im Argen. Das Medienhaus an der Ericusspitze erwartet für den Jahresabschluss 2015 einen massiven Ertragseinbruch. Dies geht aus einer jetzt veröffentlichten Prognose der Geschäftsführung der Spiegel-Gruppe hervor.

von Gregory Lipinski

Schwächen in der Organisationsstruktur, Marken-Wirrwarr – der vor wenigen Tagen bekannt gewordene Innovationsreport offenbart schonungslos die Defizite des Hamburger Magazin-Verlags. Dass die Unternehmensspitze hier schnell und beherzt gegensteuern muss, zeigt zudem ein Blick auf das jetzt im Bundesanzeiger veröffentlichte Zahlenwerk. Denn Firmenchef Thomas Hass steht unter massiven Ertragsdruck. Konkret heißt es hier: Der Jahresüberschuss des Spiegel-Konzerns 2015 wird „voraussichtlich um 35 bis 40 Prozent unter dem des Vorjahres 2014 liegen“.

Als Gründe für den Gewinnrückgang nennt Hass besonders das Vermarktungsgeschäft: „Für den Spiegel-Konzern wird 2015 mit einer mindestens 10%igen Reduzierung der Anzeigenerlöse gerechnet“, so der ehemalige Leiter des Vertriebsmarketings. Erst jüngst hatte sich der Manager von seinem langjährigen Vermarktungschef Norbert Facklam getrennt und die Aufgaben „bis auf Weiteres“ an den Verlagsleiter Michael Plasse deligiert. Ob Plasse diesen wichtigen Posten langfristig beibehält, ist offen. Unklar ist auch, ob ein Teil der Anzeigendisposition an einen externen Dienstleister gegeben wird. Im Gespräch hierfür sind Gruner + Jahr oder die Münchener Burda-Gruppe. Eine Entscheidung steht hier noch aus.

Ebenso leidet aber auch das Vertriebsgeschäft beim Spiegel, wenn auch nicht in dem Maße wie der Anzeigenbereich. „Auch die Vertriebserlöse der Printobjekte könnten insgesamt 5 bis 10 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen“, heißt es in der Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Dagegen blieben die Umsätze „sowohl der Internet-Firmen als auch im Film- und Fernsehbereich in etwa stabil oder geringfügig unter dem Vorjahreswert“. Der Spiegel-Konzern erzielte 2014 bei einem Umsatz von 279,9 Millionen Euro einen auf 25,24 Millionen Euro verringerten Jahresüberschuss.

In den nächsten Jahren rechnet der Firmenchef zudem damit, dass der Umsatz mit dem gedruckten Spiegel durch das veränderte Mediennutzungsverhalten Federn lässt. „Daher ist er erforderlich, die hohe Ergebnis- und Umsatzabhängigkeit vom Hauptobjekt zu verringern“, unterstreicht hier Hass. Dementsprechend plane das Medienhaus, „die Entwicklung neuer Objekte und Geschäftsbereiche sowie die Transformation bestehender Objekte in das Internet“ voranzutreiben. Bekannt ist unter anderem, dass der von Rudolf Augstein gegründete Traditionsverlag eine digitale Tageszeitung plant und die bereits existierende englisch-sprachige Spiegel-Ausgabe fit für den internationalen Wettbewerb machen will.

Der Spiegel-Chef will dem Unternehmen in den nächsten Jahren einen rigorosen Sparkurs unterziehen. Hass plant unter dem Stichwort „Agenda 2018“ , bis 2018 insgesamt 149 Stellen zu streichen – davon 100 im Verlag, 14 in der Dokumentation und 35 in der Redaktion. Am Spiegel-Verlag ist die Mitarbeiter-KG mehrheitlich beteiligt, weiterer Anteilseigner ist die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr.

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