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Erdogan: Medien sollten Kritik nicht mit Beleidigung verwechseln 

Satiriker Jan Böhmermann (l.) und der türkische Staatspräsident Erdogan
Satiriker Jan Böhmermann (l.) und der türkische Staatspräsident Erdogan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Medien bei aller Kritik zu einem fairen Umgang mit der Politik aufgefordert. "Wir sollten Kritik nicht mit Beleidigungen und Diffamierung verwechseln", sagte der Staatschef im Interview mit dem Sender CNN am Donnerstag (Ortszeit). Es müsse Grenzen geben, auch für Satire. Gerade hat das ZDF eine Erdogan-Schmähkritik von Jan Böhmermann gelöscht.

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Es sei nicht in Ordnung, ein Thema in einer Karikatur bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen, sagte Erdogan in der CNN-Sendung „Amanpour“. Es sei nur natürlich, dass er in so einer Situation Rechtsanwälte einsetze, um zu seinem Recht zu kommen.

In Deutschland hatte das NDR-Fernsehmagazin „extra 3“ am 17. März einen satirischen Beitrag über Erdogan ausgestrahlt, der auf YouTube mittlerweile fast fünf Millionen Mal angeklickt wurde. Der Beitrag des Satire-Magazins mit der Musik von Nenas Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ enthält Textzeilen, wie „Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast“. Der türkische Präsident reagierte erbost, der deutsche Botschafter in Ankara wurde einbestellt.

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Im Interview mit der CNN-Journalistin Christiane Amanpour betonte Erdogan, dass er keinen Krieg gegen die Medien führe. „Wir haben nie etwas getan, um die Medienfreiheit einzuschränken.“ Die türkische Regierung habe viel Geduld gezeigt. Das ZDF hat am Freitag eine Schmähkritik des „Neo Magazin Royale“-Moderators Jan Böhmermann aus der Mediathek entfernt und bei YouTube sperren lassen. In dem Schmäh-Gedicht wurde Erdogan obszön beleidigt und diffamiert. Ein ZDF-Sprecher sagte, der Beitrag aber nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt, entsprochen. Bei der linearen Ausstrahlung der Sendung am heutigen Freitagabend wird das Schmäh-Gedicht herausgeschnitten.

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Alle Kommentare

  1. Wen eine Medien Hat keine Respekt Für Seine President Dan Hat auch keine Respekt Anderem land President Auch Nicht
    solche Sache finde ich einfach Blöd sin und

    EIN-VERSICHTIG

  2. Ach Gottchen – das war Trittbrettfahrerei auf Schülerzeitungsniveau. Vergleichbar einem Gossen-Reim auf Niveau wie „Böhmermann, Böhmerfrau, BöhmerSau“.

    Nur das ich das natürlich nie so schreiben würde, denn „das ist ja in Deutschland verboten“. Auch die Löschung beim ZDF war ja schon eingeplant. Da war extra3 wenigstens noch witzig.

    Laut ZDF-Flurfunk hat Böhmermann ja von Bellut eine (nicht eingeplante) Abmahnung gekriegt. Ob er deren Text auch veröffentlicht? Oder hat Böhmermann jetzt Angst vor der finalen Provokation des Intendanten?

  3. Es bestätigt lediglich, daß es in Deutschland Menschen gibt, insbesondere im staatlichen Fernsehen, die von Polit-Satire keine Ahnung haben.

  4. ganz ehrlich, der Böhmermann Beitrag war einfach nur peinlich. Für mich ist das keine Satire und ich finde, dass das ZDF vollkommen korrekt gehandelt hat. Auch das „schwul“ als Beleidigung eingesetzt wurde, ist für mich überraschend und nicht zeitgemäss. Eigentlich hat sich Böhmermann wie Erdogan verhalten.

  5. Dieser Vorgang zeigt nichts anderes als wer in Deutschland über den „unabhängigen“ Rundfunk zu bestimmen scheint. Das sich so darstellende Bild deutet an: das ZDF tanzt nach der Pfeife von Frau Merkel und diese gehorcht Herrn Erdogan. Hat Frau Merkel also Deutschland zum türkischen Vasallenstaat gemacht? Eine reizvolle (hypothetische) Frage wäre noch, was hätte jetzt die von den Medien gemiedene Frau Petry an Stelle von Frau Merkel als Kanzlerin gemacht? Hätte sie auch möglicherweise in das Qualitätsmanagement des ZDF eingegriffen?

    1. „Eine reizvolle (hypothetische) Frage wäre noch, was hätte jetzt die von den Medien gemiedene Frau Petry an Stelle von Frau Merkel als Kanzlerin gemacht?“

      Steht doch im vorläufigen Programm der AfD, was die jetzt gemacht hätte. Die Öffentlichen Rechtlichen wären jetzt abgeschafft oder privatisiert und stattdessen hätten wir ein durch Steuern finanziertes Parteienfernsehen. Dieses neue Medium würde uns bestimmt so unabhängig informieren können, wie z.B. „Russia Today“ oder „Die Junge Freiheit“. Im Übrigen stehen Petry und Erdogan politisch auf derselben Seite des Spektrums. Nun darf sich jeder überlegen, wo das wohl ist…

      1. Sie haben eine interessante Vorstellung von „unabhängigen“ Medien, wenn Sie im selben Atemzug „Russia Today“ nennen. Der Sender wird zu 100% vom russischen Staat finanziert – was soll daran unabhängig sein???

  6. Und Schiedsrichter, was Kritik und was Beleidigung ist, ist dann Herr Erdogan?

    Ich stelle mir gerade Herrn Middelhoff und Herrn Hoeneß als Richter des Bundesgerichtshof vor.

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