Aus Bertelsmann wird Rabesmann – wie CEO Thomas Rabe Gütersloh seinen Stempel aufdrückt

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe

Publishing Nach seiner Vertragsverlängerung drückt CEO Thomas Rabe Bertelsmann nachdrücklich seinen Stempel auf. Mit 1,1 Mrd. Gewinn unterm Strich (plus 90%!) legt der Medienkonzern aus Gütersloh für 2015 ein Rekord-Ergebnis vor. Zudem wird das Unternehmen nach den Vorstellungen Rabes umgebaut. Es erweitert die Geschäftssäulen um die Wachstums-Hoffnungsträger BMG, Education und Investments.

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Diese drei Geschäftssäulen kommen zu den bisherigen fünf Säulen – RTL Group (TV), Gruner + Jahr (Zeitschriften), Arvato (Dienstleistungen), Penguin Randomhouse (Buchverlag) und Printing Group (Druckereien) – hinzu. Die drei neuen Säulen sind gleichzeitig die Hoffnungsträger für Wachstum in Thomas Rabes strategischem Dreiklang, wachstumsstärker, internationaler und digitaler werden zu wollen. Der Bertelsmann-Umsatz kletterte 2015 um 2,8% auf 17,1 Mrd. Euro (höchster Wert seit 2007), der operative Gewinn (Operating EBITDA) stieg um 111 Mio. Euro auf 2,49 Mrd. Euro (höchster Wert seit 2006).

Die neue Konzernstruktur ist insgesamt zweigeteilt: Auf der einen Seite stehen mit RTL Group, G+J, Penguin Random House und BMG die Medien-Inhalte. Auf der anderen Seite mit Arvato, der Printing Group, Education Group und Investments die Service-Einheiten.

Aktuell stammen die hervorragenden Zahlen freilich noch vom guten alten Kerngeschäft, hauptsächlich von der unfassbar brummenden RTL Group. Der TV-Arm von Bertelsmann schaffte 2015 unterm Strich einen bemerkenswerten Gewinnsprung von 21% auf 789 Mio Euro. Der operative Gewinn (Operating EBITDA) lag 2015 bei der RTL Group bei 1,355 Mrd. Euro. Im Jahr zuvor hatten Sondereffekte den Gewinn unangenehm gedrückt. Die RTL Group steuert damit alleine über die Hälfte des operativen Gewinns im Bertelsmann-Konzernergebnis bei. Erfreulich entwickelt sich hier auch das Digitalgeschäft. Die Digitalumsätze der RTL Group kletterten um 72% auf über 500 Mio. Euro. Die Cashcow RTL ist offensichtlich noch gar nicht müde.

Die Buch-Sparte Penguin Random House ist 2015 nunmehr vollständig in den Konzern integriert und erwirtschaftete einen Umsatz von 3,717 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,324 Mrd Euro) und einen operativen Gewinn von 557 Mio. Euro (Vorjahr: 452 Mio. Euro). Penguin hat den Wegfall der Mega-Bestseller-Reihe „50 Shades of Grey“ offenbar gut verkraftet. Mit der weiteren Fortsetzung „Grey“ wurde die Sadomaso-Zitrone vielleicht ein letztes Mal ausgepresst. Mit „Girl on a Train“ von Paula Hawkins hatte man aber auch einen frischen Bestseller im Sortiment.

Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr befindet sich nach wie vor im Umbau und muss sinkende Umsätze und Gewinne verzeichnen. Die Erlöse sanken 2015 von 1,747 auf 1,539 Mrd. Euro, der operative Gewinn ging von 166 auf 128 Mio Euro zurück. „Wir gehen davon aus, dass wir bei Gruner + Jahr schon in diesem Jahr steigende Umsätze sehen werden“, so Rabe.

Die Service-Sparte unter Fernando Carro präsentiert sich stabil. Der Umsatz wuchs 2015 von 4,662 auf 4,847 Mrd. Euro. Der operative Gewinn stieg leicht von 384 auf 394 Mio. Euro. Die Drucksparte Be Printers schrumpft strukturbedingt beim Umsatz von 996 auf 742 Mio. Euro und beim operativen Gewinn von 64 auf 47 Mio. Euro.

Die Sparte Corporate Investments, in der die drei neuen Wachstumssparten Education, BMG und Investments gebündelt sind, stieg beim Umsatz von 510 auf 624 Mio. Euro und beim operativen Gewinn von 44 auf 80 Mio. Euro. Die Sparten wachsen, die Zahlen zeigen aber auch, wie groß der Unterschied im Vergleich zur übermächtigen RTL Group ist. Langfristig strebt CEO Rabe allein in der Education-Sparte einen Umsatz von 1 Mrd. Euro an. Ein ehrgeiziges Ziel. aber nach seiner Vertragsverlängerung um fünf Jahre, hat er ja auch noch ein bisschen Zeit.

Das Fabel-Ergebnis der RTL-Group und geringere negative Sondereffekte sind die Hauptgründe, für den phänomenalen Gewinn von 1,1 Mrd. Euro. Der höchste Gewinn von Bertelsmann in neun Jahren. Rechnet man Erlöse durch Beteiligungsverkäufe heraus, ist es sogar der höchste Gewinne der Bertelsmann-Geschichte.

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Alle Kommentare

  1. Den Gewinn in Geld, den so ein riesiger Medienkonzern erwirtschaftet, den kann man auf Heller und Pfennig jedes Jahr ermitteln und das tut man ja auch.

    Aber was ist mit dem Verlust, den so eine Medienkrake für die Meinungsvielfalt in unserem Land mit sich bringt?

    Ich bin nicht vom Fach aber wußte natürlich, das Bertelsmann ein großer Print-Konzern ist, kannte ihn aber eigentlich nur als großen Buchclub (letztes Jahr komplett eingestellt, obwohl noch eine Million zahlende Kunden in DE, AT und CH vorhanden waren!) 🙁

    Ich war erschrocken, als ich jetzt in diesem Artikel las, was da noch alles dazugehört und habe dann auch mal bei Wikipedia nach geschaut.

    Ich finde so eine Konzentration gerade im sensiblen Medienbereich ist nicht gut und sollte gesetzlich begrenzt werden.

    Wenn letztlich eine kleine Handvoll Manager von zwei oder drei Medienkonzerne die Meinungshogeit über ein ganzes Land haben, dann ist die Demokratie de facto tot.

    Das, was uns dann noch als solche verkauft werden soll, ist in etwa so lebendig, wie der einbalsamierte Lenin in seinem Mausoleum an der Kremlmauer.

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