Tim Cooks Langweiler-Keynote: Apple serviert alten Wein in neuen Schläuchen

Unter Dauerdruck: Apple-Chef Tim Cook
Unter Dauerdruck: Apple-Chef Tim Cook

Digital Economy Die Erwartungen waren nicht hoch, doch Tim Cook hat es geschafft, sie noch zu unterbieten – das ist das Resümee der ersten Apple-Keynote des Jahres. Ein neues iPhone, das exakt so aussieht wie das 2012 vorgestellte iPhone 5, ein neues iPad, das lediglich um drei Zoll gegenüber der Pro-Variante vom Herbst schrumpfte – und neue Armbänder für die Apple Watch. Apples Keynote geriet zum Nonevent.

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Es hätte ein Feuerwerk werden können: Am Freitag in einer Woche wird Apple 40 – was für eine Steilvorlage für eine nostalgische Leistungsschau, welchen weiten Weg der Techpionier bis heute zurückgelegt hat und welchen Einfluss er in der Geschichte der Verbraucherelektronik hinterlassen hat.

Doch alles, was Tim Cook den wenigen Hundert Zuhörern auf dem Apple Campus spendierte, waren 40 Schlaglichter der rumreichen Vergangenheit im Schnelldurchlauf in 40 Sekunden zu sehen: der Apple I, der Apple II, Lisa, der erste Macintosh, der iMac, das MacBook, der iPod, der App Store, der iPod mini/touch/shuffle, das erste iPhone, das MacBook Air, das iPad…

iPhone SE und iPad Pro: Alter Wein in neuen Schläuchen

Es war eine bezeichnende Zeitreise, denn anno 2016 hatte Cook in seiner Keynote praktisch nichts Neues anzubieten – gerade mal neue Armbänder für die bislang mäßig erfolgreiche Apple Watch, die nach nur einem Jahr bereits ihre erste Preisreduzierung erhalten hat, in Nylon und Leder.

Ansonsten: Alter Wein in neuen Schläuchen. Das iPad Pro erhielt seine zu erwartende Verkleinerung zu einem massenmarkttauglichen 9,7 Zoll-Modell, und das kleinste iPhone nach zweieinhalb Jahren sein erstes Update in Form von Updates unter der Oberfläche. Dabei sieht das iPhone SE immer noch exakt so aus wie das 2013 vorgestellte iPhone 5s, das wiederum ein Nachfolger des 2012 gelaunchten iPhone 5 war.

Enttäuschte Reaktionen auf Twitter

Es gab Zeiten, in denen Apple solch mikroskopischen Änderungen in Form eines stillen Updates einfach in seinen Apple Store gestellt hat. Die Erwartungen vor der Apple-Keynote waren im Vorfeld immer weiter geschrumpft – und doch wurden sie ein weiteres Mal unterboten. Nicht wenige Branchenexperten und Apple-Fans reagierten mit Kopfschütteln:

In der vergangenen Woche hatte Apple-Mitbegründer Steve Wozniak das wachsende Unbehagen des „neuen Apples“ unter Tim Cook in Zusammenhang mit der Apple Watch verklausuliert angesprochen: „Das ist nicht das Unternehmen, das Apple einmal war, das Unternehmen, das die Welt wirklich stark verändert hat“.

Eine Keynote ohne jeglichen Spannungsbogen

Das Apple unter Tim Cook hat sich immer weiter vom Geist der Steve Jobs-Ära entfernt. Ein Spannungsbogen fehlte in der bereits auf eine Stunde geschrumpften Keynote, die in der ersten halben Stunde schon mit Ausführungen über Umweltschutz und marginale Updates über Apple Health gestreckt wurde, ebenso wie ein „One more Thing“.

Die eigentliche Erkenntnis war eine etwas aggressivere Bepreisung des iPhones, das in der SE-Variante zumindest in den USA mit 399 Dollar erstmals im Mittelklasse-Bereich angekommen ist. Es ist Tim Cooks Eingeständnis, solange es nur irgend geht, an der ruhmreichen Vergangenheit festzuhalten – selbst wenn als letzte Innovation dafür ein Discount nötig ist…

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Alle Kommentare

  1. Der Artikel bestätigt meine Meinung über Apple:

    Das Unternehmen hatte eine wirklich große Zeit unter Jobs, genauso, wie z.B. Griechenland seine mal unter Alexander dem Großen hatte – aber beide Perioden sind mittlerweile vorbei.

    Der Hype, der Apple bisher immer geholfen hatte quasi jedes Produkt zum Selbstläufer zu machen, der wird nicht ewig anhalten, wenn immer weniger (bis garnichts) an echten Innovationen kommt.
    ——

    Und noch kurz eine andere Anmerkung:

    In Anlehnung an das berühmte Brecht-Zitat schlage ich vor, die Chefredaktion löst das Publikum hier auf und wählt sich ein neues mit größtmöglichem Wohlfühlfaktor.

    Wenn man schon eine Kommentarfunktion anbietet, dann muss man unbequeme Kommentare aber auch aushalten, jedenfalls solange, wie sie sich im rechtlichen und im Rahmen der Netiquette bewegen.

    Aber man sollte nicht, wie beim gestrigen Spiegel-Artikel, erst Kommentare (nach Prüfung) veröffentlichen und dann buchstäblich über Nacht, alle wieder löschen und die Kommentarfunktion zum Artikel entfernen.

    Das finde ich persönlich hilflos und unglaubwürdig.

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