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„Ihr Heuchler“: So wütet AfD-Chefin Frauke Petry nach Brüssel gegen die Social Media-Trauer

AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ging gegenüber Vize Alexander Gauland auf Distanz – der Schaden durch das beleidigende Zitat aber bleibt
AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ging gegenüber Vize Alexander Gauland auf Distanz – der Schaden durch das beleidigende Zitat aber bleibt

Buzzer Die Betroffenheit ist groß: Wieder ein Terroranschlag in Europa, diesmal in Brüssel. Der Umgang mit der Trauer scheint im Social Media-Zeitalter fast zur Routine geworden zu sein. Nach dem Anschlag gegen Charlie Hebdo solidarisierte sich das Web unter dem Hashtag #JesuisCharlie, im vergangenen November lautet die Trauerformel #JesuisParis, nun #JeSuisBrussels oder #PrayforBrussels. AfD-Chefin Frauke Petry kritisiert die Trauernden in einem Facebook-Post als "Heuchler". Es ist nicht der einzige pietätlose Politikerpost zu Brüssel.

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Wie umgehen mit der Trauer nach dem Terroranschlag von Brüssel? Im Social Media-Zeitalter geht es schnell: Das Facebook-Profil wird durch die belgische Flagge ersetzt oder in den Nationalfarben   eingefärbt wie vier Monate zuvor nach den Terroranschlägen von Paris.

Als „Pis & Love“ wird ein Bild, das das Brüsseler Wahrzeichen Manneken Pis beim Urinieren auf eine brennende Sprengstofflunte zeigt, in den sozialen Netzwerken schnell zum Symbol der Anschläge in der belgischen Hauptstadt: „Pis & Love“ als Synonym für „Peace & Love“.

Eine andere Zeichnung aus der französischen Tageszeitung Le Monde zeigt Frankreich und Belgien in Trauer vereint.

Unterdessen machen die Hashtags #JeSuisBrussels oder #PrayforBrussels bei Twitter die Runde. Frauke Petry kann damit indes wenig anfangen. Die AfD-Chefin, die für provokante Thesen bekannt ist, betreibt in einem neuen Post auf ihrer Facebook-Seite zum Terror in Brüssel große Social Media-Schelte.

„Jetzt werden Sie nämlich wieder irgendetwas sein. Sie waren Charlie, sie waren Paris und jetzt sind alle Brüssel oder gar Belgien“, schreibt Petry. „Nun werden alle so damit beschäftigt sein, gegen rechte Hetzer aufzustehen und zu demonstrieren, dass sie dabei vergessen, etwas dagegen zu tun! Dann heißt es vielleicht bald: Ich bin Berlin, Rom, Malmö und Rotterdam!“

Einmal in Rage, wirft Petry den Trauernden vor, die Social Media-Anteilnahme wäre Heuchelei: „Damit Sie Ihre nutzlosen Bilder nicht immer austauschen müssen, ein kleiner Tip: #IchbinWelt. Das passt immer und vor allem immer öfter, ihr Heuchler.“

+++ Terror in Brüssel +++Es geht um unsere Identität als freiheitlich aufgeklärte Europäer!Wir sind fest…

Posted by Dr. Frauke Petry on Tuesday, March 22, 2016

Kein Wunder, dass der Post, der nicht an politischen Botschaften spart („Der Traum vom bunten Europa ist kaputt, weggebombt zum wiederholten Mal! Akzeptiert es endlich!“), stark polarisiert: Nach sechs Stunden wurde Petrys Post mehr als dreitausendmal geteilt und tausendmal kommentiert.

„War ja klar, dass die Petry auch voller Freude das Thema für Wahlkampfzwecke ausschlachtet. Einfach niveaulos!“ kritisiert ein Nutzer den Beitrag. „Liebe Frau Petry, der Gedanke daran, dass ihnen dieser Anschlag in die Hände spielt und sie ihn unmoralisch für ihre Zwecke benutzen, strapaziert meinen Würgereiz“, meint ein anderer Facebooker.

Es ist nicht der einzige kontrovers diskutierte Politiker-Post an diesem Tag. Kurz nach den Anschlägen postete AfD-Kollegin Beatrix von Storch auf Facebook:

Viele Grüße aus Brüssel. Wir haben soeben das Parlament verlassen. Hubschrauber kreisen. Militär rückt an. Sirenen ü…

Posted by Beatrix von Storch on Tuesday, March 22, 2016

Nutzer reagierten entsprechend. „Sie sind eine Schande für die deutschen Bürger und es ist einfach nur unglaublich, dass Sie auch noch von uns, den Steuerzahlern, bezahlt werden – im EU-Parlament! Ich wünsche Ihnen wirklich nichts schlechtes, denn das wäre noch viel zu wenig!“ ereiferte sich ein Nutzer.

Ein anderer fand: „Schämen Sie sich Frau von Storch! Das ist geschmacklos, widerwärtig und offenbart eine abscheuliche Haltung. Sie sollten in keinem demokratischen Parlament eine Stimme haben!“

Nachdem die stellvertretende Sprecherin des AfD-Bundesvorstandes die Wirkung ihres pietätlosen Posts bemerkte, versuchte sie in einem zweiten Versuch die Wogen halbwegs zu glätten:

Ich schrieb es heute früh schon: ich bin in Sicherheit und habe deswegen Grüße geschickt. Danke für die vielen…

Posted by Beatrix von Storch on Tuesday, March 22, 2016

Auch die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld verbreitete sich auf Facebook mit einem haarsträubenden Post, der implizit Bundeskanzlerin Merkel für die Anschläge mitverantwortlich macht. Wenig später war ihre Facebook-Seite verschwunden, doch das Internet vergisst bekanntlich nie. Tagesspiegel-Redakteur Sidney Gennies twitterte ein Screenshot des ursprünglichen Posts:

Wie die Welt berichtet, hat sich Lengsfeld inzwischen von ihrem Post distanziert. Sie habe „einen Artikel zu den Anschlägen in Brüssel teilen wollen und versehentlich einen Kommentar einer anderen Facebook-Nutzerin mit verbreitet“, heißt es.

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