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„Fünf Minuten Himmel“ im „Tatort“-Check: schroff, schroffer Makatsch

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In der Kommunikation zum neuen Einzel-„Tatort“ mit Heike Makatsch war immer von „Event“ die Rede. Das hört sich nach guter Laune und viel positiver Energie an. Der erste Fall von Ellen Berlinger in Freiburg ist jedoch alles andere als ein warmherziger, süddeutscher Heimat-Krimi geworden. Makatsch überzeugt als schlaue und schlagfertige, aber auch emotional verschlossene Kommissarin.

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Die Story
Nach 14-Jahren kehrt Hauptkommissarin Ellen Berlinger in ihre Heimatstadt Freiburg zurück. Die letzten Jahre hat sie in London gelebt und gearbeitet. Ein anderes – offenbar professionelleres Umfeld – als die laschen Breigau-Cops, mit denen sie es jetzt zu tun hat. Bevor die Polizistin der Schwarzwald-Metropole den Rücken zukehrte, ließ sie ihre – mittlerweile 15-jährige Tochter – noch in der Obhut ihrer Mutter zurück. Seit dem hat sie ihr Kind nie wieder gesehen.

Bevor Berlinger ihrer Mutter und ihrer Tochter sagen kann, dass sie zurück ist, wird sie zu ihrem ersten Fall gerufen. Im Jobcenter wurde ein Sachbearbeiter tot an seinem Schreibtisch aufgefunden. Es handelt sich anscheinend um einen Selbstmord. Allerdings hätten wohl auch einige seiner arbeitslosen Kunden ein Motiv.

Aus diesem Setting entwickelt sich nun ein solider Krimi, der sich mit den Schattenseiten des Freiburger Öko-Idylls beschäftigt und zeigt, dass auch die sonst so beschauliche Stadt mit Gentrifizierung, Armut, verzweifelten Müttern und gelangweilten Jugendlichen zu kämpfen hat. Die Kids sind zudem auf der Suche nach einem lebensgefährlichen Kick. Natürlich hat auch Berlingers-Tochter Nina Kontakt zu ihnen.

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Die Story hinter der Story
Weit stärker als der Kriminalfall, ist der Versuch von Berlinger sich wieder ihrer Tochter zu nähern. Erst einmal ist sie völlig unfähig überhaupt mit ihrem Kind zu sprechen. Zur emotionalen Eskalation trägt bei, dass Berlinger wieder schwanger ist. Durch den ganzen Fall kämpft sie sich rigoros mit einem dicken Babybauch. Das erinnert immer wieder an die starke und schwangere Polizistin aus „Fargo“.


Was taugt das Drehbuch?

Ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen. Das Buch ist der Hauptdarstellerin auf den Leib geschrieben. Alle anderen lässt das Script eher blass aussehen. Der Kriminalfall ist gehobener Durchschnitt, verzettelt sich aber immer wieder in zu viel Klein-Klein.

 

Sind die Ermittler in Form?
Es gab viele Zweifler, aber Heike Makatsch ist eine echte Bereicherung für den „Tatort“. So schroff, verschlossen, aber auch pfiffig ermittelte schon lange Zeit mehr keine Frau. Mit ihrem Babybauch und der emotionalen Spannung durch das Verhältnis zu ihrer Tochter, bekommt der Film eine wunderbare Tiefe. Ihre Kollegen sind dagegen alle austauschbar. Wäre man gehässig, könnte man fast vermuten, dass die Star-Schauspielerin extra auf ein besonders tumbes Spiel der anderen Ermittler bestanden hat, damit sie sich noch positiver abheben kann.

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Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
„Fünf Minuten Himmel“ wurde von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg als „Green Shooting“-Pilotprojekt unterstützt. Ziel der wissenschaftlich begleiteten Initiative war es, ressourcenschonende Produktionsweisen zu etablieren und auszubauen. Passend zum Drehort Freiburg handelt es sich – zumindest in der Herstellung – um einen echten Öko-„Tatort“.

 

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Der Satz zum Mitreden

„Holt eine Schere“. Am Ende rettet Makatsch beim Verhör dank der Schere ein Leben. Die Schere steht aber auch für den hervorragenden, teil ruppigen Schnitt des Films und den Versäumnissen der Autoren. An manchen Stellen hätte man ein paar Verdächtige und Story-Wendungen ruhig wegschneiden können.


Eher peinlich

Eher peinlich wird es, sobald Makatsch auf ihre Kripo-Kollegen trifft, dann heißt es fremdschämen. Ganz schlimme Dialoge, die alle anderen Polizisten wie totale Trottel aussehen lassen.

Fazit
Zwei Frauen haben einen klasse Job gemacht. Heike Makatsch und die Arthaus-Regisseurin Katrin Gebbe („Tore tanzt“). Passend zur Hauptfigur schuf sie einen „Tatort“, der mit schroffen Schnitten und vielen Ecken und Kanten daher kommt. Damit bildet die Inszenierung das Gegenteil zu der harmonischen Öko-Welt, mit der man Freiburg sonst in Verbindung bringt. Die Hauptdarstellerin ist so stark, dass selbst der maue Kriminalfall nicht so arg ins Gewicht fällt. Die Makatsch kann ruhig als Kommissarin in Serie gehen, auch wenn die TV-Macher den Film erst einmal als „Event“ ankündigten. Sie gibt einen prima Gegenpool zu den vielen zu lustigen oder zu brutalen Ermittlern, die sich mittlerweile durch die Republik blödeln oder ballern.

 

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
7

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Alle Kommentare

  1. Ein Tatort, der mich ziemlich verwirrt hat. Kein guter Einstand für die Hauptdarstellerin, sie hätte ein besseres Drehbuch verdient.

  2. Ich kann die positive Bewertung dieses Filmchens nicht nachvollziehen. Schlechtes Drehbuch, noch schlechtere Schauspieler, haarsträubende Dialoge, absurde Handlungsstränge und als Krönung kaum verständlicher Dialekt provinziell zurückgebliebener Nebenfiguren. Getoppt höchstends noch von dem letzten Machwerk aus Dresden. Unterirdischer gehts kaum.

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