Von wegen Lügenpresse: „Es wäre ratsam, Dampf aus der Debatte zu nehmen“

Andreas Köhler und Prof. Dr. Kim Otto von der Uni Würzburg appellieren daran, Dampf aus der Lügenpresse-Debatte zu nehmen
Andreas Köhler und Prof. Dr. Kim Otto von der Uni Würzburg appellieren daran, Dampf aus der Lügenpresse-Debatte zu nehmen

Das Vertrauen in die Medien war 2015 geringer als im Jahr zuvor. Von einer Krise kann jedoch keine Rede sein, meinen Prof. Dr. Kim Otto und Andreas Köhler. Ihre Langzeitanalyse zeigt: In den vergangenen 16 Jahren kam es immer wieder zu Schwankungen. Von Krisenwerten wie zuletzt um 2000, ist die aktuelle Stimmung noch weit entfernt. Es wäre ratsam Dampf aus einer hysterischen Debatte zu nehmen, so die Wissenschaftler.

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Von Kim Otto und Andreas Köhler

Das Wort „Lügenpresse“ machte zahlreiche Schlagzeilen und wurde sogar zum Unwort des Jahres 2014 erklärt. Vor allem auf den Demonstrationen der Pegida- und AfD-Anhänger wird der Begriff oft in Sprechchören skandiert und schallt von dort aus über die Fernsehbildschirme in die ganze Republik. Mit dem Begriff „wird den etablierten „Mainstream-Medien“ unterstellt, ihre Berichterstattung sei politisch gefärbt und von oben gesteuert. „Lügenpresse“ ist gleichsam das Symbol für ein gestörtes Verhältnis der Bürger zu den Massenmedien und damit auch direkt zur Mediendemokratie.

Um zu klären, ob das Vertrauen in die Medien aber wirklich auf einem Tiefpunkt ist, bedarf es eines Vergleichs mit den vergangenen Jahren. Das Eurobarometer ist eine jährlich von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene öffentliche Meinungsumfrage in den Ländern der EU. Eine der Fragen befasst sich mit dem Vertrauen in Institution, u.a. Presse, Radio und TV. Hierzulande werden hierfür von TNS Infratest seit 16 Jahren mehr als 1.000 Personen befragt.

Vertrauen in Medien ist stabil und liegt über EU-Schnitt

Die Umfrage zeigt: Im Herbst 2015 vertrauten nur 46 Prozent der Befragten der Presse, 49 Prozent misstrauten ihr. Die übrigen fünf Prozent antworteten mit „weiß nicht“. Das Misstrauen überwiegt. Ein Jahr zuvor sah das noch anders aus. 2014 haben nur 45 Prozent der Presse misstraut und 47 Prozent haben ihr vertraut. Der Vertrauensverlust ist jedoch kein Grund Alarm zu schlagen, zieht man die vergangenen 16 Jahre in Betracht: Das Misstrauen war in den Jahren von 2000 bis 2003 und im Zeitraum von 2006 bis 2008 zwar schon einmal größer als heute. Doch im Jahr 2000 vertrauten nur 30 Prozent der Befragten der Presse. Der Anteil der Befragten, die der Presse damals Vertrauen schenkten, erreichte nur selten einen Wert, der über dem von 2015 liegt; nämlich 2004, 2005, 2009-2012 und 2014. Das heißt, dass nur in sieben von 16 untersuchten Jahren das Vertrauen in die Presse größer war als 2015.

Grafik_Vergleich_PrTVRa

Der Rückgang des Vertrauens in die Medien im Jahr 2015 ist auch bei Fernsehen und Radio feststellbar, wenngleich es auch hier nicht dramatisch zurückgegangen ist. Die Werte sind über die vergangenen 16 Jahre jedoch erheblich höher als bei der gedruckten Presse. Dem Fernsehen vertrauten 2015 noch 55 Prozent der Befragten und dem Radio 60 Prozent. Online-Medien wurden in dieser Analyse nicht berücksichtigt, da Eurobarometer nur nach dem Vertrauen in „das Internet“ fragt. Dieser Begriff ist zu weit gefasst, um ihn auf Online-Medien zu beziehen.

Das Vertrauen in die Presse in Deutschland ist im europäischen Vergleich hoch. Der Anteil der Befragten, die der Presse vertrauen, lag 2015 drei Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Beim Fernsehen in Deutschland sogar sechs Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt, beim Radio fünf Prozent.

Links und rechts ist das Misstrauen besonders groß

Um zu klären, bei welchen Menschen das Misstrauen in die Presse besonders groß ist, wurde auf die Mikrodaten des Eurobarometers von 2014 zurückgegriffen. Für 2015 liegen diese noch nicht vor.

Grafik_Links-Rechts

Es zeigt sich, dass das Vertrauen in die Presse besonders bei den Menschen besonders gering ist, die eher stark links oder stark rechts im politischen Spektrum stehen. 62,0 Prozent der Menschen, die sich als sehr links einordnen, misstrauen der Presse und 63,6 Prozent der Menschen, die sich als sehr rechts einordnen. Die politische Mitte der Bevölkerung vertraut der Presse mehrheitlich mit einem Anteil von 52,1 Prozent. Das Misstrauen der Menschen in die Presse hängt demnach von ihrer politischen Einstellung ab und ist zudem kein Phänomen, das allein in der rechten Ecke der Gesellschaft auftaucht.

Übrigens ist das Vertrauen ins Fernsehen bei diesen Gruppen erheblich größer als in die Presse und erreicht Werte von 50,6 Prozent bei den extrem links eingestellten und 54,6 Prozent bei den extrem rechts eingestellten Befragten.

Die wirtschaftliche Situation der Befragten hat ebenfalls einen maßgeblichen Einfluss: 57,4 Prozent der Befragten, die ihre eigene finanzielle Situation als sehr gut bezeichnen, vertrauen der Presse. Bei den Befragten, die ihre wirtschaftliche Lage als sehr schlecht bezeichnen, sind es nur 23,7 Prozent. Bekannt ist, dass mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage generell das Vertrauen in politische Institutionen sinkt. Dies gilt auch für die Presse.

Die Mikrodaten zeigen auch, dass das Alter beim Misstrauen gegenüber der Presse keine erkennbare Rolle spielt. Es gibt keine gravierenden Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den 15- bis 24-Jährigen vertrauen 49,2 Prozent der Presse. Der Wert steigert sich leicht mit dem Alter bis zu 53,2 Prozent bei den 45- bis 54-Jährigen und fällt dann wieder auf 49,4 Prozent bei den Befragten, die älter als 65 Jahre sind. Auch das Geschlecht der Befragten hat keinen erkennbaren Einfluss, der Unterschied zwischen Männern und Frauen misst beim Vertrauen in die Presse nur 0,5 Prozent.

Misstrauen in Ostdeutschland ist alarmierend

Die Daten des Eurobarometers lassen auch Unterschiede im Misstrauen gegenüber der Presse zwischen Gemeinden unterschiedlicher Größe erkennen. In Städten mit zwischen 5.000 und 100.000 Einwohnen herrscht mehrheitlich Misstrauen gegenüber der Presse. In Gemeinden mit 5.000 bis 20.000 Einwohnern ist das Misstrauen gegenüber der Presse am größten, 59,3 Prozent der Befragten aus diesen Gemeinden misstrauen der Presse. In kleineren Gemeinden und Großstädten über 100.000 Einwohnern ist das Vertrauen in die Presse größer.

Grafik_Gemeindegröße

Einen wesentlichen regionalen Unterschied kann man in Deutschland beim Vertrauen in die Presse im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland feststellen. In den ostdeutschen Bundesländern (mit Berlin) vertrauen nur 41,8 Prozent der Befragten der Presse, 58,2 Prozent misstrauen ihr. In den westdeutschen Bundesländern überwiegt das Vertrauen mit 53,3 Prozent und das Misstrauen liegt bei nur 46,7 Prozent. Das starke Misstrauen in die Presse in Ostdeutschland ist alarmierend.

Der Anteil der Befragten, die extreme Positionen im Links-Rechts-Spektrum einnehmen, und der Anteil der Befragten, die ihre eigene wirtschaftliche Situation als schlecht beurteilen, sind in den ostdeutschen Bundesländern bekanntermaßen ebenfalls höher als in den westdeutschen. Die Variablen, von denen ein Einfluss auf das Vertrauen in die Presse ausgeht, hängen zusammen. Das Misstrauen gegenüber der Presse in Ostdeutschland ist Ausdruck von Enttäuschung, die in generellem Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen mündet.

Grafik_OstWest

Dies trifft allerdings die Presse stärker als andere Medien. Dem Fernsehen wird in Ostdeutschland bei 60,2 Prozent der Befragten vertraut. Der Unterschied zu Westdeutschland beträgt nur 1,5 Prozent. Auch dem Radio vertraut man in Ostdeutschland mehrheitlich mit 61,1 Prozent, in Westdeutschland vertrauen ihm 68,1 Prozent.

Keine neue generelle Vertrauenskrise

Wie die verfügbaren Langzeitdaten zeigen, ist das Vertrauen in die Presse in Deutschland nicht dramatisch eingebrochen. Gerade bei den Menschen in der politischen Mitte genießt die Presse nach wie vor ein großes Vertrauen. Allerdings ist das Vertrauen in die Presse bei Menschen, die sich im politischen Spektrum als sehr links und sehr rechts einordnen, gering. Dass dieser Personenkreis von „Lügenpresse“ spricht, ist ein weit bekanntes Muster: Gerade Populisten und Extremisten am rechten wie linken Rand des politischen Spektrums sehen in der Presse oft „Systemmedien“, welche das gegenwärtige „kapitalistische politische System“ stützen. Rund 40 Prozent der Pegida-Anhänger stufen sich als rechts ein. Umfragen zeigen außerdem, dass mehr als jeder fünfte befragte Pegida-Anhänger deutliche Kritik an der Arbeit von Journalisten übt. Dabei steht insbesondere der Vorwurf der Tendenzberichterstattung im Raum.

Bekannt ist, dass mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage generell das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen, also auch die Massenmedien, sinkt. Insofern verwundert es nicht, dass Menschen wenig Vertrauen in die Medien haben, wenn sie ihre wirtschaftliche Lage als schlecht einstufen. Auch dass in den ostdeutschen Bundesländern das Vertrauen in die Medien sehr gering ist, verwundert nicht. Die Menschen in Ostdeutschland sind bekanntlich mit dem Funktionieren der Demokratie grundsätzlich unzufriedener als die Menschen in Westdeutschland. Auch das Institutionenvertrauen ist geringer. Das spiegelt sich auch in einem geringeren Vertrauen in die Medien nieder. Von einer neuen generellen Vertrauenskrise in die Medien in Deutschland kann angesichts der Langzeitdaten nicht gesprochen werden. Insofern kann die gegenwärtige gesellschaftliche Diskussion über die Arbeit der Journalisten schon fast als hysterisch bezeichnet werden, und es wäre ratsam, Dampf aus der Debatte zu nehmen.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form zuerst beim European Journalism Observatory 

 

Über die Autoren:
Kim Otto ist Professor für Wirtschaftsjournalismus an der Universität Würzburg und Reporter beim ARD-Politikmagazin „Monitor“.

Andreas Köhler ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Wirtschaftsjournalismus an der Universität Würzburg.

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Alle Kommentare

  1. Die Ergebnisse verwundern: Wenn ich links eingestellt wäre, würde ich der Presse durchaus vertrauen, bestätigt sie doch meine Meinung das die Rote SA, die sog. Antifa, für das Gute kämpft und es richtig ist, dass diese vom Staat finanziell unterstützt wird. Auch wird durch die Medien permanent kolportiert, dass wir vor einer Übernahme durch die Nazis stehen und es daher gerechtfertigt ist, jeden zu bekämpfen, der von dem Konsens der Mainstreammedien abweicht. Wenn man berücksichtigt, dass ein Großteil der Journalisten politisch den GRÜNEN, also einer linken Partei, nahe stehen, kann die Berichterstattung nicht verwundern. Von einer ausgewogenen und ehrlichen Berichterstattung kann man selbst als Gutmeinender in Deutschland nicht sprechen.

  2. Wer würde dem Staatsfernsehen nicht glauben, dass BP Gauck derweil in China weilt, um den dortigen Menschen die Interpretation der ansonsten exterritorial anzuwendenden Menschenrechte zu erklären versucht.
    Von daher lässt sich wohl auch die Statistik erklären.
    Die schwindenden Werbeeinnahmen dank Adblocker und Auflagezahlen sprechen eine andere Sprache. Aber vielleicht bestellt Merkel ja noch ein Abo der Faz mehr.

  3. O je …

    Als ich die fettgedruckten Zeilen unter dem Bild las, wußte ich, was jetzt wieder kommt: Gesundbeterei nämlich, Schönschreiben und relativieren bis hin zum offenen Leugnen der nun doch wirklich für jeden unübersehbaren Probleme.

    Das ganze präsentiert von einem leibhaftigen Prof. Dr. und garniert mit schön bunten Grafiken und Diagrammen. – Na, wenn das jetzt aber nicht wirklich superseriös wirkt … 🙂

    Was aber ist am Ende die Botschaft, dieses ganzen Brimboriums? (Und wer hat das bestellt und bezahlt, wäre auch noch interessant zu erfahren.) – Sie lautet:

    Alles nicht so schlimm, alles schon mal dagewesen – und vor allem:

    Alles wird wieder gut! 🙂

    16 Jahre gehen die Betrachtungen und Diagramme zurück (Warum nicht 26 oder 36 Jahre?), um doch noch aus Schwarz Weiss zu machen oder ersatzweise doch wenigstens ein (sehr) helles Grau. 🙂

    Als erstes habe ich mich gefragt: Für wen ist dieser Artikel gedacht?

    Nicht für Otto Normal, sondern er richtet sich im Prinzip hauptsächlich an Journalisten, von denen einige nämlich mittlerweile ernsthaft vom Glauben abzufallen drohen, bzw. schon sind (siehe den Meedia-Artikel zum Spiegel von gestern.)

    Es wird also höchste Zeit gegenzusteuern.

    Und weil Journalisten – aus guten Gründen – einem der ihren im Normalfall nur ganz selten wirklich vorbehaltlos glauben, muss eben ein Prof. Dr. her, samt seinem ganzen Excel- und Powerpoint- Geraffel.

    Es muss irgendwie wissenschaftlich und damit seriös aussehen, denn für Titel sind Journalisten nämlich genauso anfällig wie normale Leute – solange sie selber keinen haben jedenfalls.

    Was in diesem Artikel passiert, ist eigentlich relativ simpel:

    Die Gäste im Ballsaal von Schloß Wolkenkuckucksheim lassen den Mägden und Knechten in den Küchengewölben und Pferdeställen ausrichten, das sie alles im Griff haben und man solle (unbekümmert der doch etwas irritierenden Zustände) einfach weitermachen wie bisher. 🙂

    Und diese Botschaft lässt man halt von einem goldbetressten Kammerjunker überbringen, damit sie beeindruckt und möglichst auch verfängt.

    „Wir haben alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff.. “ 🙂

    1. doppelplusgut!

      Habe mich auch gewundert, was dieser Artikel soll, ausser, dass da einer im dunklen Wald pfeifen zu müssen meint.

      Gruß
      s_l420

  4. hahahahaaaaa.. Wir haben einfach viel zu villllle Professoren, von der Politik aufgebaute „Institutionen“, tausende „Spezialisten“ aus diesen halbstaatlichen Instituten und so weiter. Und alle plappern lautstark im großen Orchester des von ihren Arbeit-Gebern und politischen Unterstützern vor sich hin. Täglich in Talkshows und in allen möglichen Zeitungen zu lesen. Und eben diese Zeitungen bringen – DAS ist der Oberhamer – dann auch noch die Schlagzeilen von jedweden „Studien“, bevorzugt und direkt auch noch die aufregenersehende Schlagzeile, gebastelt von „Bertelsmann“übernehmen und so weiter… Die Bertelsmänner freuen sich genau so wie diese beiden Leute von der UNI. Die haben sich hingesetzt und sich gefragt – wie Bertelsmann vor Gründung der Abteilung „Gesellschaftliche Relevanz durch Studien unter dem Namen Bertelsmann“ – wie man am besten Aufmerksamkeit erregt. Und Rrrrrummstrararaaaa schreiben alle ab. Na dann.. ist doch wieder alles gut oder nicht? oder schon? Tja?

  5. Also irgendwie müssen die Forscher ein anderes Land im Auge gehabt haben. Um den Unterschied zu 2000 zu definieren, gibt es mehrere Ereignisse, die das Vertrauen in die Medien erschüttert haben, die einhergehen mit dem Vertrauen in die Ordnungsmäßigkeit der westlichen Regierungen und deren Einfluss auf die Medien, verursacht durch die Finanzmacht der Wallstreet und der City of London. Der erste Schlag waren hier die Lügen beim Irakkrieg. Die Lehmann Brother Krise war die zweite große Erschütterung, insbesondere, dass Banken gegen die gleichen Finanzprodukte spekulieren, die sie Kunden gleichzeitig als sicher anbieten. Dann kam Fukushima und eine Berichterstattung, die besorgte Gemüter angstvoll in den Keller schauen ließ ob nicht vielleicht der geschmolzene Reaktorkern vom andern Ende der Welt auftaucht. Natürlich folgte dann als Erlösung die in den Medien bejubelte Energiewende zum Nulltarif mit angeblich tollen Investitionsmöglichkeiten für Kleinanleger. Weder Energiepreise noch ein wirkliches Konzept sind heute absehbar, die Kommunen sind ihrer sicheren Einnahmen von den großen Energieversorgern beraubt und die Kleinanleger ihr Geld los. Nur irgendwo muss das Geld doch geblieben sein, die Medien haben bis heute nicht gefragt wo. Dann wurde angeblich Griechenland gerettet, weil Deutschland immer noch so große Schulden aus dem Krieg dort hätte (zwischenzeitlich soll es ja ein weiteres Guthaben sein), tatsächlich wurden nur die Banken bedient, der arme Grieche leidet nach wie vor. Dann kamen die armen verirrten Flüchtlinge, dass sie mit Reiseführern und großer Werbung, bezahlt von Wallstreetinvestoren, hierher gelockt wurden in das Land von Milch und Honig, war nur im Internet zu lesen, in der deutschen Presse nicht. Dort waren Zweifler natürlich der übelste verblieben Abschaum aus der Nazizeit, kriminell waren nur deutsche Dumpfbacken, nach Köln brach das Lügengebäude zusammen. Ebenso wurde kaum erwähnt, dass die hilfsbereite Bundesregierung sich nicht darum scherte, wie über Hungerrationen in den Lagern vor dem Exodus berichtet wurde. Keiner der sonst so besorgten Philantropen der Wallstreet half hier großzügig. Die dauerhafte Verletzung aller demokratischen Spielregeln durch eine diktatorische Kanzlerin kam nie zu Sprache, die Prognose von Frau Höhler von 2012 wird linientreu totgeschwiegen. Es bedarf wohl keiner weiterer Beispiele, die deutsche klassische Medienlandschaft ist nach allem Eindruck von Regierung/Finanzindustrie beherrscht und mit um ihren Job zitternden Journalisten bevölkert, von den kaum ein mächtiges „j‘ acuse“ zu vernehmen sein wird.

  6. Bisher war es so das man eine linke oder rechte Zeitung kaufte und sich dort wiederfand.
    Inzwischen werden viele Themen und die wahre Armut aber auch viele andere Themen nirgendwo mehr erwähnt und egal welche Zeitung/Zeitschrift die Leute lesen deckt sich schon lange nicht mehr mit der eigenen Erfahrungs-Welt.

    Früher kritisierten die Linken das System und wollten mehr Lohn. Inzwischen aber sehen auch die Rechten das ihre Kinder keine Zukunft mehr haben. Man hat den angeblichen Christen ihre zweit- und dritt-Familien und Bereicherung und oft schamloses Fehlverhalten gegönnt, weil man es selber gut hatte.

    Die Presse kritisiert ständig den Trainer bis er bei Fehl-Leistungen zurück tritt. Wieso findet das bei Politikern nicht statt ? Wieso steht nicht das Gehalt neben Beamten die zurück treten aber vermutlich weiter bezahlt werden ? Wieso erfüllt die Presse ihre Aufgabe als wirksames Kontroll-Organ und quasi als weißes Blutkörperchen gegen Korruption und Miswirtschaft nicht ? Weil es zu viele Reporter gibt und man daher jeden Kritiker entlassen kann. Eine gute Gewerkschaft maximiert die Lebenslöhne der Branche indem abgeraten wird, etwas zu lernen wo der Hunger droht.

    Und dieselben welche die Landes-Sender abschaffen und durch Zentral-TV abschaffen wollen regen sich jetzt über angeblich gesteuertes TV auf.
    Die Landes-Sender werden bezahlt um vom Hauptbahnhof 200m weiter zu berichten oder über die Landesregierung. Es hat sich aber etabliert das die Politik-Journale die eigene Landesregierung meist in Ruhe lassen und über andere – politisch anders gefärbte – Bundesländer berichten und deren Regierung kritisieren…

    Die Presse realisiert ihr Problem auch nicht. Wie oft wurde Griechenland gerettet ? 5 Mal ? Nach 5 verlorenen Spielen muss der Trainer gehen.
    Auch die DSL-Ausbauversprechen glaubt nach 15 Jahren keine Gemeinde mehr und baut selber aus. Das hätte gute Presse schon zu rot-grünen Zeiten etablieren müssen. Es gibt zig Dinge die falsch oder gar nicht berichtet werden. Probleme werden ignoriert. Lösungen liefert die Presse nicht. Die Schulden steigen. Die Armut steigt. Die Reichen werden reicher. Die Armen ärmer. Die wenigen guten Journalisten (Team Wallraff,…) drehen den Kurs nicht mehr. Openleaks gibts bis heute auch immer noch nicht.
    Triviale Internet-Verbesserungen werden mit Abmahnungen und Softarepatenten praktisch unmöglich gemacht. Sowas wie Blendle wollte ich für die Autoren-Direktvermarktung schon vor Jahren programmieren oder weil man in der Eisenbahn sitzt sowas wie ZugRadar oder Street-Heat-Maps weil die Android-Handies ja wissen wo sie wie schnell fahren und man das in der GoogleMap dann sehen würde wo der Stau steht. Abmahnungen, Rechtskosten usw. machten es uninteressant. Erst wenn die Millenials an die Macht kommen (in 10-20 Jahren) wird sich was ändern. Bis dahin steigt die Armut. Die ersten Firmen werden aktuell schon von Chinesen billig übernommen wie ich es schon lange schrieb.
    Zuckerberg wurde nicht real-time von allen Menschen weltweit per Handy befragt sondern per Mikrofon fast exakt so wie vor 15 Jahren bei n-tv als Bill Gates dort Zuschauerfragen per Mikrofon gestellt wurden. Sowas ist trivial zu programmieren und kostet nichts wenn man Kosten für Juristen und BWLer herausrechnet. Partizipation sieht anders aus als ausgesuchte Fragen per Mikrofon.

    Simple konstruktive Software würde vieles besser machen und den Hate in die Nischen zurückdrängen. Aber wenn kleine Freiberufler dafür in Kosten ertrinken, freut sich das System.
    Wäre Wikipedia hier verboten worten ? Nennt drei erfolgreiche Groß-IT-Projekte von Deutschland. Nennt drei erfolgreiche deutsche Bau-Projekte. Hat Honecker den letzten funktionierenden Großflughafen von Deutschland gebaut ? Die deutschen Bau-Firmen wurden m.W. offen von Blatter kritisiert bei der Fußball-WM in Brasilien. Die Presse erfüllt die Kontroll- und Verbesserungs-Funktion nicht wirksam. Den alten Leuten geht es besser als deren Kindern. Seit den 70ern wirds nicht mehr besser…

    Bei Fußball wird geleistet und Versagen von allen Seiten sofort kritisiert. Bei Formel-1 ist sogar die Presse unnötig und die Teams bauen trotzdem jedes oder jedes zweite Rennen ein noch schnelleres Auto weil die Regeln so gut funktionieren und Leistung erbringen. Wieso wird der Staat nicht bei jeder Wahl besser ?

    Die Leute werden immer unzufriedener und finden sich in den Medien nicht mehr wieder und tun das über die sozialen Medien kund.
    Von daher ist die Studie nicht hilfreich zur positiven Weiterentwicklung der Medien damit der Staat und Firmen täglich besser zugunsten der Gemeinschaft arbeiten. Es geht eher wohl darum zu fragen ob man ein Medium findet, was einem nach der eigenen politischen Meinung schreibt/redet/berichtet. Und daran ändert sich ja nichts. Relativ egal was man wählt, man findet eine passende Zeitung und passende linke/rechte Sendungen welche die eigene Meinung bestätigen.

    Und das mit der Zentralen Steuerung ist vielleicht eine Legende der Branche. Zeitungen berichteten politisch so, wie die Herausgeber-Familie es möchte. Die Fußball-Meldungen oder Kaufempfehlungen für das nächste Handy oder Gartentipps oder Lokal-Meldungen über die nächsten Baustellen oder Stadtfeste oder Schützenfeste usw bleiben ja und kann man selbst trotz politisch anderer Färbung lesen.

    Nur mal Beispiele:
    – DSL-Ausbau. Angeblich nur bedauerliche Einzelfälle. Im Laufe von LTE wurde aufgedeckt das im Osten und Westen TAUSENDE Lücken herrschten.
    – Tankstellen-Sterben
    – Wieso kriegen E-Autos Subventionen ? Keiner kauft Benzin-Autos wenn er ein E-Auto leisten kann. Die E-Fahrräder werden mit 10%-20% auf Fahrrad-Veranstaltungen kalkuliert oder siehe vor dem Supermarkt. E-Fahrräder bekamen wohl NULL Subventionen und haben sich innerhalb 1-2 Jahren durchgesetzt.
    – Wieso müssen alle Rettungs-Subvenionen nicht zurückgezahlt werden ? Wieso dürfen Autokonzerne bald wieder Rettungs-Milliarden bekommen und Boni auszahlen und nicht zurückzahlen ?
    – Kupferpreise wenn die Automotoren scharenweise Kupfer brauchen ?
    – Tausende Jobverluste durch Robo-Autos.
    – Car-Sharing per Handy führt zu weniger Privat-Wagen und somit zu vielleicht nur noch halb so viel Privat-Wagen-Neuzulassungen und leeren Fabrik-Bändern. Die guten Firmen deren Betriebsrat keine zu vielen Mitarbeiter einstellen liess, müssen dann das Kurzarbeitergeld für die Arbeiter der schlecht wirtschaftenden Firmen bezahlen. Dieses Geld muss wohl nie durch Überstunden später mal den Arbeitern und Steuerzahlern zurückgezahlt werden. Aber die Boni fliessen…
    – Bei den meisten Berichten über Steuern merkt der Rentner und Freiberufler schnell, das die Schreiber noch nie Elster selber ausgefüllt haben.
    – Es wird gerne Mail benutzt statt klar zu schreiben ob es ein Papier-Brief oder Emai war. Genau so gerne wird „Ertrag“ oder „Erlös“ geschrieben um nicht die eindeuten Worte „Umsatz“ bzw. „Gewinn“ benutzen zu müssen. Agenturmeldungen werden ohne viel mitzudenken copy-pasted. Früher in der Tageszeitung war es nicht so offensichtlich. Inzwischen dank News-Google ist es aber offensichtlich.
    – Keiner fragt die Hersteller welche Produkte Analog-Käse oder Pressfleisch enthalten. Schwupp wären die Produkte bekannt oder diese (gerne kritisierten) Zutaten würden verschwinden. Stattdessen wird jedes Jahr darüber berichtet aber das Mittel der Aufdeckung nicht benutzt…
    – Bei Insolvenzen wird oft wohl nur 3-4% ausgezahlt. Wieso tut keiner was dagegen ? Diese Einnahme-Ausfälle müssen die ehrlich bezahlenden Kunden ausgleichen.
    – …
    Das sind viele vorhersagbare Dinge und teilweise sogar Scoops welche uns besser leben lassen würden. Die Presse darf Anfragen an Politiker stellen und die Antworten führen dann zum Rücktritt wenn das – angeblich irrelevante – Problem dann doch auftritt. In Asien war die Flüchtlingskrise ein paar Monate vor Europa.

    Aber die Presse erkennt ihre eigenen Qualitäts-Probleme nicht einmal und denkt, vorbildlich und bestmöglich zu arbeiten.
    Auch das gigantisch gute Feedback der thematisch oft ja betroffenen Leser wird auch gerne ignoriert und meist auch nicht dazugelernt um offensichtliche Kommentar-Nachfragen beim nächsten Artikel gleich im Voraus zu vermeiden. Auch daher ist es bedauerlich das OpenLeaks immer noch nicht existiert.

    Die Presse ist dafür da, das wir täglich besser leben. Wenn man die Vorlesungen bis zur Emiritierung Jahrzehntelang nichts mehr ändert, verpasst man den Anschluss. Ähnliches gilt für Studien welche jedes Jahr ohne viel Änderungen und auch ohne viel Wirksamkeit veröffentlicht werden. Gute Universitäten würden einnahmelose Studiengänge outen und zeitweise zugangsmäßig sperren bis die Lebens-Einnahmen der Absolventen wieder stimmen.

    Presse berichtet auch gerne hinterher statt vorher zu warnen. Davon abgesehen sind Print-Artikel platz-beschränkt wie Burgerboxen im FastFood. Online-Artikel hingegen können vollständig sein, sie können weiter-erzählen, updates kriegen und auf Ergänzungen und Erklärungen verweisen bzw. (wie diese Sprachlern-Zeitschriften) auf dem FullHD-Fernseher oder Desktop-Monitor rechts danaben anzeigen. Wo werden Abschreibungs-Projekte erklärt ? Wo Filmfonds ? Nur mal zwei Begriffe welche man regelmäßig liest, aber nirgendwo erklärt werden. Bei Tour de France oder Formel-1 im TV wird besser erklärt.
    Bei vielen Berichten sollte man mal die eigenen Steuerberater fragen. Das würde vieles klarer machen… Online hat man Platz für mehr als nur News sondern auch für die wahren Hintergründe und in wessen Taschen das Geld wieso fliesst…

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