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Allegra-Comeback ohne Tipps für ein glückliches Leben und einen tollen Body

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Ende der 90er-Jahre galt die Allegra als echte Alternative zu den herkömmlichen Frauenzeitschriften. Sie war – zumindest kurzfristig - sehr erfolgreich und einflussreich. 2004 wurde sie mangels wirtschaftlicher Perspektive eingestellt. Jetzt ist die Allegra zurück. Nicht mehr als alternative, sondern nur noch als gut gemachte Frauenzeitschrift. Allerdings besteht schon wieder die Gefahr, dass sie für ihre Zielgruppe fast zu gut gemacht ist.

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Gleich zum Hefteinstieg spricht sich die Redaktion erst einmal Mut zu. Manchmal sei es ja so, dass man erst merke, was einem gefehlt hat, wenn es wieder da ist, heißt es im ersten Satz des Editorials. Bedeutet: Die Leser sollen durch die Wiederentdeckung der Allegra realisieren, dass ihnen die Zeitschrift eigentlich fehlt. Denn 2004 wurde sie eingestampft. Nach einer erfolgreichen Revival-Ausgabe 2014 verlegt Springer den Titel nun wieder regelmäßig.

Unter der Regie von Herausgeberin Michaela Mielke und Redaktionsleiterin Mareen Linnartz soll die Frauenzeitschrift künftig sechs Mal in diesem Jahr erscheinen.

Sich selbst erklärt Allegra als Zeitschrift, „in der Frauen nicht von der Venus kommen und Männer nicht vom Mars“. Ein Magazin, das für Frauen gemacht sei, die neugierig, souverän und lebensklug sind. „Die keine Tipps für ein glückliches Leben, einen tollen Body, eine großartige Karriere brauchen und die genau wissen: Niemand ist perfekt, und das ist auch gut so“. Das hört sich an, wie die Beschreibung von Gruner + Jahrs Neuling Barbara. Aber das muss nicht schlimm sein, immerhin ist der G+J-Newcomer eine Erfolgsgeschichte.

Im Gegensatz zum knalligen Heft aus Hamburg, kommt der neuaufgelegte Klassiker eher grau daher – zumindest beim Blick auf das Cover. Einziger Farbtupfer ist die rote Schrift. Die Titelgeschichte dreht sich um die Frage: „Lebe ich mein Leben? Wie man herausfindet, was man wirklich will“. Überhaupt sind Fragen das Stilmittel der Wahl beim Verkaufen der Storys. So will die Redaktion klären, wie man als Blogger Geld verdient oder wie es Frauen schaffen, die sich in einen Flüchtling verliebt haben?

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Auch im Heft wird in den Headlines kräftig weitergefragt: „Wie eröffnet man eigentlich ein Restaurant?“, „Wie perfekt wollen wir leben?“.

Grundsätzlich gelingt der neuen Allegra der Spagat zwischen der richtigen Dosis Nostalgie und dem Zwang, modern sein zu müssen. So gibt es auf der einen Seite Hashtags und Instagram-Optiken, andererseits gibt es ein lesenswertes Interview mit Nicolette Krebitz, dem deutschen It-Girl der 90er-Jahre.

Journalistisch verortet ist die neue Allegra im Dreieck zwischen Neon, Maxi und Flow. Doch für die studentisch, naiven Probleme der typischen Neon-Leserin ist der Neuling emotional wohl zu erwachsen, für das Maxi-Umfeld zu intelligent für Flow dann doch noch zu hektisch.

Also könnte das Comeback-Heft mittelfristig unter ähnlichen Problemen leiden wie früher schon einmal. Auch damals war Allegra ein journalistisch klasse gemachtes Heft, das stets beste Kritiken für sich verbuchen konnte. Die Leser waren zufrieden, nur griffen sie am Kiosk dann doch nicht häufig genug zu. Es lässt sich nur hoffen, dass sich bei der Allegra 2.0 dieses Drama nicht wiederholt, sondern der wiederauferstandene Frauen-Klassiker genügend Leserinnen findet. Verdient hätte Allegra es.

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