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Details zur Welt-Umstrukturierung: So stellen sich Aust und Caspar den Stellenabbau vor

Bieten ihren Mitarbeitern den freiwilligen Rückzug an: Welt-Chefredakteur Stefan Aust und Geschäftsführerin Stephanie Caspar
Bieten ihren Mitarbeitern den freiwilligen Rückzug an: Welt-Chefredakteur Stefan Aust und Geschäftsführerin Stephanie Caspar

Welt-Chefredakteur Stefan Aust und Geschäftsführerin Stephanie Caspar haben am Montag ihrer Belegschaft erklärt, wie sie sich den angekündigten Abbau der 50 Stellen vorstellen. Springer hofft auf freiwillige Ausstiege und lockt mit lukrativen Angeboten. Selbst der Abbau über Sozialplan als Ultima Ratio kann sich noch sehen lassen. MEEDIA nennt die Details.

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Der Termin am Montag war von der Welt-Belegschaft mit Spannung erwartet worden. Ende Februar verkündete WeltN24-Chefredakteur und -Herausgeber Stefan Aust, dass es in seiner Redaktion zum Stellenabbau kommen wird. Im Zuge der Fusion von Welt und dem Nachrichtensender N24 und angesichts eines zu großen Redaktionsapparates sollen 50 Arbeitsplätze wegfallen. Die Stimmung seitdem ist angespannt. Unter anderem machten sich Gerüchte von einer Liste mit Kündigungskandidaten breit – die es tatsächlich auch gibt.

Doch bedeutet der eigene Name auf der Liste nicht gleich die Kündigung. Denn Springer versucht es offensichtlich erst einmal mitarbeiterfreundlich. Wie der Branchendienst Kress bereits berichtet hat, setzen Aust und Caspar zuerst auf freiwillige Abgänge. Mitarbeiter sollen mit großzügigen Angeboten überzeugt werden, das Unternehmen möglichst schnell zu verlassen.

Nach Informationen von MEEDIA wird die Abfindungssumme, die sich aus der übergreifenden Gesamtbetriebsvereinbarung von Axel Springer ergibt, um 35 Prozent erhöht. Zusätzlich werden die Mitarbeiter, die das Haus freiwillig verlassen, noch bis Jahresende bezahlt, gleichzeitig aber mit sofortiger Wirkung freigestellt. Auf Nachfrage hat Axel Springer diese Details bestätigt.

Wer vor Ablauf des Jahres eine neue Stelle findet, dürfe sie antreten und bekomme das Geld trotzdem, heißt es aus Redaktionskreisen weiter. Der Betriebsrat hat einige Modellrechnungen als Beispiele für mögliche Angebote genannt. So könnten über 50 Jahre alte Mitarbeiter mit 20-jähriger Betriebszugehörigkeit 160.000 Euro kassieren. Jungen Mitarbeitern mit geringer Betriebszugehörigkeit stünden dem Vernehmen nach 18.000 Euro zu. Je nach Familienstatus und anderen Sozialfragen können diese Angebote noch variieren.

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Drei Wochen haben die Angestellten Zeit, um sich das Angebot zu überlegen und die Welt-Chefs aufzusuchen – diese allerdings behalten sich ein Veto-Recht vor. Will die Welt auf den Mitarbeiter nicht verzichten, kann sie ihm das Angebot entziehen. Melden sich weniger als 50 Mitarbeiter, auf die Aust auch verzichten kann, tritt für weitere drei Wochen eine zweite Phase in Kraft. Dann gehen die Welt-Chefs auf die Mitarbeiter zu. An den Konditionen der Angebote ändert sich nichts.

Werden sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht einig, soll der Sozialplan in Kraft treten. Wie dieser genau aussieht, sei noch nicht vollends ausgearbeitet. Doch sollen auch hier die Abfindungen um fünf Prozent erhöht werden. Egal ob die Mitarbeiter freiwillig gehen oder per Sozialabbau gegangen werden: Allen will die Welt bis zum Ausscheiden Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten, um für den Markt noch einmal attraktiver zu werden. Bis zu 5.000 Euro Fortbildungsbudget pro Kopf seien vorgesehen. Eine Springer-Sprecherin dazu: „Ziel ist es, allen betroffenen Mitarbeitern ein attraktives Angebot zu machen, um sie bei ihren nächsten Schritten bestmöglich zu unterstützen.“

Trotz der großzügigen Angebote, die Axel Springer vermittelt, werden im Zweifel auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. In der Versammlung, zu der schätzungsweise zwischen 250 und 300 Mitarbeiter in einen extra angemieteten Konferenzraum im 19. Stock des Axel-Springer-Hochhauses gekommen waren, erklärten die Welt-Chefs auf Nachfrage auch, weshalb die Rationalisierungen nur den Welt-Teil der Belegschaft treffen und nicht N24. Die Antwort war eindeutig wie auch einleuchtend: N24 habe bereits heftig gelitten. Als Aust den Sender damals übernahm, setzte er nach Sparmaßnahmen ein weiteres Restrukturierungspaket samt Stellenabbau um.

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Alle Kommentare

  1. Was bekommt man denn als Abfindung, wenn man sich der Springer-Presse mehr 40 Jahre lang verweigert hat? Das müßte doch auch etwas Wert sein?

    Enteignet Springer, bevor sie sich selbst zerlegen!

  2. Wo sollen sich die Print-Welt, welt.de und WamS strategisch hinentwickeln? Diese Frage hätte man mal beantworten sollen.
    Wiese muss ein 70-jähriger, aus der Zeit gefallenen Typ wie Aust eigentlich so eine Umstrukturierung managen? Der ist doch in zwei Jahren sowieso weg.

  3. Im Zuge der Vorwürfe „Lücken-Presse“ zu sein, habe ich darauf hingewiesen, dass Leser und Print sich immer weiter entfremden. Leser würden mit aller Gewalt zu den vielfältigeren sozialen Medien hingetrieben, weil sie das Vertrau- en verlören. Ein seit Jahren schleichender Prozess, der bei den ÖR gut sichtbar ist. Frau Merkels Politik ist es nicht wert, dass sich jemand in den Redaktionen unterordnet. Herr Aust muss aufpassen, dass es DIE WELT in 2 – 3 Jahren noch gibt. Dass H. Kohl nun Herrn Orban unterstützt, ist lehrreich. Für Herrn Aust per-
    sönlich: „Erfolghaben ist Pflicht!“

  4. Angesichts des Sparwillens seines leitenden Multimillionärs muss Döpfner nur noch darauf achten, dass mit Aust nicht die Pferde durchgehen und er wieder teure alte Marotten pflegt: Erster-Klasse-Dienstreisen auf die Dächer dieser Welt oder die Suche nach dem total verrückten Bernsteinzimmer.

  5. wer über 50 ist, 20 Jahre bei WELT oder ASV war und jetzt 160.000 Euro fürs Aufhören kassiert, sollte wissen, dass er in diesem Alter im Medienbereich keinen neuen Job mehr bekommt. Unter diesem Gesichtspunkt wären mir 160.000 zu wenig und ich würde nicht freiwillig gehen.

    1. Stimmt, dass wird schwer mit über 50, weiss ich aus eigener Erfahrung:
      1. bekommt man nur sehr, sehr schwer überhaupt wieder einen Job in der Medienbranche
      2. wird ein neuer Job höchstwahrscheinlich nicht mehr so hoch vergütet wie der alte
      3. muss man die 160 T€ ja noch versteuern, da bleibt dann nicht mehr viel über 100 T€ übrig…

  6. Glücklich wer Scheinselbständig. Das Abfindungspotential lässt sich mit 10 potenzieren. Denn eines ist klar: das läuft so wie bei G+J. Erst die Möhre und dann der Abschied ins Nirvana. Die Qualitätsmedien sind sämtlich so erfolgreich, dass alle betriebsbedingt kündigen müssen. Wurde hier nicht noch vor kurzem Jubelmeldungen über das Auflagewachstum vermeldet?

  7. Ließe sich da nicht auch ein gutes Stück Zynismus herauslesen? „Du bist zu blöd für den Job bei uns, deshalb müssen wir dich rausschmeißen. Damit dir nicht noch einmal so etwas passiert, geben wir dir aber Geld für deine Fortbildung …“

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