Anzeige

„Keine handwerkliche Panne, sondern Mythenbildung“: Streit um Opfer-Darstellung im NSU-Film der ARD

Streit um den ARD-Film über die NSU
Streit um den ARD-Film über die NSU

Um den zweiten Film der ARD-Trilogie rund um die rechtsradikale Terrorzelle NSU ist ein Streit entbrannt. Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer des NSU-Terrors, kritisierte, dass beim Film "Die Opfer - Vergesst mich nicht" das Schicksal des zehnten und letzten Opfers, der Polizistin Michèle Kiesewetter, ausgelassen worden sei. Kiesewetter wurde am 25. April 2007 in Heilbronn umgebracht.

Anzeige
Anzeige

Damit erweckt die ARD den Eindruck, Michèle Kiesewetter, gehöre nicht zu den Opfern dieser Mordserie“, teilte John bereits am Freitag mit. „Die Polizistin wird lediglich in der Gesamtliste im Abspann genannt.“ John warf die Frage auf, ob das deutsche Opfer ganz bewusst «vergessen» worden sei, weil es nicht in das rassistische Grundmuster gepasst habe. Es sei wohl eher die subjektive Sicht der Sendeanstalt beziehungsweise der Filmemacher, dass nur Migranten als Opfer ins Filmbild passten. „Keine handwerkliche Panne, sondern Mythenbildung.“ In den Dortmunder Ruhr Nachrichten vom Montag legte John nach und sprach von einer groben Unterlassung.

Eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion entgegnete, der zweite Film beruhe auf dem Buch von Semiya Simsek, der Tochter des ersten Mordopfers, Enver Simsek. Der Mord an Kiesewetter konnte erst nach dem Auffinden der Dienstwaffe bei den toten NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt dem NSU zugeordnet werden, „und diese Kenntnis erreichte Semiya Simsek erst mit zeitlicher Verzögerung – also nach dem Zeitpunkt, an dem unser Film endet“, so die ARD.

Anzeige

„Eine Mythenbildung liegt uns fern, im Gegenteil: Uns war die Perspektive einer konkreten Opfer-Familie wichtig, um an dem konkreten und wahrhaftig geschilderten Leid und an den unfassbar langen und mit schrecklichsten Verdächtigungen einhergehenden Ermittlungen, die gleichsam einer zweiten Ermordung des Familienvaters gleichkamen, ihr Schicksal nachvollziehbar zu machen“, so hieß es von der Programmdirektion weiter. Der Kiesewetter-Mord spiele zu Beginn des dritten Films am Mittwoch („Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch“) eine Rolle.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ich habe den Film nicht zuende gucken können und würde es gern mal tuhen doch ich finde den Film nicht im Internet
    Kann mir jemand ein Link senden oder sagen wo ich den Film angucken kann?

  2. Zwei großartige Filme, die der Öffentlichkeit aus verschiedenen Perspektiven zeigen, wie es damals zu diesen unglaublichen Verbrechen kommen konnte und wie der deutsche Staat versagt hat. Neben der Bundeskanzlerin hat sich nur ein einziger Journalist bisher bei den Hinterbliebenen der ausländischen Mordopfer für die falschen Anschuldigungen entschuldigt. Wer haftet eigentlich für die Fehlermittlungen und fingierten Unterstellungen gegen die Ermordeten? Eigentlich müsste der Staat den Angehörigen nachträglich Schmerzensgeld zahlen! Ich bin auf den 3. Teil gespannt…Wie bekannt wurde, gab es ja nicht nur Ermittlungsfehler, sondern wurden auch Akten des Verfassungsschutzes vernichtet (Vernichtung von Beweismaterial…) Dass Bönhard und Mundlos kaltblütige Räuber und Mörder waren, ist bewiesen. Wenn Frau Zschäpe die ahnungslose Dritte im Bunde war, könnte sie ja ein umfassendes Geständnis ablegen. Es ist wie mit den Nazis, die nach dem Untergang von Hitlerdeutschland gefasst wurden; die haben auch gedacht, sie könnten ihre blutigen Hände im Nachhinein durch beharrliches Schweigen reinwaschen und Verjährung hoffen.

    1. Rechtsstaat. Im Rechtsstaat muss bewiesen werden. Anschuldigungen allein reichen da nicht aus.

      Selbstverständlich kann man ohne jeden Beweis auch eine Frau Z. nicht verurteilen. Den Beweis muss aber nicht Sie selbst liefern sondern die Anklage.

      So etwas geschieht in Rechtsprozessen tausendfach im Jahr das Täter eben mangels Beweisen nicht verurteilt werden können.

      Keine Angst Frau Z. wird man wohl wg. Mittäterschaft verurteilen.
      10 Jahre Haft abzgl. der bereits in Haft gesessenen Jahre weil Sie eben nicht persönlich an den Taten dabeigewesen ist.
      Hätte Sie direkt gemordet hätte Sie aber kaum ebenso mehr bekommen…
      Rechtsstaat eben.

  3. Was soll dieser Film/Serie generell aussagen???

    Noch ist niemand (!) verurteilt.

    Frau Z. hat nie eine Aussage gemacht die einen solchen Märchenfilm nahe
    kommt.

    Viele Zeugen waren am Ende keine. Zeugen, Familien, Polizei etc. mutmaßen eher den Sachverhalt zusammen.

    Aber ganz wichtig – wird jetzt ein Film/Serie gezeigt -wie es hätte sein können- aber als Wahrheit verkauft.

    Wer wundert sich denn das dieses Zeug niemand sehen will.

    Kommt in zehn Jahren wenn Frau Z. Ihre Strafe abgesessen hat und das Drehbuch dazu autorisiert hat…

  4. Wer glaubt heute noch, dass sich Mundlos und Böhnhardt selbst umgebracht haben??

    Bevor es an die schweren Sachen geht, fangt doch mal mit den einfachen Dingen an, z.B. dass die ominöse Waffe kurz nach dem Auffinden der Toten (zumindest) nicht dort gelegen hat, wo sie einige Zeit später angeblich gefunden wurde.

    „Fahnder“ hat recht: „Vielleicht wird der Mord an Kiesewetter nicht aufgearbeitet, weil da „der Schlüssel“ zu allen anderen Morden liegt?“

    Wie von ihm geschrieben „vielleicht“ – und das könnte dann den Staat ganz erheblich erschüttern.

  5. Ich habe mittendrin eingeschaltet. Eine hübsche Protagonistin mit Lispelstimme ließ mich dann auch den Film zuende gucken. Hat er mir etwas gegeben? Nun, die ganze Zeit rumorte es, dass da auch noch andere Sichtweisen zu berücksichtigen wären. Es ist ja z. B. nicht so, dass der laufende NSU – Prozeß bislang mehr Licht ins Dunkel gebracht hätte. Immerhin starben recht viele Zeugen. Immerhin zweifeln auch seriöse Kenner der Materie am Hergang. Immerhin sieht man in München die Absicht und fragt sich, was passiert, wenn es schief geht? So einfach, wie es sich für die simpel gestrickten SZ-Blogger und andere Medien darstellt, ist es dann doch wohl nicht. Was bleibt für mich als Zuschauer: Ein hübscher niedlicher Nebbich, dem man gerne beim Spielen einer Rolle zusah. Erkenntnisgewinn: Null. Zweifel? Eher gewachsen. Eben eine nette Märchenstunde im Ersten, die Disney nicht besser hätte inszenieren können. Grübele, warum die subjektive Wahrheit einer hübschen Opferangehörigen uns als „Rechercheleistung“ der Filmredaktion angedient wurde? Das ist leider übliches Niveau vieler türkischer Drehbücher, sollte aber nicht Standard deutscher öff.-rechtl. Skripts werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*