„Der AfD mit Normalität begegnen“ – Constantin Schreiber über den falschen Umgang der Medien mit den Rechtspopulisten

Dunja Hayali sei keine Aktivistin, wie AfD-Frau Frauke Petry (l.) behauptet, meint Constantin Schreiber
Dunja Hayali sei keine Aktivistin, wie AfD-Frau Frauke Petry (l.) behauptet, meint Constantin Schreiber

Der bisherige Umgang der Medien mit der Alternative für Deutschland (AfD) hat Schaden angerichtet, meint n-tv-Moderator Constantin Schreiber. Die Berichterstattung laufe Gefahr, "eine persönliche Grundhaltung von uns Journalisten auszudrücken" und die Partei somit stärker zu machen. In seinem Gastkommentar fordert der Grimme-Preisträger, den Rechtspopulisten mit "Normalität" zu begegnen.

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Von Constantin Schreiber

Dunja Hayali engagiert sich gegen rechts. In Interviews, in Talkrunden und öffentlichen Auftritten. Ist sie deshalb Aktivistin statt Journalistin, wie es AfD-Politikerin Frauke Petry behauptet hat? Nein, denn sie trägt sicherlich ihre eigenen politischen und gesellschaftlichen Überzeugungen nach außen. Aber niemand, der ihre Interviews verfolgt, kann ihr ernsthaft vorwerfen, sie lasse sich von ihrem privaten gesellschaftlichen Engagement vereinnahmen. Ich selber habe das erfahren, als ich bei ihr zu Gast im Morgenmagazin war und wir gemeinsam mit Raif Badawis Ehefrau Ensaf über seinen Fall – Raif Badawi wurde wegen islamkritischer Blogeinträge zu 1.000 Peitschenhieben verurteilt –  und die Menschenrechtssituation im Nahen Osten sprachen. Da hat sie nicht weniger kritisch nachgehakt, als bei der Eurokrise oder der Russlandpolitik ­– oder eben bei der AfD.

Es ist sicherlich ein schmaler Grat, der zwischen abbilden, berichten und analysieren und einer inhaltlichen Positionierung verläuft, die Journalisten nicht gut steht – oder ganz einfach ihrem Auftrag als Kontrollfunktion nicht entspricht. Und bisweilen kann man tatsächlich nur den Kopf schütteln über die Ungeschicklichkeit, mit der manche offenbar das Richtige tun wollen, aber Schaden anrichten. Die SWR-Posse um das Ausladen der AfD aus der Elefantenrunde ist da sicherlich zu nennen, aber auch die offenbaren Bestrebungen Bremens, mit einer Gesetzesinitiative die AfD aus dem Rundfunkrat herauszuhalten. Wie soll da nicht der Eindruck entstehen, dass Medien und Mächtige versuchen, ihren Einfluss gegenseitig zu nutzen, um manche fernzuhalten? Auch die lauten Attacken von Bundesverteidigungsministerin von der Leyen gegen Beatrix von Storch in der Talkshow „Anne Will“ zählen für mich dazu. Zu laut, zu aggressiv. Da lässt sich leicht eine Opferrolle konstruieren.

Jene, die gegen Flüchtlinge sind, liefern Journalisten die fürchterlichen Zitate und Bilder, die zu ignorieren nicht möglich sind. Ein Video von Spiegel Online, das nach den AfD-Erfolgen in Bitterfeld entstand, zeigte auf erschütternde Weise, woraus sich die AfD speist. Ein älterer Mann sprach ganz selbstverständlich über „Neger“, weitere Einwohner stimmten ein in den pauschalisierten Vorwurf „die kriegen alles viel leichter“. Das Video ist für mich ein herausragend positives Beispiel für Berichterstattung über die AfD und ihre Anhänger, denn es brauchte nur die Zitate und keine Wertung, um beim Zuschauer Entsetzen auszulösen.

31,9 Prozent – in Bitterfeld erzielte die AfD ihr stärkstes Ergebnis. Was die Wähler dort über Flüchtlinge sagen, ist schockierend.

Posted by SPIEGEL ONLINE on Monday, March 14, 2016

Als Macher der Flüchtlingssendung „Marhaba“ liegt mir nichts ferner, als der AfD und ihren Gesinnungsgenossen zur Seite zu springen, wenn ich feststelle: Ja, die mediale Berichterstattung läuft häufig Gefahr, eine persönliche Grundhaltung von uns Journalisten auszudrücken. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung, sich bei jeder Schlagzeile, jeder Geschichte und jeder Frage zu überlegen: Mache ich mich gemein mit einer Überzeugung, die die allermeisten von uns teilen, die aber in dieser Situation einfach nichts zu suchen hat? Denn letztlich liefert jede Wertung, jede Zuspitzung denjenigen Argumente, die nur danach suchen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen. Je sachlicher wir aber eine Debatte mit denen führen, deren Inhalte von sich heraus der überwiegende Teil der Menschen ablehnt, desto mehr wird der Eindruck der AfD und ihrer Opferrolle entzaubert. Normalität ist das wirksamste Gegengift.

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Alle Kommentare

  1. Das SPIEGEL-Video ist ein Highlight der Manipulation zuungunsten der AfD. Zunächst kann man keine zufällig auf der Straße aufgenommene Aussage eines Bürgers irgendeiner Partei zum Schaden auslegen! Die Arbeitsweise der sehr jungen SPIEGEL-Journalistin: Sie rennt mit dem Mikro während der Arbeitszeit durch Bitterfeld, die Straßen leergefegt, und hält dies Mikro Leuten unter die Nase, die während der Berufsarbeitszeit offensichtlich Zeit haben. Das ist angesichts dessen, daß überwiegend Berufstätige die AfD wählen, sowas von nicht-repräsentativ, daß ich es nicht wagen würde solch stümperhaftes Video zu veröffentlichen. Der SPIEGEL hat offenbar diese Scham längst nicht mehr (BILD läßt grüßen!). Und der nette N-TV-Mann hat offensichtlich auch keine Hemmung, diese journalist. „Leistung“ prima zu finden. Das Video ist zumindest unbewußt mit allzu typischen Vorurteilen in Kopf+Herz entstanden und gefertigt worden. MOIN!

  2. Das Problem zeigt sich schon im Titel dieses Artikels. Wie kann es sein, dass etwas ganz normales wie eine seriöse und neutrale Berichterstattung als tolle Erkenntnis gehandelt wird?
    Letztlich sind alle Parteien und Politiker Populisten, ob nun Rechts-, Links-, oder Mittenpopulisten und es kann nicht sein, dass sich „seriöse“ Journalisten anmaßen zu entscheiden, welcher Populismus gerade gut oder schlecht ist.
    Genau das ist der Grund warum der Begriff „Lügenpresse“ erfolgreich und mehr oder weniger zu recht reaktiviert werden konnte. Letztlich mag dieser Begriff nicht im wörtlichen Sinne den Kern des Problems widerspiegeln, aber diese „Rechst-Honks“ sehen so etwas halt nicht so differenziert (ich darf die so nennen da ich kein Journalist bin).
    Würden sich die Journalisten mal auf den mittenpopulistischen Schwachsinn von Frau Merkel in entsprechend krasser Form einschießen, wären die Dinge heute anders. Die bezeichnet z.B. grundsätzlich einfach mal eben so alle ihre Fehlentscheidungen in perfekt-perfider Form als jeweils „alternativlos“. Sie säuselt auch hinterhältig in Richtung deutscher Bevölkerung „Wir schaffen das“ anstatt, weniger populistisch die Wahrheit zu sagen: „Ihr habt das zu schaffen, weil ich das jetzt einfach mal so entscheide und damit meine ich ganz Europa“.
    Herr Schreiber, Sie haben absolut recht, aber es ist erschreckend, dass Sie diese Selbstverständlichkeit unseren „seriösen“ deutschen Journalisten erklären müssen.

  3. constantin schreiber macht mit seiner arabischsprachigen sendereihe marhaba – willkommen in deutschland, die sich direkt an araber wendet, werbung im orient fuer migration nach deutschland. ausfuehrlich wird da berichtet, wie das deutsche sozialsystem funktioniert und wie man da rein kommt, wie man in deutschland medizinische betreuung erhalten kann, wie der familiennachzug funktioniert und wie wunderbar deutschland ist, wenn man sich nur auf den weg dahin macht. alles in arabisch durch herrn schreiber erklaert. merkel versucht verzweifelt den fluechtlingsandrang durch teure tuerkei deals zu stoppen und konstantin sendet froehlich weiter seine sendung in arabisch, die sich an arabische migranten und solche, die es werden wollen, wendet. er sabotiert damit direkt die derzeitige fluechtlingspolitik der kanzlerin und kapiert es wahrscheinlich nicht einmal in seiner einfalt. marhaba – willkommen in deutschland. – die sendung gehoert abgesetzt. sie ruft noch mehr araber dazu auf, nach deutschland zu kommen. sie ist counterproduktiv in der derzeitigen krise und gefaehrlich.

  4. Nachdem man nun keinen Erfolg mit der undemokratischen Hexenjagd gegen die AFD hatte versucht man es mit Bauernfängerntricks ala Schreiber irgendwie die AFD in die Knie zu Zwingen, macht euch keine Hoffnung ihr Antidemokraten aller Coleur die AFD ist gekommen um zu bleiben und sie wird die Stimme der Vernuft in Deutschland bleiben.

  5. Das ist ein guter Artikel.
    Mich erstaunte auch oft, wie hysterisch so manche Diskussion mit/über die AfD geführt wurde. Diese Partei hat, rein sachlich gesehen, keine Chance. Warum warten wir nicht ruhig ab, bis sie sich selbst demontiert?

  6. Frauke Petry im Gespräch mit Tim Sebastian bei „Conflict Zone“
    (aus dem Englischen übersetzt von Pierre Marron)

    Sebastian: Die „conflict zone“ findet diese Woche in Leipzig statt und mein Gast ist Frauke Petry, Anführerin der Anti-Einwanderer-Partei AFD, die in den kürzlich erfolgten regionalen Wahlen große Erfolge feierte. Die Partei warnt mit apokaplyptischen Begriffen davor, dass die deutsche Kultur und Identität von den bereits angekommenen und den noch kommenden Migranten bedroht wird. Eine begründete Sorge oder steckt dahinter etwa etwas Böses?

    Sebastian: Frauke Petry, willkommen bei „Conflict Zone“.

    Petry: Danke.

    Sebastian: Sie sind bekannt als die eine deutsche Anführerin, die die Möglichkeit aufgeworfen hat, als letzten Ausweg auf Flüchtlinge an der Grenze zu schießen. Sind Sie stolz darauf?

    Petry: Nun, sehen Sie, ich habe das eigentlich nie gesagt und die Frage danach, wie die deutschen Grenzen kontrolliert werden sollen, führte zu sehr merkwürdigen Situationen in der Öffentlichkeit, denn es gab überall Schlagzeilen, die das Gegenteil von dem aussagten, was ich gesagt hatte.

    Sebastian: Und was Sie in den Zeitungen gesagt haben – wenn ich Sie erinnern darf – ist, dass „[deutsche Grenzpatrouillen] illegale Grenzübertritte verhindern müssen und wenn nötig sogar mit Waffengewalt. Ich möchte das auch nicht. Waffengewalt ist der letzte Ausweg.“

    Petry: Richtig.

    Sebastian: Das ist genau das, was Sie gesagt haben.

    Petry: Ja, aber…

    Sebastian: Also haben Sie die Möglichkeit auf das Niederschießen von Flüchtlingen aufgeworfen…

    Petry: Warum…

    Sebastian: …als letzten Ausweg.

    Petry: Ja, ich habe im Grunde ein deutsches Gesetz, das immer noch existiert, zitiert und als ein letzter Ausweg ist der Einsatz von Waffengewalt möglich, aber wir stimmen darin überein, wir alle stimmen darin überein, dass wir nicht wollen, dass es zu diesem letzten, äußersten Fall kommt.

    Sebastian: Aber warum bringen Sie in einer so hochgeladenen Atmossphäre dieses Schreckgespenst auf, dass die Leute tatsächlich an der Grenze erschossen werden sollen?

    Petry: Eigentlich – Noch einmal, der Einsatz von Waffen ist nicht das selbe wie der Einsatz von Waffen gegen Menschen. Noch einmal, ich denke, dass es sehr…

    Sebastian: Sie wollen damit doch nicht sagen: Schießt in die Luft.

    Petry: Das wäre das erste, was zu tun wäre, natürlich. Sehen Sie, ich habe dieses Thema noch nicht einmal selbst aufgebracht. Die Frage ist doch, welche Themen von den Journalisten aufgebracht werden, um unsere Partei in einer speziellen Art und Weise dastehen zu lassen. Und wenn es…

    Sebastian: Sie sind nicht verantwortlich für das, was Sie sagen?

    Petry: Aber sicher, ich bin sehr verantwortlich für das, was ich sage, aber noch einmal, die Grenzen zu sichern, sie zu überwachen, wie es jetzt 26 von 28 europäische Staaten tun ohne Deutschlands Hilfe, ist etwas, worüber wir reden müssen. Und wenn eine demokratische Partei das Problem aufzeigt, dass es unseren Grenzpatrouillen, unseren Polizisten nicht erlaubt ist, ihren Job zu machen, weil die Regierung sich im Grunde weigert, die Verantwortung für unsere nationalen Grenzen zu übernehmen, dann ist es nicht eine Partei wie die AFD, die das Problem darstellt, sondern unsere Regierung.

    Sebastian: Ok, aber Sie sind die einzige, die es angesprochen hat. Ich möchte nur…

    Petry: O nein, das, noch einmal, es tut mir leid, das ist nicht wahr. Da gibt es den grünen Politiker Boris Palmer und auch…

    Sebastian: Der über das Niederschießen von Menschen geredet hat?

    Petry: Ja, er sprach über die Sicherung europäischer Grenzen…

    Sebastian: Ja, aber er hat nicht, er hat nicht von Waffengewalt gesprochen.

    Petry: O doch, sicher, das hat er.

    Sebastian: Wann? Wann? Wann?

    Petry: O ja. Vor Wochen in der Öffentlichkeit und Sie können es in einer Reihe von Zeitungen nachlesen.

    Sebastian: Wirklich?

    Petry: Ja.

    Sebastian: Sie haben, Sie haben diese Möglichkeit aufgeworfen und ich würde dieses Thema gerne noch ein wenig mit Ihnen untersuchen, denn…

    Petry: Ja, aber ich denke, wir sollten die Dinge richtig darstellen, denn ich habe dieses Thema nicht aufgebracht. Wir haben deutsches Recht zitiert und es waren hauptsächlich viele Zeitungen in Deutschland, die das ganze Thema verdreht haben und uns nachgesagt haben, dass wir Menschen erschießen wollen…

    Sebastian: Sie haben nicht gegen das Zitat argumentiert, das ich ihnen vorgelegt habe: „Müssen illegale Grenzübertritte verhindern und sogar mit Waffengewalt wenn nötig.“ Das haben Sie gesagt.

    Petry: Ich habe das gesagt…

    Sebastian: Ja.

    Petry: … aber ich habe nicht gesagt, dass auf Menschen geschossen werden soll.

    Sebastian: Aber genau das meint es doch, nicht wahr?

    Petry: … und zudem, nein, tut es nicht, nein, tut es nicht und ihre – das deutsche Gesetz belässt die Verantwortung bei den Grenzpatrouillen, bei den Grenzwächtern und überlässt es ihnen, in welcher Weise sie ihre Waffen nutzen, was…

    Sebastian: Also wenn es jemals die Gelegenheit dazu gäbe, Frauke Petry, wenn so etwas jemals passieren würde, würden Sie den Grenzpatrouillen den Befehl geben als letzten Ausweg auf unbewaffnete Flüchtlinge an ihrer Grenze zu schießen?

    Petry: Sehen Sie…

    Sebastian: Wären Sie in der Lage so etwas zu tun?

    Petry: Sehen Sie, das ist der Unterschied zwischen dem sogenannten „Schießbefehl“, welcher tatsächlich gültig war…

    Sebastian: Ich habe Ihnen eine direkte Frage gestellt. Ich habe Ihnen eine direkte Frage gestellt.

    Petry: Lassen Sie mich…

    Sebastian: Ich habe Ihnen eine direkte Frage gestellt.

    Petry: Lassen Sie mich…

    Sebastian: Ja oder Nein.

    Petry: Sie müssen meine Antworten auch annehmen.

    Sebastian: Sie wollen keine direkte Antwort geben.

    Petry: O doch, ja bitte, aber…

    Sebastian: Sie wollten die Aufmerksamkeit, nicht wahr?

    Petry: Nein, überhaupt nicht…

    Sebastian: Sie habe es genossen, diese Schlagzeilen zu erhalten.

    Petry: Nein, ich habe diese Schlagzeilen nicht hervorgebracht und ich habe dieses Thema nicht aufgeworfen.

    Sebastian: Aber sie wussten, dass Sie eine Menge Schlagzeile erhalten würden durch die Art und Weise wie sie geantwortet und gesprochen haben.

    Petry: Also soll ich nicht…

    Sebastian: Sie müssen das gewusst haben.

    Petry: Soll ich die Frage nicht beantworten? Ist das…

    Sebastian: Ich bestehe darauf. Denn in einer ihrer geleakten E-mails, die von vice news veröffentlicht wurde, stand, das sagen Sie darin, vielleicht haben Sie es auch nicht gesagt: „Pointierte und manchmal provokative Statements sind notwendig, um die Medien auf uns aufmerksam zu machen, um uns die notwendige Aufmerksamkeit zu sichern.“ Haben Sie das geschrieben?

    Petry: O ja, natürlich, ich habe…

    Sebastian (während Petry ihm ins Wort fallen will): Da haben Sie ihr pointiertes und provokatives Statement, nicht wahr? Sie wollen diese Schlagzeilen, sie sehnten sich verzweifelt danach.

    Petry: Aber Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass dies etwas Neues in der Politik wäre, denn alle Politiker tun das und besonders für eine kleine Partei ist es manchmal schwierig, einen Platz in den Medien zu finden, um ihre Ideen zu erklären. Es ist notwendig…

    Sebastian: O, also sind Sie jetzt das Opfer?

    Petry: O nein, überhaupt nicht. Aber dieses neu zu nennen bedeutet, dass Sie die Medien nicht verstehen. Ja sicher, manchmal ist man provokativ, ich meine, (Sebastian will sie unterbrechen, sie sagt fünfmal „warum macht“), aber noch einmal, Sie stellen es nicht so dar, wie es ist und ich bin überrascht, denn noch einmal, wir haben dieses Thema nicht aufgebracht, aber ich meine, wenn Sie die AFD auf diese Art von Frage reduzieren wollen, dann können wir während Stunden so weitermachen, aber wir werden am Ende keine Ahnung davon haben, wer die AFD wirklich ist, wenn unser Ziel also darin bestehen soll, zu verstehen…

    Sebastian: Wir werden uns noch ganz viel mit der AFD auseinandersetzen.

    Petry: Dann lassen Sie uns bitte nicht auf diesem einen Punkt rumhacken und noch einmal, ich denke, wir sollten differenzieren und die Frage – und tut mir leid, das haben Sie nicht getan.

    Sebastian: O, das hab ich. Ich habe versucht eine direkte Antwort von Ihnen zu erhalten, aber das habe ich nicht geschafft.

    Petry: O doch, das haben Sie.

    Sebastian: In Ordnung, in Ordnung, okay. Ihr vorheriger Anführer, Bernd Lucke, und eine Reihe seiner ehemaligen Kollegen – die sagten wie froh sie seien, die AFD hinter sich gelassen zu haben… – Er sprach davon, dass die Partei infiltriert worden sei von „xenophobischen, rassistischen, nationalistischen, antisemitischen, islamophobischen, homophobischen, rechten und linken Extremisten“. Erkennen Sie Ihre Partei in dieser Beschreibung wieder?

    Petry: Nein, tu ich nicht. Und ich finde es unfair, wenn dies als Frage gedacht war, dann haben sie durch diese Frage erwartet, dass ich mich gegen alle diese Vorurteile wehren würde und das werde ich nicht tun.

    Sebastian: Nein, ich frage Sie, warum ein Mann, der ihre Partei so gut kannte, warum einer ihrer Anführer, warum er so etwas sagen würde, wenn es nicht wahr ist? Und Sie sagen mir ja, dass es nicht stimmt.

    Petry: Wenn man eine Partei verlässt, in der man versagt hat, was sind die Möglichkeiten, die einem bleiben? Alles hinter sich lassen und der Öffentlichkeit mitteilen, dass man versagt hat oder die Partei verlassen und zerstören, was man hinter sich lässt? Das sind die zwei Möglichkeiten, die man hat.

    Sebastian: Aber ich kenne nicht viele Parteimitglieder, die ihre Partei verlassen und solche Dinge über diese verbreiten: Xenophobisch, rassistisch, nationalistisch…

    Petry: Ja, aber das ist Müll, entschuldigen Sie. Die AFD setzt sich zusammen aus vielen Arten von deutschen Bürgern und sogar aus Menschen, die im Ausland leben, die denken, dass Demokratie sehr oft versagt, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa, dass wir Verträge haben, die gebogen, wenn nicht sogar gebrochen werden und dass es notwendig ist, die Bürger wieder dazu zu bringen, sich wie Bürger zu verhalten und nicht nur wie Konsumenten. Es sind im Grunde also Menschen, die die Idee teilen, das zu bewahren, was wir nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.

    Sebastian: Ok, alles klar, ok. Hans-Olaf Henkel, ebenfalls ehemaliges Mitglied der Partei, er macht sich Sorgen darüber, so stellt er es dar, dass er dabei geholfen hat, ein Monster auf die Welt zu bringen.

    Petry: Ja, sehen Sie, dürfte ich Ihnen ebenfalls eine Frage stellen: Warum wählen Sie diese Leute aus, die offensichtlich in der Partei versagt haben und präsentieren mir ihre Sichtweisen…?

    Sebastian: Weil sie die Partei ganz genau kannten, nicht wahr? Kannten sie die Partei etwa nicht gut?

    Petry: Ich meine, Bernd Lucke tat es, Olaf Henkel tat das nie.

    Sebastian: Er kannte sie nicht?

    Petry: Nein, er tat es nie, leider nicht.

    Sebastian: Vielleicht…

    Petry: Ich habe es ihm sogar selbst persönlich gesagt, also habe ich kein Problem damit, es in aller Öffentlichkeit zu tun. Also noch einmal, ich meine, sind Sie interessiert an unseren Ideen…?

    Sebastian: Ja, dazu werde ich noch kommen…

    Petry: Das sind Sie offensichtlich nicht, denn alles, was Sie machen, ist mir Zitate zu präsentieren von Menschen, die die Partei augenfällig nicht mögen. Stattdessen sollten Sie mir lieber Fragen stellen, wie wir die deutsche und europäische Politik verändern wollen.

    Sebastian: Sie können die Fragen beantworten, wie Sie wollen, aber ich werde die Fragen stellen, die ich stellen will. Denn das ist es, was eine freie Presse tut.

    Petry: O ja, das können Sie gerne tun…

    Sebastian: Es sei denn, Sie wollen mir ein Skript geben und mich dazu auffordern, es vorzulesen.

    Petry: O nein, nein überhaupt nicht, aber es ist interessant, dass Sie mich nicht fragen, wie ich unsere Partei sehe, dass Sie mir keine Chance geben, sie vorzustellen…

    Sebastian: O, dazu werde ich noch kommen, wir haben massenhaft Zeit.

    Petry: Ok.

    Sebastian: Wir haben massenhaft Zeit. Es ist belegt, dass Sie gesagt haben, dass Toleranz gegenüber oder Kooperation mit extremen Parteien keinen Platz in der AFD hat, ist das richtig?

    Petry: Ja.

    Sebastian: Habe ich Sie korrekt zitiert? Und trotzdem finden Sie Gemeinsamkeiten mit der Pegida, patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlands. Die der Minister, der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, als „Neonazis in Nadelstreifen“ beschreibt. Sind Sie glücklich damit? Glücklich damit, mit denen verglichen zu werden?

    Petry: Was ist die genaue Frage?

    Sebastian: Sind Sie glücklich damit, mit einer Gruppe, die mit dem Etikett „Neonazis in Nadelstreifen“ versehen wird, in Verbindung gebracht zu werden, der Pegida-gruppe, von denen einer ihrer Gründer, Lutz Bachmann, die Flüchtlinge als „Vieh“ und „Abschaum“ bezeichnet?

    Petry: Sehen Sie, das Problem mit Pegida und den Pegida-anhängern ist, dass viele Menschen glauben, sie würden die Ziele dieser Gruppe kennen. Sie stecken all diese unterschiedlichen Bewegungen von vielen verschiedenen Orten in Deutschland in einen Topf und scheinen nicht gelesen zu haben, was die AFD auf der einen Seite und die Pegida-führung auf der anderen Seite eigentlich in der Vergangenheit darüber geschrieben haben. Also zuallererst waren wir diejenigen, die Anfang 2015 für eine Debatte eintraten, für eine offene Debatte mit Pegida, weil viele tausende von Menschen auf eine demokratische Weise für Monate in die Straßen demonstrieren gingen, wenn man jetzt zurückblickt über ein Jahr lang. Niemand von den anderen Parteien wollte überhaupt mit den Menschen reden und wir dachten uns, dass das in einer demokratischen Gesellschaft keine gute Idee ist und…

    Sebastian: Sie sind die selbstverständlichen Verbündeten von Pegida, sagt Alexander Gauland.

    Petry: Nein, sind wir nicht.

    Sebastian: Nun, das hat er gesagt, Alexander Gauland hat das erwiesenermaßen gesagt.

    Petry: Ich weiß, was er gesagt hat, aber er hat gesagt wir sind die selbstverständlichen Verbündeten von Menschen, die in den Straßen demonstrieren. Das ist nicht das gleiche, wie wenn man ein Verbündeter der Organisatoren der Kommission ist. Wir haben nie…

    Sebastian: Sie haben gesagt…

    Petry: Wir haben nie…

    Sebastian: Sie haben gesagt, dass es eine beachtliche Deckungsgleichheit mit ihren Prioritäten gibt…

    Petry: Sehen Sie, die…

    Sebastian: …mit Pegida.

    Petry: Die AFD, die AFD wurde 2013 gegründet und es wurde, damals in 2013 festgesetzt, dass wir zum Beispiel im Hinblick auf Migrationspolitik in einer legalen und legislativen Weise unterscheiden müssen zwischen Asyl-gesetzen und Migrations-gesetzen.

    Sebastian: Ich versuche zu verstehen, wie sehr Sie sich Pegida verbunden fühlen.

    Petry: Wir fühlen uns ihnen gar nicht verbunden. Pegida war immer unabhängig von der AFD.

    Sebastian: Aber Marcus Pretzell, einer ihrer politischen Schlüsselfiguren…

    Petry: Und, und, lassen Sie mich diesen Satz beenden, und unsere Partei hat niemals in irgendeiner Weise mit Pegida zusammengearbeitet, aber wir denken, dass demokratische Parteien sich um die Demonstranten Gedanken machen sollte und offensichtlich…

    Sebastian: Ok, Marcus Pretzell, eines ihrer Parteimitglieder in Nordrhein-Westfalen, er sagte „wir hatten eine Diskussion darüber, ob wir die Euro Partei sind oder die Pegida Partei. Wir sind beides.“

    Petry: „Und wir sind noch viel mehr“. Sie sollten ihn in voller Länge zitieren, wenn sie schon zitieren.

    Sebastian: Ok, aber „wir sind beides“. Also sind sie die Pegida-partei?

    Petry: O nein, wir sind… ja… aber ich meine… das ist…

    Sebastian: Also stimmen Sie diesem Statement zu. Lassen Sie mich zurückkommen auf die Frage, die ich Ihnen gerade gestellt habe: Er beschreibt Flüchtlinge als „Vieh“ und „Abschaum“.

    Petry: Natürlich stimmen wir ihm überhaupt nicht zu und wir haben es viele Male gesagt, ich meine, noch einmal, Ihre Frage zeigt mir, dass Sie eine Verbindung herzustellen versuchen, die niemals existiert hat.

    Sebastian: Aber anstelle meine Motive lesen zu wollen, warum beantworten Sie nicht meine Frage?

    Petry: Ich habe nur gesagt, dass wir ein klares Statement herausgegeben haben, wir stimmen nicht überein mit dieser Art von, mit dieser Art von Stimme, wir haben uns nie in irgendeiner Weise mit Lutz Bachmann verbündet, also noch einmal…

    Sebastian: Der einer der Gründer von Pegida war.

    Petry: Bitte?

    Sebastian: Der einer der Gründer von Pegida war.

    Petry: Noch einmal, die Pegida-bewegung ist eine Bewegung in den deutschen Straßen von vielen, vielen deutschen Bürgern, die sich allein gelassen fühlen von der deutschen Politik, weil ihre Ideen, ihre Sorgen, ihre Probleme von keiner Partei aufgegriffen werden. Und das sollte etwas sein, über das wir reden. Warum müssen deutsche Menschen auf die Straße demonstrieren gehen, warum werden sie nicht berücksichtigt…

    Sebastian: Sie müssen es nicht, nicht wahr? Sie haben es sich ausgesucht.

    Petry: Ja, sie haben es sich ausgesucht, weil viele deutsche Parteien offensichtlich nicht ernst nehmen, was die deutschen Bürger denken. Und das war der Grund, warum wir dann gesagt haben: Ja, wir denken, dass es richtig ist, wenn ihr euer demokratisches Recht ergreift und gegen Regeln zu protestieren, die ihr nicht versteht, ist eine demokratische Art zu handeln und selbst wenn wir nicht mit allem einverstanden sind, was die Menschen in den Straße denken, so sollten wir sie doch ernst nehmen und…

    Sebastian: Ok…

    Petry: Und ich denke immer noch, das ist es, was demokratische Parteien tun sollten.

    Sebastian: Sie haben über die Presse geredet, die Hybris der staatlichen Medien mit ihren möglicherweise korrupten Verbindungen. Sie halten nicht viel von den Medien, nicht wahr?

    Petry: Nun, wir sehen in Deutschland, wir haben es schon vor langer Zeit gesehen, dass wir in vielen Fällen keine neutrale Berichterstattung haben, dass Kommentare und Berichte zusammengemixt werden in einer Weise, die…

    Sebastian: Haben Sie Beweise für diese korrupten Verbindungen?

    Petry: Es wird schwer für die Leser und Zuschauer zu sehen, wo der neutrale Bericht anfängt und wo die persönliche Sicht des Kommentators. Und das sollte nicht passieren, vor allem nicht in öffentlichen Medien, die durch Steuern bezahlt werden.

    Sebastian: Haben Sie Beweise für diese korrupten Verbindungen?

    Petry: Es würde mich interessieren, welches Zitat Sie mir da gerade präsentieren. Ich kann mich nicht daran erinnern irgendetwas wie „korrupt“ gesagt zu haben, ich sagte, ich habe gesagt…

    Sebastian: Sie sagten „möglicherweise korrupte Verbindungen“.

    Petry: Ich habe so oft gesagt, dass wir keine neutralen Medien haben und ja, ich denke, das ist wahr.

    Sebastian: Sie denken, dass die Medien unehrlich sind?

    Petry: Ich denke, dass wir sehr oft nicht neutral betrachtet werden, ja.

    Sebastian: Ok. Lassen Sie uns über den Islam reden, Haltungen gegenüber dem Islam. Der Islam, so sagen Sie, übermittelt eine Sicht vom Staat, die derjenigen, wie wir sie in Europa kennen, völlig fremd ist. Warum beschäftigt Sie das so?

    Petry: Sollten wir uns nicht sorgen um Sichtweisen, die nicht mit unserer demokratischen und liberalen Ordnung des Staates übereinstimmen?

    Sebastian: Welche Sichtweisen im besonderen?

    Petry: Nun, Sie wissen genau so gut wie ich, dass die Idee vom Staat von vielen – ich will mal nicht sagen des Islams als Ganzem, denn es gibt viele verschiedene Wege um den Islam zu leben – dass sie nicht übereinstimmen mit sagen wir mal dem deutschen Grundgesetz und anderen demokratischen Staaten. Sehen Sie sich die Sharia an.

    Sebastian: Also wollen Sie sagen, dass sie keine Wahlen haben, keine Parlamente, keine Staatsoberhäupter?

    Petry: Man erhält seine kulturelle Erziehung und man muss darüber nachdenken, wie diese kulturelle Erziehung, auch im Hinblick auf Religion, mit den demokratischen Gesellschaften im Zentrum Europas vereinbar ist. Und wir sehen sehr wohl, dass es da Unterschiede gibt. Nehmen wir zum Beispiel die Haltung des Islam gegenüber dem Christentum und dem Judentum. Sehr schwierig, nicht wahr?

    Sebastian (macht eine lange Pause): Sie beantworten die Fragen, ich stelle sie. Ich denke nicht, dass die Menschen meine Meinung hören wollen. Ich möchte mit Ihnen über ein Zitat reden, das von Alexander Gauland stammt. Er sagte in einem Fernseh-interview im Juni des letzten Jahres: „Ich möchte dazu imstande sein zu sagen, dass der Islam keinen Platz in Deutschland hat.“ Ist das auch ihre Sichtweise? Dass der Islam keinen Platz in Deutschland hat?

    Petry: Ich glaube, unsere Freunde in Baden-Württemberg haben dies in prägnanter Weise in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Sie sagten: „Der Islam ist kein Teil von Deutschland, aber vollkommen integrierte muslimische Bürger sind ein Teil von Deutschland.“

    Sebastian: Es bleibt der Eindruck, dass der Islam überhaupt keinen Platz darin hat.

    Petry: Ich habe Ihnen gerade nur ein gutes Zitat geliefert.

    Sebastian: Also widersprechen Sie dem, was ich gerade gesagt habe.

    Petry: Nein, ich… ich habe gerade nur das Bild vervollständigt. Sie haben nur einen Satz zitiert und ich habe vervollständigt mit einem Zitat aus unserem Wahlprogramm in Baden-Württemberg. Ich denke, dass… was wir meinen ist eigentlich, dass der Islam allein für sich genommen mit seiner Haltung gegenüber demokratischen Gesellschaften problematisch ist, aber wenn wir über vollkommen integrierte Muslime reden und viele von ihnen leben hier in Deutschland, diese haben sich sehr oft distanziert vom fundamentalistischen Islam. Natürlich gehören sie zu Deutschland.

    Sebastian: Aber wissen Sie, ich habe…

    Petry: Interessanterweise, wenn ich das hinzufügen darf, interessanterweise in Freiburg, wir haben es gerade herausgefunden, Sie können es überall im Internet nachlesen, besonders Menschen mit Migrations-hintergrund haben für die AFD gestimmt und ich habe einige Menschen getroffen, die einen islamischen Hintergrund haben, zum Beispiel aus dem Libanon oder – lassen Sie mich bitte diesen Satz beenden – und sie sagen: Ja, wir sind hier nach Deutschland gekommen, um in einer freien und demokratischen Gesellschaft zu leben und was jetzt passiert mit dieser Art von Migration, das kann dieses Deutschland zerstören. Und wir möchten nicht wieder fliehen müssen.

    Sebastian: Ist ihre Kultur so verletzlich und so empfindlich, dass sie zerstört wird von Menschen mit einer anderen Religion oder die sich anders anziehen oder die anders beten? Denn einige ihrer – ich meine, Sie haben ja bis dato noch kein vollständiges Manifest, so weit ich das verstanden habe, wird dieses ja erst bei ihrer Parteiversammlung im April festgesetzt – aber wir wissen auch, dass Sie keine Minarette in Deutschland wollen, sie wollen nicht, dass Menschen ihr Gesicht verhüllen oder eine Burka anhaben. Warum fühlen Sie sich davon bedroht?

    Petry: Ich denke nicht, dass es sich hierbei um ein Gefühl der Bedrohung handelt, aber wir… Ich denke, in unserem Land und auch in Europa obliegt es unserer Verantwortung zu entscheiden, welche Art von Migration wir in Deutschland akzeptieren wollen.

    Sebastian: Aber warum diese Obsession, Grenzen ziehen zu müssen zwischen dem, was unseres ist und dem, was uns fremd ist? Heutzutage sind alle Länder Schmelztiegel, nicht wahr?

    Petry: Länder sind immer schon Schmelztiegel gewesen, aber ein Schmelztiegel zu sein…

    Sebastian: Warum müssen Sie sagen: Das ist unseres, das ist ihres? Warum müssen Sie Trennungen schaffen?

    Petry: Nein, es ist… die Trennung ist bereits da, wenn wir über Kinder in der Schule reden müssen, die nicht zusammen ihren Schwimmunterricht ausüben können, wenn wir jetzt über getrennte Badezeiten in öffentlichen Schwimmbädern reden müssen, dann sind nicht wir es, die eine Trennung schaffen, die Trennung ist bereits vorhanden, denn es gibt unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Ein Schmelztiegel zu sein ist in Ordnung und Deutschland ist während langer Zeit ein Schmelztiegel gewesen, aber es ist eine Frage der Zeit und der Zahlen, nicht wahr, und wenn ich in ein neues Land reisen möchte, wenn ich ein Einwanderer bin, dann denke ich, dass es ziemlich offensichtlich ist, dass sie sich bis zu einem bestimmten Grad an das neue Land anpassen müssen, wenn ich ein Teil davon sein möchte. Es ist immer so gewesen.

    Sebastian: Aber „die Gesundheit unserer Nation ist in Gefahr, weil Millionen Menschen aus unterschiedlichen Ländern zu uns strömen“. Das war Björn Höcke, ihr Parteimitglied in Thüringen. Ist das wirklich der Fall, sind sie wirklich so gefährdet, sind sie wirklich so zerbrechlich, sind sie so bedroht?

    Petry: Sehen Sie, das sind nicht die Worte, die ich verwenden würde, aber ich denke, wenn wir, wenn wir denken, dass es als liberales Land, als demokratisches Land heißt, ohne Grenzen zu leben, dann…

    Sebastian: Wir können gerne weiter über Grenzen reden.

    Petry: Zu entscheiden, wer einwandert und wer nicht, wer ein Teil des Landes zu sein hat, ist am Ende eine Frage von Grenzen, ob man sie nun sehen kann oder nicht. Wenn ich nach Frankreich fahre, sehe ich die Grenze nicht, aber ich weiß, dass sie existiert und ich akzeptiere sie, sei es im Hinblick auf Geschwindigkeitsbegrenzungen oder im Hinblick auf Gesetze.

    Sebastian: Wir sprechen hier aber nicht über Geschwindigkeitsbegrenzungen, sondern darüber, dass eine Kultur die andere unterdrückt, um sich selbst zu stärken, nicht wahr?

    Petry: Nein, das tun wir nicht, außer sie wollen mir erzählen, dass wir jemanden unterdrücken.

    Sebastian: Sie wollen keine Minarette und sie wollen nicht, dass Menschen die Burka tragen.

    Petry: Ah, das ist interessant, wenn wir Gesetze in Deutschland haben und wollen, dass diese deutschen Gesetze eingehalten werden, dann unterdrücken wir jemanden, wollen Sie das damit sagen?

    Sebastian: Nicht die Möglichkeit zu haben, ein Minarett zu haben, sich nicht anziehen zu können wie man will, ist das denn keine Unterdrückung?

    Petry: Also denken Sie…

    Sebastian: Finden Sie das normal?

    Petry: Sie denken also, dass Burkas überall in der Öffentlichkeit in Deutschland getragen werden sollten?

    Sebastian: Warum sollten sie es nicht, sagen Sie es mir.

    Petry: Warum sollten sie denn?

    Sebastian: Warum sollten sie es nicht?

    Petry: Ich denke, dass sie das nicht müssen.

    Sebastian: Nicht müssen, aber Sie untersagen es doch.

    Petry: Wir denken nicht, dass in der deutschen Öffentlichkeit, in Schulen, wir hatten diese Diskussion bereits in Deutschland, dass diese religiösen Kleidungsstücke nicht getragen werden sollten, ja.

    Sebastian: Sie sagen sogar, dass die männliche Beschneidung geächtet werden soll, das ist einer ihrer Punkte in ihrem Entwurf, nicht wahr? Es ist einer der Punkte in ihrem Entwurf. Warum ist eine politische Partei am männlichen Penis interessiert? Warum?

    Petry (hat mehrmals „Nein“ gesagt): Es wird nicht in den Entwurf kommen.

    Sebastian: Tut es nicht?

    Petry: Nein, tut es nicht.

    Sebastian: Aber es steht in dem Entwurf. Sie wollen damit sagen, dass es nicht im finalen Manifest stehen wird, ist das richtig?

    Petry: Sehen Sie, das ist das Problem, wenn individuelle Entwürfe in der Öffentlichkeit zitiert werden, so wie Sie es gerade getan haben. Sie werden in den letzten Tagen vielleicht gelesen haben, dass wir in klarer Weise dargelegt haben, dass dies nicht unser offizieller Entwurf ist. Es mag sie also überraschen, dass dies nicht im Entwurf stehen wird.

    Sebastian: Ok. Und wie steht es um einen anderen Teil des Entwurfs, in dem es heißt: „Therapie-resistente Alkoholiker und Drogenabhängige sollen nicht in Nervenheilanstalten, sondern hinter Schloss und Riegel festgehalten werden.“ Wird das in ihrem finalen Entwurf stehen?
    (Sie protestiert)
    Sebastian: Den Kranken und Leidenden wird gesagt: Geht ins Gefängnis und reißt euch zusammen. Ist das richtig?

    Petry: Vielleicht kommen sie mal zu unserer Parteiversammlung und finden es heraus. Sehen Sie, das ist das Problem mit…

    Sebastian: Aber dies sind ihre Ideen, nicht wahr, das sind die Ideen, die in ihrer Partei zirkulieren. Sie wollen die Kranken zu Verbrechern machen.

    Petry: Wollen wir über Europa sprechen, wollen wir über Europa sprechen, sie picken schon wieder Dinge heraus, es ist immer wieder die selbe Geschichte in fast jedem Interview, sie picken sich Bruchstücke heraus, die nicht einmal bestätigt wurden und versuchen sich daraus ein Bild zu machen.

    Sebastian: Sie fühlen sich unrecht behandelt dadurch, nicht wahr, Frauke Petry?

    Petry: Nein, ich bin daran gewohnt, aber ich meine, es wird nicht helfen ein neutrales und repräsentatives Bild von unserer Partei für die Öffentlichkeit zu zeichnen. Also, wenn das ihr Ziel ist, schön, gut gemacht.

    Sebastian: Sie haben einen sehr guten Eindruck gegeben, was ihre Partei ist.

    Petry: O nein.

    Sebastian: Vielen Dank, dass Sie bei „Conflict Zone“ waren, vielen Dank Ihnen, Frauke Petry.

  7. Dunja Hayali tut das, was die politisch-mediale Klasse erwartet. Punkt.

    Ich werde mich mit der auch nicht an Tisch setzen.

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